Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-12-09 · 22 (9.12.1865) · p. Seite 182

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
22 (9.12.1865)
Date
1865-12-09
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050613--0286-9050617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

182 Ihr cvftcS?h:ftüitrf)cn im Abendlande und zn einer Zeit, wo möttchische Gelehrsamkeit. Poesie und Spitznndigleil tun meisten int Schwünge war, berechtigt zn der Annahme, daß sie die Erfindung irgend cittcS wiegen >*ovfcS sei, der feie Sage vom Proseten EliaS den Prinzivien seines Glaubens, den Anschaunngen feines Volkes anznvassen und zu travestieren wußte. Daß aber die Lage vom Proseten EliaS zu jener Zeit, wo die eben modernen theologischen Disputationen den Rabbi und feeit Blönch öfter znsammeitführten, auch in christliche reife gedrungen fei, ist nicht zu bezweifeln. DaS Faktum der Fortdauer des IudenthumS, die nicht zu bewältigende Lebenskraft desselben war nnlengbar vorhanden und in der EliaSsag: symbolinrt. Von-dem fifiologifchen Grundsätze, daß ein »»vermischter Stamm der edelsten Menschenraee von der Organi'ation einer Kategorie (tvie ein englischer Staatsmann und Literat sich ansdrückt) nicht zu Grunde gehett könne, davon hatte man damals leinen Begriff. Der MönchSgeist mochte in dem Fortbestehen dieses Stammes einen ewigen Antagonismus gegen das Ehristenthum sehen, und eS tnochte ihm daran liegen, wenigstens die llnbezwingbarkeit desselben zu beftreiten und die ewige Dauer als eine vom Stifter des EhristenthumS hervorgernfette ewige Strafe 'und Buße, als ein Leiden darznftellen, das n: r dann enden soll, wenn jeder Antagonismus, jeder Zweifel und jede Bezweifelung ein Ende haben wird. Freilich kümmerten sich die Dichter der Sage vom ewigen Inden bet ihrer Erfindung eben so wenig mit den Text deS neuen TcstaineitteS als die Judenfeinde noch vor kurzem in manchen Parlamenten und Parlamentchen bei der Frage wegen der Emaneipation der Inden sich daran hielten. Beide machten daS jüdische Volk znm Sträflinge und Seit christlichen Staat gewissermaßen ztim Exeeutor eines StrafnrtheilS, das doch niemals gefällt wurde. Ja, int Evangelium Lueas heißt eS ausdrücklich, IesuS habe bei feiner Kreuzigung über feine Verfolger gernfett: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen tticht, was sie thun." Rach dett Dogmen des EhristenthumS ist aber IesuS jene Autorität, der daS höchste R^cht der Begnadigung zusteht, und mit welchent Rechte soll nun die Strafe an einem Begnadigten vollzogen werden? Welchen Namen tvürde man dem weltlichen Diener feeS Gesetzes geben, der sich erdreistete, nach ausdrücklicher Amnestierung einen begonnenen Strafakt fortznsetzen oder gar ein Urtheil zu subfnmteren, weil dasselbe nach feiner Meinung verdient gewesen wäre!? — Nach den obigen Voraussetzungen ist die im Münchner Volksbüchlein erzählte oben angeführte HinrichtnngSszene in Rom nur eine Nachahmung der massenhaften. Hinrichtungen der BaalSprofeten auf dent Berge Karmel, die freilich dem Geiste der Travestie gemäß, in Rom sich zu gottseligen Märtyrern, sowie der eifrige, glaubenSstarre Israelit sich znm verabschennngSwürdigen Henker nmwandeln mußten. Selbst der Name Cartophilus, unter welchem der ewige Jude znm ersten Male vorkoinmt, zeigt, daß er daS Geschöpf des Mittelalter? und zwar seiner Gelehrten sei, die sich im Latinisieren und Gräeisieren nicht wenig gefielen. DaS Wort Cartophilus wird auch in einem von LekteriS gebrachten alten Manuskripte erwähnt, scheint nach demselben keineswegs ein nornon proprium sondern der Geineinname (nomon appc* lativum) einer Gelehrtenllasse in Jerusalem gewesen zu fein, und wird von LetteriS ganz angemessen mit, „Archivar" übersetzt. Wahrscheinlich soll der Name de? ewigen Juden „Cartophilus* die schriftgelehrten, dem Ehrisrenthnme verhaßten Pharisäer kennzeichnen, und wie charaktensti'ch lautet dann der 91uf: „Gehe schneller!" der den Uebergang atiS der Passivität zur raschen Activität verlangt. Ganz