Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 2 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13 voller Seelenfrieden sich manifestiren. Nur auf solcher Weise lässt sich eine für Gott und Religion begeisterte Jugend heranbilden und nur so können wir einer schönern Ankunft entgegen sehen. Aber um einen solchen rein geistigen Bau anfzuführen, um ungehindert seinem vorgestecktcn Ziele entgegensteuern zu können, muß da« Individuum frei und ungehindert seiner ihm anvertrauten Arbeit obliegen, keine Rücksicht, keine Scheu und Furcht darf seinen Schritt hemmen, das Gewissen und der göttliche Glaube müßen seine Herren sein. Wo finden wir aber in unserem großen und schönen Böhmerlande Männer, die dem Lehrer der Volksschule eine solche Stellung auch nur zumuthen würden, wir würden vergebens nach ihnen suchen und nähmen wir auch die Diogeneslaterne, und es würde zu weit führen, auch hierfür den Grund anzugeben. Genug daran, Thatsache ist es, der Lehrer einer jüdischen Gemeinde wird als ein dienendes Individuum betrachtet, das von Männern, Weibern, Kindern und anderen despotischen Persönlichkeiten nach Herzenslust chicanisiert, gehetzt, verleumdet und angefeindet werden kann und diese traurige Thatsache allein ist hinreichend, zu constatiren, Wie wenig an eine Geist und Herz bildende Erziehung der Jugend zu denken ist. Es ist dieß der Fluch der vormaligen Sklaverei des Judenthums, das, nunmehr kaum selbst frei aufathmend, sich zum gewaltigen Tiranncn (sage Alleinherrscher) über andere sich aufwirft, ohne zu bedenken, daß dieß sich selbst, mittelbar die eigene künftige Generation tirannisieren heißt, denn nur der freie Mann ist fähig, ein freies Volk heranzubilden. PH. Lederer Lehrer. Aus der Beraungegend, Geehrter Herr Redakteu?! In Nr. 23 v. I. Ihres geschätzten Blattes stellt ein Cor- resp. aus dem prager Kreise die Fragen an Sie: Wer oder was sind Religionslehrer?" — Wie wird man Religionslehrer? und exponirt diese ganze bedauerliche Lehrergenossenschaft auf eine höchst entehrende Weise. Ich will dem Herrn Correspondenten durchaus nicht nahe treten, bin auch nicht gewillt für diese Zunft, wie sie der Herr Corresp. nennt, eine Lanze zu brechen, ich gehöre nicht zu diesem ehrwürdigen Leidensmetier, aber dennoch kann ich nicht umhin, die Bemerkung zu machen, daß der H. Corresp. nicht blos zu den Pessimisten sondern auch zu den Vacuisten gehört, und daß diese Corrcspondenz gelinde gesagt eine ganz unerhebliche Causerie ist. Was will der H. Corresp. mit solchen Expositionen eigentlich demonstriren? Er argumentiert nur ad per* sonam und nicht ad rem. Ich frage: cui bono? Warum sondiert der H. Corresp. nicht dan8 la plaie meine, warum nur in dem rothen Hof derselben? Warum in vereinzelten Anomalien? Und wer ist denn mehr schuld an diesen Destructionen als die Gemeinden selbst? Sie machen es buchstäblich wie jene 7 verzweifelten Frauen des Propheten Jesajas: „Da hast du eine Kutte und ein Barett und sei unser Rcbbe! — Sie machen sich den Mann nach ihrem Leisten, dekrctiren Lehrer, diplomiren Rabbiner, wenn sie nur recht billig bei ihren schwachen religiösen Lebensbedürfnissen durchkommen. Der Jndifferentismus der Landleute verdient hierin gegen die Städter noch die Präserance. Ein Schochet, als mittelmäßiger Chasan und schlechter Kore genügt ihnen hinlänglich, wenn er nur nicht viel kostet. Eine Predigt ist schon überflüssig und entbehrlich, wenn sie was kosten sollte. Man hört wohl eine hübsche Predigt gerne, wenn man gerade nach Prag kommt und unentgeldlich die Herrn Prediger dort hören kann. Das einzige worauf von den Landgemeinden noch einige Rücksicht genommen wird, ist der Kinderunterricht, welches eben auch die Primär- und Hauptpflicht des Rebbe ist oder recte des Schochets und Chasans, der billige Rcbbe aber ist natürlich kein geprüfter