Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 3 (1.2.1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Nachdem der Redner darauf hingewiesen, daß unsere Zeit, welche den Heroen der Literatur eine so große Verehrung zollt, Mendelsohn besser zu würdigen verstehe, als es seine Zeit, die er um vieles überragte, vermocht hätte, ging er näher aus Mendelsohn'S Thütigkcit als Bibelübcrs e tz e r ein, zeigte die Schwierigkeiten, welche sein großartiges Unternehmen zu überwinden hatte, ehe es zur Ausführung kam, und wie Mendelsohn sich in diesen Wiederwärtigkeiten benahm. Hierauf wies Herr Dr. Rahmer den Einfluß nach, den diese Bibelübersetzung aus die Kulturverhältnisse der Israeliten geübt hat, deren Wohlthatcn bis auf den heutigen Tag noch verspürt würden, und hob besonders den deutschen Styl Mendelssohns hervor, von dem Kant gesagt: „Wenn die Muse der Philosophie sich eine Sprache erkiesen sollte, so würde es die Mcndclsohn'schc sein." Redner forderte zum Schlüsse auf, Mendelsohn ein Denkmal zu errichten, nicht aus Erz oder Stein, sondern ein lebensvolles Denkmal, welches ihm dadurch errichtet würde, daß durch populärwissenschaftliche Vorlesungen die gegenseitige Einwirkung des semitischen und hellenischen Geistes nachgcwicscn würde. Der Vortrag, der mit vielen Anekdoten aus dem Leben Mendelsohn'S gewürzt war, bot des Interessanten viel, und der Wunsch nach Wiederholung derartiger Vorlesungen wurde allgemein ausgesprochen. Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Herr Dr. M. Grün wurde vom Landesausschuß zum ersten Aufseher an der hiesigen k. k. Findelanstalt ernannt. * 29. Iüner. Herr Leo Lion Professor brr Akademie zu Berlin, ein geborncr Prager, gab heute im k. landständischen Theater, ein Clavicrkonzert mit gutem Erfolge. * In Bezug aus die Eorrespondenz aus der Beraungegend in Nr. 2 d. Blätter geht uns von Herrn Dr. Lamberg die Berichtigung zu, daß er nicht wie cs dort heißt in Dobriz, sondern in Groß-Morin als Lokal-Rabbiner angestcllt sei, und weder die Funktionen des Chason noch die des Schochet oder Korch zu verrichten habe. Auch sei er von Geburt kein Böhme sondern ein Mähre. — D. Redaktion. * Der hiesige Institutsinhaber Herr H. Stein erhielt für ein an Sr. Majestät dem Könige von Belgien eingeschicktes Exemplar seines von ihm erfundenen Schulatlasses ein Cabinetsschreibcn, worin ihm die Anerkennung und der aufrichtige Dank ausgesprochen wird. * Den gelehrten Herausgebern des in Neu-Aork erscheinenden Hebrew Leader biethen wir über die weite See unfern kollegialischen Freundschaftsgruß, und danken ihnen innigst für die uns ehrenden Zeilen in Nr. 14 des genannten Journals. Die Redaktion. * Tie vereinten jüdischen Gemeinden Böhmens, Mährens und Uugarn's in Jerusalem haben an Herrn Pros. Dr. Kämpf eine schön stylisirtc hebräische Dankadresse gerichtet für die ihnen durch seine Verwendung zugegangcne Gelduntcrstützung, in welcher sic auch um fernere Theilnahmc bitten. Gaya. Alle Berichte, welche sich in der „Neuzeit" von dem Berichterstatter aus Gaya H. Lehrer Anschlowitz befinden, sind falsch. In einer Nro. vom November wird berichtet, daß Dr. Dnschak schon im Monate Feber uach Ostrowo gehe. Dieser steht aber mit dieser Gemeinde noch immer in Unterhandlung, ohne dem Rufe noch Folge geleistet zu haben. In Nro. 3 in Iäner wird berichtet, daß die armen Kinder nicht bekleidet wurden, wegen der schlechten Zeiten, jene wurden aber noch jedes Jahr, mit Ausnahme des vorigen Jahres bekleidet, weil ihre Gewandung noch im guten Zustande war, daß