Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 2 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 beeidigt, die Wahrheit zu sagen, wurde von mancher Seite angegriffen, indem man entgegnete: Wir finden ja in vielen Responsen des Mittelalters, daß die Zeugen beeidigt worden sind. Allerdings wahr! Auch im Chosch. Misclip. c. 28 §. 2 wird ausdrücklich gelehrt: nnjnn nexn vmv W “pw n*na dk i.to (tMt"Tl '"2) p'2 Und doch ist auch meine Behauptung wahr, daß der Zeugeneid weder im mosaischen noch im talmudischen Rechte begründet sei. Nachdem ich schon in meinem ersten Aufsatze auf die primären Quellen hingewiesen und nachdem ich nachträglich noch auf eine für unseren Gegenstand entscheidende Stelle aufmerksam mache: Im Trakt. (Nnt^m n"n 'ein re wird nähmlich mit klaren und deutlichen Worten gesagt: ennp2 L>ee oman uexnp dip tmyan enx.n Sn« „Zeugen, die ihre Aussagen erst durch einen Eid bekräftigen müssten, deren Zeugniß hat gar keinen Werth," will ich einige Stellen aus Frankels „der gerichtliche Beweis" anführen, die jeden Zweifel und jede Unklahrheit wie die ausgehende Sonne die Nebel zerstreuen sollen. Dieser gründliche Gelehrte behandelt den fraglichen Gegenstand im genannten Werke §. §. 24 und 25. Der §, 24 lautet „die Zeugen brauchen weder in Cri- „minal noch in Civilfällen ihre Aussage durch einen Eid „zu bekräftigen." In der Anmerkung zu diesem §. heißt es: „Weder das mosaische noch das talmudische Recht er- „ wähnt je, daß Zeugen zur Bewahrheitung ihrer Aussage in „Criminal oder Civilfällen einen Eid abzulcgen haben, und „weiset auch kein Faktum aus früherer Zeit darauf hin, daß „eine Beeidigung der Zeugen üblich gewesen wäre." *„Michaeles mos. Recht 6 Theil S. 125 irrt unge- „m ein. Er führt an, daß die /Zeugen einen Eid ablcgtcn „(!!) oder um noch deutlicher zu reden (!) einen Eid vor- „lesen hören mussten, noch ehe sie zeugten" u. s. w. u. s w. §. 25 „Ist ein Zeuge dem Richter verdächtig u. s, w. „Ebenso können nach Umständen Zeugen zur Ablegung eines „Eides angchalten werden." In der Anmerkung zu diesem §. „Daß der Zeuge zur Eidesleistung angchalten werden „kann wird Olloseli. Msellp. 6. 28 §. 2 angeführt, und „war dieses schon im 14. Jahrhundert eine .bei den in christ- „lichen Ländern wohnenden Juden gewöhnliche GerichtSpra- „xis. Respons. R. Simon den Zemach Duran. T. III. 15. „vgl. auch Rcsp. R.Jizchak den Ledesedet 170. 176 zu Ende. „Diese Praxis wird gebilligt, so das Zeitalter (nach „einem freilich falschen Begriffe) den Meineid höher stellt „als das falsche Zeugniß u. s. w. Also kam der Zeugeneid bei den Israeliten erst im 14. Jahrhundert in Anwendung. Jost, Philippson und Winer sprechen aber nicht von einer Einrichtung des 14. Jahrhunderts, sondern von dem mosaisch - talmudischen Rechte. Jost bespricht die Zeit des zweiten Tempels, die Zeit des Janai, des Simon den Ledetaed und zählt „die Vereidigung und Verhör der Zeugen" zu den Funktionen der Richter Philippson in seinem Bibelwerke sagt: Der Sinn des „1. Verses ('X 'n jnp'l) gründet sich darauf, daß bei den „Hebräern der Richter die Zeugen beschwor, die Wahrheit „zn sagen. Winer in seinem Realwörtcrbuche Art. Zeuge will alles hierher Gehörige nach der Bibel znsammenstcllen. Nun heißt es 2) der vor Gericht citirte Zeuge wurde durch Adjuration aufgefordert, der Wahrheit gemäß auszusagen. Ich halte also meine Behauptung in meinem ersten Artikel aufrecht: Hier ist an derselben Stelle in all diesen Kunstgebüuden ein Nagel schief gegangen. K. Adler. Religionslehrer an den k. k. Gymnasien Die Äedeutnug des äußenr Änstandes in -er Religion. Daß kleine Ursachen oft die größten Wirkungen von nie geahnter Tragweite in ihrem Gefolge haben, ist eine