Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 23 (23.11.1865)
- Date
- 1865-11-23
- Page
- Seite 188 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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133 cm Arbeit als an Arbeitskräften fehlt, gehört eine selche frühreife Selbstständigkeit zu den Unmöglichkeiten. Kann mm auch die Gesetzgebung keine strikte Normen geben, so muß sie doch allgemeine Grundsätze aufstcllen, die als Richtschnur iicncn fön« ncn. Bei Erörterung die er Frage im Talmud machten sich verschiedene Ansichten geltend, je nach dem juridischen, moralischcn Standpunkte aus den sich der eine oder andere Lehrer stellte. Bei manchen Aussprüchen über diesen Punkt dürfte die Leben-weise der Essäcr, welche Sekte noch zur Zeit der Tempelzerstörung viele Anhänger zählte, nicht ohne Einfluß gewesen sein. Die Essäcr, die eine gemeinschaftliche E.zicl ung der Jugend in Brauch hielten und auch i'ach Art der Spartaner gemeinschaftliche Tafel hatten, enthoben die Väter thcilwcise der Sorge für die Ernährung ih'.cr Binder. So meinten manche Talmudlehrer, cd könne überhaupt kein Zwang in dieser Beziehung auferlcgt werden, cd sei Alledem Pflichtgefühl zu überlassen. Andere statuirten davollendete 6. Lebensjahr aldie Gränzc bei welcher die juridische Verpflichtung der moralischen zu weichen habe. Ein Lyned' rialbcschluß zu Uscha: .Jeder Vater sei verpflichtet seine Sin« der, so lange sie klein sind, zu ernähren." (Ketuboth 49 u. 00) ist eben zu allgemein geholten, um als gesetzliche Norm gelten zu können. Die vielen Ealamitäten, die in der damaligen Zeit über da- Judcnlhum hcrcinbrachcn, und alle- Staats- und Gemeindeleben zerrütteten, machten eine gesetzliche Norm für dieses Familienverhältniß zur gebietherischen Nothwendigkcit. Mit Berücksichtigung der Zcitvrrhältnisse wurde daS znrückgelcgte 13. Lebensjahr des Knaben als die Periode der Selbstständigkeit, der bürgerlichen Großjährigkeit festgesetzt. Bis zu diesem Alter mußte der Vater für seinen Sohn sorgen, nach dieser Zeit gehörte sich der junge Mensch selbst an, und war selbstständig. Diese Norm war nur im Allgemeinen cingcsührt, die Praxis gestaltete sich nach den individuellen Verhältnissen, und der Talmud spricht cS deutlich auS, daß selbst ein erwachsener Sohn, wenn er vom Vater ernährt wird, als Kind, nnd wiederum ein junges Kind, das der väterlichen Unterstützung nicht bedarf, als selbstständig zu betrachten sei (B. Mczia). Diese Feststellung der Majorcnnital, die in keinem Eivilcodex fehlen darf, unterliegt der Veränderung nach den Zeitvcrhältnisscn und staatlichen Zuständen und wenn sich auch nicht genau die Zeit angcben läßt, in welcher sie zur Einführung kam, so ist doch schon auS der bisherigen Darstellung zu ersehen, daß sie kaum über den zweiten Tempel zurückrcicht. Bei dem innigen Zusammenhänge dcS politischen StaatSlcbcnS mit der Religion im Judcntbnmc ist cS wohl erklärlich, daß man die vürgcrliche Großjährigkeit auch auf daS Religiöse übertrug, und der junge Jsraelite trat in dieser LebcnSpcriodc in den Verband der Gläubigen ein. So entstand die Institution dcS Bar Mizwa, die im biblischen Jndcnlhum, wcl..>cS überhaupt bei seinen obligatorischen Bestimmungen keinen Unterschied deS Alters hervorhebt, durchaus keinen Anhaltspunkt hat. Die Bibel berichtet von jüdischen Königen, die unter dem 13. Lebensjahre den Thron bestiegen, und läßt nichts merken, daß ihnen daS volle Recht der Selbstständigkeit in den ersten RcgicrungSjahi n abgegangcn wäre. lvorsrtznuz folgt.) ^»ur Charakteristik biblischer Personen. 2. Der Tod t>cr Llnirnmidkii. 