Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 23 (23.11.1865)
- Date
- 1865-11-23
- Page
- Seite 193 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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103 *3ii hschan. 7. v5f)ölbäifdn'^ Sörtcrburfi fiter Mc Targumim und einen großen Theil deS rabbiuischen Schriflthums von Oc'abb 1)r. I. Löwy. — i5rftc Lieferung (bis xr*r) Veipzig 18*3*3. Schon der Titel dieses Werkes lässt uns über die cigentliche Tendenz deS Vers, in Zweifel, und wir wissen nicht recht, ob unS hier ein chaldäisches Lexicon oder ein Bokabnlarinin;u den T rgumim (nicht über die Targninini) geboten wird; denn daß die Targumim, oder die anS verschiedenen Zcitcpochen hcrrührenden ttebersetzungcn der biblischen Bücher nicht als einzige Quelle der chaldäischcn Sprache betrachtet werden können, hat der Bcrf. selbst durch de» Zusatz „und einen großen Theil deS rabbiuischen SchriftlhnmS" aus dem Titel deS Buches anerkannt, und der weit größere unbeachtet gebliebene Theil dieses SchriftthumS, der mitunter Stücke enthält, die älter als das älteste Targum sind, biethct gewiß ein ergiebiges Materiale für die lexikalische Behandlung der chaldäischcn Spreche, wenn 'ir auch von dem reinen, durch die Schicksale späterer Zeiten noch, nicht getr bten EhaldäismnS, wie er sich in den biblischen Büchern findet, gänzlich abschen wollen. Doch der Bers. nennt einmal sein Werk cm Wörterbuch, und die ftritif hat das R.cht zu untersuchen, ob der Inhalt auch dem Titel entspricht. Ein Wörterbuch kann in zweifacher Richtung seine praktische Brauchbarfeit und seinen wissenschaftlichen 'Werth bewähren dadurch, daß e den ganzen Wortschatz mit allen gebräuchlichen Phrasen einer Sprache erschöpfend verführt, gleichsam das ganze Sprachmater ale bloßlcgt, und somit das erste und unentbehrlichste Hilfsmittel für die gründliche Erlernung dieser Sprache biethet. Ein solches Wörterbuch unterzieht eigentlich zwei Sprachen seiner geistigen Thätigkcit, die eine, deren Wortschatz eS anSlcgt, die andere, in die eS Ziesen Wortschätz übcrsetzt.^Solchcr Art Wörterbücher sind orzugSmcise für moderne sprachen eingerichtet, und ie führen aus dem Titelblatt den Rainen der beiden Sprachen, für die sie au - gearbeitet wurden, z. B. franz. deutsches, englisch deutsches Wörterbuch etc. Ihre Anzahl ist Legion, sie verlangen mehr cLprachkunde als iLprachforscbung. Die Sprache, wie sie im Rcunde deS BolkeS lebt und wie sic sich in der Literatur fortentwickclt, ist die eigentliche Quelle einer solchen Arbeit, und waS in erster Reihe von ihr verlangt wird, ist die Bollfländigkeit, denn die Anordnung, die an der Hand der alphabetischen Aufeinanderfolge ihren sichern Weg wandelt, biethct in der Regel wenig -Lchwicrigkcitcn. Diese Richtung, die wir die praktische nennen möchten, konu.e von dem Bers: vorliegenden Werkes nicht cingcschlagcn worden sein, wenn er seüt Buch auch, wozu er berechtigt war, „chaldäischdeutsches Wörterbuch betitelt hätte. Die zweite Richtung eines LcxiconS i>t eine etymologische, der eS hauptsächlich um die Ableitung deS Wortes, durch die man erst zur Bedeutung gelangt, zu thnn ist. solche etymologische oder philologische Lcxiea haben in jeder Sprache einen grauen wissenschaftlichen Werth, wenn sic den Anforderungen der Wissenschaft wirklich entsprechen. tobten Sprachen, wo man eS mit einem abgelebten ^christlhum zu thun hat, das oft erst zn:.k allgemeinen Ber sländniß gebracht werden muß, lassen sich beide Richtungen schwer^trennen, und dcrLcxicograph wird niemals Philologifchen Forschungen anS dem Wege gehen können, wenn er die OAaise des Wortschatzes fcstftcllcn und die Bedeutungen lonftatiicn will. Ist dicß schon bei den klassischen Sprachen des Alterthnms, der griechischen und lateinischen der Fall, die doch in der Literatur ein reiches Leben haben, und deren Wortbedeutungen mei>lenS be>limmt und bcgränzt sind um >vic viel ivenigcr können sich Wörterbücher, die das jnd. Schriftthnm— fei eS nun da hebräische, wie eS in der LAbel oft nncrfchlosen vorliegt.