Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-12-21 · 25 (21.12.1865) · p. Seite 205

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
25 (21.12.1865)
Date
1865-12-21
Page
Seite 205 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050640--0312-9050643
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2<\j gciifcitigcn 9fif:m:gcn und Bedingtiirgen ^yifü'.n b::n ''cbrer und den Bä lern dcr 3dmlcr dem UcbcrciKfonmicn nberlaffen und haltei» dcu Ebarak.er eine? Privalverrrag?, dcr jedoch durch allgemeine gescyliche Beffimiitnngcn norniirl wurde; »va? namentlich bei $iraiil!icit?ti»l!rn sich ei? Oiotljivcubißfei: heranSskellle. i'.'cr dcr er hiiujrrc Zeit durch Kranlheit verhindert Unterricht zu crlheilen. so war dcr Baker deS Lchüler? nicht? denolveiiiger t*cvrfl:diiei fre? Dchulgeld zu zahle», außer cd wäre da? l^e.zenrheil zum Borhincin a:?- drücklich bedniigcii worden. 2Lar dcr 3diiiler hingegen durch 3i?ianflicif »crhindert a» dcur Unterrichte lheilztiuebmen, so traf freit i'fhcr dcr Berlnsl de? Dchnlgcl c?. '?itir in dciu Falle, das; dcr § Anker einer reslimmlen Krankheit häasi.» nnlcrworfcn ist, ui:' dieser Um st and frem Lehrer bei lieben nähme de? Unterrichl? nichl mitgetheilt wurde, ift dcr Ba lcr zur Ertheiknng de? Unterrichlshonorars verpflichtet, kann jcdoch vom Lebrer verlangen, daß cr während dcr Dauer dcr Krankheit einen andern, vom Baker de? Sii»bc? zu bestini' mende», jedoch dem kranken Jimbe an Begabung nicht nachslcl'endcn Lchülcr zum Unterrichte übernehme. Diese Be' slininungcn habe,» die juridische Ansei »nting zur BasiS, dag derjenige Eonlrahent, der durch nnve. schuldete? Unglück die Erfüllung der BenragSbedingnngen stört, nichl zur Einhaltung der bcdnngcnen Leist angen gezwungen tverden könne. Eine Anschauung, die mehr einer Gesühl-Sgesezrgebung al? dein strengen Rechte entspricht, und der nachtalmudischen Feit angehörl, wo da? allgemeine Weh auch in der legislativen Thäligkeit zur Milde gegen den Unglücklichen geneigt machte. Vir babcn in der Besprechung unseres Thema, über das fd.ort sehr Biele? geschrieben und auch von uns bereite? vor 20 Jahren eine Brochüre veröffentlicht wurde, nur die leilendeit Grnndsäk-e, die im Indenthnme über Unterricht und Erziehung zu verschiedenen Zeilen mastgebend waren, belenhten wollen, nrn dadurch einen kleinen Beitrag zur Lösung der schwierigen, »och in unserer Zeit nicht zum Abschlttff'e gediehenen S ch n l s r a g e zu liefern. Sichers 40Mriges Jubiläum. Ein vorzüglicher hebräischer Dichter der Italiener Emannel, läßt in seinen Makameil die Äcusik mit dem biblischen Joses sprechen. „Ich bin gestohlen worden au? dem Lande der Hebräer" und erhebt also schon zu Anfang des 14. Jahrhundert? Klage über den Beifall der Musik unter seinen Glanl'enSgenossen. welche Kunst, nach seiner Ansicht, ehemals auf jüdischem Boden heimisch war. Die biblischen Berichte besiättigen diese Annahme. Die Bibel nennt »in? sogar den Erfinder der Musik in der Urzeit, und für ihre zu einer bedeutenden Höbe gelangte Ausbildung bei den Hebräern liegen viele unverdächtige Zeugnisse vor. Zn die LebenSschieksale de-? König? David griff sie tief ein. sie brachte ihn schon al? Knaben von dem Dchafstalie wegen den königlichen Hof, und al? cr später auf feinem viclerschüttcr:.!! Throne saß. fand er in i!r Dtvsl und E'.heilening, sie gab ilnn die Begeisterung zu seinen unsterblichen Gesängen. Velche Anwendung Mnsik und Gesang beim Teinpeldiensl fanden, ist allgemein bekannt. Die Musik genoß reichliche Pflege, und wurde in den Häusern der Reichen wie in unserer Zeit oft mehr eine Schaustellung de? Luxus, al? ein innerer Drang küni'l- Icrische.r Begabung. Die Binuose'. uianie spukte schon damals in vielen Kopien und der Piovbet Am.