Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 21 (26.10.1865)
- Date
- 1865-10-26
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 174 — bcr Thal; da mochten, wie in der Sage vom Kysshänserberge, die Naben, welche ihn später zu ernähren bestimmt waren, um die verborgene Hoble geschwebt haben, in welcher Pinchas von seinem eifer- und thatenvollen Leben für d. s noch lhalenrcicherc des eliatf ausrnhte. Und nachdem er als Glias seine Mission erfüllt, nachdem er durch Wort und Thal den Geist des Volkes wieder belebt, und seine m Jünger daeigene Streben in g e st c i« gertcr Potenz a l - Erbe h i u t e r l a s s e n, entschwindet er in einer geheimnisvollen Weise, die eine Wiederkehr hoss.n, ja sogar erwarten lässt, und die Profeten-Iüngcr glauben ihw-suchen und finden zu können, und nur Elischa weiß, daß der Zeitpunkt eben nicht der ciservollen Thäligkeit eine- Elia-, sondern eineruhigen, de» schwichtigcndcn Streben-: bedürfe. Außer einer momentanen Schm rzcnsänßcruug Elischa's findet sich bei dem Scheiden de- Elianicht die geringste Erwähnung von Trauer, wie sie bei den Israeliten nach dem Hinschciden ihrer großen Männer üblich war; ja. wanoch merkwürdiger, mit dem Schc'dci, de- Elias schließt keine Periode, nicht einmal ein Kapitel der biblischen Erzählung. In Eliaist da - Prinzip der Aktion p e r s o n i s i; i r t, das in Elischa gemildert weiter wirkt, und daberufen ist, nach den Worten de- Profeten Malachi e i n st die Erlösung, nicht die spezielle deö Volke - Israel allein, sondern die allgemeine an; u bahnen. Dieses halb historischen, halb allegorischen Wesens, hat sich nun der Midrasch, die Sammlung hochpoclischcr Sagen und Allegorien de- Iudcnthums, und auch die mehr gemüthlichc mündliche Sage bemächtigt; letztere sogar hat anihm einen nahezu h u m o r i st i s ch e n E o m m i S voyageur der Vorsehung geinacht. Er ist es. der am Passahabende in die Helle Stube tritt, und von dem, dem anneu Pilgerbereiteten Decher nippend der Gastlichkeit Gelegenheit zum Dohlthnn gibt. Er gibt de i armen Handwerksmann Gelegenheit zum reichlichen Gewinne, nie reicht er seine Wohllhatcn als Almosen o nein! seine Dohlthaten sollen erworben, er selbst will erkannt. erralhcn sein. Er ist ein Feind der müßigen Klage, des unthätigen Sichgchenlasscns, des übcrgeduldigcn, trügen Harrens. Folgende zwei aus einer Menge ähnlicher Sagen beweisen, in welchem Geiste Elias wirkt. Einst kam der Profct Elias in einen Ort, dessen Einwohner unablässig über den Verlust Jerusalems weinten, und durch stetes Klagen, Fasten und B len die Erlösung zu beschleunigen suchten. Nur zwei Leute i..i Orte lebten stetfröhlich und guter Dinge, und bcthciligtcn sich bei sonstiger treuer Pflichterfüllung nicht an der allgemeinen'Trauer. Elias, befragt, durch wen und in welcher Weise die Erlösung am beKen zu beschleunigen wäre, erwicderte: »Durch Leute die so leben wie Euere beiden munteren Mitbürger." Ein Trödler. der mit den Seinen in äußerster Künimerlichkeit lebte, batte gehört, wie schon manchem Armen durch den ^rofeten Elias plötzlich sei geholfen worden. Sein angelegentlichster Wunsch, sein stündlich Gebet lvar nun, daß auch ihm einmal der Helfer in der Noch erscheinen möge. Als er nun eines Morgens verdrossen seinem Tagwerke nachschlendrrte, bot ihm ein unbekannter Mann zwei Stangen alte Metalle zu Kaufe an. und überließ ihm dieselben um einen Spottpreis. Der Trödler lud sic ans die Schultern mit dem Gefühle der Dcsriedignng darüber, daß er mit dein;n hoffenden Gewinne die Dedürfnissc seiner Familie für einige Tage werde decken können. Bald aber verwandelte sich sein Gefühl der Dehagliel keil in Verdruß und Mißnimh; die Stangen nämlich waren so schwer, daß er froh war,-sie nach wenigen Schritim Laden eines Eisenhändlcrs mit geringem (Gewinn loszn'chlagen. Wie ers'aunte und crschrack er aber, als er erfuhr, der Eii'enhändlcr habe die beiden Stangen ihrer ungewöhnlicher Schwere wegen genauer untersucht, und in denselben Goldbarren erkannt. Bald daraus begegnete der Trödler wieder dem Manne, der ihm jene Stangen überlassen, unfr fragte ihn. ob er nicht wieder etwas zu verkaufen habe. Lächelnd antwortete dieser: »0 ja, aber ich verkaufe jetzt selbst an de.