Mannheim
Compact Memory

Das Abendland · 1865-12-09 · 22 (9.12.1865) · p. Seite 181

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
22 (9.12.1865)
Date
1865-12-09
Page
Seite 181 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/9050333-9088714-9050613--0285-9050616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fassten Scliäm r: Lrr ‘r: rx, in nnsern Btackisciansgaben fehlende 2 teile, m t dev Eiirschnldignng, dic ^luf;::cr bcr Vfrcv auf cin.'n, io Manchem unwichtig scheinenden Gegenstand zu lenken, mitgerbcilk.?inn sind »oiv weil cnisevnr, derartigen Bcröfsentlieiii-.ngen ane sc!:e,.cn und in r für Wenige zugänglichen Handichris:cn oder Druckwerken, insondcrS wenn sic geschichtlichem Interesse haben, und auf dunkle (Gebiete, wenn auch nur ein partielles Cuciflickn Wersen, für geringfügig zu halten, und müssen im Gcgcnthcil, jede literarische Gabe dieser Art und wäre sie noch so llein, so sic zur Erhellung jüdischer Zustände im??uttcl lter beiträgt, mit Dank cntgcgcnnchmcn. Dies; kann nnS jedoch nicht abhalren, daS Mitgctheilte nn. mit Borsicht ansznnchmen, und bcror wir ihm in nicke - rem historischen Blagazine eine 2tcrtc cinränmen; mit den Mitteln wie sic die Wissenschaft unserer Zeit nnS an die Hand gilt, einer strengen Prüfling zu unterziehen. Und dies; nmseinchr, wenn in:- die O.n eilen verschlossen sind, und dic Nachrichten and;we:er oder gar dritter, vierter Hand und zukommcn. Do bedauern wir in dein betreffenden Falle, daß nnm der Aussatz nicht mit den eigenen Worten seinem AurorS Fischer gegeben wird. Wie er und jetzt vorlicgt, wissen lvir nicht ob F. den fraglichen Passus and Autopsie kennt, oder nur vom Hörensagen hat. Herr F. gehörte noch zu jener allen Schule, die rcrtranendselig jeden ihr gebrachten Fund alS. werrhvoll, allem glänzende für Gold hinnabm. Ein gläubiges Geinüth. nicht von dem Dämone dcd Argwohncm besessen, keinen Trug keine Täuschung almcnd, lebte er in jeitcii Kreisen, wo dam gedruckte Wort Autorität war, an der Acchlhcit ciitcd nur etwas vergilbten Manuskriptes aber zu zweifeln, vollendd ald Sakrilcginm gegolten hätte. Diese Periode ist nun für immer entschwunden. Die Literaten der Gegemvart, sind ein voi: Vl'ißtralicn und Skeptizismus erfülltes Geschlecht, die Kritik die Beherrscherin unseres SäknlnmS, neugierig wie alle Frau n, hat tausend Fragen, und nimmt wie eine englische Jury jede Zcugeuschaft in ein scharfcd Kreuzverhör, bevor sie ihr Glauben schenkt. In unserem Falle hier sind cd zuförderst cini 'e äußerliche Unrichtigkeiten deS Berichtes, die die Dache bedenklich -machen. Wir wollen davon absehcn ob die Einrichtung, auch solche Delichoth in den aufzunchmcn, nicht erst and neuerer Zeit barirr, und nicht wie wir für ganz wahrscheinlich halten wenigstens in den alten Prager Officincn und ri.v'rz zwei ganz geschiedene Objekte waren. In diesem Falle müßte dem Worte „Machsor" daS richtigere „Delichoth" snbslitnirt »werden. Aber auch die Jahreszahl ist falsch. In einem löO'J hier gedruckten hebräischen Gebetbuche, cd mag r:r:^c oder heißen, kann dic bezügliche Dtolle nicht gesehen worden sein, und zwar and dem einfachen Grunde weit lckckck hier noch keine hebräische Druckerei war. Ebenso wenig cxistircn zu Prag gedruckte r’.r,'~z oder vom Jahre 1 .~>SS, und die zwischen diesen Jahren hier erschien neu Ausgaben solcher Werke sind nichts weniger als zahlrei Tic erste hiesige Edition der Dlichoth nach Prager 3titum ist von a. 1Ö2(J, die 2. 15o.T>, sodann folgt Slbnotaticucii bafclbd wurde dieser Name auch wirklich Kara genannt; s.aro buigegen in der Nanic einer ganz andern, und zwar palii|tiiicititHliCit Faninie, die wir Elfterer durchaus nicht koiifundirt werden darf. (2. v"en Ehananja lnu 3Jv. -7, ivo Hr. Ernst Li?cbli daS ^erl'äNniß gänzlich unikehrt.) Lr'ir crlanben uns dei dieser Gelegenheit dic ^ine, die mn»i>igfae!,cn Sünden deS erwähnten Registers (welches 3«m Erempcl anch den dort oft vorkonnnenden ßamilieiinamcn Horowi; konlcgncnt immer?nnviz schreibt) nicht aus unser Sündenregister zu s-tzen. *) Obwohl kö jedeni aii'in-rk-amen Le'cr jenes L'.