vasfend lautet dann die Antwort: „Ich will gehen, du aber sollst warten, bi? ich wiederkonm-en werde!" wodurch das mächtige Anwachsen fee? EhristenthumS und der Stillstand und da? unthätige Harren und da? (freilich nur schein! er) ziellose Wallen und Wandertt feeS IndenthumS verkimdigt werden soll. Erst die spätere Zeit, wo zur Zeit der Reformen ' auch den ewigen Inden mit einem biblischen Runen genannt und weil man wohl gerechte Sechen trug, dem Popanz einen der gefeierten Rainen fee? heiligen Buche? beizulegen, erhielt er den des kuriosesten .Helden der biblische» Erzählung, den deS närrischen PerserkönigS AhaSv r, einen Rainen, der bei den Jude» nie besonders geachtet, nie als Perfo^niiameii : bei Inden iin Gebrauche erscheint.! In der Art, u»ie (ebenfalls nach Menzel) die Sage j vom ewigen Juden in den Alpeiiländern. (wo an? feen nie» ' len Thräuen Ahasvers ein Alpenbach entstanden sei» soll.) und nach den Andeiitnngen Engen Sue's in Frankreich aufgefasst wird, findet sich schon wieder etwas von der wohl» thätigen Natur de? Elias. Daß aber die Sage von dem ewigen Leben Elia? und von seiner Macht zu helfen schon zur Zeit der Entstehung de? EhristenthumS verbreitet war, beweise» die Eoangelien, ivelche erzählen, manche der um da? Kreuz Ebristi Stehenden haben dessen Worte: 'intety;S ’Sx falsch aufgefasst und g.'gluibk. er rufe Elia?, daß er ih'N helfe. Beim Schluffe dieses Aufsatzes wollen wir noch einmal von einem Aussprnche Akt nehmen, der sich in großartiger, fast genialer Naivität in Mrnzel? Buche kund gibt. Die Annahme nämlich, daß der ewige Jude endlich feinen Glauben ändere, wird dort ein später hinzugekom neuer sentimentaler Zusatz zilr Legende genannt, und behaustet, der einige Jude könne nie Ehrii't werden, fei? heißt ivo hl. er muffe ewig Jude bleiben. So wenig j 'denfreundlich iefer Ausspruch gemeint ist. wir stimmen ihm dennoch freudig bei. Ja wohl der ewige Jude, der das Volk repräsentiert, soll und wird, wie fein äußeres Geschick auch sieh wandeln möge, ewig Jude bleiben, ewig zn einer und deiselben Wahrheit schwören, die keiner Religion feindlich gegenüber steht, und er wird bei dieser Wahrheit ansharren bis zn jenem Tag-, wo jeder Widerspruch gelöst sein wird, bis zu dent Tage, den sie den Jüngsten nennen, und den wir einen Tag nennen, auf welchem keine Rächt mehr folgt Zur Lhurukteristi!: biblischer Personen. 1. Hggür in der Wüste. Ein düsteres Bild, das untere bessern menschlichen Gefühle ansregt, und tntS mit Wehmnih erfüllt. Ei» Kind schmälich verjagt anS dem väterlichen Hanse, ein Weib vertrieben an? der traulichen Wohnung deS Gatten, und dieses Weib ist Mnkter. Beide, Mutter und Kind verstoßen von derjenigen Person, die ihnen Ratnr, Gesetz und Pflicht als ersten Beschützer und Versorger gegebe., preisgegeben den Blühen und Gefahren einer beschwerlichen Reife. Dede »nd traurig wie ihr Herz ist die Wüste durch die sie ihr Weg führt, eine Wanderung ohne 91.,!); »nd Rast, j > selbst ohne Zielpunkt; wohin lenken sie ihre Schrine die Unglückliche», das Weib, das die Hartherzigkeit feeS Mannes, nicht sein Tod zur Witttve machte, der jugendliche Sohn, der d:e Stätte seiner Geburt verlassen muß. wo er seinen jugendlichen Mnthwillen anStobte, wo Wald und Flur seinen Spielen lauschten, wo er deS Vaterlandes süße Luft einathmet.\ Und das Mißgeschick kennt kein Erbarmen, mit unerbittlicher Strenge verfolgt es feine Dpfer. Di; beiden Wanderer verirren sich in der Wüste, und finde» keinen Ausweg, die heiße Souucugl, th, die kein Lüftchen, kein kühler Schatten ntildert, schwächt »nd verzehrt ihre letzten Kräfte; bald ist der Rcisevorralh ansgezelrt, schon ist der letzte Tropfen WasferS genoffen ati? dcnt Schlauche, Seit fic vom Hanfe mitgenommen, der gnälende Dürft durchwühlt ihre matten Glieder, der schrecklichste Tod sperrt seinen furchtbaren 91achen anf. um sie zn verschlingen, die zarte Jugend ist seine erste Beute. Iainm.rnd mt) weinend mit zerrissenem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.