-? macht sich lustig über jene Dilletanten, „die ans den 3aircu klimpern und sich einen Dav'.d in t r Kunst dünken." Bldein Untergänge dcS jüdischen rrlaar^S ging auch diese Kunst zu Grabe, die Harfen, die schon beim ersten Epil an den Veiden der Elröine Babylon? gehängt wurden, konnten zur Zeit de? 2. Tempels niek'l mehr ihre ehemaligen süßen Klänge ertönen lassen, und nach Zerstörung diese? Tempel? verslnmiiiten sie gänzlich. In der darauf folgenden langen Periode des Drn-! ckeS und der Leiden konnte die Knust nicht gedeihen, und j namentlich für die Musik fehlte die Fretid.gkei: deS ("eniiiths, ja sogar man betrachtete die Pflege dieser K»rnsl al? einen Blißtoii in den allgemeinen Ianinrer in da? dninvfe Elend der Ration. Durch da? ganze Mittelalter fanden M.ff.l lind Gesang wenig Pflege bei den Inden, und ::id t einmal die Erinnerung an den ehemaligen Glanz konnte den 3in:i dafür beleben. Rur in Italien, dem klassischen Boden der Kunst, dem Lande de? GesangeS, regle sich in eiiizelnen jüdische!» Gemilthern da? Heimweh nach dem ei st in Judäa bevölkerten Reich der Töne, welcheiit Heimweh der oberwähnte rveli:nnth?volle AnSruf de? Dichter? Emanuel seinen Ursprung verdanlen mochte. Inda Bin lato in Bencdig l'i.l: schoii vor ZlX» Jahren einen Borlrag in der Snnagoge zum Lobe der Munk, der die pythagoräische Harmonie der Sphären al? Grundgedanken hak, und hat ihn sogar an die Dvipe seiner bekannten Predtgtsaminlung gestellt. il;:c in jede::, geistigen Fortschritt »var e? auch hierin der neneu Zeit vorrehalreri. die schlummernden Geisteskräfte der Inden zu erwecken und de verhüllten Scho.^ der dic'em begabten Bolle eigenen binan daS Tageslicht zu fordern. Es ist nbenl'.is'ig auf die große Liste ausgezeichneter Personen von jüdischer .K'lnnjl hinznweisen, die sich in diesem »vie in dem vergangene'.» Jahrhunderte ans dem Knnslgebicthe der Töne hervor.Halen, Da? Künsklerlepieon unserer Zeit hat eine Masse bedeutender und glänzender Rainen aufzttweinn, die dein Iudcirlhume angehören. Die entfesselte Kraft trat mit einer Energie auf, »velche die Dell in Erstaunen und Bewunderung vcrseptc. Mit der Zunahme der Eultnr »varü auch da? Bcdnrfuiß rege, den veralteten geschmacklosen Synagogengcsang, gegen der» sich schon in» 1«I. und 17. Jahrhunderte;uwichtige 3timmen erhoben, der Beredlnng und kunstgitechten Behandlung zuzusühren, und die Bestrebungen in dieser Richtung sind mit dem neuem Enlturleben der Iliden eng ver- »vachsen. Den einzelnen und verei'.zelten Leislungen fehlte die Adhäsionskräfte um einen festen Boden für die Weiiercntwickluug der Siinagogen-Mnsik zu gewinnen. Diese Aufgabe »var einem Manne Vorbehalten, dem die Kunst schon in der Wiege ihre Weihe ertheille und mit den herrlichsten G. bei» ihrer Gunst bedachte. E? ist der Dberkantor der Wiener Gemeinde Salomon Snlzer, der im nächsten Februar da? 40jährige Jubiläum seines segensreichen Wirken? feien. Salomon Snlzer,;»» HoheneniS von biedern i nd intelligenten Eltern geboren, zeigte schon in frühester Jugend, jene ::nflanlagen, deren Entwicklung ihm zu einem nnbeslrillenc".» Weltruhme verbalsen. ES »var eii» Glück für da? fortschreitende Iildenthnm, daß Lebensverhältnisse und Umstände de:» jungen Snlzer veranlaßten, sein Genie der Shnagoge zu »vidmen. Kann» 20Jahre alt wurde er Kantor in der Genieinde seine? Geburtsorte?, und al? vor 4«> Jahren in der Residenz der geregelte Gottesdienst eingesiihrt »vnrde, »vard in Dulzcr die beste Kraft, die inan nur »vünschen und finden konnte, gelvonneu. Was 3nl;cr in dieser Dlellnng leitete, »vie sein unvergleichlicher Gesang Tausende und aber ^au sende begeisterte, »vie seine ins Her; dringenden süße»» Töne die verslock.esten Geiuiither zur Andacht lenk:?, ist allgemein bekannt. 2ioch jept in seinem hohen Alter verfugt er über Tlimmniiltek, dieda? Gepräge nie verwelkender Ingendblnthe an sich tragen, noch jez-t ift cr ein Meister in der Kunst de? Gesanges. Wenn nun an. die R'aehlvekt dem Dänger eben foivenig »vie dem Bnn»en Kränze flicht, so hat Sulz w durch seine anderiveiligei» Leistungen für seinen »»»»sterbliche»» Ocuhn» gesorgt. Tttlzer gehört nicht bloß der Wiener Gemeinde, cr gehört frei»! Indenlhum an. Er bar nielil bloß unvergleiailich schön gesungen, er hat den kunstgerechten Lr>i:agoge:ige:ang gleich''am geschaffen, und »vo immer in den cb'lfrcie;» - meinden aller Länder sich das 3trcbcit uind gab einen geregelten Gottesdienst einzuführen, »ourdeu Dnlzer'? Gesänge, die er in seinem bernhutte:: Knustwerle Schit* Zion d e Tessentlichkeit »bergab, für den aeKtnacichen Theil der Lr^ tnrgie adoptir:. Dulzer'? Melodien fanden ihren Weg durch die ganze Welt, und s:nd so :»» saaen. ^'emeir.gut de? iu;i scheu Bolw? geivorden. T.r Inseraten, eil unserer helu.^c.»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.