Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 2 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Venedig hat der genannten Wittwe einen lebenslänglichen Gehalt von 500 Frks. jährlich ausgesetzt — (Corricre Israel) Berlin: Der Rabbinatsasscssor Rosenstein feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag der gerade mit seinem 40jährigen AmtSjubiläum zusammentraf — Es wurden ihm bei dieser Gelegenheit viele Beweise der Liebe und Hochachtung von Seiten achtbarer Gcmeindcglieder zu Theil. * 28. De;. Ihre Majestäten der König und die Königin von Preußen besuchten die hiesige neue Synagoge, die Königin äußerte sich über den Verlust den die hiesige Gemeinde durch den Tod ihres Predigers vr. Sachs erlitten. Am 30. besichtigten Herzog Georg von Meklenburg und dessen Gemahlin Großfürstin Katharine von Rußland die Synagoge. Bonn. vr. Bernays, Lehrer am Rabbinerseminar zu Breslau ist als außerordentlicher Professor an die hiesige Universität berufen worden. Lobend hervorzuheben ist der Umstand, daß man sich an der Confession des vr. Bernays (derselbe ist ein strenggläubiger Jude) nicht gestoßen, umsomehr, da seine gleichzeitige Ernennung zum Oberbibliothekar darauf schließen lässt, daß man ihm demnächst eine ordentliche Professur zu übertragen gedenkt. Bisher hatte man sich nur in ganz vereinzelnten Fällen entschließen können ausgezeichnete Mediciner als außerordentliche Professoren anzustellen, in andern Fällen so wie für ordentliche Professuren überhaupt, existirten die gleichberechtigten Ansprüche der Juden nur auf dem Papier. Odernheim. (Rheinhessen) Der hiesige Lehrer Klingenstein, Redakteur der Zeitschrift: „Der israelitische Lehrer" und Geschäftsführer des Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger israel: Lehrer, Lehrer- Wittwen und Waisen in Deutschland ist wegen einer Aeußerung in seinem Blatte gegen Lehrer Ottensoser in Büdingen vom großherz. Bezirksgerichte in Main; zu 8 Tagen Gefängniß, 15 fl. Geldstrafe und in die Kosten verurtheilt worden. Mehrere Kollegen des Hcr-rn Klingen stein drückten ihm in einem Briefe ihre Thcilnahme und ihr Bedauern über seine Verurtheilung aus, und-erboten'sich für ihn die Geldstrafe und die Prozeßkosten zu tragen, welches Anerbiethen jedoch von Klingenstein dankend abgelehnt wurde. München. Der hiesige Oberrabbiner vr. Auo hat den baierischen Michaelsorden erster Klasse erhalten. Karlsruhe. Die Israeliten Badens erhalten jährlich aus Staatsmitteln *950 fl. für Cultnszwecke, ferner einen Beitrag für ihr Schulwesen, welcher nach dem PoMlationsverhältniß demjenigen entspricht, den die andern beiden Confesnonen des Landes erhalten, und sich auf circa 3000 fl. beläuft. Jedoch werden die israelitischen Volksschulen wenig besucht, und ist jene von Karlsruhe wegen Mangel an Schülern bereits geschlossen worden. Baden hat bei einer Gesammtbevölkcrung von 1,428000 Seelen 25204 Israeliten. Paris. Die hiesige ü“v man hat neuerdings eine Anstalt gegründet, in der auch jüd. Knaben in Mischnah und Talmud unterrichtet werden. Am ersten Chanukahabend war die erste Prüfung an dieser Anstalt, und alle Anwesenden staunten über die in der kurzen Zeit erworbenen Kenntnisse der kleinen Talmudjünger. Großes Verdienst erwarben sich um diese Anstalt Herr Isak Jedermann, Cassier der Gemeinde, der rühmlichst bekannte Tedesco, Herr Benjamin Kaschmann und Herr Moses Dreifuß. t Brüssel. Bei dem Leichenbegängnisse des verstorbenen Königs Leopold I. hatte der Groß- Rabbiner Dr- Löb seinen Platz inmitten der Geistlichkeit der andern Eulte. Unter der Deputation des Senates, die dem neuen König Leopold II. den Krönungseid abnahm, fand sich der Senator Bilchofsheim (Univ. Isr.) Warschau: Am 30. v. M. starb hier im Alter von 61 Jahren Herr Mathias Rosen — Er war viele Jahre Präsident des isr. Gemeindcvorstandcs und Vorsteher vieler wohlthätigen Vereine Besonders thätig zeigte er sich als Schulenaufscher