Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- III (1866)
- Issue
- 1 (4.1.1866)
- Date
- 1866-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 12)
- Language
- German
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6 gibt es auch keinen Cultus,. keine geoffenbarte Religion, welche nicht die Wohlthätigkeit als Grundsatz, die Humanität als Grundlage hat. Ihr habet gesehen, wie sich die muselmännische Wohlthätigkeit bei den neuesten Heimsuchungen bewährt hat. Die Bibel lehrt, daß Adam der erste Mensch war, und von ihm alle Menschen abstammen. Alle Menschen haben also einen Vater und sind von einem Gotte geschaffen. Was hat damit die Verschiedenheit der Cnlte zu thun? Christliche, jüdische, muselmännische Wohlthätigkeit! Wir sind alle zu einem Zwecke vereint, nennet euch „allgemeine Wohlthätigkeit, oder schlechtweg Wohlthätigkeit. Spendet nur recht viel, um das große heilige Werk, um dcsscntwillen wir uns versammeln zum gewünschten Ziele zu führen. (Arch. Js.) Corfn. Einer der letzten Akte des gesetzgebenden Senats vor der definitiven Vereinigung der jonischen Inseln mit Griechenland war die vollständige Emancipation der Israeliten. Wir können diesem Akte der Gerechtigkeit keinen bessern Comcntar geben, als es der Senat selbst mit folgenden Worten that. — „Treu den Prineipien der Gerechtigkeit und der Freiheit, welche stets seine Beschlüsse beseelt, schätzt sich der Senat glücklich, durch das letzte aus seiner Initiative erflossene Gesetz zur gänzlichen Befreiung der jonischen Israeliten beigetragen zu haben. Diese achtungswerthe Eonfession hat sich stets durch einen trefflichen socialen und politischen Geist ausgezeichnet, und verdiente es, daß man die letzten Spuren einer Ungleichheit aufhvb, die zu jeder Zeit äußerst ungerecht und verwerflich war, nnd vollends mit der nationalen Wiedergeburt dieser Inseln unverträglich ist. (Educ. Isr.) Locale und auswärtige Neuigkeiten. Prag. Rach einer uns zugekommenen Mittheilung beabsichtigen mehrere wissenschaftlich gebildete Männer unserer Gemeinde einen Verein zu gründen zum Zwecke der geselligen Annäherung nnd Befreundung der durch Wissenschaft und allgemeine Bildung hervorragenden Persönlichkeiten. In einem geeigneten Lokale sollen die Mitglieder des Vereins einmal in der Woche zusammen -kommen, um sich in einer freien, durch kein Programm beschränkten Cönversation über beliebige Gegenstände aus dem Gebiethe des Judenthums zu unterhalten. * Dem Herrn Ernst Wehli^ wurden aus Anlaß der ihm zu Theil gcwordcnen'^lserhöchsten Auszeichnung nicht nur von den meisten Honoratioren der Gemeinde, sondern auch von ganzen Corporationen die innigsten Glückwünsche dargebracht. Die Meiscl- und Neusynagoge waren durch eigene Deputationen vertreten, die ihm Gratulationsadrcssen überreichten, wobei zugleich die Herren Rabbiner Dr. Stein und De. Hübsch der Gelegenheit entsprechende Reden hielten, Auch der gesummte Lehrkörper der Josefstädter Haupt- und Unterrcalschule, deren Schnlaufsehcr Herr Wehli ist, machte in corpore seine Aufwartung unter Leitung des Direktors Herrn Utitz, der in einer passend.en Ansprache die Verdienste des dekorirten Greises um die Schule besonders hervorhob. Wie wir hören beabsichtigt auch die Eultnsgemeinde - Repräsentanz ihrem ehemaligen Präses/in Ane^ennung seines gemeinnützigen Wirkens und seiner yieljährigen ersprießlichen Gcmeindeleitung ein bleibendes Zeichen der Verehrung zu widmen. - . ' Horih. Wie wir hören sist an Herrn Rabbiner De. Ehrentheil von achtbarer Seite die Aufforderung ergangen seine in. Wien abgehaltene-ProbeprePißt durch den-Druck zu veröffentlichen. .. Wien. Das Staatsministerinm hat genehmigt, daß die Gestattung zur Abhaltung von vorübergehenden Privatbetversammlungcn