Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 25 (21.12.1865)
- Date
- 1865-12-21
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— -'08 — den, allein keineswegs nin als Faktor bei der Tekomvosiiion und Gcrinanisirung UnqaruS zn diene i, sondern nin durch ihre geistige und materielle Kraft dessen Wohlfahrt und O'ropc mächtig;» fördern. Der alte Jude muß sterben, der mosaische Mitbürger muß anfcrslchcn, muß am Altar des Vaterlandes allen Bo lern Ungarns die brüderliche Rechte reichen und der (5'ott Israels, der ja auch der Gott der Christen lst, wird diesem festen Bunde seine heilige Weihe ic entziehen! Verlin. Bei den Repräsentantenwahlen der hiesigen jüdischen Gemeinde hat die gemäßigt liberale Parthci den Lieg davon getragen, die weiter gehenden Progrcssisten sind mehr in den Reihen der Stellvertreter zu finden, welche nur beim Todesfälle oder bei Amtsniederlegung eines Repräsentanten einzutreten haben. Avignon. Zwei Brüder in den IünglingSjahrcn ans einer 3labt Ecntralfrankreichs, wurden durch ihre katholische Mutter zu Herrn Rabbiner Masse hierher gebracht, damit sic dl'ser in der jüdischen Religion unterrichtete. Ihr Baker, ein Israelit der sie in den Bund Abrahams einführen ließ, war vor einigen Jahren gestorben. Tie Mutter in dankbarer Erinnerung an ihren satten, erzog sie nach den Principien der jüdischen Religion unter der {\iUn:rg cineS israelitischen Lehrers. Herr Rabbiner Mosi'e ist nun im Begriffe das Werk zu vollenden. (Arch. Israelit. Constantinopel. Ein bedeutender Fortschritt der Eivilisation hat sich in der Türkei merkbar gemacht. Ter Sultan nämlich hat beschlossen, daß für die Folge die Rabbiner, die katholischen Prälaten, die gricch. othodoxen Bischöfe neben den KadiS und Muftis zu Gerichte sitzen dürfen. (Euriosumh Französische Blätter berichten, daß ein italienischer Antignitätcnsammlcr — der Name ist nicht genannt, waS die Lache verdächtig macht — ans Egnpren eine Statue der Frau Potiphar, die den biblischen Josef mit ihrer Liebe, und weil diese verschmäht wurde mit ihrem Hasse verfolgte, brachte. Tie Inschrift ans dem Sockel der Sta'nr soll die Identität ai ßcr allem Z' cisel sc -en. Tas Gesicht der treulosen Frau soll sich durch besondere Häßlichkeit auSzcichnen, so daß der Abscheu Josefs gegen ihre Zudringlichkeiten ganz natürlich gefunden wird. Luchschlill. 1!. Persien- TaS Land und seine Bcwohitcr. Ethnographische Schilderungen von vr. Jakob Eduard Pollak, ehemaligen Leibarzt dcS Schah von Persien und Lehrer an der mcdicinischcn Schule zu Teheran. — Erster Theil Leipzig 1805. Bevor wir zur Besprechung des Werkes schreiten, wollen wir die Genesis desselben, wie wir sic ans den Mittheilungcn des Verfassers in dem Buche selbst kennen lernen, dem Leser vorführen. _ Persien har nicht blos als orientalisches Land überhaupt, sondern an sich seine spccicllen Eigcnthümlichkcitcn, die cS schon seit uralten Zeiten charaktcrisiren und die cS treulich bis in die Gegenwart bewahrt hat.— TaS Stück biblische Romantik, das sich vor Jahrtausenden in der persischcit^ Hauptstadt abspielte, könnte leicht heutigen Tages noch in Szene gesetzt werden, wenn auch nicht just unseren Glaubensgenossen eine Rolle zugcthcilt würde.— Tic Entführung kincs schönen Mädchens aus dem Bolle, um mit ihm den königlichen Harem zu schmücken, die Erhebung dieses Mädchens zur 'Lnltanin, die daS Her; des Schah und dadurch das ganze Land beherrscht. — Tic nun in Bewegung gesetzten Scrailintrigncn, welche zuweilen einem Minister seinen einzigen Kopf kosten. — Ticß alles sind Erscheinungen, welche noch in unserer Zeit die Bewohner von Teheran, weniger in Erstaunen versetzen würden, als die frommen jüdischen Leser des Buches Esther am Purini'cste. — Wir glauben über anvt die Erzählung jenes Buches hat noch nicht'di? rechte :,jstorische Würdigung gcninden. — Ham in war Ale bings kein Ideal der Milde und Gli.'mütligteit. — die Ratnr ho. c ihn eben mit etwas viel Galle bedacht, und nach A.t der persischen Würdenträger konnte es jedes Ver rechen eher als einen Etignctkcnfchler verzeihen — aber die Bosheit zngegeben, so hat ihn doch diese nicht an den «Balgen gebracht. Er narb an einer nationalen Mininerkro-.'beit. Es gehört nähmlich zn den Eigcnthnmli hkcitcn des persischen Hofes, daß die Mininer zuweilen moderne AnwanAn i z.m bekommen und von der Wnlh, neuen nationalökonoiuiich.