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Das Abendland · 1866-01-18 · 2 (18.1.1866) · p. Seite 12

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
2 (18.1.1866)
Date
1866-01-18
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 sich in Anspruch, indem er behauptet: die ganze Idee sei schon vor 6 Jahren in seinem preisgekrönten Chanukaliede ausgesprochen. Da die Leser dieses Blattes kaum in der Lage sein dürften, das preisgekrönte Chanukalicd des H. Prof. Stößel mit meinem Aufsatze zu vergleichen und mithin diesen Prioritäts - Anspruch für begründet halten könnten, so wird man es wohl erklärlich finden, wenn ich Protest gegen diesen Prioritäts- Anspruch einlcge und die geehrten Leser dieses geschätzten Blattes zum Richter-Collegium ernenne, dem ich das Urtheil über Mein nnd Sein recht gern überlassen will. Ich bin weit entfernt gegen Herrn Prof. Stößel eine feindliche Polemik zu führen, muß vielmehr gestehen, daß mich sein Chanukalied, als ich es nach Veröffentlichung seines Prioritäts-Anspruches durch die gefällige Mittheilung eines Freundes zu lesen bekam, tief in der Seele gefreut; es weht ein echt poetischer Geist darin. Nichts destoweniger aber muß ich mein Befremden aussprechen, mit welchem Recht Herr Prof. Stößel behaupten könne, daß meine ganze Erklärung der Chanukasage in seinem Chanukulied enthalten sei. Während ich jeden Passus, jeden Ausdruck, ja jedes Wort in der talmudischen Erzählung von dem Oelkcüglein durch Paralellstellen aus der Mischna, dem Midrasch und den Büchern der Makkabäer Nachweise und erkläre, so daß jedes einzelne historische Moment dieser Begebenheit seinen passenden allegorischen Ausdruck in dieser Hagadah findet — ist in dem ganzen Chanukaliede des Hr. Prof. Stößel keine Spur von Allem dem, höchstens, daß die Makkabäer „ein Krügelein von reinem Oel" darin genannt werden. Wahrlich mit demselben Recht hätte Herr Prof. Stößel auch gegen meine Uebersetzung des, 'njw iw riyo das Prioritätsrecht für sich in Anspruch nehmen können, indem. sein Chanukalied ja nach der Melodie des iw riyo 'njtttP' verfaßt ist. — Jndeß scheintssich Hr. Prof. Stößel ja selbst reservirt zu haben; indem er nicht die ganze Erklärung, sondern nur die ganze Idee in seinem Gedichte findet. Aber was versteht der Herr Prof. Stößel unter dieser „ganzen Idee?" etwa, daß man Mythen poetisch bearbeiten und die Hagadah allegorisch auslegen könne? Ja, wenn das unter der ganzen Idee verstanden werden soll, so ist diese ganze Idee wahrlich älter als 6 Jahre, älter, als ich und er, gerade so alt wie die Poesie und der Talmud selbst. Ob übrigens vr. Grätz durch meine Erklärung den historischen Kern der Chanukasage herausfühlen würde und dieses Herausfühlen mir und nicht dem Hr. Prof. Stößel zugeschrieben werden könnten, weßhalb sich auch Hern Prof. Stößel zu diesem Prioritäts-Anspruch genöthigt sah — ja dieß dürfte noch sehr in Frage gestellt sein. Hr. vr. Grätz als Geschichtschreiber kann und wird nach wie vor diese talmudische Erzählung vom Oelkrüglein im buchstäblichen Sinne des Wortes nehmen, sowie der d"2 an der doch zuerst für die allegorische Auffassung der Hagadah stimmte, sie in seinem nj?‘rn t im buchstäblichen Sinne genommen. Auch kann schließlich die Bemerkung nicht unterdrückt werden, daß es mich allenfalls freuen wird, wenn Hr. Prof. Stößel bei Veröffentlichung seiner Ceremonienlehre meiner erwähnen wird, obschon ich nicht einsehe, in welcher Verbindung meine Erklärung der Chanukasage mit einer Ceremonienlehre stehen könne und ob denn durch diese Erklärung die talmudischen Chanukagesetze alterirt worden sind? Haller. Correspondeiyen. Horazdowitz im Jäner 1866. Es läßt sich kaum in Abrede stellen, ja selbst von unseren Gegnern wurde es schon oft als lobenswert hervorgehoben, daß die israelitischen Schulen mehr Wissen bei ihren Schülern erzielen, als die Schulen anderer Konfessionen. Diese Thatsache dürfte wohl hinrcichen, den Vorwurf der Nachlässigkeit vom jüdischen Lehrerstande im allgemeinen abzuwälzen; doch ist meine Absicht hier