Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 24 (7.12.1865)
- Date
- 1865-12-07
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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füllen, den ihnen unsere weise und humane (Gesetzgebung*,u« weift. ES ist an der Zeit, daß sie den belebenden und geisterweckenden Sonnenstrahlen der Aufklärung den Eingang in ihre Ghctti'S gönnen, und a»S ihrer bisherigen Abgeschlossenheit und vrrkilinmertcu Lebensweise hcrvortrctcn und in die P:adc dcS frischen rührigen Lebend unserer Zeit Jnl.'rfcn. In den größer» Städten dcS Landes wie in Lemberg. Kra kau, Brodi hat wohl die Aufklärung unter den Juden bereits ein bedeutendes Terrain gewonnen, doch sind dieß nur einzelne Lichtpunkte, welche die dichte, daS ganze galizi-chc Iudcnthum cinhülleudc GeisteSsinfterniß nicht nerschcuchcu können, und in den übrigen Gemeinden dcS Landes ist noch kaum ein Lichtstrahl zu bemerken; dort treibt noch der vcrderbliche Chassidismus ungestört seinen 3puf, und dieser ist der größte Feind der Bildung, in der er mit Recht seinen gefährlich n Gegner ahitt. Bei der zahlreichen jüdischen Bevölkerung GalizienS, bei den natürlichen GeifteSanlagcu, die von jeder den polnischen Juden auSzeichnctcn, darf sich daS Iudcnthum von seinen Brkrnnern in Galizien viel dcS Guten versprechen, wenn einmal der Geist, seiner Bande befreit, seinen Aufschwung zur Bildung, und modernen Gesittung nehmen kann. Die Bethätigung bei den letzten Wahlen dürfte wie gesagt hiezu einen erfreulichen Anlaß bicthcn. Diese Anschauung ist jetzt hicrlaudS vorherrschend in den gebildeten christlichen Kreisen. In Krakau hat der Eandidat für den Landtag, welcher in der Minorität blieb, offen erklärt, daß er seine Niederlage den Juden zu verdanken habe, und weit entfernt, deßhalb gegen sie einen Groll zu hegen, hat er dem charaktervollen Benehmen seiner Gegner die Anerkennung ausgesprochen. In gleichem Sinuc hat sich auch der trotz der gegnerischen Abstimmung der Juden gewählte Landtagsdcputirte für Lemberg, Herr Graf Goluchowsky einer Deputation des Lemberger WahlkomiteS gegenüber auSgcfvrochen. Diese Deputation stellte nähmlich an den Herrn Grafen daS Ersuchen, er möge sich bei den ihm zu Thcil gewordenen fünf LandtagSmaudatcn für daS der lemberger 3tabt entscheiden. Hierauf erwicderte der Herr Graf: ES werde ihm zur höchsten Ehre gereichen, sich deS Vertrauens der /andcsbauvlftadt würdig zu zeigen, und er werde auch die jüdische Bcu ölkeruug überzeugen, daß die über ihn auSgcsprengten Gerüchte und Borurthcile grundlos wären. Auf eine Bemerkung DobrzanSkiS, Mitglieds der Deputation, daß die Juden sich solidarisch und ösicntlich als Polen manifcstireu, was hocherfrcucnd sei, äußerte der Herr Graf: Er hoffe die Juden werden polnische Sprache 'und Gesinnung allgemein annehmcn, daß dicß bis jetzt nicht geschehen, sei nicht ihre Schuld. — In dieser Deputation waren die Juden nicht vertreten, da die jüdischen M tgliedcr nach der Bildung dcö Wahlkomitc-Ausschusses wie bekannt aus demselben schieden. N. Aus Amerika Der in Ncu-L)ork erscheinende trefflich rc- ^girre ,,the Hebrew Leader“ klagt in einem „äußerliches Iudeuthuni" Lupertieial ckudüiLm. überfchricbencn Artikel über den Mangel an nicdern und Hähern Schulen für de ist religiösen ,Unterricht. Synagogen werden mit großem Kostcnauswande gebaut — cö vergeht kein Monat, wo nicht eine Gesctzrolle gespendet und mit großer Feierlichkeit cingc« weiht wird. Bei dem jedesmaligen unvermeidlichen FcstcÜ.f.n. lDCr^en feurige Reden gehalten, Toaste auSgcbrachl und vfficiclle Danke votirt; allein mit der Beobachtung der in diesen Gcsctzrollcn vorkommcndcn religiösen Vorschriften sei eS eben so übel bestellt, als mit den Untcrri''tSanstaltcn für jüdisches Wissen, dessen Basis eben der Inhalt jener Gcfetzrollen bildet. NcligionSschulcn für die Kinder, Scminaricn für die reifere Jugend, jüdische Bibliotheken, alle diese geeigneten