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Das Abendland · 1866-01-04 · 1 (4.1.1866) · p. Seite 5

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Journal
Das Abendland
Volume
III (1866)
Issue
1 (4.1.1866)
Date
1866-01-04
Page
Seite 5 (sequence 11)
Language
German
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5 feit zu scheuen haben. Jedoch scheint uns das ganze Concil ohne alle Bedeutung, und wenn dessen Resultate jemals zum Vorschein kommen, dürften sie eher geeignet sein den religiösen Fortschritt der Juden in Ungarn zu fördern als zu hemmen. Der Pesli Naplo vom 22. dieses bringt folgende an den Redacteur gerichtete Zuschrift von Nagy Källo. Geehrter Herr Redacteur! In mehreren Zeitschriften hat sich das Gerücht verbreitet, daß eine Versammlung von Rabbinen in Nagy Mihaly stattgefunden, in welcher berathen wurde auf welcher Weise man der Emancipatiou der Juden entgegentreten könnte. Ich habe mit dem Rabbiner zu Szikszo, dem Präses der in Nagy Mihaly abgehaltenen Versammlung, persönlich und vertraulich über oberwähnten Gegenstand gesprochen, und ich halte es als ein Gebot der Pflicht Ihnen die Versicherung auszusprechen, daß dieses angebliche Gerücht durchaus grundlos ist, und daß die Versammlung anderer Zwecke wegen abgehalten wurde." Nagy Källo 20. Dezember 1865. Herrmann Weiß. Besprin. Die Gemeinden Ungarns und seiner Nebenländer haben neuester Zeit in der Rabbinervertreibungsindustrie Erkleckliches geleistet. Manche Vorstände besitzen hierin eine wahre Meisterschaft. Es wird schnell ohne viele Vorbereitung ein Conflikt heraufbeschworen, dessen Finale darin besteht, daß der gequälte Seelenhirt nach längerem Ringen und Kämpfen unterliegt, schließlich sein Bündel schnürt, um aus der ihm unerträglich gewordenen Atmosphäre herauszukommen. Daß diese Erscheinung gerade in einem Lande so häufig auftritt, wo jüdisches Wissen noch heimisch ist, wo man mit den altehrwürdigen jüdischen Anschauungen noch nicht gebrochen hat, und wissen könnte, daß es nicht gestattet sei, einen Rabbiner seines Amtes zu entsetzen, wenn er sich nicht durch einen schlechten Lebenswandel dessen unwürdig gezeigt hat, macht ein solches Verfahren im Interesse des gesummten Judenthums nur noch bedauerlicher. Und fragt man nach der Ursache solcher vorständlichen Resolutionen, die ebensowenig mit den Gesetzen der Religion als mit denen der Humanität zu vereinbaren sind, so muß die wahrheitsgemäße unverhüllte Antwort lauten: Der Rabbiner ist mißliebig geworden, er hat die Beliebtheit verloren. Wenn jener Talmudlehrer, welcher den Ausspruch that. »Ein Rabbiner der in seiner Gemeinde beliebt ist, hat diese Gunst nicht seinen Verdiensten sondern dem Umstande zu verdanken, daß er die Gemeinde in Allem gewähren läßt, und sie niemals wegen ihrer irreligiösen Lebensweise zurechtweift", aus seinem anderthalbtausendjährigen Grabe auferstehen könnte, er würde selbst staunen über die nie geahnte Bedeutung, die sein Ausspruch für unsere Zeit gewonnen; denn es sind zumeist die tüchtigsten und biedersten Rabbinen, die es nicht verstehen mit diplomatischer Gewandheit zwischen den Partheien zu laviren, und dadurch Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt sind. Alle bisherigen Erfolge auf dem Gebiethe des häuslichen Zwistes zwischen Gemeinden und Rabbinen verbiethel, jedoch an Neuheit und Eigenthümlichkeit der neueste Conflickt in der Vesprimer Gemeinde. Diese hat vor Jahren den wegen seiner Kenntnisse und seines ehrenhaften Charakters allgemein geachteten Rabbiner Hochmuth zu ihrem Seelenhirten erwählt. Man hat niemals gehört, daß sie Ursache hatte ihre Wahl zu bereuen, auch jetzt weiß sie keinen Tadel an ihm zu finden; setzt ihn aber dennoch vor die Thüre, gibt ,hn seinen Laufpaß, macht ihn auf diese Weise brodlos und schneidet ihm neWbei seine Zukunft ab, indem sie ihn vor den Augen der Welt bloßstellt, und dich alles aus na- Itonalökonomischen Anschauungen von neuestem Datum. Sie hat nämlich