Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 4 (15.2.1866)
- Date
- 1866-02-15
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050681--0354-9050683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Kindern nur eine religiöse wahrhaft jüdische Erziehung geben, wollet nur nicht jeden Keim jüdisch religiösen Lebens in ihnen ersticken lassen, sie auf die rechte Bahn führen — und sie werden nicht wiederstreben; was den Vätern der ehrwürdigen Rabbinen böhmischer Abkunft, eines vr. Frankl, vr. Ellbogen, G. Klemperer, vr. Klemperer u. a. gelang, das dürfte doch wohl den Vätern von Anno heutzutage ebenfalls gelingen. — Wie dachte Äiadia über das Verhältniß der Philosophie M Offenbarung? vom k. k. ordentlichen Universitäts-Professor vr. Wolfgang Wessely. *) Dem theosophistisch-gnostischen Standpunkt der Kabbala ebenso fern stehend, wie dem schroffen und obskuren Dogmatismus vieler seiner rabbanitischen Zeitgenossen war Saadia, geboren zu Fajoum, einer Stadt Oberägyptens im Jahre 892 und daher der Fajonmite genannt, J) der Erste, der, obschon selbst ein Anhänger des Rabbinismus, die Lehre der Offenbarung, wie sie sich im jüdischen Volke erhalten, wissenschaftlich zu begründen, den biblischen Aussprüchen von Gott, Engeln, der Wcltschöpfung und der Bestimmung des Menschen eine rationelle Deutung zu geben suchte und in solcher Weise eine Aussöhnung der Offenbarung mit der Philosophie anstrebte, deren es in jener Zeit des Kampfes gegen die Karäer einerseits, und gegen die Bekenner anderer Religionen anderseits so sehr bedurft hatte, und ward so der Vorläufer des um dritthalb hundert Jahre später aufgetretenen, von gleichem Streben durchdrungenen Rabbi Moses den Maimon, auch Mc»imonlbeS genannt. Er «-kann als der eigentliche Begründer einer jüdischen Religionsphilosophie bezeichnet werden.-) Er übernahm cs, talmudische Agadas, die in ihrer Buchstäblichkeit bald unbegreiflich bald lächerlich erscheinen und die Zielscheibe karaitischer Angriffe waren, zu deuten und zu vcrtheidigen, aber ebenso entschieden und freimüthig jene zu widerlegen, welche jedes Nachdenken über Religion als Abfall und Gotteslcugnen verketzerten. Sein Hauptwerk ist sein Buch Emunot Yedeot (nyill n,3iexi) über Glauben und Glaubenslehren, in dessen Vorwort sich der Verfasser über das Wesen und Ziel philosophischer Forschung in ihrer Beziehung zur Offenbarungslehre am klarsten ausgesprochen hat und dem wir nachstehende Betrachtung entnommen haben. Zweck und Ziel aller philosophischen Forschung ist ihm Streben nach wahrhafter Erkenntniß, welche dem Menschen die Existenz und das Wesen seines Geistes zur klaren Ucberzeugung bringt und durch denselben sein Wissen zum wahren Wissen (pi2 iy*i*) d. i. zum denkenden Erkennen, zur Ueberzeugung, erhebt, und Jrrthum und Zweifel von ihm entfernt?) Wie später Cartesius in dem bekannten Satze: „cogito, ergo sum? den Ausgangspunkt aller Philosophie erkannte, so erkannte auch unser Saadia das Selbstbewußt- *) Obgleich das von dem hochgeehrten Herrn Verfasser behandelte Thema ein strengwissenschaftliches ist, so hat es doch durch die gediegene klare Darstellung so wie durch die Folgerungen die der Vers, aus ihm zieht einen hohen praktischen Werth, und wird die treffliche Arbeit allen Lesern dieses Blattes gewiß höchst willkommen sein. D. Redaktion. ') Ueber Saadias Leben und Schriften ist in neurer Zeit viel geschrieben worden von Rappoport, Munk, Dukes, Geiger, Ewald, Grätz und noch in jüngster Zeit von Fürst. 5) S. Grätz Geschichte der Juden 5. Band. €>. 