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Das Abendland · 1865-12-09 · 22 (9.12.1865) · p. [Seite]

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
22 (9.12.1865)
Date
1865-12-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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bcw 9. ffiovciußcr 1865. II. Jahrgang. 4%t.A (fcntrnl-COnjnit für nlle ^citijcmnßcn JuiercfTcit Verleger, Eigcuthümcr und verantwortlicher 9Cct*aftciir: lies IlldtlilhlllllS. p. ^ljrmaml. ^riv.nn.frntioiirbctraii r/.’.iijj^riri 3 sl., halbjährig 1 fl. 50 kr., vierteljährig sü fr. mit PostZiisendiiiig und Zuslelliiiig in's .<ais; für'? Ausland raujj. 2 Iljlr.. halbj. 1 Iljlr. 15 Gr. — Erscheint nm 2. und 4. Danncrslag dcs Monats. — i.dmiiiislralioil Gei,l gaffe Kr. DOS—I. — Inserate werden billigst berechnet. ilatur und Offenbarung. Gotttsdienstlicht Betrachtung von Rabb. I)r. hübsch. Die Nalnr ist eine wichtige CiicIIc der Gotleserkenntniß'nnd der Psalmisr schon, er fuhrt uns zn dieser Quelle hin: „D i c H i ui nt e l sie künden die H c r r l i chk c i t Gott e s, das F i r in a n> e n t erzählt von s c i n e r .S ch ö p f e r k r a f t!" (§. 19, 2.) Und dieses Sehr fnvort cs erwacht zn stets neuer Lebendigkeit in uns, so oft wir staunend sehen die Wunderwerke dcs Ferrit; dieser Psalmvcrs er leuchtet uns nicht bloß entgegen ans dcnt 9 i ch t g c w ii b c in welches der Herr sich hat cir.gchnllt, er ist nicht <loß an die Wände jenes tiefblauen Teppichs, den der Ewige hat ansgcspannt wie ein Zelt zum Bewohnen, mit schimmernder Stcrncnsclirisi hingcschriebcn; auch offenbart er sich nicht bloß in den großartigen überwältigenden ^Erscheinungen: Nicht bloß wenn, wie der Sänger sagt, die < . os erdröhnet ni.d "erbcb'k ^n'n6' tuättTnfi^'1'1 Nb" der'Eergc »(Mrmtb, wenn schwarz die Wolle niedcrhöngt und drohend Flamlncn um sich speit, wenn, der Himmel unter der Last sich zn neigen scheint und der Sturm ansspannt die Finstcrniß nmsänmten Schwingen; nicht bloß in solchen leuchtend großen oder schrecklich majestätischen Vorgängen und Erscheinungen offenbart sich die mahnende Stimme: „Es ist ein <$ott!“: vielmehr ist cs mit der sichtbaren Natur — wenn cs erlaubt ist Großes mit jilcincm zn vergleichen — wie mit dem Palaste eines reichen und mächtigen . Gebieters! -Man muß nicht erst die Prunkgemächer betreten um die Ilcbcrzcngung zu gewinnen: der da drinnen wohnt der muß reich und mächtig sein, „peen rivp J‘p"p!:w vom Pflaster des Bodens bis hinauf zum Gcdülke trägt Stofs und Arbeit die deutlichen'Wahrzeichen dcs Ncichthnms und der Macht! So ist es auch im großen Paläste dcS Herrn, in der weiten Natur, da heißt cs: „Voll ist die Erde seiner Herrlichkeit!" Da ist kein Raum so enge, kein Geschöpf so geringe, sic tragen denn an sich die nimmer zn übersehenden Spuren, die deutlich sprechenden Zeugnisse ihres crhabcncit Ursprungs, ihres ewigen Meisters: „Q frage nur das Thier, es w i r d d i r's lehren; der Vogel des Himmels w i r d d i r s erzählen; das G e w ä ch s der Erde gibt dir K u n d e d a v o n; ui nd cs s p r e ch c n d a v o n d i e F i s ch e des Meeres. Wer von a l l e n d i e s c n w e i ß cs nicht, da., es die Hand des H e r r n i st die das g c s cl> a f f c n!" (Job 12, 7—9). Die Natur clso i't d:s anfgcschlagcnc mit deutlichen greifbaren Lettern g.schricbcne