-n Ide n Eingang ins Reich zn veeschanen ergriffen werden. — “ bald diese Kranlhci: sich cinstelir, ist der lödtlichc An gane ,ik Sicherheit zn erwarten. — Tie Ideen, sie inögen an sich gut oder schlecht sein richten ihre Urheber zn Grunde und koüen ihnen den siovf. — Ha man batte einen leusiischen Plan, und hat sich n.'dild.nn durch seine Vorschläge zue Hebung der löniglichen Finanzen höchst lächerlich gemacht. — es geschah ihm recht, daß er gehenkt wurde. — Alle, - der edle Großvezicr des persischen Schah im Jahre 1>50. ^mir Rizäm genannt, war bei seinen Rc'ormbcstrebnngcn von den besten Absichten geleitet, er wollte seine Ration kulrivirsn, wollte nach enropä» schein Master^ Schulen »nd Inslitilkc entführen — und auch er starb wie Haman eines gewaltsamen Todes, cs wurden ihm in Bade die Adern geöffnet. — Tie schreckliche Katastrophe des Emir hatte auch den Verfasser obigen Buches in d. i Krcrs ihrer wcitgreifendcn Folgen gezogen. — Herr I>r. Pol'.ak wurde in Wien durch einen Agenten des Emir als Lehrer und Leiter einer einzusührcndcn medicinischcn Schule cngagirt. — TamalS itand der Emir im Zcnith seiner Gunst beim König: als jedoch Pollak, nach großen Reiscbcschwerden, nach überstandencr tchwercr Krankheit ohne die geringste Kennrniß der Landessprache in Tchcr n anlang'c, stichte er vergebens seinen Protektor. — Ter Minister ward in der Zwischenzeit von seiner Höhe gestürzt, und der Rachfolgcr zeigte wenig Lust zur Rcalisirung der Pläne seines unglücklichen Vorgängers bcizntraaen. Pollak ließ sich von der Ungunst der Ver. hältnissc nicht abschrcckcn, ec legte eine Ausdauer an den Tag, die wirklich unsere Bewunderung r. rwjcn muß, und die nur von der Klugheit und Besonnenheil, mit denen er sich bald in die Gunst des Schah zu setzen wußte, von der edlen Eharaklcrfc>tlgkcit, mit der er diese Gunst zum wahren Wohle des Landes und zur Förderung des Fortschritts benutzte, -.herkrossen werden kann. In Lchcran angclangt fand er die Situation zn seinem Rachthcilc verändert. Sein Vrotcktor, der civilisationssrenndliche Emir schmachtete im Kerker, und dessen Bestrebungen fanden keinen Annehmer. Tie ganze österreichische Mißion hatte einen privaten Eharaktcr nn) ivnrdc von der heimischen Regierung wenig unterstützt und da zudem der Schah m seinem Hofe wenig Sinn für Reformen hatte, so war ihre Ausnahme in Teheran eine äußerst kühle. Pollak verlor jedoch den BlNth nicht, und neuerte trotz aller Hindernisse ans sein Ziel los. Rack Lj.chriger rafifofci Thätigkeit, in welcher er sich als Lchi.r wie als Arzt einen ehrenvollen Raine» erwarb, mußte uzn der schmerzlichen Ucbcrzcngnng gelangen, daß der Persische Boden noch viel zu hart si'.r die europäische Eivilisation sei, obgleich die A regnng die er rb nicht spurlos blieb und eine Richtnng anbahnte, die hof» ftntlich in späterer Zeit auch das Reick des Eyrns in jenes Stadium des cultiiellen Erwachens leiten ivird, welches die an Europa gränzendcn asiatischen L der bereits betreten haben. Pollak verließ mit Wehmnlh ein in Vorurtheilen und Aberglauben gebanntes Land, jedoch in dem freudigen Bewußtsein, daß sein Wirken seinem Vatcrlande nur zur Ehre gereichte. Wie bekannt ist Pollak ein Böhme von jüdischer Abkunft, der dem Glanbcn der Väter eine treue Anhänglichkeit und ein warmes Her; bewahrt. Wir haben bis jetzt von dein Verfasser gesprochen, und