Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 22 (9.12.1865)
- Date
- 1865-12-09
- Page
- Seite 183 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 1: Strauch, und da sic nicht Helsen kann, flicht sic dcn gräßlichcn s,c kann nicht mit anbören dcn lehken schivachcn Herzschlag, nicht mit r.iifcl)cii dcn lepten l'ccngtcn 'Jltljcnt* zng r'~2 ".x-s 'rs— „ich will nicht sehen, ivenn das Kind stirbt." — Ziemlich ferne von dcc S Kitte bex< Todes fett sic sich uicbcr, und meint und schreit. Welche Gcdanken bamflk' ihre willst durchzogen, welche Gefühle die Oberhand in ihrer verzweiflnngsvollen Seele erhielten, darüber schweift die beschichte, und für ein fcldjc^ Unglück haben wir nicht einmal den Maßstab der Benrtheilnng, allein wir fühlen menschlich, und unser Auge senclitel sich bei der Erzählung solch' tranri er Ereignisse. Das Kind, ivekches das erste Bkal diese Erzählung ans dem Bknnde des Lehrers hört, zollt gewiß eine Thränc dem Ungl cke, über das schon Jahrtausende hinweggezogen; denn Ilngläxk und Cchiner; altern nicht, sie wechseln nur die Formen, und wo sic einkehren, da walten sie mit ungebrochener itraft; nur eines kann sie besiegen: Es ist die Liebe, nur eiltet überdauert und überwältigt sie: daS göttliche Erbarmen. Der rettende Engel erscheint auch hier, dieButter sieht eine Wasserqnelle, der 5lnabe stillt seinen Durst, und erwacht znm neuen Leben. Die Verzweiflung weicht, neuer AtUth belebt die Unglücklichen, lind selbst die Wüste wird unter Gottes Beistand dein wohnlich, der leine andere Heiinakh hat. Ist die ganze Erzählung nicht ein treues Bild der Wechielsalle unseres Lebens? Auch wir verirren uns oft in der Wusle des irdischen Daseins, alle Hilfsquellen versiegen, das verlangen nach dein, was mir Glück nennen, quält uns wie ein heißer verzehreilder Durst, unsere Zustände scheineil lins nnerträglicli, lvir betrachten uns als die unglücklichsten Geschöpfe, mir sind der Verzweiflung Italic, wohl sprudelt nocli ui. nche Duelle zu unserem Heile, alleiti wir sehen sie nicht, unser tranernmstorter Blick kann sie nicht bemerken, bis endlich Gott in seinem Erbarmen unser in der Schule der Leiden nmdüsterles und dennoch geschärftes Auge öffnet, dann erst finden wir, daß auch die Wüste ihre grünen Plätze, ihre Dasen hat, und wir fangen an uns mit unserer Lage, zu besreiiiiden r.\:'Z' by seit ce p'.irx 'r. „Ich gieße Wasser deil Durstenden, und Fließendes ans das Trockene.- So zeigt sich überall das göttliche Erbarmen, das da verrvandelt dürre Steppen in grünende Fluren und harten steinigen Bodeil in fruchtbares Gefilde; und gerade wo die Roth den Höhepunkt erreicht zu haben scheint, zeigt sich die Hilfe Gottes, wie der glänzende Regenbogen, das Zeichen seines Bundes mit der leidendeil Menschheit sich über das verwüstete Erdreich zieht. Welch ein Trost liegt in dieser Ueberzengnng für das menschliche Leiden, welch eine Beru* hignng für das iiienschliche Elend! Lehren wir zu nilserer Erzählung zurück in der noch manch' andere Beziehungen liegen, die unserer Beachtung nicht entgehen dürfen, denn von der richtigen Auffassung derselbeii lvird es abhängen, ob auf Persönlichkeiten, die wir zu verehren gewohnt sind, die wir als Muster und Vorbild betrachten. auf Eharaktere, welche die späteste Rachkommenschaft mit Ltol; beivnndert, ein Heller Lichtstrahl oder ein Schatten fallen soll. Die Eharaklerislik biblischer Personen bietet sonst viele Sxhwierigkeiten; wenn wir bloß die Regungen unseres Gefühls zu Rathe ziehen, ist oft unser Urtheil unsicher und unreif, uns selbst meint wir mit reiflicher Ueberlegnng die Verhältnisse und Zeilninslände würdigen, und der Vernunft die Entscheidung überlassen, gelangt uns nocli mancher Punkt nicht zur vollen Klarheit und mir müssen zu der Ueberzengnng kommen, daß ein höherer Weltengeist durch die Erzählungen der heiligen Entwickelnngsgeschichte der Menschheit zieht, daß eine höhere Absicht zu Grunde liegt, welche unsere menschl hc Schwäche, unser beschränkter Verstand nicht zu fassen vermag. Spuren wir den Duellen nach, denen Hägers und ihres «Lohnes Unglück entsprang rr »s*S : r.:z r.\", r.s".