altgebackene Wahrheit, die jeder leicht aus der täglichen Erfahrung schöpfen kann, wenn er auch gerade Zschokkc's schöne Novelle „Kleine Ursachen" nicht gelesen hätte. Das Leben biethet unzählige Beispiele wie oft die geringfügigsten Umstände zu den wichtigsten Unternehmungen, zu der innigsten Freundschaft wie zu dem unversöhnlichsten Hasse unter den Menschen Anlaß geben. Wenn uns die Weltgeschichte bei der Erzählung der großen Ereignisse, welche die ganze geistige Energie deS Menschengeschlechts zu Tage förderten, den Schlüssel zu ihrer Entstehung, zu ihrer meistens dem Blicke entzogenen Veranlassung in die Hand geben könnte, wir müßten uns höchlich verwundern, durch welche minutiöse Zufälligkeiten das große Räderwerk menschlicher Thätigkcit in den Gang gebracht wurde. Die jüdische Geschichte liefert gleichfalls unzählige Belege zn dieser Wahrheit. Gar viele heiße Kämpfe, die wie eine wilde Fluth die friedlichen Gefilde Israels überströmten, und die schrecklichsten Verheerungen anrichteten, hatten einen kleinen Wasfertropfen zur Quelle ihres Ursprungs. Der Talmud, ein Buch, das viele unserer Leser nur und manche derselben kaum dem Namen nach kennen, das ehemals bei den Juden als einziger Kanon für Glauben und Wissen galt, und dessen Bedeutung für Sprach- und Alterthumsforschung erst in neuerer Zeit gewürdigt wurde, gibt uns auch in dieser Beziehung einige interessante Andeutungen. In dem Kriege der Juden gegen die Römer unter Titus, der für die Nation einen so traurigen Ausgang hatte, wie in dem ein halbes Säkulum später erfolgten nationalen Erhcbunqsvcrsuche, der zu den blutigen Kümpfen unter Kaiser Hadrian führte, wurden alle Städte Palästinas eingeäschcrt und der gänzlichen Zerstörung preis gegeben. Der Talmud berichtet uns nun die Ursachen, welche den Untergang einiger der größten Städte des Landes hcrbeisührten. Durch die Aehnlichkeit zweier Namen, die den Diener eines reichen Mannes zu dem Jrrthume veranlagte, den Feind seines Herrn anstatt dessen Freund zn einer Mahlzeit zu laden, wurde die Hauptstadt Jerusalem zerstört, durch den Deichsel eines Wagens fand die reiche Stadt Tur-Malko ihren Untergang, durch einen Hahn und eine Henne verfiel die sehr bevölkerte Stadt Betör der gänzlichen Zerstörung. Weder die nähere Erzählung noch die kritische Untersuchung dieser Angaben liegt in der Absicht unseres vorliegenden Aufsatzes. Wenn die kapitolinischen Gänse, die einst die Weltstadt Rom gerettet haben sollen, unserem historischen Gewissen keine Skrupel machen, warum sollten gerade die kleineren Vögel aus dem Hühnergeschlechtc unsern Skcpticismus wach rufen? — Wir wollten bloß ans der religiösen Literatur ein frapantes Beispiel für die Wahrheit, daß kleine Ursachen oft große Wirkungen haben, und dadurch Einleitung und Uebergang zu dem eigentlichen_ Zwecke unseres in der Ueberschrift bezeichnten Themas gewinnen — und das ist uns, wie der Leser im weitern Verlaufe sehen wird, nicht ganz mißlungen. Doch wir sind aus der Einleitung noch nicht ganz heraus, cs gehört zu ihr noch das Fragment eines uns vorliegenden Briefes, das der freundliche Leser nnt ut den Kauf nehmen mag, und das gleichfalls als kleine Ursache, wenn auch nicht große Wirkungen, doch die Besprechung eines wichtigen, in das Enltnr- und Religionsleben der Juden tief eingreifenden Gegenstandes hcrbeiführte. Hören wir, was der Freund schreibt. „Ich starb am 13. Juni186.. vor Langwelle. Eine weitere Reise "führte mich durch die kleine Stadt X, die glücklicher als Besprim wenigstens die Hoffnung auf eine Zukunftseisenbahn hatte, obgleich ich niemals hörte, daß die dortige große rsraellliiche Gemeinde im Vorgenusfe des einstigenGluckes sich einen neuenLuxus-