Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 24 (7.12.1865)
- Date
- 1865-12-07
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
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— 197 Das wunderbare (Ddkriirjlrin und das Lhailnka-Lied. vcm Ureisrabbincr Haller. Die Begebenheit, worauf freu* Ehanukafett sich gn'mbft, wird iiu aalmud (Ladb. 21 b) au folgende Weise erzählt. „Als dir O'ricdicit in bin' Hciligthum drangen, verunreinig- „tc» sie alle daselbst bcsinblichen Dclc; nachdem die Hasmo- „näcr sic besiegt, wurde ein mit dem hohenpriestcrlichcn Sic- „gel versehene- Krüglciu vorgcsundcn. Dbschou daS darin „enthaltene 57el nur für einen Tag hinreichend gewesen, „ward durch eilt göttliche- Wunder an dem Dr'.e doch keine „Slbn 1]me bemcrlbar und cS reick-te fürv.llea Tage a».S. „,?; Andenken an diese wunderbare Bcgcbenh. wurde daS „Ehanukafcsi eingesetzt." Tiefe Sage, die aller historischen Begründung entbehrt, da ihrer weder in den Büchern dem Makkabäer, noch in IoscfuS Flavins irgend eine Erwähnung geschieht, war und ist znm Thcil noch jetzt unter dein jüdischen Bolle so allgemein verbreitet, daß hierdurch da- Andenken an die makkabüischcn Helden — mithin die Glanzveriode in der Geschick"* der Juden — beinahe auS dem Bewußtsein desselben vc rängt worden ist. Sobald das erste Festlich! am Ehanukascs. angezündet wurde, dachten Jünglinge, wie kreise, namentlich zur Zeit, als derlei historische Momente in Schule und Gotteshaus noch unberührt blieben, mehr an dieß wunderbare Dellr glcin, als an Frda Ai'akkabäuS, der als Stern erster Größe am jüdischen Heldcnhimmcl glänzt und leuchtet. Daß die Feinde des Talmud dieß auszubeuten gewußt, und ibm Unw sscuhcit in der Geschichte seines cig men BolkeS vorgeworfcn, versteht sich von selbst. Aus jüdisch religiösem Gebiete wird von unfern Gegnern — und mögen sie auf demselben noch j fremd und unbekannt sein — Alles auf* gcgriüen und RichlS ohn. Einwürfe und Borwürfe abgemacht und abgclhan. TaS kurze Gebet by, das der Talmud selbst (Sabb. 24 a) für daS Ehannkafcst vorgcschricbcn, und in welchem die Geschichte der Matkabäcr in gedrängter Kürze enthalten ist, ohne daß dcS wunderbaren DclkrüglcinS irgendwie erwähnt wäre — beweist hin änglich, daß dem Talmud die Geschichte seines Bottes keine terra incognita war und daß er überhaupt mit seiner Erzählung vom wunderbaren Dcltrüglcin durchaus lein historisches Faktum geben wollte. Der Talmud ist kein Geschichtschreiber und will es auch nicht sein; daß er aber gern historische Momente versinnbildlicht, wird wohl jeder eingeslchcn, dem der Talmud keine terra incognita ist. der Erzählung vom wunderbaren Dclkrüglcin will ber Talmud die Geschichte der Makkabäer allegorisicrcn, um dadurch einen poetischen Hauch über dieses historische Moment und vc zugSwcise über Inda MakkabüuS, den Helden dieser Begcb ahcit, anSzugicßcn gedacht wäre. Tas Tel bedeutet hier die Seele (Ialkul zum h. Lied 1. -;) das K rüglein ist ein Sinnbild des Körpers nachdem Ausdrucke der Mischna (Abot 4, 20) nVn |p;pi b:rcr. bs 11 v"v' nci, schanuicht auf das Krüglciu, sondern aus daS, was ^darin ist. AlS die Griechen in Iermalem cinficlcn, um Israel für daS Hcidenthum zu gewinnen, gelang eS ihnen auch bei vielen ^imir." E'div'.i ^?i txiE, sic verunreinigten die Seelen in Israel. — Mathathias und seine Söhne, die blieben rein, die blieben treu dem Glaubcit ihrer Bäten die opferten