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Das Abendland · 1865-10-26 · 21 (26.10.1865) · p. Seite 175

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
21 (26.10.1865)
Date
1865-10-26
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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Hänger dessen, der ihn verflucht, von den Heiden verfolgt ( und gemartert werden, und um seine Rache an ihnen au$« zulassen. bot er sich selbst an zum Hcnkcrdicnste. Er aber konnte sich der Rache nickt erfreuen, denn da- Beil, womit er sckli'g, dnrckschnilt seine eigene Seele, und da- Gist. daer reichte, wüthcte in seinem eigenen Herzen, und da- Feuer, daer schürte, brennte in seinen eigenen Eingcwcidcn, und er sah sic ja sterben die Märtyrer, freudig sterben, nnd er mußte leben, gualvoll leben. Eine- Tage-, alnach der Hinrichtung einebeiligen Greiseauder Menge der Zuschauer sich mehrere > ' ristcn hcrvordrängten und immer mehrere rufend. Auch fle seien Christen nnd wollen für Christo sterben, da wurde Ahaswernvon dem Geiste ergriffen, und er warf da- Henkerbeil hinweg und stellte sich unter die Christen, die noch de- Todeharrten, und rief lebend: „Auch ich glaube an Christum." Dicser letzte Satz kann nninöglich der url.'rünglicl-ett Legende angchörcn, sondern ist schon sentimentaler Zusatz. »Der ewige Jude kann nie Christ werden." So weit Menzel. (Fortsetzung folgt.) Leri/)t über die hier abgehaltene Lehrerversammlung. Nachdem von einer Anzahl i-raclitischer Lehrer in Böhmen seit mehreren Jahren durch die Presse der Wunsch an-- gedrückt worden war, euren L erein zu gründen, welcher den dienstunfähig gewordenen Lehrern, sowie deren Wittwcn nnd Waisen eine Uirlcrstütznrrg sichere, trat im Herbste v. I. ein Comite zusammen, um ein Statut zu diesem Zwecke zu entwerfen. Dem Vorsitzenden, Herrn Wehli nnd dem Sccrctär Herrn I)r. Rosenaner ist 'c-^besonderzu'dank.n, daß der Entwurf zu Stande kam und zur Cinberufnng der Lehrer zn einer Generalversammlung behuf- Airnahmc oder Ablehnung desselben geschritten werden konnte. Aldie geeignetste Leit dazu wurde die Festwoche, vom 8.—11. Dctober gewählt. Weil aber die Genehmigung der Behörde erst Anfang- Dciober cingclanfcn war, so konnte der Aufruf dazu nicht so zeitlich geschehen, wie ezur Ermöglichung einer allgemeinen Bcthciligung deböhmischen Lchrcrstandcwüiisckcn-wcrth war Cwaren daher ain 9. nur 84 Mitglieder zur Versammlung erschienen, welche mit An-nahnie de- Herrn C. Wehli und de- Herrn S. I. Schwarz, von denen der erslcre alvieljührigcr Schnlinspcctor seine Erfahrung, der letztere alwarmer Freund de- Lehrerslandcsein Wohlwollen der Versammlung znwendctc, sämmtlich dem Lehr- Itandc angclörten. Allandc-hcrrlichcr Comissär war Herr Polizei Dberkommissär Lanermann zugegen. Al- Tagc-ordnnng war festgesetzt. Debatte lind Abstiminnng über die Statuten, zn welchen keine ncneii Aiilräge, ivohl aber Amendementgestellt weiden durften. Die Versammlung machte von diesem Rechte - einen mäßigen und weisen t'^ebranch, die Debatte wurde mit lcb- -t.hcilnahine und doch mit Ernst nnd Ruhe geführt, so daß sie bei jcd m Tbeilnchmer die vorlheilhaskestc LRciniiiig von dcn^ieliiise! en Lehrern Böhmenhervorrnfen mußte. Da- Lkatut rourdc schließlich mit einigen Vcrändernngen angcnoninien und ein Eoniikc gewählt, dasselbe der Behörde zu nuterbreileu nnd ermächtigt die von derselben etwa geforderten Abäudernngc:, vorzunclunen. 