Buch dcs Glaubens, was wir darin lesen cs spricht mächtig zu nnscrn Sinnen und durch die Sinne zn unserem Gcifle; und doch — so unfehlbar und mächtig auch ihr Eindruck auf dcs Menschen Herz und Seele wirkt, so kann sic doch nimmer als einziger Erkcnntnißqucllc für den Glauben genügen. -Was den Glauben für den Menschen schäl) und kost bar macht, was ihn für uns zum höchsten Gute hicniedcn erhebt, cs ist ein doppeltes; c i n tit a l soll der Glaube den Menschen belehren; er soll ihn anfklärcn über d-ic. menschliche Vorzüglichkeit, über jenes Wesen, dem Gott der Herr seinen Wohnsitz ausschließlich im menschlichen Leibe angewiesen har — über den denkenden Geist und dessen Bedürfnisse, z n m Andere n soll der Glaube den Menschen beruhigen, in niisslichcn Verhältnissen in trüben Tagen dcs Lebens soll er chm sein der Trostcsqnell, der nicht dursten und lechzen lässt an seinem Nande, der vielmehr stets frisch und rieselnd wohlthätig labt und erquicket! . . Wie nun erfüllet die Natur diese Doppclanfgabc, die dem Glauben gestellt ist? Sic bictcl dem Menschen nicht diese gründliche Belehrung und diesen klaren Ausschluß über das höhere Wesen an und in ihm, s i c kläret ihn nicht auf über die Bedürfnisse ..dieses.Wcstiis und wie diese Bedürfnisse zn befricdi- ^vikl'^nnehmktt-^^gcbc^-üttf - Erdenr,clncru. Bzcnschcn dem die Schöpfung bis in ihren innersten Schoß' crschloßen ^isl, dessen Auge scharf genug sei daS. Wachsen der Pflanze von Sekunde zu Sekunde genau'zu >versolgcn,' dessen Ohr so glücklich gebaut, daß er das Athmen dcs Grases, hört, unter, dessen feinfühlenden Händen sich Ursache und Wirkung zu anfaßlichen und greifbaren Dingen gestalten — ich will ^das, Alles annchmen, wird nun dieser Mensch mit seiner gewiß seltenen Wahrnehmnngsgabc in der ganzen belebten und unbelebten Natur irgend etwas finden, das den gcheimnißvollen Wesen welches er in sich cinschließt, entspricht und glcichkömmt? riese Lehrmeister alle, die uns Job droben nngcrathcn hat, können sic uns deuten und erklären das Regen und Bewegen in der in e'n s ch liehen Brust, und das Firmament von dem der Psalmist spricht, so hoch cs ist, cs kann uns nimmer einen Begriff bcibringcn von - m e n s ch l i ch i^r Höhe und Größe! Was Regen'und Sonnenschein für d^^Llume, das ist das höhere Sittengeictz, ivclchcs dich dcr^laubc lehrt, für deine Seele, cs ist das Element in welchem sie gedeiht und zum Geiste großwächst-, wo aber willst du-/inder''sichlbareu Na-'- tur die Gesetze ablcscn, welche das System'deiner Glückseligkeit in sich fassen, da dz; doch, unbeschadet der Allgegeuwart . des unsichtbaren Gotws, das elinzige -gcistbcg'abte Wesen bist inw ganzen Raume der Natur! S:.)cn wir doch ein Mal nach in dem Gebiete dcs Geschehenen. ES hat Menschen gegeben die den Boden dcS gcoffenbartcn Glaubens nie betreten oder auch solche die sich von demselben ganz entfernt haben — selbstständig dachten sie ernst und tief über Menschen und Dinge, nachlauschcnd horchten sic ans ihre eigene und auf die Natur der Außenwelt, und anS der prüfenden Beobachtung Beider sollte sich ihnen ergeben NL c~xS ’.u das Sittengesctz das für den Menschen daS entsprechendeste sei! — Muii möchte wohl glauben dieser Weg sei der sach- und vernunftgemäßestc: ein Gesetz das AlleS

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