-crkchcilS klar sein r.iilß, tag Grab'chri-lcn sammr Index vom Herausgeber, dic Adnotauo nen hingegen von uns sind, so werden doch zuweilen kiner'eilS wir für den Inhalt des Elstern vcianiwcnlich gemacht, andercricilö in den Letztcrn enthaltene Angaben irrig dein genanincn Herausgeber zugeschrieben (I. Ele'iel in Ben Ehanania lr>6.'> Nr.4h. 4-') sLsir scheu nnS veranlasst gegen d .'cn sodemiri'cheiiEommilili.niiiü'7t7 ~~~ T*» Bcrivahruiig eiiizillegcn, und auf ein neues salomonisches Urtbeil zu dringen, welches nicht das tottf Kind mit dem tzebcndigen vcnvechselt, sondern jedes seinem rechtmäßigen Eigenthnmcr zuweist, suum euigne! eine lange Panse bim l.W, in ivelck'cm Jahre r:r,'bc nach dcnt''chcm RitliS hier erschienen. Erst l.'ik'O gingen wieder , nach dem RitnS von Böhmen und Oesterreich and der! Prager Presse hervor. — . . . ..— > Aber anch innere Slrirerien veranlagen nnS, die Ae htheit dem bclrcst'enden Dclichazusayed in Zweifel zu ziehen. Wir wissen fnrS Erste nicht recht, an' welcher passenden Dtclle diesen Zusatz einzickchiebcn. Dic ganze Lclicha bauet sich in der und bekannten Form so regelrecht ans. Dtrose an Dtrose schließt sich so logisch richtig aneinander an, daß lvir für daS srcinde bisher verschollene angeblich cnlsührte Kmb, im Baker Hanse gar lein Plätzchen finden. Anch die formelle Anordnung der rrvSz spricht gegen die Legitimität jenes Findlings. Bon den 2~> Dtrostn diesem Bnßgcbcte'd, beginnen dic ersten 22 je mir den Buchst en deS Alphabets, die letzten 3 mit denen des üblichen p:r, und bat der B erfass er die Letzte, zugleich ans seinen A'amen anspi end, mit dem Worte X'p angcsangcn.') Die ncngcsnndc.en Strafen hingegen bilden kein Akroslich und sind daher mit der ganzen nivSc nichts weniger als homogen. Was aber vollends den Aneschlag gibt, und die Frcmdartigkeit des Supplements darthnt, ist der Umstand, daß in der Dclicha jede Dchlnßrcimzcilc einen BibclvcrS bildet, was im Zusatz nicht der Fall ist. Dazu kommt noch, daß anS der in dem bctresscnden PassuS erwähnten Adelsfamilie Eolowrat zu jener Zeit wohl mehrere Glieder in der Geschichte nahmhast gemacht werden, keiner aber als königlicher Stummerer “Tr" oder als päpstlicher Legat, waS allein unter “v.r-zx." zrverstanden werden kann, bekannt ist. , DaS Ergebiiß dieser Betrachtungen ist, daß die Selicha rxVr.” hz rx in ihrer gegenwärtigen Fassung die richtige ist, und daß der milgcrheilte l'nämis nicht hincingehörr. ES schließt dieß jedoch ilichr anS, daß dieser Zr.'atz von einem andern Zeitgenossen oder bald nachher lebenden Marne herrnhren und auf dasselbe Ercigniß sich beziehen mag, nur wird die Glaubwürdigkeit der Angabe dadurch wesentlich erschüttert, und dic Wahrheit der Erzählung vorläufig dahingestellt. IedcssallS wird dadurch daS Bcrdienst deS sel. M. Fischer und auch deS Hrn. W. Wiener nicht geschmälert, und wir gestatten nnS an den Letzlcrn die Bitte zu richten, den in seinen Händen befindlichen literärischen Isachlaß seines gelehrten sel. DnkclS von bewährten Händen sichten, und daS geeignete zur Bcröffentlichnng bringen zu lassen. Limon -swck. Der Urfynmij der 5nßc vom cwigeil Juden. Eine Licrmuthnilg von Tavid Atcilül. (Schluß) AnS dem Angeführten ist leicht zu ersehen,- daß die Legende vom „c w i g c n I n d c ir" u r s p v n ngli ch kaum eine ch r i st l i ch c sein könnt e, indem sic, als in der ersten Epoche des EhristenthnmS spielend, jedeSfallS da bekannt fein mußte, wo ihr angeblicher Schauplatz war. ES dürfte nicht leicht ein Beispiel zu finden sein, daß eine Sage, wenn sie ans noch so schmaler historischer E)rnndlage basirt, erst aliö weiter Ferne ans ihren cigentlkchen Schauplatz gebracht wurde, wie dieß bei der Sage vom „ewigen Iudcil" der Fall, von welcher im Oriente und den dem Oriente nähern Ländern keine Spur zu finden war. ') Darauf haben wir bereits in unseren Adnotationen zum 3 2, hingkwiksen, und wundern unS nur, daß dies dem Echarfblicl unseres hochverehrten Rabbiners Rappvport entgangen, der in seinem B.orworv daselbst (Ab>av 10, den kliamcn des BerfasscrS in der nrTTO vcrnußt, und bloß hiedurch zu der Permuthung, daß in diesem Bußgebcle eine tzücke sein dürste, gedrängt ivird. 22*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.