'liackdem allen beneii, die um da- Zirstandckomiiien sich bemüht hatten der l ank votiit war. schied man mit deiii Wunsche und der > Hoffnung, daß der Verein recht bald in- Leben treten und die Lehrer Böhnicnhei ihrer nächsten Znsamiiicnknnst sich, um eine ihrer drmkendsten morgen leichter, einander begrni xen könnten. Ji em wir hierzu Ja und Amen sagen, wollen wir' zugleich auf eine Schwierigkeit ansmerksam machen, die der Erfüllung diese- Wunscheentgegen sieht und ans ein Mittel hindcnten, wodurch sie beseitigt werden kann. Eine Schwierigkeit ist r-, und eine unüberwindliche würde sic sein, wen»' tie Untcrsrützniigen lediglich auden Mitteln hervor gehen sollten, welche die Lehrer selbst aiifbriiigen. Eist bekannt wie kärglich allen Lehrern der Lohn ihrer schweren rbcit zugcmessen ist. Rur wenige dürften im ganzen Reiche sein, deren Gehalt 500 fl. erreicht. Hat er davon eine Familie zn erhalten, so ist jeder Gulden, den er sich abzichcn muß ein schwere- Dpfer für ihn. Die Bcrecl'lignng ans Unterstützung auder Verein-kasse wird e lang:, diirch ciue Einkanf-snmme von 5 fl. für ein Alter unter 80, von 10 fl. unter 40 und von 15 fl. über 40 Jahren und durch einen jährlichen Beitrag von 4 fl. Der Verein wird aber erst dann seine Wirksamkeit beginnen, wenn ein eiserner Fondo von 5000 fl. vorhanden sein wird, Rehmen wir nun an, der Verein zählt 100 Mitglieder — anmehr dürste kaum zn rechnen sein, — so wäre:., n .-i .. : * jEinlanf-mmmen durchschnittlich zn 10 fl. angenommen werden, 10 ganze Jahre nöthig zur Bildung diese- Fond-. Erst in I I. Jahre würden die Beiträge im Betrage von 400 ft. nebst den Zinsen de- Fondzur Vcrthcilung kommen können, weiche nach Abzug der Bcrwaltnng-kosten auf höchsten- 500 fl. zn veranschlagen sind. Run ist in 10 Jahren der Eintritt von 2", Diem: «fähiger oder mit Tode abgehcnder sicherlich eher zu niedrig alzu hoch angeschlagen. Die zn Unkerstützenden könnten, wenn e- Waisen sind an- 10 „nd noch mehr Personen bestehen. Wie schwach würde da die Unterstützung an-sallcn für so schwere Dpfer! Die Lehrer müßten also von vorn herein an einer wirksamen Hilfe verzweifeln, wenn sie sich ganz allein überlassen blieben. — Doch so wir) es hoffentlich nickt sein. Schon jetzt haben einige Familienväter. welche die hohe Bedeutung de- Lehrerrecht zn würdigen . verstehen, erklärt, daß sie al- Ehrenmitglieder d h. solche welche beitragen, ohne Unterslätznng zn bcan- . ncfjcit, dem Vereine beitreten wollen. Da- Vertrauen auf den, seit uralten Zeiten beivährten Sinn für Wohlthätigkcit im J-racliten geht aber noch weiter, eerwartet Gründer de- Verein-, d. h. solche Wohlthätcr, die durch Zuwendung von größern Summen die Bildung de- Kapitalfondin sehr kurzer Zeit ermöglichen. Sollte diese Hoffnung getäuscht werden? Sollten die beiden, bi-her steteinander ergänzendcit Säulen der Religion, Thorah und Gemileth Ehescd plötzlich abfällig von einander geworden sein? Wir besitzen gar viele Stiftungen zur Förderung der Thorah im alten Sinne de- Worte-, sic mögen im Sinne der Stifter, so lange egeht, weiter bestehen, obwohl Jeder einsicht, daß die ursprüngliche Absicht, Kenntniß der Thorah zn fordern nicht mehr durch sic erreicht wird, weil Thorah, ohne wissenschaftliche Behandltnig, ohne Rücksicht ans dapraktische Leben etwa- Todteist, daweder Einfluß üben, noch sick Achtung verschaffen kann. Thorah in unserer Zeit ist die Bildung und Erziehtmg der Jugend zn religiösen Menschen und Bürgern im Geiste der Lehre J-rael-. Diehochheilige Geschäft hat der i-raelitischc Lehrer zn übernehmen. Wenn rdaher Ernst ist mit der Religion, der wende, wenn ihn Gotte- Segen dazu in den Stand gesetzt hat. seine Wohlthätigkcit in erster Linie der Scknlc. dem Lebrslandc zn. Tüchtige, würdige und wahrhaft religiöse Lehrer sind nur dann zn erlangen, wenn der Lchrcrstand der kläglichen Lage entzogen wird, in der er sich zur Zeit noch befindet. Für die Arbeit seine- Ge '"temuß er die Erhaltung sein.- Lei bcznm Lohne, slic die Ausopferrlng seiner Jngcndkiäfte die anständige Versorgung seine- Alterzürn Ersatz empfangen. — J-racliten! hier ist euch die Gelegenheit geboten zn beweisen, daß Ihr Eure Religion lieber, Eure Zeit verstehet nnd Eure Wohlihaten gut anznwcnden wisset. Der i-rael i t i s ch c L c h r e r v c r e i n sei Euch hiermit ans da - w ä r m st e nnd d r i n g e n d st e e in p f o h l c n A s t.

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