Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 22 (9.12.1865)
- Date
- 1865-12-09
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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in und außer mir berücksichtiget, das muß doch für mich heil- und fcgciil'riiiflnib fein! und doch schcilcrtcn an einer große» Wahrheit oll diese eifrigen Bestrebungen auch der besten Denker: wer den Menschen beobachtet noch ehe er unter dem Einflüße dej göttlichen gcosfcnbarten ö'cfctcJ jur Erkcnntniß seines eigenen 2Lcscns gelangt, der hat wohl ein Naturwcscn, nicht aber den seclbcgabten den cigcnthümlichcn, den höheren Menschen erforscht; und die Sittenger'ctzc als alleinige Produkte deS menschlichen Denkens, sic können die Wohlfahrt des Leibes heben und fördern, die Seele aber als „hys*: r.vbx pin“ alS einzig und ohne Gleich c n im Bereiche deS Erschaffenen, sie wird bei solchen, auf natürlichen Anschauungen basircndcn Sittcngcsetzcn entweder ganz vernachlässigt, oder im günstigsten Falle doch nur sehr kümmerlich ihre Rechnung finden; denn über die Seele und ihre Bedürfnisse kann uns in der Thal die sichtbare Natur nicht belehren, dazu bedarf cS einer göttlichen Offenbarung! Die praktische Folge dieser Wahrheit ist zunächst der Satz, daß wohl die Glauben Sichre zur Filosofie n i m m e r a b c r d i e F i l o s o f i e z u r Glaubenslehre erhoben werden darf! und dann ist diese Wahrheit auch maßgebend und entscheidend auf dem Gebiete der religiösen Erziehung unserer Jugend. Man glaub.et da der Aufklärung zu huldigen, wenn man sich von dem beliebten Grundsätze leiten läßt: „Der Geist des KindcS muß sich entfalten frei und selbstständig unter dem Einflüsse seiner ihm innewohnenden Natur, wie etwa die Pflanze draußen auf der Flur; die Lehren des Glaubens als etwas Fremdes und HcreingctragencS können sie nur hemmend und hindernd wirken auf diese Entfaltung!" Diesem Satze gegenüber mache ich die Behauptung geltend: unter dem frciwirkcnden Einflüsse der Natur..kanil sich wohl der Körper deines Kindes znm gesunden und starken entwickeln, die Seele aber, das Herz und das Gcmüth sollen sie gläubig d. h. sollen sie ihres höher» Selbstes sich bewußt werden, dann muß ein frühzeitiger und sorgfältiger Unterricht die Stelle der Offenbarung 'ersetzen, da nach dieser Richtung hin die Natur wohl mit- und nachhclfcn, nimmer aber selbstständig belehren kann! Aber nicht nur in der Belehr n n g bleibt die Natur hinter der Offenbarung weit zurück, sie führt auch nicht jene Beruhigung mit sich, welche nur der Segen deS Glaubens dem menschlichen Gcmüthc spendet! Wir Alle haben schon viel gehört und viel gesehen von den Schönheiten der Natur, vielfach schon haben wir den wohlthätigcn scgcnreichcn Eindruck empfunden, den ihr Anblick auf unser Herz übt, und gewiß wir haben cs nicht versäumt zu solchen Zeiten dem Herrn zu danken, daß er uns Ang' und Ohr so reichlich hat bedacht, und doch wie schön sie auch ist, deS Herzens Beruhigung führt sic nicht mit sich, die Natur! — Ein Weiser ward gefragt; waS ist stärker als die Wolke? darauf antwortete er: der Sonnenschein; denn endlich zerthcilt er auch die trübste Wolke! — was aber ist stärker als die Sonne und ihr Strahl? Antwort: die Trauer und der Trübsinn in des Menschen Brust; denn Trauer und Trübsinn die verdunkeln und löschen anS den hellsten Sonnenstrahl!" Am hellsten Mittag geht die Sonne unter, dunkel wird die Erde zur Zcjb des Lichtes, wo das Fest in Trauer nmgcwandclt, wo statt des FrcndcnlicdcS der Wchcrnf erschallt!" (AmoS 8, 9, 10.) Ja, wenn du schon Gott ahnest, sogar erkennest anS der Natur, aber du trittst hinaus mit lcidcrfülltcr Brust, deine Freuden sind verblüht und verwelkt, während draußen dir alles üppig, blühend, heiter und unbekümmert entgegen lacht, verschärfet sich da nicht dein Leid? gesellt sich nicht zur Trauer auch noch bic Bitterkeit? Musst' du da nickt mit Job ausrnscn: „jyb' c”pj rnsb!