^sei eS das targnmische, midraschische, talmudischc daS gar in Dunkel gebullt ist, behandeln, sich der ctymoloüischen 'Richtung entziehen. Hier ist eS die erste Ausgabe, jedem Worte die gehörige Bedeutung d rch die gehörige Ableitung zu vindicircn. J Wenn wir mit Dank anerkennen lvaS in dieser Beziehung für die hebräische Sprache in neuerer Zeit geleistet wurde, welche treffliche Leisinnaeu das Studium der hcb. Sprache und durch dasselbe die Bibelexegese forderten, welche vorzügliche heb: 'Wörterbücher wir einem Gcsenius. einem Meyer, einem Jvfirft und a. m. verdanken, so dürfen wir doch nicht unbeachtet lassen, daß in die'em Fache viel vorqearbeitet wurde; denn die Bibel fand seit den ältesten ^'iken bis auf den heutigen Tag zahlreiche Ueber>'etzer und Eomentatoreu. Weit schwieriger sind die lexikalischen Arbeiten für die spätere jüdisclie Literatur, hier sind die Borarbeilen nicht sehr zahlreich, und daS Wenige das vorhanden ist, liegt zerstreut, ist vom neneslen Datum, gleichsam noch im 'Werden. Wir haben da keine selbstständige ausgel chele Sprache vor uns, sondern ein Mischidiom, daS seine Elemente ans verschiedenen^ Sprachen holte, da muß jedes Wort nach feiner Herkauft befragt werden, und nicht jedes weiß über seine Abstammung die nöthige Auskui't zu erthcilcn; deßhalb dürfte ein gutes targnmischcS, midraschisches oder talmndischeS Lexicon noch lange ein i>ium desiderium, ein ungelöstes Problem bleiben Bon diesem Gesichtspunkte aus wollen wir dem Streben des Bcrf. G.echligkcit widerfahren lassen, und nicht allzustrengc mit dem Titel rechten, sondern bloß untersuchen, inwiefern er vom eignen begränztcn Standpunkte anS seiner Aufgabe entsprochen, und welchen 'Rntzen die Sprachwissen schaft aus seinem Werke schöpfen köitnc. Znförderst bedauern wir eS. daß dasjenige, waS der Herr Berf. hors d’oeuvre mitthcilt, und durchaus nicht den Werth eines Lexicons erhöht, einen so bedcutcndcit Raum im Buche beansprucht; so führt er unS zu vielen Schlagwörlcrit eine Masse Eilare vor, die mit einem chaldäischcn Lexicon in keinerlei Bcrbindui'g stehen. Im Artikel rx erhalten wir eine Exkursion über ein alteS nationales Fest, daS am 15. dieses MonatS gefeiert wurde. In Artikel rrx werden einige Ansichten ans Talmud Baba Bathra über das Zeitalter Hiobs angeführt, und die andern sich dort findenden ohne Grund ignoirt, im Artikel xrex erfahren wir den Unterschied zwischen *,::’x und ri*9.a ''L'X, den wir gewiß überall eher, als in einem chal düischen Lexikon gesucht hätten. So bringt beinahe jeder 3. oder -1. Artikel — nicht etwas Rcues — aber etwas nicht zur Sache Gehöriges. — Der Berf. benützt jedes unschuldige Schlagwort, um irgend eine bekannte klare Talmndstellc des Breiten und Weitläufigen zu übersetzen, anstatt, wie man eS von einem chaldäischcn Wörlerbnche erwartet, durch sprachliche Forschungen auf dunkle schwierige Stellen ein helles Licht zu werfen. Zu vielen einfachen Schlagwörtern werden viele Beispiele angeführt, die mehr daS Bolnmen deS Buches vergrößern als sie den Werth desselben erhöhen. Ucbcrhanpt zeigt daS vorliegende Heft sehr wenig von selbstständiger Forschung. Auf die Bedeutung der meisten Schlagwörter führen die verwandten hebräischen Stämme ohne große Mühe, und wo die Etymologie etwas Schwierigkeiten biethet, hält sich der Berf. meistens an Arnch, und von den neuern Forschern sind größteuiheils Rappoport und SachS scinc Quellen, deren Ansichten er häufig folgt, sic aber auch zuweilen verwirft. Die Erklärungen vieler talmudischer 'Wörter in den neuern jüdischen Zeitschriften sind ihm größtentheils eine terra incognita. — Ta sich der Bcrf. mehr als Sammler denn als selbstständiger Forscher bewährt, sollten ihm auch diese Quellen nicht nnb.'kanül sein. Mil seinen ei- 'encn Erklärungen isi der Berf. selten glücklich; w übersetzt er (Artikel rv-.rx') r,v,rx p-rvr rr:;. „Guter die eine Zukunft haben." Wir glauben kaum, daß diese Erklärung eine Zukunft hat. Er e'itirl auch bei dieser Gelegenheit die Ansicht deS 'MaimonideS über dieses Wort, jedoch unrichtig, MaimonideS sagt, die Schuld kömmt zurück, nicht aber, wie der Bcrf. ihn sagen läßt. „Das Grundstück geht von Käufer B auf den Gläubiger E ztirück — "«"x — Der Gläu-