Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 2 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- Seite 16 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9050333-9088929-9050663--0342-9050671- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16 feiner Rappoport in der Klaussynagoge bei vollem Hause, und entwickelte wie in allen seinen Reden den glänzenden Scharfsinn und die Meisterschaft in der wissenschaftlichen Kritik. Der ehrwürdige Redner nahm hiebei Veranlassung die in neuerer Zeit laut gewordenen Angriffe und Vorwürfe gegen den großen Maimonides zurückzuweisen, und diese „Leuchte Israels" iu ihrem ungetrübte« Glanze darzustellen. Mit Dank muß der opfervolle Eifer des Vereinsvorstandes hervorgchoben werden, der die uralten Einrichtungen und Bräuche der Brüderschaft mit den Anforderumen der Zeit auszusöhuen sich bestrebt, und der Pietät der ältern wie dem Schicklichkeitssinn der jüngern Mitglieder Rechnung trägt. Luchschau. 15. Geschichte der Juden von vr. G. Wolf 2. Aufl. Wie der Mensch, je stärker er ist, in der Regel desto mehr zu seiner Stärkung bedarf, so sind auch gesteigerte, geistige Bedürfnisse als erfreuliche Zeichen anzusehen, daß die geistige Bildung gestiegen sei. Noch erfreulicher ist es aber, wenn nicht nur diese Bedürfnisse zuweilen gefühlt und empfunden werden, sondern so allgemein sind, daß zu gleicher Zeit ihnen abzuhelfen Mehrere sich berufen glauben. Hieher rechnen wir auch das in neuerer Zeit unter Israel sich regende Verlangen über die Geschichte der Juden belehrt zu werden. Daß man früher nicht darnach verlangte, ist leicht begreiflich. Hatten wir doch im Grunde gar keine Geschichte! Die Schicksale selbst, deren Wechsel gehörten noch nicht der Vergangenheit, war,'« noch kein Geschehenes, sondern gleichsam stabil, und reichten aus der Vergangenheit in die Gegenwart herein, als ein Alterthum, an dem der Zeiten Strom vorüber rauscht, mit seinen Wellen zwar bespülend, aber nicht vermögend, es hinweg zutragen. Wovon hatte denn Israel innerhalb des Zeitraumes von der Tempelzerstörung bis zum vorigen Jahrhunderte zu erzählen? Von den Bedrückungen und Verfolgungen, die bald schwerer und bald leichter waren; von schonungslosen Vertreibungen und wunderbaren Errettungen! das aber war ihr Schicksal noch. Gedrückt und verfolgt wurden sie noch. Aus einem Lande grausam vertrieben, im andern als geduldete Fremde ausgenommen, wurden sie noch, mild behandelt oder grausam mißhandelt, je nachdem ein so oder so gesinnter Fürst den Thron bestieg, so oder so fühlende Räthe den Thron umgaben, diesem Schicksale waren sie noch ausgesctzt. Die Gegenwart war das Abbild der Vergangenheit, sie in Wirklichkeit vorstellend, und man brauchte, um sie zu erfahren, nicht erst die Geschichte zu befragen. Eine innere, geistige Geschichte gab es freilich denn diese hatte Manches zu erzählen, was geschehen war und diese ist auch allerdings die wichtigere, das die äußere Geschichte Belebende, wie die Seele den Körper. Allein ist die Seele ohne den Körper nicht ebenso unwahrnehmbar, und für den Menschen auf Erden nicht mehr vorhanden, als dieser ohne jene aushört, ein wirklicher Mensch zu sein, und nur noch eine Leiche, nur noch Staub und Asche ist? So ist es auch mit Allem. Die innere, lebende Kraft gibt dem Ding sein wahres Sein, das Aeußere macht es zum wirklichen Gegenstände. Auch mit der Geschichte