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Das Abendland · 1866-02-15 · 4 (15.2.1866) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
4 (15.2.1866)
Date
1866-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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'ffiafl den 15. Februar 1866. in. Jahrgang. Wr. 4. Das Abendland. Central-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: J). LhrMSNN. Prännmerationsbettag ganzjährig 3 fl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postzusendung nudZustellung in'S Haus; für's Ausland aanzp 2 Thlr.. halbj. 1 Thlr. 15 Gr. Erschelnt am und 4. Donnerstag des .Ronats. Administration Geistgaffe Nr. 908-1. — Inserate werden billigst berechnet. Sriese eines Draußigenauch eine „Eauseric" von Rabbiner Ehrenth eil in Horic. IX. Wir schreiben den 20. Schewat; doch suchen wir vergebens nach Blumen an den Fenstern wie sie sonst ein ehrlicher Nachtfrost uns um diese Zeit hinzuzaubern pflegt — milde Frühlingslüfte wehen, und die duftigen Herolde des Frühlings bestärken uns in der angenehmen Täuschung cs sei der Lenz schon angebrochen — daß ich vom Wetter schreibe, soll Sic aber nicht auf die irrige Idee bringen, als geschehe dies wie in der Conversation aus Mangel an Gesprächsstoff — o! beileibe nicht! mich drängt es bloß zu dieser harmlosen Betrachtung weil ich den Gedanken in mir trage, es werde wohl eines schönen Morgens uns denn doch wieder irgend ein verspäteter Dczembcrfrost um die Stirne "4^-hrn lmir rm? gar irnsarffl wecken au? dem verMtsteN'" Traume von Frühlingsluft und Lenzesodem, von Blüthcnschnee, und Beilchenduft — ganz so wie es uns Juden mit dem g e i st i g c n Frühlinge der Menschenherzen und der allgemeinen Menschenerkenntniß zu gehen pflegt.—Da zieht der glorreiche Herrscher Oesterreichs zwei jüdische Seelsorgergleichzeitig mit seinen höchsten Würdenträgern und Kirchenfürsten zur Hoftafel zu —; im Herzen eines enragirten Judenfeindes ist das Eis gebrochen und quillt ein lebendiger Quell besserer Erkcnntniß aus diesem aristokratischen Gemüthe, indem der Herr Graf für die Anerkennung des Men-! schenrechtes unserer jüdischen Brüder plaidirt — in der Rej sidenz wird ein schlichter böhmischer Jude, wenn ich nicht > irre ein Draußiger ans Lcdcc, einzig und allein in Anerkennung seiner Verdienste auf den Präsidentenstuhl der nieder-österreichischen Handelskammer, berufen — ist das nicht Frühlingsodcm, der uns anwcht angesichts solcher Ereignisse? klingen solche 'Nachrichten nicht wie Lerchenschlag aus dem Reiche eines geistigen Frühlings der Völker- und Menschenherzen? ha! das Eis ist gebrochen, die Sonne der AufkllU rung hat die Nebel der Vornrtheile verscheucht, und so jubeln wir in den Frühling hinaus, und freuen uns seiner bunten Liebesgaben •— doch da führt auf einmahl wieder ein eisiger Hauch über das in Frühlingswonne schwelgende jüdische Herz — in Teplitz steht. wie einst an der Pforte des Eden, ein Cherub in Gestalt eines gut katholischen Thürhüters und als flammendes Schwert streckt der Easinokränzchen Hüter dem kühnen jüdischen Eindringlinge den Machtspruch entgegen „Juden ist der Eintritt verboten" (siehe „Presse") ein Aehnlichcs geschieht in dem einstigen Sitze des magyarischen Rumpfparlamentes, in Debrezin — in der Heimat der Teppichhändler petirt man neuerdings um Aufrechterhaltung des hohen Gutes der „Glaubenseinheit" ha?! wie das eisigkalt uns anweht, wie uns der grausame starre Herzensfrost jener Menschen Eisblumen in den Kranz von Frühlingsrosen winden möchte — so ist es denn doch noch nicht Lenzes wonnige Zeit, noch nicht! noch nicht! aber er wird und muß kommen der ächte und wahre Frühling der seinen belebenden Odem überallhin in alle Herzen, über alle Berge — selbst über die Tyroler Alpen sendet, ja selbst nach Teplitz und sogar nach Debrezin. X. Wahrhaft erfreulich wie alljährlich war auch diesmal der Bericht über das Seminar in Breslau, dieser edlen Pflanzstätte jüdischer Jugendbildner und Rabbincn; es muß angesichts dieser Resultate nur um so eher wieder der Lieblingswunsch eines jeden gesinnungötüchtigen österreichischen Juden in dessen Herzen erwachen auch in Oesterreich endlich einmal eine derartige Bildungsstätte gegründet zu sehen. Zwanzig Oesterreicher mußten ihr Vaterland verlassen um in Breslau ihre Ausbildung als Rabbiner zu erhalten, denn eben so viele österreichische Hörer zählte das Seminar iA^diAlü Jahre—- wie viele Bühmon., Präge», ok ßlgc unter diesen Zwanzig sein mögen? ich weiß es nicht, cs sollte mich aber wundern wenn einige Draußigc unter denselben wären, da leider der Talmudunterricht immer seltener wird unter uns Draußigen. Um so freudiger begrüßen wir die Tcweles'schen Talmndvorträge in Prag, und bitte ich Sie Herr Redakteur in diesen Blättern gefälligst Auskunft crtheilen zu wollen w o h c r sich die Schüler der Tewelcs'schen Schule rckrutiren, ob es wahr sei was die „Draußigcn" behaupten, daß dies meist Ungarn seien, oder ob denn doch noch ein Nachwuchs böhmischer Abkunft da ist, der von der Munifieenz unserer Landcsrepräsentanz Gebrauch machen und die Stipendien als Seminarschüler in Breslau genießen wird. Es wäre denn doch gar zu schmälich, und ein gar zu eclatantes testimonium paupertatis für die „Draußigen" wenn in einem Jahrzehnde nicht ein einziger R a b b i n a t s - C a n d i d a t aus ihrer Mitte hervorgehen sollte, während das kleine „Dar m st a dt". Dänemark, Niederlande etc. doch auch ihr Eontingent stellen*). — Ist cs denn gar schon das Allergrößte Unglück das man seinem begabten Knaben bereiten könnte, wenn man ihn für den Rabbinerstand bestimmt und ist denn selbst wenn man mehr praktisch als religiös Vorgehen wollte alles Heil in den Realschulen und in den Handelsakademien zu suchen? noch haben bis allher alle aus dem Seminare entlassenen Zöglinge sehr anständige Rabbinate erhalten, noch ist kein tüchtiger für sein Amt gehörig vorbereiteter Rabbiner verkommen — woher diese od)cn vor diesem Berufe? „unsere Knaben eignen sich nicht, haben keine Lust zu diesem Berufe" werden mir so Manche sagen — und ich in meiner schlichten Offenheit antworte ihnen; wollet eueren *) So viel uns bekannt, finden sich unter den Hörern der Talmudvorträge des Hr. Teweles keine Böhmen, hingegen wird das Breslauer Seminar von mehreren Rabbinatöbesiisienen aus unserem enaern Baterlande besucht, die^heils Prager theils Draußigc find. ' . m Die Redaktion.

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