Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 23 (23.11.1865)
- Date
- 1865-11-23
- Page
- Seite 190 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 100 — fcber feiner Priro1feiud''ck ast gegen iln nknu en löf;r, so ] wild Herr Stein mit der Zen drei) d-.e gegen iln ccfcfnen Vvrnrtheile 1 elemp'en, und il.in die veidieute?.ncr!crrt:rg gewiß zu Theil werden. K. Audem Prager Kreise am 15. Rovember. Hochgeehrter Herr Redakteur! Im vause diese- Monatnoch werden die Deputirten unsereengem Vaterland - in der Metropole ihre Sitzun gen beginnen, und geben wir uuder Hossuuug bin, daß der im vorigen Jahre dem hohen Landtage zur Begutcch. tung vorgelegte ^ultn- Qrdnnng-entwurf in der dießjährigen Session dieknlirl werden wird, und ich ersuche Sie deu.n in Ihrem geschälten Elat'e einige einscj'lägige Fragen der Besprechung zn unterziehen. Heute machen wir mit der folgenden den Anfang: W e r oder w a - sind R e l i g i o n - l e h r e r? Rieht etwa daß ich verlange. Sie sollen al- Phhsiolog mir bestimmen, ob selbe zum Thier- oder Pflanzenreich gehören. — Daß sie zum Steinreich nicht zählen, b.: noch kein 2tcrblid'cr bezweifelt —, oder daß Sie elS Anatom ein Exemplar davon unter Ihr Seeirmesser mhmen und zergliedern, sodann mit der Lupe dessen ceredrnm — wenn ein solchesich sinbet — untersuchen sollten — solche wissenschaftliche Experimente sind für mich, den schlichten Landmann viel zn doch. Ich möchte nur gerne wifien, wie man eigentlich Reliaiou-lel rer wird? Erblickt mau schon alfertiger Magister der Grtie-- gelahrtheit da- Licht der Welt, und wird gleich mit seiner ganzen Qualität wie der Poet — poeta nascitur — geboren , oder kann man sich durch einen Einke.uf-pilibie Mitgliederschaft dieser ehrenwenhen Zunft verschafien? Daß Talent und Wissen eben nicht die notbwendigen Beditigungen zu diesem Lehramte sind, hat die Erfahrung sattsam bewiesen. Her X war ein einfacher Hausirer, ein fleißiger D rfgeber, ex ging viel besser al-seine Geschäfte, und dieser unliebsame Umstand brachte ihn auf den Gedanken, sich eine Kutte und ein Barett anzuschaffen und einen Vollbart a la Jung-Ezecheulhum wachsen zu lassen; nun ist er schon ein Religivn-lehrer comme il faut. Efehlt ihm nur noch eine Kleinigkeit, nämltch eine (Gemeinde — und diese findet sich auch schnell, nach wenigen Wochen ist Herr X ein so urwüchsiger Religion-lehrer, alob er niemals Elle oder Scheere in der Hand gehabt hätte. Solche Individuen schießen jetzt über die Rächt wie die Pilze ander Erde hervor, und die genialen unter ihnen bleiben nicht einmal dabei stehen, sie sind noch zu was höherem geboren — sie begnügen sich nicht mit dem Prädikat Religion-lehrer — wahrhaftig leerer können sie nicht sein — sie wollen al- Prediger, Rabbiner, al- Universalgenieglänzen. In nenester Zeit ist der Dokiortitel ihr letzter Ebrgeiz. Run, Herr Redakteur! verstehen Sie meine Frage: Wie wird man Religion-lebrer? Wie metamorphisirl man sich ans einmal zum Gelehrten? — Freilich wird man auch hentigen Tageüber manchen autorisirten Rabbiner klagen und ihn der erwähnten Kategorie znzählen, und vielleicht nicht mit Unrecht, doch dieß macht die Sache nicht besser, und wollen wir dasjenige, wain dieser Region faul ist, ein aridere- Mal besprechen, für heute schließe ich mit der Bitte, Ihre Ansicht über obige Frage offen au-;nsprechen. U. (Rachbemerkung der Redaktion.) Qbgleich Interpellationen und drängende Fragen an den Redakteur, besonderwenn sie nicht klar und präciformnlirt sind, nicht zum journalistischen UsuS gehöreit, können mir doch dem warmen Eifer unseregeehrten Herrn Eorrespondenten die Anerkennung nicht versagen, und muffen eingestehen daß seine Klagen nicht der Uebertreibnng beschuldigt werden können. So lange ean genügenden Bildung-anstalten für "Rabbiner und Religion-lehrer fehlt, kann ewohl nicht andersein, Feld der Pastoralen Wirksamkeit und der Lehrthätigkeit auf religiösem Gebiethe Autodidakten überlassen werden mnß. Tawäre noch da- Selilimmste nicht. Der Autodidakt bat keine Schulbildung genossen; aber er hat weuignenetwagelernt, allein lveil eben für sein Wissen die vmbige Eontrole »nd daher anc!