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Das Abendland · 1866-01-18 · 2 (18.1.1866) · p. Seite 14

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
2 (18.1.1866)
Date
1866-01-18
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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14 zweier Gedichte von denen besonders das snach Form und Inhalt ausgezeickmete, eigens zur Feier von vr. Ludwig August Frankl verfaßte Gedicht — „Mendclsohn und Lessing" sich des ungetheilten Beifalls zu erfreuen hatte — Die Palme des Festes, errang der Festredner, Herr vr. Stein. Dieser Meister des Wortes, der mit der Gewalt seiner Sprache, mit dem Reichthum seiner Gedanken, mit dem Glanze seiner Darstellung Alles zur wahren Begeisterung entflammte — Sie haben den berühmten Redner bereits in Prag gehört, und können leicht ermessen, welch einen unverlöschlichen Eindruck seine bewältigende Sprache aus eine Versammlung machen mußte, die von inniger andachtsvoller Pietät für einen großen unsterblichen Tvdten erfüllt war — Ich habe Ihnen die bereits im Druck erschienene Rede zugeschickt, und Sie werden in ihr die Bestättigung finden, daß sich Stein seiner Aufgabe mit glänzendem Erfolge entledigt habe. Ich habe meinem Berichte über die erhebende Feier nur noch beizufügen daß die Toaste der Herren vr. Goldschmidt, Or. Stein, vr. Heiner, Dr. Albrecht u. a. m. reichlichen Stoff zur Anregung des Geistes wie zur Unterhaltung gebothen haben. Der Vorstand hat sich durch das Arrangement der Feier ein wahres Verdienst um den Verein erworben, und es verdient überhaupt seine eifrige Thätigkeit rühmend hervorgehoben zu werden. — Er hat jetzt einen Cyklus von 12 Vorlesungen welche von berühmten Gelehrten und Professoren unserer Stadt abgehalten werden, veranstaltet, deren Ertrag dem beabsichtigten Zwecke des Vereins, das Haus Moses Mendelsohns in Dessau anzukaufen, zugewendet werden soll —Ich will Ihnen von Zeit zu Zeit über diese Vorlesungen Bericht erstatten, wenn Sie ihm die Spalten Ihres geschätzten Blattes eröffnen wollen.*) — Der Ruf den sich I)r. Stein längst als politischer Redner erwarb, und die volksthümliche Färbung die seine Festrede bei der Mendelsohnsfeier auszeichnetc, machten allgemein den Wunsch rege, diesen bewährten Meister auch hier einmal vor einem größern Publikum sprechen zu hören — Schnell bildete sich ein Comite zur Veranstaltung einer Volksversammlung, und Herr vr. Stein wurde eingeladen im großen Saale des Odeon einen Vortrag über ein allgemeines politisches Thema zu halten — Er folgte dieserMnladung und sprach gestern vor einer Versammlung von mehr als 4000 Personen über das Thema — „Unsere Zukunft, ein Wort zur Erkräftigung des Volkes und zur Befestigung unserer nationalen Hoffnungen und Bestrebungen — Ein rauschender nicht enden wollender Applaus folgte dem meisterhaften Vortrage—Stein ist der erste Jude, der hier in einer politisch-socialen Rede aufgetreten, und seine herrliche Leistung hat unsere Glaubensgenossen in der Achtung der intelligenten leipziger Bevölkerung sehr gehoben. — Auf Anregung des Di*. Livius Fürst und A. Bodek stuck. zur. hat sich hier ein jüdischer Gesangverein zur Hebung des Gottesdienstes durch Chorgesang und Mitwirkung bei religiösen Akten in der israel. Cultusgcmeinde constituirt, der eine schöne Zukunft haben könnte, wenn die warme Betheiligung sich erhalten und ausdehnen möchte — Wir wollen dem jungen Vereine aufrichtig Glück wünschen, und sein schönes Streben auch in diesen Blättern dankend anerkennen. Magador: (Asiika) Herr Cremieux in Paris erhielt vom französischen Eonsul in Magador einen Bericht über die dortigen Juden — In einer Anzahl von 6000 Seelen bewohnen sie den schlechtesten und ungesundesten Winkel der Stadt, dem die städtischen Behörden niemals ihre Beachtung zuwendeten.ADer edle Consul beschloß durch eigene Anschauung sich von dem Zustande dieses Ghetto zu überzeugen, und was sich hier seinem Blicke darstellte, übcrtrifft