22tun UNS oft das Leben der Gotibegeisterten Männer und Frauen, die nnS die heilige Schrift vorführt, als Mnster und Beispiel für unfern Handel nnd Wandel aiugcflcllt wird, wenn wir ihr Verhalten ihre Eharaktersiärle in den verschiedenen Vcihältnisscn dcS irdischen Dasein-, ans dem heitern blumigen Pfade des Glückes wie auf den düstcrn Irrwegen des Mißgeschicks — ob sic ans dem empfänglichen Boden dcS menschlichen Herzenihre segensreiche Saat au-- streuten oder ob sie andem harten Felsen irdischer Thorheit tur Eitelkeit den sprudelnden Wasserstrahl der Tugend lochen soll.en — anslannen und bewundern; so ist auch ihr Tod, ein ruhiges stnrinloie- Scheiden andiesem Jnnmerthalc in die Gefilde des Friedennnd der Seligkeit, ivo die reine flechenlosc Seele unter -rcraphimgcsängc von Engeln ans den Fittigcn der Milde und Barmherzigkeit getragen wird ander gebrechli,'cn Stanbhüllc in die Glanzrcgioncn--ewigen Lichte-, ihr Ta) ist eben so belehrend für uns wie ihr Leben, er zeigt nnin wahrem Lichte die Bedeutung und Bestimmung des Menschen rrzzz z'f'VJ r.TE. Der Tod der Frommen söhnt au-, ihr Tod söhnt nnans mit dem Leben r.p'irir c\t: z*p*":v”— Die Frommen sterben in einem Kusse — ein >tnß der Liebe lost die sinnlichen Bande, die sic an- Dasein fesseln, ein Kuß der Liebe und der Versöhnung senden sie der überlebenden Mitwelt, einen Knßdcr Ehrfurcht und der Huldigung zollt ihnen bi** dankvare Nachwelt. Jener begeisterte Scheins Bileam- \Tinx \i;v, nv: 'irc: n'.rn v:“) „O, daß i.l) stiirbc den Tod der Frommen, und mein Ende dem ihren gleiche — findet seinen Nachhall in den Herzen aller derer die an ein Jenseitglauben, die rin anderes L.bcn hoffen. Die Bibel liefert nnsolche Belehrung in reichem Maße. Das glänzende Drcigcstirn der Amramiden erlischt am Horizonte, der sich über eine groß: Wüste wölbt, die 3 unsterblichen Kinder Jochebedgehen ihrem irdischen Ende entgegen. Die Geschwister Mirjam, Aaron und Mosestarben den Tod der Heiligen. Jede dieser 3 Personen ist durch glänzende Tugenden ausgezeichnet, der Tod einejeden von bedeutungsvollen Umständen begleitet, audenen wir Belehrung und Erbauung schöpfen können. Vom Tode Mirjamwird unberichtet c*"’: rru* r.tm n>b E'f2 .im.xS'. cy — .Mirjam starb und wurde daselbst begraben, und die Gemeinde hatte kein Wasser." — In dieser Aufeinanderfolge liegt wie schon die Alten bei.ierken, eine innere Beziehung. Sic, die alkleine- Mäd hen ein schirmender Engel am Ufer des Nils stand, um den Net« tcr und Erlöser ihrer Nation den stürmischen Flnthen;u entreißen, sie brachte Israel dasüße Wasser der Nahrung, sie führte ihr Volk an den Lcbensqnell der Erhaltung, und als sie starb “-rv1? ce .vn xSl da fehlte eder Gemeinde an Wasser. In Nolh und Leiden, in Krankheit nnd in Thcnerung ist cS die zarte Hans der Frauen, welche die Wunden der Ärmnth und de- Elendheilt, welche die Streiche de- Unglücklindert, welche die Wukh der Zeilen mildert. Wenn die Wohlthätigkeit de- Mannes ihren Beistand in die Wag« schale legt, um die Last der Leiden zu erleichtern, sucht da- Wohlwollen deS Weibes nach den kleinsten Falten de- Fchmerzc-, um ihren heilenden Balsam auSznschüttcn °, während der Ncann nach außen sein cdleS Her; kund gibt, dabei aber manchen Kummer manches schmerzlich: Gefühl unbeachtet laßt, wirkt die Frau nach innen heilend und versöhnend, erfreuend und begllickend “S*: rz rrr.zz hz^ ~ X'ic cStire der königlichen hochgesinnten und hochherzigen Tochter^ist im Innern dcS Hanfe-, sic wirkt nach innen. Die »trauen Israels waren stetwegen ihrer Wohlthätigkeit, wegen ihrer milden Gesinnung gerühmt und geehrt. Der hartherzige Nabal schwelgt an der Tafel deS Üeberstnst'cs und versagt den Hungrigen einen kleinen Ucbcrrcsl von seinen vollen schusseln; allein er ist im Besitze einer schätzbaren Perle, eines edlen Weibe-, einer Abigail, die gewährt wo ihr Mann versagt, die heilt, wo er verwundet, sie rettet die Leidenden vom Tode de- Hunger-, sic reuet ihren Mann vom Tode der 'Rache. (Da-'Buch Samuel.) Der Tod einer solchen Frau macht Eindruck, er macht alle, die sic kannten zu Leidtragenden, an ihrem Sterbebette seufzt danun ''einer Stütze beraubte Unglück, an ihrem Grabe weinen Witwen und Waisen. Wahrlich kein größere-'Lob tonnte die heilige Schrift Mirjam erthcilcn, keine schönere Aufschrift konnte sic ans ihren Lcichcnslein setzen aldie Worte — **ri C‘"-_ v.n-, „Sic narb und cs fehlte der Gemeinde an Wasser." Wc^ wird klagen um die Weltdame, um die Dame der Mod^