~ pnir* cy zy rx:r, r,zam> p. — „Zage fort diese Magd mit ihrem Sohne, denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohne, mit Iizchak-, so sprach unsere « er: > - Ster.:mutter Sara zu ihrem Gatten, den sie sonst in allen seltenen Tugenden, ivelche diesen beinahe übermenschlichen Eharakter anszeichneten, nntei starte. Welche Spraxche, welch' gransamer Hohn, ncld'c Znmnthung einem Vaterherzen. So entartet wäre die Ralnr, so verwildert kos zarte weibliche Geiniitb, mit Kaltblütigkeit spricht sie das Todesurtheil ge gen zwei ihren' Manne thenere Personen ans, und nimmt sick) nicht einmal die Mühe, ihre Hartherzigkeit mit einigen Worten zu beschönigen, zu bemänteln; nein! es ist die nackte schamlose Bosheit. Und was ist das Motiv dieses Betragens, nicht einmal die Furcht, der Abscheu vor dem sittlichen Verderben ihres eigenen Kindes, der ihr den Lebenswandel des wilden nngebändigten Ismael einslößen. Das ließe noch eine Entschuldigung zu. aber nein! es ist das Laster der Habsucht, das sie auf das Kind ihrer Liebe überträgt, der Sohn könnte einst durch seine» Bruder in der Erbschaft verkürzt tvcrden, und diese Besorgniß auf eine iinbeslii'.lmtc Zukunft stäblt ihren Haß und ihren Eifer gegen Hagar, die sie schon früher gedrückt und gequält nicht minder wie gegen ihren Cohn, darum müssen sie hinansgestoßen werden in die weite rauhe nnfrenndliche Welt, ans einem Halise geiagl werden, das sonst jedem Fremden und Unbekannten gastlich offen stand. Daß ein solcher Antrag den milden Abraham mit Entrüstung erfüllte, ist weniger zu verwundern, als daß Gott selbst die Ausführung dieses Antrags dem Abraham anbefahl und ihm den Auftrag ertheilte, ja auf die Worte seiner Gattin;» hören, und ruhig der Zukunft entgegen;!: sehen; endlich Abraham selbst daclite er . ar nicht daran, das harte Mißgeschick, das traurige Loos seines Kindes zu litt beim, both ihm sein großer Reichthnm gar kein Mittel, die Unglücklichen unter sicherem Geleite, wohlversehen mit Borrath und Habe an einen bestimmten Drt bringen zu lassen, wo sie sich eine neue ruhige Heimath gründen .onnten, mußte er sie dem sicheren Verderben preisgeben? Alle diese Fragen sind so ernst so gewichtig, daß man beinahe sagen muß, die eine ist die Beantwortnng der andern, die eine ist die Lösung der andern. Die Anssassiing des heiligen Textwortes ist zu furchtbar, zu schrecklich, um wahr zu sein, um auf Richtigkeit Anspruch machen zu können. Wohl vermag der beschränkte mensciiliche Geist nicht, den Schleier zu lüften, der die höheren Absichten der (Gottheit verhüllt, doch ist es uns gegönnt, sie in ihren Wirkungen zu begreifen, und zu unserem Heile zu wenden. Versuchen wir es auch hier. Die Erbschaft Abrahams war eine zweifache, eine matericUe aus irdischen Gütern bestehende', wie sie niciftenx' Eltern ihren Kindern hinterlassen, ein Habe, das in seinem Wenhe nur zufällig und bedingt, in seiner Bedeutung nur auf die nächste Zukunft beschränkt ist, eine Erbschaft, die oft schon in der ersten Generation zersplittert und zerstört ist, an dieser Erbschaft sollte Ismael dnrchaus nicht verkürzt werden, die sollte ihm nach Recht und Billigkeit znkommen; allein 5. iter haben auch Kindern eine wichtigere Erbschaft zu übermitteln, den kostbaren Schah ihrer Tugenden, ihrer Rechlschaffenheit, ihres guten Rufes, ihrer Frömniigkeit, und dieses geistige Habe, diese geistige Erbschaft war bei Abrahant eine unermeßlich große und reiche. De. Edelstein, der nach der Sage, an seinem Halse hing, und an dem alle, die au Glauben schivach und krank waren, erstarkten und sich kräftigten, der da leuchtete durch Jahrtausende. und unter feinen Nachkommen in den Tagen der schrecklichsten Finstcrniß das Licht der Gotteserkenntiiiß verbreitete, diese Erbschaft tvar nur für den frommen, bescheidene», ansprnchlosen Iizchak bestimmt, der sie wieder weiter unter seinen Nachkommen fort* pflanzen mußte, daran sollte Ismael, der nur westliche Genüsse suchte, nur weltlichen Bestrebungen nachhing, keinen Ancheil haben. Der wilde ungestüme Ii'niael, de» schon die höhere Verheißung eine» cts n~c einen verwilderten Menschen, nannte, der. wie später n.i, Resse Elan die Jagd nach dem Thierischen zu seinem Handwerke machte, mußte sich einen freien unabhängigen Boden für seine verheißene Zukunft suchen, das Hans Abrahams war nicht die passende Siälle für seine Wirksamkeit, nicht die rechte Sphäre für seine Be-