nicht zu loben, noch weit weniger zu tadeln, vielmehr eines Momentes zu erwähnen, das bei dem großen, erhabenen Zwecke der Volksschule besser erwogen und von maßgebender Seite Berücksichtigung finden sollte. Es ist der Gesang, der noch bis heute in der jüdischen Schule entweder sehr wenig oder gar keine Pflege findet. Woher mag aber dieser Uebelstand rüh- ^kn? Weil der Materialismus, dieser Weltbeherrscher, auch in der Schule sich breit macht und alles, was nicht handgreiflichen Vortheil abwirft, ist überflüssiger Ballast und kann keinen Eingang finden. „Wozu soll unseren Kindern der Gesang? Schade um die kostbare Zeit", heißt es, „sie sollen lieber etwas Rechtes (?) lernen." Den Lehrer kann die Schuld nicht treffen, denn dieser besitzt den selbstständigen Willen nicht, solche Einrichtungen zu treffen, daß der Gesang einen Gegenstand im Stundcnkataloge ausmachcn sollte. Weit mehr trifft die Schuld diejenigen, die den Lehrer beeinflussen, ihn beaufsichtigen. Daß der Gesang vom erziehlichen Standpunkte aus einen bedeutenden Faktor bildet, lässt sich wohl kaum in Abrede stellen; er bildet besser als irgend ein anderer Gegenstand den Schönheitssinn der Jugend und bringt Fröhlichkeit in das Gemüth des Kindes. „Gesang erfreut das Leben „Gesang erfreut das Herz „ihn hat uns Gott gegeben „zu lindern Sorg' und Schmerz." Welch eine schöne Abwechslung ist es, nach lang anhaltendem den Geist abspannenden Unterrichte, die Kinder ein Liedchen singen zu lassen!! Mit einem Male schwindet der Ernst, und der Frohsinn nimmt seinen Platz ein. Wie lange sollen wir auch hierin eine so unedle Ausnahme bilden? Warum den lieben Kleinen eine so unschuldige, Herz und Geist veredelnde Freude vorenthalten? Unwillkührlich kommen mir die Worte jenes achtbaren Schulrathes Czcrmak in Erinnerung, die er bei einer Schulinspektion äußerte: „Es ist mir unbegreiflich, warum die meisten Israel. Schulen in vielen Dingen Ausnahmen machen und namentlich den Gesang nicht pflegen wollen. Oft kam es mir vor, wenn ich einen Schulvorstand darüber fragte, daß man mir antworte, es gehöre nicht zu ihrem Ritus. Solch verrostete Ideen sollten doch schon besseren geklärtercn Anschauungen Platz machen." Aus diese und ähnliche Weise äußerte sich der nun pensionierte Schulrath. Wir könnten aber dem Herrn Schulrath so wie anderen Persönlichkeiten von Einfluß noch etwas mehr darüber sagen, wie die jüdische Schule Böhmens am flachen Lande moralisch und religiös darniederliegt, wie, noch weit schlimmere mittelalterlichere Ideen da vorherrschen, wie selbst der gebildet sich dünkende Theil unserer Gemeinden von der auf ihn überkommenen Chcdermanicr nicht ablassen will, so daß eine durchgreifende Reform sehr noth thut. Schreiber dieses hat schon öfter auch in diesen Blättern für die Autonomie der Gemeinde das Wort ergriffen; aber diese Autonomie selbst darf nicht in Zügellosigkeit ausarten und der Baalbatimherrschaft muß von vornherein die Spitze abgebrochen werden und wenn wir auch in jeder andern Beziehung eine vollkommen freie Verwaltung aller Kultusaustalten befürworten zu müßen glauben, so muß die Schule hiervon vorläufig ausgeschlossen bleiben, und das aus nicht zu unterschätzenden triftigen Gründen. Die Schule, namentlich die Volksschule, ist eine Anstalt oder soll es wenigstens sein, in der die Elemente des Wissens dem Kinde erschlossen und die schlummernden Scelenkräfte geweckt werden sollen. Das kindlich unverdorbene Gemüth und Herz des ersten Jugendaltcrs ist für alle Eindrücke empfänglich .und eine gut organisierte, nach psychologisch didaktischeu Grundsätzen eingerichtete Schule kann in der That der Aufgabe gerecht werden nnd gibt dem weitaus größern Theile ihrer Schüler eine Richtung fürs ganze Leben. Religion muß der Grundpfeiler sein, auf dem der ganze Bau einer solchen Schule ruhet und fester Glaube die Basis alles Unterrichtes, von reiner göttlichen Lehre muß die Lust der Schulstube durchweht sein und in jedem Athemzuge des Kindes maß gott-

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