ist es nicht anders, und so lange darum Israel aus den angeführten Gründen keine äußere Geschichte haben konnte, hatte es auch keine innere. Erst als die wohlthätigen gesegneten Veränderungen in dem letzten Säcculo eintraten, unsere Verhältnisse eine neue Gestalt annahmen; erst als wir aus langer Finsterniß, ans dem unsere Nacken krümmenden, ich möchte sagen unterirdischen Gange — das war unsere Lebensbahn — heraus auf den freien Platz des menschlichen und bürgerlichen Leben traten, erst dann waren die Verhältnisse vieler Jahrhunderte vom Strome der Zeit hinab in den Ocean der Vergangenheit getragen, erst dann waren wir über sie hinweg geschritten, lag sie hinter uns, und hatten wir vom Thale der Gegenwart den Blick zurück zu werfen, um sie uns zu vergegenwärtigen, mit einem Worte erst dann hatten wir die Geschichte zu befragen, daß sie von den frühern Verhältnissen uns erzähle, denn es war nicht mehr, wie es immer war. Doch wir haben uns schon mehr hierüber zu sagen erlaubt, als hier am rechten Orte sein dürfte, und wollen unfern Lesern nur noch kurz mittheilen, was sie wahrscheinlich schon erwarten, die Anzeige einer „Geschichte der Juden" für die Schule. Elkan Wildstätter u. a. m. haben für die Schule, eine Geschichte der Juden bearbeitet, aber dem vorliegenden Schulbuche des Hr. vr. Wolf gebührt unstreitig, in Ansehung der Auswahl des Stoffes und der Darstellung der Vorzug. Wir sagen dem unermüdlichen Verfasser, der auch für die Erwachsenen die Ereignisse und Thaten der Vorzeit aus dem Grabcsschlummer erweckt, für seine schätzbare Gabe und mit uns gewiß jeder Schulfreund unfern Dank, indem seine Arbeit äußerst brauchbar für Schulen ist. Nur vermissen wir die Beigabe eines Abrisses der Geographie Palästinas. Mögen die Schulmänner auf dieses ganz zweckmäßig eingerichtete Merkchen aufmerksam werden. De. M. Duschak. Concurs. An der deutsch-hebräischen Schule zu Luck bei Buchau in Böhmen wird ein sittlich religiöser lediger Unterlehrer mit einem fixen Gehalte von 300fl. ö. W. ausgenommen. Der Unterricht im Zeichnen und Singen erthcilen kann, wird bei gleicher Lehrfähigkeit bevorzugt. Die darauf Reflektirenden haben ihre eigenhändig geschriebenen Gesuche, wie auch die Zeugnisse und einen Nachweis über das Wo und Wie ihres Wirkens als Lehrer bis jetzt, längstens bis am 10. Feber l. I. an die israelitische Kultusvorstehung einzusenden. Luck den 16. Jänner 1866. Samuel Zentner Kultusvorsteher. So eben ist erschienen pnr erb in Drauungsreden von Aaöb. Zg. W. Aak zu beziehen durch die Buchhandlung des Jacob W. Pascheles und durch die des D. Ehrmann in Prag, Geistgasse. Preis.50 kr. ö. W. Concurs. Bei der gefertigten Gemeinde ist die Stelle eines jirr der 22IW und jnip sein, und den hebräischen Unterricht der ersten Klasse besorgen muß, erledigt. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 250 fl. ö. W. nebst freier Wohnnng und Bezug der üblichen Emolumente für naw verbunden. Bewerber wollen ihre mit Nöthigem belegte Bewerbungen bei diesem Vorstande franco einbringeu und darauf die Aufforderung zur Präsentation abwarten. Reiscspesen werden nnr dem Äcceptirten vergütet. Kultusgemeinde Miskowitz pr. Sobieslau in Böhmen 10. Jänner 1866. Der Kultusvorstand. Briefkasten der Redaktion. Df. D. in G. Ihre Berichtigung iu der nächsten Nummer, so anch der Aufsatz des Df. F. in I. Druck von Senders öc Brandcis in Prag.