H. Bame Madlikin nicht abgeschaflt wird, ist eben kein Beweis von Finstcrniß. Es steht jedem frei, dem das b. M. nicht genehm ist, sich anderswo hinzu leuchten und sich eine andere Stelle zu suchen. x. Wien 22. Iäner. (Ein jüdischer Eid in der Hofburg) Der Juvelier Herr S. Goldschmidt ist heute in Gegenwart des Predigers Dr. Jellinek im Obersthofmarschallamt als Schätzmcister von Gold- und Silberwaaren und Juwelen der kaiserlichen Familie beeidigt worden. Es dürfte wohl zum ersten Male sein, daß ein solches Hofamt einem Israeliten übertragen, und daß ein Eid nach jüd. Ritus in der Hofburg geleistet wurde. * Der Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde hat für die Judcngcmeinde in Jerusalem eine Gcldsammlung veranstaltet, welche den Betrag von 300 Napoleonsdor ergab. Diese Summe ging am 15. Iäner an das k. k. österreich. Konsulat in Jerusalem ab. * Das Finanzministerium hat die Räthe der k. k. Börscnkammer Simon Winterstein und Gustav Epstein nach Ablauf der gesetzlichen Dauer ihres Amtes auf weitere drei Jahre in ihren Funktionen als k. k. Börsenrüthe bestättigt. * Unter den Abgesandten zum Cholera-Congreß nach Constantinopel, welche dem Staatsmiuisterium zur Wahl empfohlen wurden, befindet sich der ehemalige Fregattenarzt Dr. Winternitz. Ofen 23. Iäner. Heute fand hier in feierlicher Weise die Einweihung des ueuerbaulen Tempels statt. Zur Ehre der hiesigen Juden sowie der der ganzen ungarischen Judenheit beehrten den solenen Gottesdienst Sr. Excelenz der Tavcrnikus Baron Scunyei und Sr. Durchlaucht der Feldzcugmcislcr Fürst Lichtcnstein. Prediger Dr. Meisel hielt eine der Feier entsprechende Predigt, welche die Anwesenden erbaute und über die Herr Bc.ron Sennyei sich sehr lobenswerth aussprach. Klausenbnrg 28. Iäner. Der hiesige Centralausschuß hat in seiner am 21 d. M. abgehalteuen Sitzung beschlossen unfern Glaubensgenossen im Sinne des wahren Geistes der 1848 er Gesetze, im Sinne der diesfalls ausgesprochenen öffentlichen Meinung und der jüngsten Praxis die Wahlfähigkcit zu crthcilcn. Paris. Baron Alphons von Rothschild hat vom Könige von Preußen den rotheu Adlerordeu 4. Elaste mit der Schleife erhalten. Nadir-Sorape. (Syrien.) Bei den Nachgrabungen wurde hier ein jüdisches Haus aus der Zeit von etwa 200 Jahren vor der gewöhnt. Zeitrechnung in vollkommen erhaltenem Zustande entdeckt. Außer Gcräthschasten, welche den altegyptischen vollkommen ähnlich sehen, soll man auch diefünf BücherMoscs, die Psalmen Davids und eine Sammlung von bisher unbekannten hebräischen Dichtungen aufgcfuuden haben. (Journal des Debats.) lieber Mission. von Rabbiner Dr. A. Stein. Tic Religionen alle, soviel wir deren kennen und sie als solche bezeichnen können, weil sic von der religiösen Idee getragen innerlich, sich äußerlich durch bestimmte, wahre oder doch geglaubte Sätze, durch Handlungen, die von diesen Wahrheiten Zcugniß geben, durch ein, über Alle, welche so glauben und so Ihnen, sich erstreckendes Gemeinwesen als Religionsgenosscnschafteu darstcüen, haben ihre Geschichte. ES hat eine Zeit gegeben, wo sic als Vereinigung von Menschen zu religiösen Zwecken noch nicht bestanden, cs läßt sich eine Persönlichkeit Nachweisen, welche zuerst den Grundgedanken derselben aussprach, durch Lehre Anhänger gewann, durch Symbole sie dauernd verband, man kann das allmälige Wachsthum solcher Verbindungen bis zu einer über die ganze Erde sich ausdehncnden Gesellschaft Nachweisen. Als eins der bedeutendsten Mittel zur Erlangung dieser Verbreitung muß die Mission angesehen werden.