Lehrer und kein Schulmann und kann ganz folgerichtig auch eine ganz equivalente Mittelmäßigkeit bieten. Wenn der H. Corresp. einen (X) Hausierer, Dorfgeher und Marktfieranten als Religionslchrer, Prediger etc. aliis vocibus Schochet, Chasan und K o r c h für 300 fl. 250 fl. jährl.Salair Dienste in einer kleinen Gemeinde nehmen lässt, so ist das gerade nichts so horrendes, dergl. Funktionen versehen oft im Judcnthume auch Laien; wenn aber H. X. Dorfgeher und Hausierer den Pinkel sammt Elle und Schere mit der Leitung einer Schule vertauscht, dann ist dieß freilich sehr vom Uebel. Resumiren wir nun das Gesagte, so ließen sich folgende Fragen und Antworten, formuliren die wir mit dem H. Corresp. wechseln könnten. Frage. Warum nehmen selbst größere und bessere Gemeinden in Böhmen ganz unbefähigte Leute zu Rabbiner warum sehen sie nicht auf regulär absolvirtc Gymnasialstudien und auf authentische Rabbinatsdiplome von bekannten Talmudkoryphäen in Böhmen oder auch Mähren und Ungarn? Antwort. Weil 1.) hierzulande solche regulär befähigte Rabbiner sehr rar sind; weil 2.) eine Gemeinde für 30O—4OOfl. jährl. Gehalt keine solche Rabbiner erlangen können; weil endlich 3.) die Gemeinden den Schochct, Chasan und Koreh, Rabbiner, Predig r, Lehrer und Belfcr alles in einer Person für 3 — 4OOfl. verbunden haben wollen, darum können sie sich keinen ordentliche diplomirtcn Rabbiner und keinen geprüften sachfesten Lehrer engagieren, und müssen oft einen Dorfgcher oder Hausierer als ephemeren pele mele— Rebbe zu acquiriren suchen, der ex toto ni hi 1 ist. Frage: Warum nehmen aber die Gemeinden nicht für jede Beschäftignng besondere geeignete Leute? Antwort: Weil die Gemeindchen zu klein sind, und eine schwache Tragfähigkeit namentlich aber eine zu kleine Opferfähigkeit besitzen, und kaum diesen einzigen Omnibus- Rebbe erhalten lönnen. Frage: Warum findet man doch in vielen kleinen Gemeinden recht tüchtige und fähige Rabbiner? Antwort. Meines Wissens finden sich äußerst wenig solche Gemeinden und da muß die Gemeinde entweder sehr wohlhabend, oder der betreffende Rabbiner durch außerordent-. liche Unglücksfällc dazu getrieben worden sein. So z. Bweiß ich im ganzen Berauner Kreise nur einen einzigen wirklich regulär befähigten Rabbiner, nämlich den vr. M. Lamberg Rabbiner in der wohlhabendsten Gemeinde dieser ganzen Gegend d. i Dobrisch. Ich habe wohl nicht die Ehre diesen H. Rabbi näher zu kennen, aber wie ich bei einer Trauung entnahm und mir erzählen ließ, soll er ein sehr würdiger und tüchtiger Mann, und von mehreren G a o n im darunter auch H. Samuel Freund in Prag approbirtcr Talmudist sein. Frage: Warum sind aber die regulär befähigten Rabbiner und geprüfte sachfeste Lehrer hierzulande so selten? Antwort: Weil es an Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten in Oestreich fehlt. Frage: Warum bestrebt sich aber die österreichische oder böhmische Judenschaft nicht mindestens eine solche Anstalt zu creiren? teku*). _ M. ß. Leipzig 10. Jänner — nk — Die Feier des Todestages Moses Mendelsohns, welche der Verein für Beförderung geistiger Interessen im Judenthunie alljährlich zu veranstalten pflegt, fand am 4. d. M. im «aale des Hotel de Pologuc in so gelungener Weise statt, daß sie gewiß allen Anwesenden noch lange |m angenehmer Erinnerung bleiben wird — „In drei Gestaltungsformen für das Ohr — in Musik, Poesie und Redekunst" wie der aus Frankfurt a. M. herbcigerufene vr. Leopold Ltein in seiner Festrede sich ausdrückte, wurden reichliche Kunstgenüsse gebothen — Der Vortrag klassischer Musik auf dem Pianoforte wechselte mit dem Gesänge gediegener Lieder von Schuman und Mendelsohn-Bartholdi ab. Herr Claar entzückte die Gesellschaft durch seine herrliche Deklamation Em Ausdruck, dm der Talmud gebraucht wenn er auf ciue tzrage keine Antwort hat. D. Red.