Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 25 (21.12.1865)
- Date
- 1865-12-21
- Page
- Seite 207 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Häusern sungirendcn Ofobbincr und Prediger der konservativen Richtung treu aiihäugcn. Ii. * Unter den acht Kandidaten, welche sich am 11. 12. 13. d. M. der Staatsprüfung für Stenografie unterzogen haben, fand sich ein einziger Jude und zwar der hiesige Buchdruckcrcimilbesitzcr Herr Jakob Brandci-. Der' lbc ist cuder Schule de- Pr->f. Blcier bervorgegangeu * I>r. Samuel Ba'.h bisheriger Secundärarzt im Wiener Allgemeinen Krankenhau'c trat freiwillig inkai erliche mexi kanische Heer al- Regimeut-arzt ein. Derselbe, ein Schüler deberühmten Phisiologen Brinke, '.'siegte mit besonderer Vorliebe die Mikroskop'-', deren Studien er in seinem neuen Vatcrlande sortzusctzen denkt. Zu diesen! Zwecke erhielt er aus Kosten der me; 'chen Regierung einen werthvollcu milroskovischc!- Appara. Den 14. De;, verließ er Wien, um über Prag, t o er von seinen Eltern und Freunden Abschied nahm, Bonn, Brüssel, Parinach seinem Bestimmungsorte Vcraeruz zu reisen. Bemerken-wcrth ist, daß Herr Basch der erste östcrr. Jude ist, d r unter der gegenwärtigen Regit' >ng mexikanischen Boden betritt. Wien. 11. Dez. In Folge der bevorstehenden Reu. Mähten für die Repräsentanz der Eultu-g meinde haben sich über Einladung de' Vorständeeine Anzahl Wähler zu einer Besprechung eilige ndcn Der Vorsitzende Herr Pollak thcilte mit daß HcrrJos>.s W.rthcimcr sich für die A-!,mc einer etwaigen Wiederwahl erklärte, die Beiräthc Ed. v. Tedcsko und A. Lande-mann eine solche jedoch im Vorhinein abgelehnt haben. Rachdem mehrfache Uebelstände von Seiten mehrerer Wähler zur Sprache kamen, deren Abhilfe der Vorsitzende versprach, schritt mau zur Prabcwa l und eS fielen v n 73 angegebenen Sk'.umzettcln auf Herrn Josef Wertheimcr al- Vertreter 69 .nd auf die Herrn A. Kohn v. ib Wilhelm Guttmanu al- Beiräthc 69 rcsp. 34 Stimmen. * Der Rcchcnschaft-bcricht der hiesigen Eultu-gcmcindc frr da- Jahr 1864 weist bei einer Einnahme von 05(395 fl. an ordentlichen Au-gabcn den Betrag von 64842 si. rach. * Der frühere Redakteur der österreichischen'Zeitung, Herr Adolf Neustadt, ein gcborncr Prager, h.lt vom Könige Franz II. von Neapel da- Ritterkreuz erster Klasse des Or» den- Franz I. mit der Krone erhalten. * Anl 9. d. M. hielt Or. Sonnenschein, Rabbiner in Waraodiu seine Probeprcdigt im hiesigen Tempel. Al- Text seiner Besprechung nahm er die Geschickte Joseph-, deren beide wichtigsten Wendepunkte viel Aehulichkcit mit der Geschichte unserem Volkes biethcn. Wie Joseph unverschuldet in die Sklaverei gerieth, so hatte auch die jüdische Ration aubloßem Glauben-Haß viele beiden zu ertragen, und beide fanden nur Trost in dem Vertrauen aus Gott. Dazweite Moment der Achnlichkeit liegt in dem Be.'.agcn Joseph-seinen Brüdern gege :ber iv der Zeit seine- E tücke-. ü..' er da die Svra ' c s.iucS Volkemit ihnen sprach, so verstehen auci heute jc.ic Israeliten, die im öffentlichen Staat-lcben wir.jam si' " die Sprache ihre- Volle-, für dasic nicmalihre Thcilua,me und ib Eifer verlieren. * 16). Dez. In de: heutigen Predigt, im Tempel der iliuern 7tadt ernihutc I)v. Jclliu.k di' Kaiscrreise nach Ofen. lob alglückliche Vorbedeutung für die Stellung der Juden in Ungarn hervor, daß zum Hof Galadiner auch die beiden Rabbiner der Städte Pest— Ofen zugczogen wurden. Ferner kam der Redner auf den letzten Gcmciudcrath-bcschluß in Betreff der Bcitrag-leistuug von 150.000 fl. für die Vo» tivfuciic" zu sprechen und wiedarauf hin, welche Roth allenthalben herrschen müsse, wenn gegen einen solchen Beschluß in einer b : .t unerhörten Weise Protest eingelegt werde. Schließlich gab Pr. Jcllinck nicht undeutlich zu verstehen, daß eS wünschcn-wcrth wäre, wenn sich die jüdische Gemeinde an die Geld« nnmlungcn zu die'.m Zwecke bcthciligen würde. *' Den 17. Dez. fand, wie alljährig, am „Ehauuka Feste" in den oberen Sälen im Sperl von Seite de- Vorständede- Thcresicn-Krcuzcr Vereindie Betheiligung von mehr al- 5<)0 Kindern mittelloser Glaubcn-gcuosscn mit Win.crtleidcln statt. Vor