gefunden, daß ein Rabbiner, der nebstbei ein guter Prediger sei, ein wahrer Luxusartikel wäre, und als Sühne für jahrelang unbefugt getriebenen Luxus betritt sie nun in düstcrn Pfade der Pönitenz, um sich alles Schmuckes zu entkleiden, und der erste Schritt ihrer reumüthigen Buße ist die Kündigung des Rabbiners — freilich behaupten unsere Alten im p*. „Eine Gemeinde dürfe sich in Erfüllung ihrer heiligsten Pflichten nicht als arm betrachten, freilich muß es uns einen kuriosen Begriff von den ökonomischen Gebühren eines Vorstandes beibringen, der sich aus seiner finanziellen Mißlage nicht anders zu retten weiß, als durch das Unglück des Mannes seiner freien Wahl, freilich ist es traurig, daß die Gemeinde, bei dem doch gewiß nicht plötzlich eingetretenen ttüben Zustande ihres Comunalsäckcls, kein anderes Opfer zur Herstellung eines geordneten Gemeindehaushalts zu bringen weiß als — ihren Rabbiner, aber es bleibt immer eine Versündigung gegen Religion, Moral und die Ehre des Judenthums. Wenn die Angelegenheit wirklich vor den Gerichten ausgetragen werden müsste, so wirft sie einen starken Schatten auf die jüdischen Gemeindezustände, und macht Chilul-Haschern, was beide Theile, Vorstand und Rabbiner, zu verhüten suchen mögen. Eine gütliche häusliche Ausgleichung wäre gewiß am wünschenswerthesteu, und welcher Theil dabei zuerst die Hand zur Aussöhnung biethet, kann nur durch ein solches Entgegenkommen an Ehre gewinnen. Dem Schreiber dieser Zeilen sind die lokalen Verhältnisse eben so fremd als ihm die Partheien fern stehen, und um die Liebe zum Judenthume, von dem er jede Schmach fern halten möchte, und die Theilnahme an dem Schicksale eines allgemein geachteten Mannes, veranlassen ihn über eine Angelegenheit, die bedauerlicher Weise bereits in die Oeffentlichkeit gedrungen, auch in diesem den Interessen des Judenthumes gewidmeten Organe einige Worte zu sprechen. Wolle Gott, „den sein Volk mit Frieden segnet" auch der Gemeinde zu Besprim den ungestörten Frieden wieder verleihen. Paris. Wie bereits bekannt, wurde am 3. November v. I. im Salon Herz zu Paris eine Conferenz zu Gunsten der durch die neuesten Ereignisse befreiten Neger in Amerika abgehalten. Der Präsident Laboulage betonte in seiner Rede die christliche Wohlthätigkeit mit einer Wärme, die in einer Versammlung bei der alle Culte vertreten waren, mindestens nicht am gehörigen Platze war, überhaupt wurden bei dieser Gelegenheit mehrere Reden gehalten, die von einer gewissen ausschließenden religiösen Tendenz angeweht waren, welche eher geeignet war, die Sympathien für den humanen Zweck abzukühlen als zu erwärmen. Herr Cremieux, welcher der Versammlung beiwohnte, er hob sich nun, um die allgemeine Menschenliebe als ein Eigenthum aller Confcssionen zu erklären, und mit gewohnter Beredsamkeit sprach er wie folgt: Erlauben Sie mir, meine Herren! Ihnen das eine zu sagen: Wissen Sie, woher ich den Abscheu vor der Sklaverei geschöpft habe? — Aus dem Buche, welches das Symbol, die Grundlage des Glaubens ist, den ich bekenne, aus der Bibel, in der sich die Worte finden. „Ich bin der Ewige Dein Gott, der dich herausgeführt aus dem Lande Egypten, aus dem Hause der Sklaverei." Meine Herren! Der größte Theil dieser Versammlung bekennt sich zum Ehristenthume, es sind vielleicht wenige Israeliten hier und ich bin einer derselben. Ihr lobet die christliche Wohlthätigkeit ich gönne es euch, doch wozu die israelitische Wohlthätigkeit in den Schatten stellen. Es erinnert dieß an die Antwort des Löwen in der Fabel, als ihm sein Wärter eine Statue zeigte, welche einen Menschen darstellte, wie er auf einen zu Bodm geworfenen Löwen seinen Fuß setzte. Ach, sprach der König der Thiere, wenn nur auch wir Bildhauer hätten! — Ich habe noch einen andern Gesichtspunkt. Ihr habet gesagt, daß alle Culte, alle Meinungen sich vereinigen sollen, um ein großes Werk der Liebe zu volfführen. In der That

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