Blut und Vcbeit der religiösen Wahr« heit. Borzüglich war cs Juda MakkabäuS, ein bi:' *jc, ein Krügtcin voll des reinsten DelS, ein Jüngling voll edelsten Geistes, der durch seinen Heldenmut!), durch seine glorruchen Liege seine hohcpriestcrliche Abkunft im schönsten Sinne des Wortes bewährte J"i bv cn*.ri r:*.s n\i; ihm r,flQ; g cS nrch göttlichen Beistand dort überlegenen Feind zu > besiegen, den Tempel;u reinigen und zu weihen (Malk. 1, 4, 5<; II, 10, 9.) und durch volle acht Tage ein Einweihung-fest öffentlich zu feiern rp'^r e; riry: i'i' ’n — Eine deutsche Ucbersetzung deS allbekannten Ehanuka- LicdcS vir **;•“ dürfte hier nid't am Unrechten Drte sein und erlaube ich mir den geehrten Leser auf die letzte Strafe aufmerksam zu machen, die ich r ich der vorhergehenden Erklärung überseht habe. — 1. v.>s Meiner Hilfe Best uns Hort, — Lob gebührt nur Dir; — Baue mir den Tempel dort, — Dank bring' ich dafür. — Wirst den Feind Du ganz vernichten, — Taß nicht toben er mehr kann; — Altäre will ich Dir errichten, — Und weihen sie für Jedermann. — o. 5Der Leiden war die Seele satt, — Die Kräfte schwanden, i ) ward matt; — ^fein Leben trübt', durch harte Knute — Egyptens Reich Es sc! oang die Ruthe; Deine loch erhab'nc Hand — Führte mich inS freie Land. DeS Tyrannen Heer und Brut — Sank wie Stein in Witte Flat. — v:* Er brachte mich ins Heiligthum, — Dort übte ich kein Iudenthum — Der Treiber kam und trieb — Ich hatte fremde Götter lieb — Und ihnen Dpferwein gegossen — Rach sieozig Jahren, — Die hingefahrcn,— -War schon Erlösung nah' — DaS Ende von Babel — Und Scrubabei — Als Führer stand er da. — , 4. •- m Es wellte fäll'n der Eedcr Krön' — Haman, des Hanchata Sohn; — Aber anders wards gelenkt. — Der Pfahl, den er für uns errichtet, — Hat Hab' und Gut ihm ganz vernichtet, — An ihn ward er gehängt. — 5. Als in der Hasmonäcr Zeit — Grausame Ungerechtigkeit ’— Der Grieche an unS übte, — Da brausten Stürme, — Da stürzten Thürme — Des Glaubcnsöl ver siegte. — Ein Krüglcin war's mit reinem Del, — Ein Jüngling von gar bied'rcr Seel', — Des hohen Priesters Heldcnsohn, — Iehnda sprach den Feinden Hohn, — Der Wahrheit Sonne siegte — Mitten unter Fcldgetümmcl. — Darum brennen Lichter, — Darum singen Dichter—Preis und Dank dem Himmel. — Lorrtjpondenmi. Aus Galizien. Bei den Wahlen für den Landtag haben sich dicßmal die galizischen Juden sehr stark bctheiligt, und ihr festes Zusammenhalten gab mancher Wahl den Ausschlag. Bei Erfüllung dieser Bürgerpflicht wurden sic durchaus von keiner Rcbcnrücksicht geleitet, sondern sie folgten ihrer inncrn Uebcrzcrgnng, und vereinigten ihre Stimmet! auf diejenigen Eandidaten, die sic ihres BcrtrancnS am würdigsten hielten. Diese selbstständige Haltung, ein deutliches Zeichen ihrer politischen Reife, hat nicht nur zur Erhöhung ihrer Achtung bei allen Parlhcicn bcigctragen, sondern sie selbst mit dem freudigen Bewußlseiri erfüllt, daß sie dllrch ihren patriotischen Eifer ihren ächten Bürgcrsinn beurkundeten, und dieser letzte Umstand ist auch für ihren socialen und geistigen Fortschritt von großer Bcd.ntung. Die Juden GalizienS müssen nun zur Einsicht gelangen, daß sie nur nach dem Beispiele ihrer Glaubensgenossen in den übrig n österreichische Provinzen, durch Errichtung von Schulen und andere Mittel, welche die Eultur fördern, sowie durch ihre Theiluahme an allen bürgerlichen Bestrebungen jenen Platz würdig ans- 24*