« E senbändler,!"r sich aus Gescheite mit den Protcn Elias besser vcrsr.ht als du." Ans de in Gebiete geistiger Thäligkeit rep sentiert Elias die u n e r m ü d l i - c Forschung, welcher. von den E r r u ng e nsch f t c u einer künftige n Zeit b e g ü ii st i g t, keine Höhe unerreichbar, keine Tiefe unergründlich bleiben wird. *) Manche meiner Leser fragen vielleicht, wie dieß alles mit der Sage vom »ewigen Jude.»- znsamnicnhängc; nun oir wollen sogleich dazu kämmen; und wenn manche andere en Ucbergang zu rasch oder zu wenig i otivirl finden, mö. :n sic ihn immerhin einen lyrischen Sprung nennen, dabei aber auch daran denken, daß soivohl EliaS als sein Schüler Elischa sichnicht lange mit Brückenschlägen aufhicltcn. Die Sage vorn »ewigen Juden" ist dein Oricn 'remd, und hak il e Entstehung und Ausbildung dem schtij h-gcrmanischen Geiste zu verdanken. Wolfgang Menzel, dessen Werk »deutsche Dimtung" neben der stets bei Menzel vorhandenen Franzosen- und noch mehr Inden-Fresserei sehr viel Gründlichkeit zeigt, derichtct über diese Bolksmythe: »Die älteste Kunde vom ewigen Juden gibt Mathäus Paris in der historica Anglica ad annos, 1228 linb 1252, nennt ihn aber Cnrtophilus. Dieser sei des Pilatus Thürstchcr gewesen, und habe Jesu bei feinem schweren Gange nach Golgatha spöttisch ans die Achsel geklopft »nd zngerufcn: »Gehe schneller!" worauf Jesus ihm rrwicdcrte: »sich will gehen, du aber sollst warten, bis ich wiederkoniinen werde. Scitdeni nun habe der Jude nicht sterben können, irre unstät durch die Welt und warte aus den jüngsten Tag, an dem Christus als Richter über die Lebendigen und Todtcn micdcrkommcn wird. Dieselbe Sage wiederholt Moeskens in der standrischcn Rcimchronik V. 25, 525. Im Jahre 1547 gab DcdcläuS zu Hamburg eine n e i w c Z e it u n g vom I.u d c n Ahasverns heran-, worin es heißt, derselbe sei zu Danzig erschienen, als ein langer, uralter, sehr schlecht gekleideter Mann mit Trauern und Seufzen und habe gesagt, er sei ein Sck uster in Jerusalem gewesen. **) Seitdem will man denselben ewigen Juden auch an anderen Orten gesehen haben, zum Thcil unter anderen Namen, z. B. Grcgorins und Buttadäns. Nach Wolfs niederländischen Sagen S. 625 wurde der ewige Jude unter dem Namen Isak Laquedem ***) in Brüssel gesehen. Die Legend: war in deutschen, holländischen, dänischen, englischen und französischen Volksbüchern verbreitet aber in keinem Buche, das ein orientalisches Idiom anfznwciscn häNc. DaS Volksbüchlein von Auerbachcr, München 1857 erzählt: Ehristns mit dem .Kreuz belastet, will vor Ahaswcrns Thür einen Augenblick ruhen; der Jude stößt ihn zurück und Ehristns spri ht; Weil du des Menschen Sohne keine Nast vergönntest, so sei auch dir fortan keilte Nuhe vergönnt, und bit sollst wandeln und wandern, bis daß ich wicdcrkrmmrn w rde. Dieser Fluch geht mm in Erfüllung, und der Jude muß nun ewig wandern und fliehen, n»d kann nirgends rasten und nicht ftrrbnt. Die Geschichte erzählt nun seine Wanderungen und stellt ihn in einer Menge von Situationen d> r. Unter andern war er in der Kaiscrzcit in 'Nom wählend einer Ehristcnvrrfolgnng. Mit boshafter Freude sah er die Aitx'-’iT "ty "7!' (* Nicht? ist mäglichrr. alt tag tun irne ,8lit tin n ‘.tr Bnilrr »ach Tanzig k»m, drr in Irriü'alkm frfihrr Zchuher gewrsr»; Toiuiiirit tincto »»ch ijcutigrn Tag.» t)in und w:edcr Be.l'.rc aus Irrioalrur nach Enrova. ***) Leopold Duke» leint Laqnedem von ^"^7^ ab, wa» schon doru>n 1X ii ft ii *t ist. weil das ^">,7) mit dein Affix auf einen ganzen debläifchen Satz hindkutck, der erst zu ergänzen wäre. Tagegcn hat da» Dort „Loquedcm" ciuen ganz flännichrn ftlang.