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Das Abendland · 1865-11-23 · 23 (23.11.1865) · p. Seite 192

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
23 (23.11.1865)
Date
1865-11-23
Page
Seite 192 (sequence 6)
Language
German
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— 1 SL'odiciiMntfcJ für die jübifdic Sdntfc murr hem Xitel „Xer jübifdic 2d>nlbotc“, in bciitfdjrr 3pradic crfd)icncu. Sruibrrg. Der hiesige herein für Bildung und ö'cfcllig* seit pcro:ifia!tcte eine XoMenfeier für den seligen 9u;;ato. In mehreren mit Beißstl ausgenommenen Reden, die bei dieser «Her gehalten wurden, fand ba^ Wirken ftuzzato'S nach den verschiedenen wifsenschaftlichen Richtnngeu feine Würdigung. Trieft 14. Rov. (seltene diming). Unter den drei Portraits jener verdienstvollen Männer, welche die diesige Handelsvi'Nretnng anS ülnerfei nnng für ihr Wirke» zur Förderung der Industrie in da- ^'öisenhalle au'stellen ließ, befindet sich das deS Jnerrn Aaron Isak v. Patente. Berlin. Der hiesige Privatdoeent Herr I>r. Rofenstein ist nad) Holland an die Universität ',u ("rüningen als ordentlicher Professor der medieinifchen Klinik b.rufen worden. * (Orthodoxe und Reform-Juden.) In der hiesigen Gemeinde ist ein lebhafter 3 treit auSgebrodien, und;war innerhalb der alten (*'' e m e i n b e. Hier hat sich int ftanse der Zeit faktisch eine Zweiggemeindc gebildet, eine Partei, der das Altherkömmlid)e nid>t nuhr recht, weil nid)t zeitgemäß war. Diese Partei wollte die nur noch Wenigen verftändliche Sprache obgesdiasst wissen, ebenso diejenigen (Mehrte, welche als gegenstandslos erscheinen n. s. w. Die Gesammtgemcinde hatte sidi bisher wenig nm diese Entzweiung bekümmert; man wollte den Alten Gewohntes und HeiliggedalteneS nicht ei weißen. Diese Mittelpartei ist eS nun besonders, aus deren Mitteln die neue Synagoge entstanden ist; sie wollte gerade in diesem Gebäude ein Werk der Vermittelung schassen. Hier sollte zwar noch immer ein Haupttheil beS GcbetS in hebräischer Sprache obgehalten, allein zugleich daS deutsche (Mehre, der deutsche Ehoralgesang nebst Drgelbegleitung eingcftidrt werden. ES sollte der SamSiag als der wöchentliche Labbalhtag gefeiert, es sollte aber AlleS fortbleiben, waS seine»^ Sinn verloren hat. Da kommt nun die Ze9, daß die neue Lynagoge benutzt werden soll. In diesem verhängnißvollen Augenblick tritt nun der alte Kultus mit dem Anfpriid) aus, sich auch der neuen Synagoge, zu deren Erbauung er gleichfalls beigefteuerl hat, zu beinächtigen. ES handelt sich also uni nichts Geringeres, als um eine Eroberung der neuen Synagoge. AuSgekämpst wird dieser Streit werden in der bevorstehenden Neuwahl der Repräsentanten der Gemeinde. Wie diese Wahl auSsällt, so endet der Kamps. Eßlingen. (Wünemberg.) DaS hiesige israelitische Waisenhaus batte sich am ls v. SDi. deS Besuches Ihrer Majestäten des Königs und er Königin zu erfreuen. Paris. Ein Sohn des Baron IaineS von Rothschild ist beim kaise. liehen Gerichtshöfe in Paris als Advokat adjurirt worden. Warschau. Die Anstrengungen der Militärpflichtigen um die Mittel zu beschassen, sid) von der Assenlirung loszukauseu, sind außerordentlid) und die Armen veräußern AlleS um nur die vorgesd;riebene Tape von 400 Rubel zu erlangen. Allgemeines l'cb finden hier die Anslrengnngen, weldie der hiesige Dberrabbiner Heir MeiselS gemacht hat, um auch windigen jungen Veule» aus seiner Gemeinde, beren Arliuitl) ihnen die sioskausung nnmöglid; gemacht hätte, diese i'ostailsung zu ei möglichen. Herr Meisel hat nämlich die Wolhabendeii seiner Gemeinde zu Beisteuern ausgesordert, uni die Blinel zur 9oelausnng armer würdiger junger teilte zusan'.menziil ringen und in den ersten zwei Tagen hat d.r brave, sid) ausepsernde Deelenhirt 10.0(;U Rubel in seiner Hand gehabt. Dabei haben die eigentlichen Reichen bis jetzt nod) gar nicht beigefteuerl. Bon der Regierung hat Herr Meisels zu dieser Sammlung die Erlaubniß erhalten. 