302 ') Emunot Wedeat: im Vorwort Absatz 1. N11121 *10X1 sl'pl oiy*i* .12 iyi*i .11112 iox diio»23 11X*20 o*i2ioS 10X01 1SS23I 11p221 10p 11D1 2*0»12L>121*Sp012^Sl23 ,p12 iy*1* _M .irxn oiS sein (0110* *23 iix*2ö o*i2ioS ioxoi) als den einzig sichern Standpunkt alles Wissens. In ihrem Verhältniß zur positiven Religion, zur Offenbarungslehre hat die Philosophie den Zweck uns durch Vernunft - gründe von der Wahrheit dessen, was wir gläubig, weil von den Propheten uns geoffenbart und von unfern Vätern uns überliefert, für wahr halten zu überzeigen, um jedem Angriff auf irgend einer Lehre oder Vorschrift unserer Religion entgegentreten zu können. Saadia ist kein Rationalist im Sinne moderner Philosophie, Ihm gelten die geoffcnbartcn Lehren unserer Religion als unumstößliche Wahrheiten, an denen wir nicht zweifeln dürfen, denn sie sind uns von den Propheten durch Wunder und Zeichen beurkundet zur Gewißheit geworden. An ihnen müssen wir daher festhalten, sie bilden die Grundlage unsrer religiösen Ueberzeugung. Saadia anerkennt die heilige Schrift als ein göttliches d. h. unter dem unmittelbaren Einflüße Gottes entstandenes, von ihm inspirirtes Buch (o*ipl 1112 2*2112), das aber nicht in allen seinen Aeußerungen, Erzählungen und dargclegten Vorstellungen von der Natur und den historischen Dingen, sondern nur in seinem theologischen Theil, als in den Lehren von Gott, Engeln, Weltschöpfuug, über Wesen und Bestimmung des Menschen, über sein Verhältniß zu Gott uud den geschaffenen Wesen, und andere Lehren dieser Art absolute über jeden Widerspruch erhabene Lehre enthält. In der Betrachtung der natürlichen uud historischen Dinge folgen die biblischen Bücher oft den mangelhaften Vorstellungen ihres Zeitalters, daher sie auch nach diesen Vorstellungen und Kenntnissen gesprochen haben. Manches ist demnach nur als Zeitvorstellung und als Symbol der Wahrheit aufzufassen. Die Religion macht es uns aber gleichzeitig zur Pflicht, die uns durch die Offenbarung zugekommenen Lehren zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung zu machen, über sie zu philosophiren, und zwar aus einem doppelten Grunde. Einmal um nns auch durch eigenes Nachdenken die Ueberzeugnng von der Wahrheit dessen zu verschaffen, Fias uns n von den Propheten, als wahr verkündet worden ist, dann ' um jedem Einwand gegen unsere Religion zu begegnen?) Die wahrhafte Forschung darf uns daher nicht versagt werden. Was uns Gott verboten hat ist, die Bücher der Offenbarung bei Seite zu setzen und sich blos darauf zu stützen, was man durch die Spekulation erlangt?) Die Philosophie darf nicht für die einzige und ausschließliche Quelle religiöser Wahrheiten gehalten werden; sie kann der Offenbarung, der unmittelbaren Belehrung nicht entbehren. Denu jeder, der zur Wahrheit auf dem Wege der Spekulation gelangcu will, muß voraussetzen, daß er entweder dieselbe findet, oder daß er, indem er sie sucht, sich verirrt uud sic nicht findet. Aber nicht nur im letzten Falle, sondern selbst wenn er sie findet, ist er doch bis er sie gefunden hat, ohne Wahrheit; und daun ist er nicht sicher, daß ihm die auf dem Wege der Spekulation gefundene Wahrheit, nicht wieder entrückt wird, wenn ein Zweifel in der gemachten Forschung in ihm entsteht. Daraus folgt die Nothwendigkeit einer Offenbarung, wie sie durch die göttliche Weisheit uns zu Theil geworden ist. Gott wußte in seiner Weisheit, sagt Saadia, daß die auf dem Wege der 4) Emun. Wed. Vorn.'. Abs. 17. -.3*3^3 '*3'*P01 0*1pl“ 13n3X '2 JH 1310P0* 10 .12 Sy2 13*S2X 1121*0» 210 11X1 ♦0*3*3y *30»2 13*1111 1212 i3*Sy fpioo»*0 So Sy 2*o»30» *30»n .yio2D*iSxi*x*23o i*Sy 0*2*12 13X0» 10 ^2 132**1 '1' 13*12X0» X1.11 — .13*1111 *1210 ,3'SltX .1X1231 211 10X11 HX1*X*23 T Sy 13*1111 WO 1'Sx *2 13PN111 .2101131 21.1 2'3'3P2 f*0X30» 13121 2*121021 1111X2 13PN1.110*X2 1^11 So2 oSo»1 1112.1 13S X2* 11p131 f*'p3 10»X2 .vx'23 1* Sy *) Emun. Wed. a. a. O. Abs. 16: pjr «S *10X1 |1'JM *2 S2X 130X3.1 [.113,11 2P 12 112 122 13*121*1 1300 11iy30'0» HX S2S X2'0» 10 Sy -s10230»1 12S 2*x*23.1 *122 211x30» 1P30 .1P12 11X1