alle Vorstellung — Jahrelang aufgehäufter Mist, zahlloses Ungeziefer und die ekelhaftesten Ausdüustungen machten die Gassen unzugänglich — Er besprach sich nun mit den übrigen europäischen Consulen um dieses Elend zu beseitigen — Die Consulen wendeten sich vereint an den Stadt- und Festungskommandanten, der ihnen bereitwillig Soldaten zuwies, um die Säuberung dieses scheußlichen Stadttheils vorzunehmen — ES gelang auch — Der Unrath wurde weggeschafft, die Strassen wurden durch hingeleitetes Wasser gereinigt, und dann mit Steinen gepflastert, die Häuser wurden ebenfalls gewaschen und gesäubert — auch für eine Beleuchtung des Ghetto während der Nacht wurde gesorgt — Jetzt sind die Consu« len mit der Versorgung eines gesunden Trinkwassers durch Bau einer Wasserleitung und einer großen Cisterne beschäftigt — Zu diesem herkulischen Säuberungswerke haben die Consulen mit rühmlichen Eifer viele Opfer an Mühe, Zeit und Geld gebracht, doch fehlen ihnen noch, wie der franz. Consul Herrn Cremieux schreibt zur vollständigeu Ausführung des Unternehmens eirea 6000 Frks. um deren Herbeischaffung er ersucht — Wie es von dem berühmten Anwalt seiner Glaubensgenoffeu nicht anders zu erwarten steht, widmete er gleich seinen ganzen Eifer dieser Angelegenheit — Er leitete in Paris eine Sammlung ein, und in seinem Antwortschreiben an den franz. Consul dankte er diesem wie dessen Herrn Eollegen für die den Juden in Magador bewiesene Theilnahme, stellte ihm die gesammelte Summe von 7400 Frks. zur Verfügung und zeigte ihm an, daß er noch 1400 Frks. Überschuß habe, die er zur Errichtung einer Schulfür die jüdische Jugend in Magador verwenden wolle, um so auch die geistigen Bedürfnisse seiner dortigen Glaubensgenossen zu befriedigen — Bereits wurde auch daselbst auf Kosten der „Aliance universelle“ ein Hospital mit 12 Betten eingerichtet — (Arch. Jsr.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag: Herr Gottlieb Schwab, jüngerer Bruder des Stadtraths Adolf Schwab, wurde zum zweiten weltlichen Ortsschulaufseher der Josefstädter Haupt- und Unterrealschule ernannt. Brünn. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat die Anklage gegen das in Wien erscheinende Blatt Wau - Wau übernommen, weil es sich Ausfälle gegen das Judenthum bediente. Die hiesige Gemeinde wollte als Privatkläger auftteten, zog darüber bei der Staatsanwaltschaft Erkundigung ein, welche erklärte, da die Angriffe jenes Artickels, des obbenannten Blattes gegen einen ganzen Völkerstamm gerichtet sind, die Anklage selbst zu erheben. Wien. Herr Wolf Beck erhielt von Seite der k. k. Polizeidirecktion die Konzession ein Bethaus am Neubau zu gründen. Er adaptirte ein zweckentsprechendes Haus und schaffte aus eigenen Mitteln die nothwendige Tempelgeräthschaften an. Samstag den 6. wurde dieses Bethaus eröffnet. Dieser Vorfall erregt in jüdischen Kreisen Sensation, weil abermals eine dießfällige Konzession ertheilt wurde, ohne daß die Vertretung der Juden- Gemeinde in der Stadt darum wusste. * 13. Jän. vr. Güdemann aus Magdeburg, von welchem es hieß, daß er von der Kandidatur um die hiesige Predigerstelle zurückgetreten sei, hielt gestern Vormittags im Tempel der Leopoldstadt eine Probepredigt. Der Redner wählte als Thema der Predigt die Worte „Israel das ist Moses" Alle Israeliten sollten trachten diesem Größten unter allen Menschen ähnlich zu werden, um aber dies zu erreichen, bedürfe es dreier Weihen und zwar der der That, der der Erkenntniß und jener der Religion. — Zablocie (Galizien) Das k. k. Staatsnnmstermm hat der hiesigen Eultus- Gemeinde zum Baue eines Bethauses eine Sammlung von Beiträgen unter ihren Glaubensgenossen in Böhmen für die Dauer von drei Monaten bewilligt. Padua: Die hiesige Gemeinde hat der Wittwe und den Waisen Luzzato's eine jährliche Unterstützung von 800 Frks. auf 10 Jahre votirt — Auch die benachbarte Gemeinde zu *) Mit Vergnügen l Die Redaktion.

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