“ (9, 23.) „Da draußen findet man nicht Mitgefühl, da findet man^nur Spott für seine Leiden I" Ruhig strahlt die Sonne weiter, sic spiegelt sich selbstgefällig und war' cS auch im flasch vcrgoßenen Blute bcS Unschuldigen! Behaglich wiegt sich am Rande deS Weges das reickc Kornfeld, nnbekümmert darum ob an feinem Saume der irre heimaihlose Pilger mit seinem letzten Athcmznge sein letztem Weh cnshancht, und glatt und glänzend breitet sich hin der llarc Spiegel des Scc's kalt und lhcilnahmlos, wenn auch so eben ein unglückliches Wesen sich und die Last seines Elends in dessen Wellen begraben hat! — Nein, sie führt nickt mit sich Trost und Bcrnhignng für das Her; des Leidenden; die Natur siebt n n >» r und nicht n b c r dir, deine abhängige Dienerin 'ckrmt sic ihre Miene iiach deinem Gesichte, niid von der Strömung deines eigenen Gemülhcs hängt der Eindruck ab, den sic auf dich iiiacht; deinen Gott aber als den kennen lind lieben „der d a t ö d t c t und belebt, der d a v c r w n n d c t und heilet" (3. Mos. 32,39.) DaS lehrt dich nur der geoffenbarte Glaube und. darum kann auch nur er im höchsten Erdcnlcidc uns Tröstung und Bcrnhignng svcndcn! Reickel uns nun die Natur nicht jene Vohlthaten deren nnS der Glaube thcilhaftig »rächen soll, dann kann sic ja auch nimmer genügen als die einzige Onelle der Gottcscrkcnntniß, und wir müssen cs dem Herrn ans tiefster Seele danken, daß er nnS gnadenreich gcoffcnbart hat, was wir in ihr nimmer gefunden hätten! Wohl sagt der Psalmist: „Die H i in m c l verkünden d i c H c r r l i ch k c i t Gottes!" Wie aber schließet er seine Betrachtung: ,,'.i nun firrEn!" beit rechten und ganzen Aufschluß, den gibt dir nur die Gotteslehrc: sic labt d i e S c c l c! sic führt die Beruhigung mit sich und „das Z c n g n i ß des Herrn i st t r c u b e w a h r t, e s k l ä r c t a u f d i c Unwissenden!" eS führt mit sich die Belehrung. — Erst wenn wir an der Hand der geoffenbarten Lehre hinanstrct n in die freie Natur, erst da gewinnt daS sichtbare All' seine hohe Bedeutung, cs ist wohl nicht die Urschrift der Offenbarung, aber cS erklärt und erläutert nnS daS erste Wort, das der Herr ain Sinai gesprochen! — Wohl sagt die Schrift: daS Thier kann dich belehren, der Vogel deS Himmels, die Pflanze der Flur, der Fisch des Meeres. Die ganze Natur bringt dir die Kunde von Gott! dagegen aber bemerken sehr sinnig die Midraschwciscn - ,. Bis<zr der Stunde wo Gott der Herr die Thora criheilte: „xb “*•:*¥ ma xb rpy ,T2" bis dahin war der Vogel stumm, sein Flugbedeutungslos! „i>j xb Tr!" Das Thier konnte dichs nicht' lehren! „rn? mx xb c'ü'.r ,vay xb r;ax!" Das ticsste und kühnste Denken der Geister cs konnte diese Wahrheit nicht finden! xb cm" Sprachlos war der Wellenschlag deS Meeres „iici xb Kein Geschöpf brachte dir die Kunde „r'iici pnvrcbiyn br!" Stumm und lautlos lag sie da die sichtbare Well: „°p.ibx M *::x : b'.p.i xn" da offenbarte sich der Ruf: Ich bin der Ewige dein Gott! (Mid. Rabb. Icthro) und mit diesem einen' Rufe kam Leben und Bewegung in die ganze Natur, und Baum und Strauch und Wild und Wald und Fisch und Vogel und jeder Halm auf der Flur, sie rufen seither nickt Anderes als: „Es ist ein Gott! — fie&cnkcu gegen nenentdeörte Atrophen in einer alten Prager Aeticha. In der vorigen Nummer dieses Blattes wird im Namen des verstorbenen als hebräischer Schriftsteller rühmlichst bekannten Markus Fischer, eines Mannes, der es sich auch angelegen sein ließ, Materialien zur Spezialgeschicktc unserer Gemeinde emsig zusammcnzntragen, eine von ihm onfgefundcne in der von dem berühmten Rabbiner Abi^Jor Kara*) vcr- ') Eigentlich Kra, dem Snp entsprechend, kei»ersakI4 aber Karo, wie r! irithnmlich in dem nicht von »nö bei rührenden 2»halt?ver;richniffe der nnler dem Titel Eal —(dd* im Jahre 1856 hier erschienencu Grabschrisien der hiesigen alten Frirdhoss heißt. 2» dem Tejir unsrrer