Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 2 (18.1.1866)
- Date
- 1866-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mag den 18. Zäner 1866. 1H Jahrgang. Yr. 2. Das Abendland Lentral-Organ für alle zeitgemäßen Interessen des Iudenthums. Verleger, Eigenthümer und verantwortlicher Redakteur: J). rAhrMaNN. Pränumerationsbetraq ganzjährig 0 fi., halbjährig l fl. 50 kr., vierteljährig 80 kr. mit Postrusendung und Znstellnng mS Hansfür's Ausland ganzj. 2 Thlr.. halbj. I Thlr. 15 Gr. — Erscheint am 2. und 4. Donnerstag des Monats. ' Administration Geistaasse Rr. 908—l. — Inserate werden billigst berechnet. ldministration Geistgasse Sriese eines Draußigenauch eine „Causeric" von Rabbiner Ehrenth eil in Horic. V. .Obwohl wir Oesterreicher im Herzen Deutsche sind, sind wir aber doch im Knopsloche Kosmopoliten" sagt der geistreiche .Wiener Spaziergänger" der „Press e". — Ich möchte diesen scherzhaften Satz ins Ernste übertragen, und mit einiger Abänderung sagen, obwohl wir im Herzen Oesterreicher sind, sind wir aber doch im G e i st e Kosmopoliten—; Mit der edlen Lichtsaat ihres Geistes befruchten die Oesterreicher aller Herren Länder, und manches in der Heimat mühsam aufgekcimtc und ans Licht gedrungene Talent verwerthet sich in edelster Weise auf fremdem Boden, auf der seine Wiege nicht gestanden, der ihm aber doch den mütterlichen Schooß öffnet um ihm — ein Grab zu bieten. — Ein solch fernes Grab auf fremden Boden fand vor einiger Zeit ein bindcrer wackerer Arzt, ein Kind der böhmischen Judenschaft, ein D r a u ß i g c r in dessen I n n e r st e m aber ein Schatz von Tugenden und reichem Wissen lag, ein Mann dessen Brust erst vor Kurzem mit denr,Mtterkreuze des Franz Josefsordcns geschmückt wurde Med. I)r. Ellbogen Consulatarzt in Galatz. Ein ihm in B e n - C h a n a n j a gewidmeter Nachruf zeigt uns in kurzen flüchtigen Umrissen das Lebensbild dieses Mannes, uud lässt und dessen frühzeitigen Tod schwer beklagen. — Möge Gott seinen unter uns in Böhmen weilenden Angehörigen, wie seiner tiefgebeugten Familie in Galatz himmlischen Trost senden. — In tiefen düstern Ernst fühlen wir uns, und mit uns vielleicht auch der Leser sich versetzt durch den Anfang dieses Briefes, nud gerne möchten wir zum Ersätze nun ein heiteres Bild aufrolleu, aber wir scheinen hente nun einmal zu schmerzlichen Betrachtungen vcrnrtheilt zu sehn, denn schmerzlich berühren fürwahr, und nicht etwa bloß lächerlich erscheinen muß es uns, wenn wir das uns so thcuere Paladium unserer heiligen Bibelsprache in öffentlichen hebräischen Tageblättern dazu herabgewürdigct scheu in wahrhaft unwürdiger Weise zur gegenseitigen Bekämpfung und mitunter auch Beschimpfung der Redakteure jener Blätter dienen zu müssen; wir meinen das sonst recht wackere Blatt „Hamevasser" und das jüngst neu aufgetanchte „Ibri onochi“ zwei im schönsten Hebräisch mitunter im elegantesten Styl geschriebene Wochenblätter, die nicht müde werden, sich zum Frommen ihrer Leser fortwährend die liebenswürdigsten Schmähungen zu offcriren — ein Fürgehen welches ernst denkende jüdische Leser tief verstimmen muß, und den beiden sonst tüchtigen Herren Redakteuren, die Ermahnung zuzieht, sich das taktvolle würdige Gebühren des so schön redigirten „Hamagid" zum Muster zu nehmen der sich von jedem Gezänke ferne hält, und darum auch allgemeine Anerkennung findet. — Hoffen wir, daß nachdem die Neujahrsansprache in Paris friedlich gelautet, Amerika im Süden und Norden ruhig, und alle Welt friedlich gesinnt ist, auch die beiden hebräischen Glätter Frieden schließen und würdevoll nebeneinander wandeln werden. Sie sehen Herr Redakteur! ich bin ein wahrer Elihu Burrit mit dem Oehlzwcige, ich kann aber nun einmal der Jrrmeinung mancher öffentlichen Wortführer, als wäre Streit und Gezänke das attische Salz der Zeitschriften nicht oft urri nachdrücklich genug entgegentreten, unsere Weisen sagen xSn StntP’b nra p’tno ^3 *]S und führwahr im „Frieden" liegt unser Heil. VI. „Fromme Wünsche" wer hätte deren nicht eine erklekliche Anzahl? und wem gehen sie in Erfüllung? — zn den wirklich „frommen" Wünschen so mancher „Draußigen" gehört seit Jahren auch der, unsere Jugend männlichen Geschlechtes am öffentlichen Gottesdienste in der Synagoge wenigstens einmal täglich participiren zu sehen, und dies natürlich unter Aufsicht der Lehrer — daß dieser fromme Wunsch nur in den seltensten Fällen hie und da in Erfüllung geht, ist nur allzubekannt, eben so bekannt ist, daß der jüdische Ritus den Knaben der Gegenwart zumeist hiedurch unbekannt bl« ibt — un ddoch lässt sich dagegen nichts Anderes thun, als an die Pietät der Eltern und Lehrer zu apellircu — wir können uns mit Zwangsmaaßregeln dem Lehrerpersonale gegenüber in diesem Falle nicht befreunden, halten es jedoch für durchaus angemessen und als religiöse Pflicht des Lehrers, wo nicht ein eigener Schulgottesdienst besteht, die Jugend zum Besuche des Gotteshauses anzuhalten, sie mit der Gemeinde beten zu lehren — und vor Allen ihr in diesem Falle mit dem guten Beispiele voranzugehen; daß hiezu auch die Eltern das Ihrige thun müssen, ist selbst verständlich. — Wir können von der jüdischen Schule nicht scheiden che wir nicht auch ein Wort der Empfehlung für des wackeren Hebräistcn Hr. Lehrer I. Spitz neu erschienenes Hilfsbuch „'32 pr laut werden zu lassen — das Büchlein ist ob seiner Brauchbarkeit wohl genugsam empfohlen, uns erübrigt nur zu einer öfteren und verständigen Benützung desselben aufzumuntern, alles was die Bibelkenntniß und das richtige Verständniß fördert, soll uns willkommene Gabe seyn — dem fleißigen Verfasser bringen wir daher gerne den innigen Dank der Draußigen. Hat das jüdische Recht den Zeugeneid? ii. Meine Behauptung in Nr. 1. dieses Blattes, Zeugen wurden weder nach mosaischem noch nach talmudischem Rechte 2