der Juden auf dern flachen Lande von den k. k. Bezirksämtern und im wiener Polizcirayon von der k. k. Polizeidircktion erthcilt, hingegen aber die Bewilligung zur Errichtung ständiger Betgenossenschaften sowohl aus dem flachen Lande als in Wien der k. k. Statthaltern Vorbehalten werde. * Den 23. Dez. fand im Lcopoldstädtcr Tempel die vierte Probepredigt statt, zu welcher £crr Dr. I. Jakob Utiger, Rabbiner aus Iglan, berufen war.. Der Redner sprach in einem schwungvoll gehaltenen Vor-, trage mit Anschluß an den Bibeltext: „Befehdet euch nicht verzaget nicht auf dem Wege", über das Thema: „Unter welchen Bedingungen kann die bereits angebahnte Neugestaltung der inneren nnd äußeren Verhältnisse der jüdischen Gesammtheit einer gedeihlichen Blüthc cntgcgcngeführt werden?" — Redner hob hervor, daß Israel sich nunmehr auf einem sehr bedeutsamen Wendepunkte befinde; fast überall gehe dasselbe seiner politischen Gleichstellung entgegen,, die sich unter dem wohlthätigcn Einflüsse des in unserer Zeit vorherrschenden versöhnenden Geistes früher oder später rcalisiren muß. Soll aber die Neugestaltung seiner Verhältnisse einen glücklichen Fortgang nehmen, so muß die ungetrübte Eintracht im Schooßc der Gemeinde sorgfältig gewahrt und aufrecht erhalten werden. Redner führt weiter den Gedanken aus, daß die moderne Geistcsrichtnng mit dein Iudenthume wohl vereinbar sei und habe das Jndcnthnm auf seinem vieltauscndjührigen Entwickelnngsgange bewiesen, daß ihm eine Verjüngungsfähigkci innewohnt, die es ihm möglich macht, mit der Geistesrichtung jeder Zeit so lange gleichen Schritt zu halten, als sie seinen großen Ideen der Wahrheit und Gewissenhaftigkeit, der Freiheit und Menschenliebe nicht entgegengesetzt und zuwiedcr ist. * 29. Dez. Der hiesige Todtcngräber I. Deutsch, welcher sich durch Leichengift eine tödtlichc Verletzung beibrachtc, ist gestorben. * 1. Jüner. Der hiesige Frauenvcrein beging die Jubelfeier seines 50jährigcn Bestehens Mittags halb Uhr im Tempel in der Stadt, wobei eine vom Professor Snlzcr neu komponirtc Festhymne zur Aufführung gelangte. Pest. Bezüglich des Anstoßes, den die orthodoxen Juden in Pest daran nahmen, daß der Rabbiner Dr. Mcisel an der kaiserlichen Tafel speiste, schreibt man der „Presse"; Nachdem sich heransgestellt' hats daß Dr. Meisel sowie dcr Rabbincr von Altofen nur Obst und Käse genossen, also die Koscher-Gesetze nicht verletzt haben, wurde der Vorbeter der orthodoxen Gemeinde, welcher die unbegründete Anklage gegen beide Rabbiner erhoben hatte, seines Amtes entsetzt. Ein Zeuge (der bei der Tafel bedient hatte) sagte ans, daß die beiden Rabbiner wohl aus Conrtoisie von jeder Speise auf den Teller herausgelangt und auch die Pantomime des Essens gemacht, aber keinen Bissen über die Lippen geacht haben. Lemberg. In der Sitzung des galizischen Landtags am 3. v. M. stellte Graf Goluchowski den Antrag auf Aufbung der die Besitzfähigkeit der Israeliten Galiziens bejränkenden Bestimmungen, welche die Erwerbung von Real- :sitz von einem beizubringenden Zeugnisse über gewisse Sitten von Seiten des Erwerbers abhängig macht. Der Anagsteüer begründet jenen Antrag damit, daß erstens diese rs dem Jahre 1860 stammenden Bestimmungen mit spärn Gesetzen in Widerspruch stehen, und zweitens, daß solche ch als unpraktisch nnd unausführbar erwiesen hätten. Wenn an sich erinnert, daß Goluchowski selbst der Schöpfer jces nun von ihm als unzweckmäßig bezeichnctcn Gesetzes ar, so muß man sich nur freuen, daß der Landtagsabgeednete nach gewonnener besserer Uebcrzeugung den chemagEn Minister in so eklatanter Weise desavouirt, was ebenso ir den ehrenhaften Charakter des Antragstellers als für den rwtfi dp« 9ltttrna« svrickit. Die Juden Lembergs, welche