Mittel zur Förderung des jüdischen Wissens warten in Amerika noch immer der verdienten Beachtung und Würdigung. j.] i’ürnlc und linswlirtige Uciiiijhcilcii. Prag 28. Nov. Der Großhändler Herr Wolfgang Löwcnfeld hat dem k. k. Starthallcrci - PräjD um sur die Abbrändler in KöuigSwarr 100 st. und für die .ibbräudler in Schönbach 50 fl. für die Hradeker und Iofefflädler Kinder -Bcwahranstalt in Prag je;>') fl. übe. geben. * Herr NabbiuatSasscssor Bak aus Szegedin hält jeTr einigen Sabbathcn in mehreren hiesige: Synagogen Vorträge, welche bei den Freunden der älkern witzig»-» AuSleguugSweisc von Bibel- und Talmudstellcn beifällige Aufnahme sinden. * Unserem Landsmann d.m Piainsla Herrn Leo Lion in Berlin ist von der Königin von Preußen ein huldvolles Schreiben zugegaugcn, worin sic bcdau.rt, aaß sic verhindert gewesen, persönlich in der von ihm veranstalteten Wohlthätigke'S - Matine zu erscheinen. Herr of. 1)r. Kämpf erhielt dieser Tage ein schmeichelhaftes Schreiben vorn Mendclsohnv.'reine in Leipzig, worin er ersucht wird, bei der im nächsten Iäncr stattsiuden« den Mendclsohnfcicr die Festrede zu halte». * Herr B. Trier auS Lieben hat zur Genesung Sr. Majestät deS Kaiser Ferdinand ein sinurciches Gedicht verfaßt, welches Sr. Majestät allcrguädigst aufuahm und den Verfasser mit einer nahmhaflcn Geldsumme belohnte. * Der Wiener Oberkautor Herr Professor Sulzer, der seit einigen Tagen in unser» Mauern weilt, beehrte mit scince Gegenwart die am verflossenen Dienstag zur Aufführung gelangte Oper „Johannavon -Neapel." welche— bekannt« lich ein 'Werk seines Sohnes deS Tondichters Julius Sulzcr, — so wie in den früher» Vorstellungen auch dießmal sich nngethcilteu Beifalls erfreute. Meliuk Dem Herrn Markus Pich, EulruSvorftchcr in Mclnik-Schopka wurde aus Anlaß feiner Uebersicdlung nach Prag eine k ligraphiich ausgestatlele Dankadresse von d.n meluik-schovkacr Gcmcindcmitglicdcrn überreicht, in welcher ihm für sein mehr als 5>0jä origes Wirken für Eulrus und Schule, der wärmste Dank ausgesprochen wird. Der dortige k. k. BezirkSamtmann Herr Kallmüuzcr, indem er die Aechlhcit der Unterschriften bcstättigt, pflichtet die vollste Achtung zollend, dem Schcidcgrußc herzlichst bei. Herr Pick war auch seit 1819 NcchnungSführer der politischen Ortsgcuuiudc <2chopka und eine längere Zeit sogar Bürgermeister daselbst. Strakoiu'tr 23. Nov. Der Eh cf der großartigen FeSfabrik der „Gebrüder Wcill et Eomp." Hr. Moses Weil! wurde in Bczdckau bei Srrakouitz bc.digt. Er halte ein Alter von 89 Jahren erreicht und sich auS einer geringen Stellung zu Ansehen und Wohlhabenheit cmpergcschwungen. Man schätzt sein Naßlasvermögen auf eine Million. Wien. Herr I)r. Ehrciuheil, Rabbiner zu Horic in Böhmen hielt ant 25>. v. BL im Leopoldstädtcr Tempel seine Probcpecdigt über den Bibcltext. „Ich werde sein wie Thau für Israel, cS wird blühen wie eine Rose." — Der geschätzte Redner crömietc den EnkluS der Gastvredig'cn. welche die vom Vorst., udc berufcneu Bewerber um die hiesige Predigerstelle in 7 aufcinaudcrfolgeudcu Sabbathcn abhalten sollen. Den folgenden Sabbath hielt Rabbiner 0r. Pcrlcö eine Probcprcdigt. ZumThcma seiner Besprechungen wählte er die drei das Iudcnthum stützcudcu Pfeiler: die Thora, den Gottesdienst und die Nächstenliebe. Die Thora — führte der Redner aus — ist d.,S geistig belebende Element dcS IndcnlhumS; in ihr liegen Wahrhcilcu aufgehäuft, die sich nicht weglcugncn lassen. Jedoch über die Grenze der Tragweite der Thora für die jüdische Religion treten die verschiedensten Ansichten zu Tage; während die Einen vor Gluth in ihrem Eifer vergehen, erstarren die Anderen in ihrem IudisfcrcnliSmuS vor Frost; maßlose Hitze auf der einen Seite, starre Gleichgiltigkeit nach der andern Richtung; der beste Weg sei die Mitte. Ter Redner sprach hierauf über den Werth deS Gebetes und die Bedeutung des öffentlichen Gottesdienstes. Vor vielen hundert Jahren lastete der Druck