> der Maaßsiab fehlt, kann auch zuweilen der Ignorant al- Autodidakt gelten, und ekönnte im Indentl'lime eine Zeit ko uncn, lvo der zweifelhafte Autodidakt dent sichern Iguoran:en da- Feld räivien müßte. Deßhalb erkennen wir in der <'s'rünbimg von' 2 rb* biner- und Lebrer>'ei..inarien daeinzig. Heilmittel gegen oen nicht mehr lvegznlängnenden Uebelstand. Gerade jetzt ist die günstigste Gelegenheit in unserem engem Vaterlaiide ein solche- Institut in- Leben zn rufen, und nirb sie jetzt nicht benutzt, so dürften Dezeuiev. verstreichen, ehe sich wieder eine ähnliclie biethet. Sowohl die v ager Genieinde esdie Landjudeuiebaft haben im Augenblicke über große Geldsummen für b .uanitäre Zwecke zn v rn'igen, und wie loben-werth und e.cl euich die Sorgfalt s. den lcibcnbc:r unglücklichen Theil der Menschheit erscheint, so liegt dock die größte Humanität in der Förderung desittlichen und religiösen Heilder Gesammtbeit. Wir find tief ergriffen voir dem Elend einearmen verwaisten Kirrde-, dem keiir Vater da- Brot für die Rahrnng de- Leibeherbeischafst, nnd nnr der Gedanke beruhigt un-, daß Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit noch immer in Israel lebende Tugenden sind; doch mehr blutet nufer Herz bei der Errvägung, daß die Zeit konuneir könne, wo nie* mand u'-seren Jungen wie unsererr Alien da- Brot de- Geistereichen werde. Wir wünschen Waisenhäuser, doch zunächst für die verwaiste Jugend, für die verwaisten Gemeinden, und diese Waifeirbäuser sind Bildung-anstalten für unsere künftigen Iugendlehrer, für unsere künftigen Seelsorger. D. Redakteur. Jerusalem (Qrig. Eorr.) V 2 c wünschen von mir Rachrichten über die heilige Stadt, und ich will mein Möglichstetlnin, Ihre Reugicrde zu befriedigen; nur müssen Sie Ihre Erwartungen nicht gor zu hoch spanneu. Wo- Jerusalem zur merkwürdigsten Stadt -er Welt macht, daist etwa- Bleibende-, unterliegt nicht dem Wechsel, und ist von Touristen in unzähligen Reisewerfen an-fuhrlich beschrieben worden. Die histori chen Mouumente unserer Stadt sind den gebildeten Lesern Ihre- Blattehinreichend bekannt, und daeigentliche rege Leben, wie esich nur unter der Sonne degeistigen Foni'el rillknna gibt, voerden Sie in der „Wonne de-Erdball-" wie Jerusalem einst von dein Propheten genannt wurde vergebensuchen. Besonderist dajüdische Leben hier sehr monoton, z. etnt und in den Religion-gnellen stndiren in die einzige Rahrung de- Geiste-. Der Rest ist Roth, Arnnith und dumpfe- Hinbrnten und Hineinleben in dazur (Gewohnheit gewordene Elend. '‘Jur wadie europäische Mildthätigkeit herüber sendet, versetzt die Gemüther zuweilen in Aufregung, und auch wawir von der europäischen Enltnr erfahren, läßt unnicht ganz nnberiihrt, besondermeint ein Beziehung znm praktischen Leben steht. Durch den Telegraphm ist jetzt Jerusalem den europäischen Ländern näher gerückt, und wir erkennen estaunend an, daß nur der Fortschritt der europäischen Bildung unandem l^eiste-schlase zu wecken vermag. Ich habe unlängst nach Ungarn telegrophirt, und nach 4 Tagen batte ich bereitdie Antivort in Händen. Alleivar erstaunt ,b einer solchen Schnelligkeit der Eomnnieation, von der sich unsere weisen Talmudlehrer, die doch sonst Allewußte», nichtträum.» ließen. Ihr verwöhnteu Europäer werdet dawohl eine Schneckenpost nennen. Var einigen Wochen war Jubel und Freude in Jerusalem. Ein reicher Türke ließ eine Eisterne graben, da fand sich eine große Quelle mit einem Hellen frischen schmackhaften Wasser, welchenun durch Kanäle in alle Gassen der Stadt gejeitrt wi:d. Man behauptet allgemein, esei diese Quelle der 4e!ch deweisen König- Salomo, und mit dem köstlichen Ladet ank schlurft jeder Jude thenere historische Erinnerungen ein. Die strenggläubige Qrthodoxie, zu der beinahe alle In-