der Verlhcilung hielt der Prediger I)r. Jellinek eine entsprechende Anrede an die Versammelten, worauf jededer Kinder einen vollständigen Wiuteranzug und rin Geschenk von Obst und Backwcrk erhielt. * (A u - der j ü d i s ch c n K n l t u - g c m e i n d c.) Peinliche- Aufsehen erregt ein den jüdischen Kreisen Wien-, daß der Bethau-vorslaud sich veranlaßt gefunden, seine Ent» lassung in corj'vro einzureichen. Die Motive diese- Schrittescheinen in einem seit längerer Zeit schon bestehenden .Kompetenz Kouflickle zwischen den« Kultus» und dem Bet» hau-vorftaude zu liegen. Die äußere Veranlassung zu dem gleichzeitigen Rücklril'c degcsanunten Bethau-vorstandcbol ein Beschluß de- Kultu'-vorsrandc-, die seitherige Zahl der Mitglieder de- Bcthau-vcrslalidcvon 8 auf 15 zu vermehren. letzterer glaubte in dieser Vermehrung der Mitglieder ein Mißlraucn-votum de- Kultu-vorstandezu erblicken. um so rnehr, de. man ihm auch zugleich ein Mit glicd dc'cichncle, durch welcheer sich vcrstäi.'cu sollte. Ilm sich also keine neuen Mitglieder oktroyiren zu lassen und weiteren Kompetenz-Konflikten audem Wege zu gehen, hat der Bethau-vorslaud lieber in corpore abgedaukt. Die Sacke erregt, wie gesagt, in den betr.'senden Kreisen große- Auf» sehen, doch hofft man, daß cgelingen wird, den Hausfrieden, den die hiesige israelitische Kultu-gemcindc bisher zu wahre» verstanden, zu erhalten und die zurückgctrclcnen Herren zur Wiederaunahmc ihre- Amtezu bewegen. (N. Frmdbl.) Lemberg. Am 8. d. M. fand eine stürmische Sitzung im Gcmeindcralhe statt. Ekam die städtische Bermögen-frage, die schon früher Anlaß zu Eoufliktcu zwischen den christlichen und jüdischen Gcmcindcräthen gab, zur Verhandlung. Auch dicßmal zeigte die Majorität eine feindliche Stimmung gegen die Juden, welche in der Person debekannten, al- Laudtag-kandidatcn gegen Grafen Goluchow-kh in der Minorität gebliebenen liberalen GcmcinderathS Dr. RadokowSky einen warmen Vcrtheidigcr fanden. Die Debatten führten zu keinem Resultate, da mehrere Gemeinderälhe vor der Abstimmung die Sitzung verließen. Ungarn. (Orthodoxe Juden.) Der religiöse Fanati-muhat schon llnglaublichegeleistet, aber da- Unglaublichste bereiten orthodoxe Rabbine" in Ungarn. Dieselben arbeiten gegen die von den liberalen Parteien deungarischen Landtagbeabsichtigte G l e i ch st c l l n n g der I s r ac l i t e n mit anderen Konfessionen bezüglich der politischen Rechte. Mau schreibt unhierüber au- Pest: „Vorige Woche hatten die oberungarischen orthodoxen Rabbinen in der Zahl von einigen zwanzig ein geheime- Konzilium in Nagü Mihaly. Zu der Verhandlung waren nur die größten Zeloten herbei gezogen, und daß csich um Gegenstände von höchster Wich tigkcit gehandelt, hiefür zeugt die in dieser rauhen Jahrc-zeit unternommene weite Reise der Rabbinen von Vcrpclct, Sz. Peter. Szikso Szigcl, Slropko u. a. m. nach ihrem Benimi mung-ortc. Beau bemerkte allüberall eine starke Rührigkeit! unter der Orthodoxie, die Rabbinen zweiten Rangescheinen i die Ragy Mihalp gefaßten Beschlüsse schon in Händen zu | haben und tbcilcn sich dieselben persönlich mir. Die Antej ccdeuticu der Eiferer Rabbin. :. die obskuren Tendenzen, die j sic verfolgen, scheinen daallcrortverbreitete Gerücht ,u verbürgen, daß die orthodoxen Rabbiner nichtweniger im Schilde führen, aleinen monströsen Eontrceoup gegen die in Au-sicht g c st e l l t e I u d c n c m a n c ip a t i o n. indem sie hiezu U> -rschriftcn sa umelnd pcti tioncl einschreiren wol'en. vorgebcud, die Juden w ü n s cht e u s c l b st nicht die E m a n c i p a t i o n. Wird auch der Landtag von einer zu liberalen Stimmung beseelt sein, a.edaß derselbe solchen Eultni'timmcn Gehör gebe, ist doch dieser Fall ganz dazu oeciguet, einen Skandal heraufzubeschwören, der ganz gewiß Schmach auf diejenigen laden würde, vor deren Augen die Vorbereitungen hiezu ungehindert qc troffen werden kennten. (Reue- Frcmdenblatt.) * Wir können nicht nnterlasscn die Schlußworte cincvon Herrn Karl Graf Zap an die Redaktion de- „Reuen Frcmdcnblatte-" cingcscudeten Artikel-, hier anzusührcn. Sic lauten: Ja die Juden sollen, müssen völlig emancipirt wer-