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Das Abendland · 1865-10-12 · 20 (12.10.1865) · p. Seite 169

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
20 (12.10.1865)
Date
1865-10-12
Page
Seite 169 (sequence 7)
Language
German
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IGO Clirresp und ein. Tereschan. Dem Rabbiner H. Salomon Graf, welcher nach circa 30jährigem segensreichen Wirken unsere Gemeinde verließ, um nach Pilsen zu übcrsicdcln, wo er seine Thätigkcit ausschließlich der Erziehung und dem Unterrichte der Jugend zu widmen gedenkt, wurde am IG. v. M. von der! hiesigen Schuljugend eine schöne Abschiedsfcicrlichkeit bereitet. Im Hause unseres geehrten Enltusvorstehcrs, des Landcsrcpräscntanten Herrn I. A. Popper versammelten sich die festlich gekleideten Kinder, und zogen Kränze und Lampions tragend unter Borantritt einer Musikkapelle in die Synagoge, wo sämmtliche Gcmeindcmitgliedcr zum Abcndgebethe versammelt waren. Eine Schülerin hielt an den geehrten Scclcnhirtcn eine Anrede, die derselbe mit wenigen gewählten Worten voll inniger Rührung erwiedcrte. Der Zug, dem sich eine große Menschenmenge anschloß, begleitete sodann den Herrn Rabbiner nach Hause, der hier nochmals allen Anwesenden ein lerzlichcs Lebewohl zurics, und für die ihm gewordene freudige llebcrrafd ung innigst dankte. Möge es Herrn Rabbiner Graf auch in seinem neuen Wirkungskreise gegönnt sein, wie bei uns viel des Guten und Ersprießlichen zu leisten. —K. Lehrervcrc in. Am 0. Cftobcr trat eine größere An-! zahl israel. Lehrer Böhmens im Lokale der Freyschcn Lehranstalt in Prag zu einer Bcrathnng der von dem hiezu im vorigen Jahre erwählten Eomile ansgcarbcitclcn Statuten eines Vereines zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer und deren Witwen und Waisen unter Vorsitz des Hrn. Ernst Wchli zusammen. Es wurde vereinbart keinen Antrag auf einen neuen Paragraf der Statuten wohl aber Amendements zu den bereits vorliegenden zuzulaßcu. Schließlich einigte man sich in einem neuen Entwürfe der Statuten auf Grundlage des Alten. — Rachdcm die Versammlung einstimmig den Wunsch ausgesprochen hatte, daß der Verein gegründet werde wurde ein neues Eomitc aus 5 Mitgliedern erwählt, um die nölhigen Schritte zur Eonstiluirung des Vereines zu thuu. — —U. ümilc u.ist uuiiimuliije llnuijhfitcu. Prag. Herr Leopold von Lämcl hat sein Mandat als Landtagsabgcordnctcr für die Prager Joscsstadt nicdergclcgt. * Prof. Dr. Kämpf wurde anläßlich des Umstandes, daß cs am 1. Tage des SukolhfcsleS gerade 20 Jahre waren, seitdem er zum ersten Mal die Kanzel des hiesigen isr. Tempels betrat, von vielen Freunden beglückwünscht: auch ward ihm vom Dbcrkantor Perclcs ein Ständchen gebracht. * (D r d c n S v e r l c i h u n g) Herr Moses Porgcs Ed- —ler-von Portheim wurde das Ritterkreuz des Franz-Joseph Drdcns verliehen. * (Statistisches) Prag zählt vier jüdische Familien die dem Adelstande angchörcn: die Edle von Hönigsberg'sche als die älteste, Porgcs Edle von Portheim'fche, Leopold Edle von Lämcl'schc und die Edle von Salcmsclssch'e (Herr Leopold Edler von Lämcl und Theodor Edler von Salemsels wurden späterhin ans Grund der Verleihung des Ritterkreuzes des eisernen Kroncnordens in den Rittcrstand erhoben.) Zn den thcils mit Drden, thcils mit anderen Dccorationcn