3murna. 3C*ic man den rArchives Israelitin“ sdreibt, irnr der Sd'recken, der sid) beim Ausbrnd) der Ebolera verbreitete so groß, das; nur ein einziger Jude Herr Jakob Gabbai sich dazu hergab die K ankeu zu pflegen. Gras Be - tivoglio General Eonsul Frankreichs in dieser Stadt und Präsident des WohlthätigkeitS-Vereines lhat sehr viel für die Juden. Auch die barmherzigen Schwester kamen zu Hilfe, daS Elend war zu groß, als daß die Wohltbätigkeit Einzelner hätte ausreichen sollen. James von Rothschild durch Gabbai vom traurigen Zustande unserer Glaubensgenossen unterrichtet, überschielte 200 P'und Sterling. Sire MoscS Biontesiore spendete 7>0 Pfund und Herr FraneiS Goldschmidt 100 Pfund. Ungefähr!:>»" arme Israeliten wohnen in den 1-10 außerhalb der Statt ausgeschlagenen Zellen. Herr Gabbai vcrabreid)t ihnen täglid) RahruugSmiltel und Medikamente. M riea. Ein Del et deS Kaisers llaxmiOan verkündet vo'lstündloe Emaneipalion aller Religionen in dem neuen Kaiserreich. Als man voriges Iabr in Desterreid) für den jungen Thron Soldaten warb, wurde kein Jude in die Reihen derselben ausgenommen. Der Kaiser sdieint nun zu der Einsicht gekommen zu sein, daß er sich nicht von seinen bisherigen sanalisehen Rathgebern beherrschen lassen dürfe. (I. Ehr.) Iimi?, 27. Dktoher. Man erinnert sich noch, daß dem vorjährigen Aufruhr versd)iedene Angriffe auf die hiesigen Juden vorhergingen, welche jedod) alle nur unbedeutender Art waren und mit 900 bis 1000 Bambushieben belohnt wurden. Dieselben Borgänge, aber weit bedeutender, fanden aus der Insel Gherba statt. Dort lvard AlleS waS den Juden gehörte geplündert, und wurden selbst Angriffe aus daS S'cbrn der jüdischen Bevölkerung gemacht. In Folge dessen kam es zu einer Art Answander.mg auf'S freie Feld. (GhabeS selbst ist mit Mauern umgeben, deren Thore Abends geschlossen werden. Bor den Thoren garantirt die Polizei nicht daS nackte 9eben.) Als der Aufruhr gedämpft war, und die Juden nach und uad) znrüekkehrten, von ihren geplünderten Häusern c'cr mir noch Steinhaufen versanden, da wandten sid) dieselben an den vom Bey geschickten General mit einer Bittsd)rist, daß die Ausrührer zu einer Entschädigungssumme von 900,000 Piastern (200,000 Gulden) gezwungen würden. Der General billigte daS Verlangen, und Herr Joseph Levy, weldier gewöhnlich die Unterhanduingen zwischen der jüdischen Bevölkerung und dem Bardo (Residenz deS Bey) führte, trat als Bermitller aus. Aus den vermittelnden Vorschlag statt der 900,OOo nur 400,000 Piaster anziinehmen, wollten die Juden nid)t eingehen; als ihnen jedoch die Araber statt dieser Summe bloS 100,000 Piaster boten, da erklärten einige der Aelteste», daß sie vorzögen nichts zu nehmen, als sid) mit dieser Summe für entschädigt;n halten. Der General, weldier an und für sid) ein großer Feind der Juden ist, hielt sie gleid) beim Wort, verössentlidite in der Staatszeilung und an allen Ecken eine Proklamation, daß die Juden ans Entsd)ädignng verziehet hätten, und schickte denselben die Erklärung zur Unterschrift. Diejenigen, weld)e wirklich jenen A -sprach gethau, unter - sd)rieben, die Anderen aber wurden erst durd) die Bailonnade zum llmcrfd)rcibcii bewogen. AlS Sir Richard Wood dieß erfuhr, eilte er zu Sidi Mnslapha Khasuader, dem Premierminister, und verlangte augenblicklid)e Geimgthuuug. Der iViiniftcr war damit einverstanden und sd)ickte den Kaid von Gherba, weld)er gewöhnlid) am Hose des Bey lebt, nad) Gherba; Herr Joseph tzevy begleitete ilm. Diese Beiden befahlen, daß augenblicklid) 20<>,0o0 Piaster gezahlt wurden, was denn and) geschah; der General selbst mußte Herrn tzevy die Summe überbringen. Den günstigen Erfolg haben die Juden aber jedenfalls dem englisd)en Konsul, der sich bei jeder Gelegenheit hervonhut, zu verdanken. . ' Jerusalem. Die Eholera ist am 18. Dklober mit erneuerter Wulh ausgebroehen.

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