und als Vorsteher des Handwerksvereins —Seine Wohlthätigkeit gegen Juden und Christen wird allgemein gerühmt. — Sein gemeinnütziges Wirken wurde durch mehrere Orden von Seiten des russischen Kaisers und durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts von Seiten der Stadt Warschau anerkannt und belohnt. — Laudon. Eine Deputation der hiesigen Großsynagoge, Sir Anthony Rothschild an der Spitze, begab sich in das Mansion House (Amtswohnung) des Lord Mayors Herrn Benjamin Samuel Philipps, um ihmeine Gratulationsadresse zu überreichen. Die Deputation bestand aus den angesehensten Mitgliedern der hiesigen Gemeinde. Herr Jakob Waley, Professor der Nationalökonomie an der Londoner Universität, las die Adresse, deren Verfasser er war. Der Lord- Mayor dankte in herzlichen Worten und lud die Mitglieder zu einem splendiden Dejeuner, bei welchem er die Verdienste und den Wohlthätigkeitssiun des Herrn von Rothschild anerkennend hervorhob, der in der großmüthigsten Weise alle israelitischen Wohlthätigkcitsanstalten unterstützt. Algier. Ein Jsraelite, der durch unsere Stadt reifte, begab sich dieser Tage nach Medeah, und hatte 95,000 Francs in Bank-Billets bei sich. Wer beschreibt seinen schrecken, als er am Orte seiner Bestimmnng angckommen, nach seinem Reisesacke, der diese Summe enthielt, greift, und dieser verschwunden ist. — Er machte bei dem arabischen Bureau Anzeige von seinem Verluste, ließ nach allen Seiten depeschiren nnd alsbald kam ein Araber mit der verlorenen Summe. Man sagt uns, daß dieser Jsraelite, dessen Name uns leider unbekannt ist, dem ehrlichen Araber 6000 Frs. schenkte und ebenso den Ortsarmen 10,000 Frs. Solche Thatsachen bedürfen keines Commentars." (Moniter de l’Algerie.) Egypten. Der Suezkanal ist endlich glücklich zu Stande gekommen unter der Leitung eines unserer Glaubensgenossen, H. Seiama, der in Anerkennung seiner großartigen Leistungen zum Generaldirektor der öffentlichen Arbeiten in Egypten ernannt wurde. (Arch. Isr.) Martiniqne.(Westindien) Bekanntlich haben unlängst 1000 Zuaven, die nach Mexico bestimmt waren, bei ihrer Landung auf Martinique sich empört. Nur durch das besonnene Benehmen der Officiere konnte die wilde Soldateska von weiteren Ausschreitungen abgehalten werden. In Mexico angekommen, wurden 400 Zuaven entwaffnet. Der Gouverneur vou Martinique rühmt wegen ihres exemplarischen Betragens zwei Glaubensgenossen: Herrn Hinstin, Geniehauptmann, und Herrn Sasias, Chef eines Marine-Jufanteric-Bataillons. (Univ. Isr.) Melbourne (Australien) Bei l er vorjährigen Preisvertheilung an der Universität erhielt ein jüdischer 16jähriger Jüngling Sohn des Londoner Cantors Lion die beiden großen Preise — jeder zu 25 Pfund Sterling — den einen für Algebra, den andern für die klassischen Sprachen. Im Parlamente haben 3 Juden Cohn, Löwi, Deut ihren Sitz. Einer derselben, Herr Cohn, war auch ein Jahr lang Bürgermeister der Stadt. Auch in andern Städten des Landes bekleiden unsere Glaubensgenossen hohe Ämter und Ehrenstellen — Die vollständige Gleichstellung aller Confcssioncn ist hicrlands ein ins Leben übcrgegangenes von keiner Seite angefochtcnes Priucip. . - (Hamagid) Prag u. Am 16. d. M. fand wie alljährlich am sat? my Me Versamlungsseicr der Beerdigungöbruderschaft statt. Nachmittags 2 Uhr hielt Herr Prof. Kämpf im großen Sitzungssaale des Vereins vor einer, zahlreichen Zuhörerschaft einen didaktischen Vortrag über die 3 Grundlagen des Glaubens: Willensfreiheit, Lohn und Strafe, Unsterblichkeit der Seele, welcher trotz seiner zweistündigen Dauer durch ausgezeichnete Vortragsweise wie durch den Inhalt alle Anwesenden in Aufmerksamkeit und Spannung erhielt. Am Schlnssc gedachte der Redner auch der im vergangenen Jahre verstorbenen Vercinsältesten c*>ap7 und des seligen Luzzato, wobei er zur Unterstützung für die hiuterlassenc' Familie des Letztgenannten aufforderte. Abends predigte Herr Obcrrab-