Ausgezeichneten gehören: Herr Leopold Ritter von Lämcl Banquicr, Herr Theodor Ritter von Salemsels k. k. Rittmeister in der Armee das Ritterkreuz des Drdcns der eisernen Krone, Herr )Ie«I. Ist'. Tobias Klauber k. k. Eonsulatsarzt (gegenwärtig in Jassy),-Herr MoscS Porgcs Edler von Porthcim k. k. Fabrikant und Herr Max Dormitzcr Präsident der Handelskammer das Ritterkreuz des Franz-Joscphordens, Herr Ignaz Kuranda Oieichsrathsabgeordnetcr das Ritterkreuz des Trdens der Ehrenlegion, Herr Theodor Ritter von Salcmfeis das 'Ritterkreuz des k. sächsischen Albrcchtsordcn. Herr TKarkns Winternitz pcnsionirter Direktor der Josefstädter Hauptschule, das goldene Verdicnstkrenz, Herr Josef Kolin das silberne Verdicnstkrenz. Stitichov bei Prag. In Folge der Resignation des Bür gcrincistcr Stellvertreters Herrn Edlen von Porlhcim trat der Gcmcinderath zur Vornahme der Reuwahl zusammen. Herr von Portheim dankte im Vorhinein, falls ihm eine Wahl zngedacht sei, da er selbe nicht annehmen könnte und resignirtc nach abermals erfolgter Wahl ans dieses Ehrenamt. Kaliit. Der Professor am Pariser Polytechniknin und Lehrer des französischen Kronprinzen spendete bei se.ncr An-! Wesenheit in seiner Vaterstadt Kolin den Armen daselbst den! nicht unbedeutenden Betrag von 500 Gulden öslr. W. Wl'eil. Eine Deputation der Grazer Israeliten überi reichte dem hiesigen Prediger I>r. Jcllinek eine Dankadresse I für die in der Hauptstadt Stcyermarks vorgcuommene Synagogcnweihe (Rcuzcit) —! * (Drdcnsver lei h n n g) Der Großhändler Friedrich > Ritter von Scliey erhielt das Kommandeurkreu; zweiter Klasse des Großhcrzoglich hessischen Ludwig Drdcns. " ' '' "! Sztgcdin: Aus Anlaß des 25 jähr. Amtsjubiläunts des j hier allgemein geachteten Dbcrrabbincr Herrn I)r. Leopold ' j Löw hat der hiesige Kasinoverein dem Jubilar in cor^orü j den Glückwunsch überbracht. Laudon: Die Eily hat für das. nächste Jahr den Aldermannn Philipps, einen Juden zum Lord-Major gewühlt. Derselbe ist der Sohn eines armen deutschen Schneiders und gieng noch vor 30 Jahren in London mit Glas hausircn. Seitdem hat er sich durch'sein Geschäft mit Stickwollc ein großes Vermögen erworben und bekleidet nun das oberste Ehrenamt in der Eity. —— * (Montcnorc als Lincoln) Als die traurige Kunde von dem grausamen Tode Lincoln's nach der Eily Londons kam, sagte Baronet Moutesiorc, der bis zu seinem K.".. Lebensjahre sür die Emanzipation der Juden Palästina's, Egyptens, Rußlands, Italiens und Marotkos persönlich uns mit seinem Grldc gewirkt, folgende herrliche Worte: Lincoln hat die schwarze Raec. die Regcrstlavcu von ihren Fesseln befreit und siel. Ich wollte, Gott gäbe mir die Kraft und Energie eines Lincoln, damit ich die Baude meines Volkes, seine Ketten im gewaltigen, halbcivilisirtcn Ezarcnrcicbe und seine Knechtschaft im heidnischen Marokko lösen könnte. Hundcrttausendc meiner Brüder harren nach einem Erlöser Lineoln: ich würde gern deit Tod eines- Lincoln sterben, tvcnn mir ein solches Erlösungswcrk für meine weißen Brüder gelänge. lind wahrlich bei diesem Verfechter des Mcnschcurcchtes ist cs kein leeres Wort. Montefiorc reiste noch in seinem d>l. Jabrc nach Marokko um der blutigen Verfolgung gegen Ehristen tuid Juden selbst Einhalt zu verschaffen.

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