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Das Abendland · 1865-10-12 · 20 (12.10.1865) · p. Seite 168

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
20 (12.10.1865)
Date
1865-10-12
Page
Seite 168 (sequence 6)
Language
German
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168 in die Speichen fallen möchten, die dem gegenwärtigen Gcschlechte cS nun und nimmer verzeihen können, ein zwcitausendjührigcs Unrecht gegen den Geist der Menschheit geführt zu haben. — Aber welch ein Trinmpf der Humanität!—Selbst solche Käuze wagen cs nicht mehr, mit offenem Visir zu fechten; anS dem sichern Versteck der Anonhmität schlendern sic ihre stumpfen Pfeile zu nur schwachem Ergötzen der wiewohl in der Gegenwart noch ziemlich regen litcrärischcn Skandalsucht. — Sic schämen sich gleichsam vor sich selbst, und znrückbebcnd vor der schonungslos geißelnden Vchmc der Zeit, wie krümmen sic sich zwischen den ihnen so verhaßten „leider" siegreichen Ideen des Jahrhunderte hindurch, wie suchen sic ibr graues Spinngewebe in die blühenden Zweige des modernen Erkcnntnißbaumes cinznhängcii; aber o Jammer! cd will ihnen bei Allcmdcm nicht gelingen, ein „Geschäft" zu machen; denn Euriositätcn und Raritäten bilden nicht eben IedcrmanS Liebhaberei', eine Schrift gegen das Iudcntlmm aber, so sehr man in derselben auch bemüht gewesen, dem allen „hep, hcp" salonfähige Gewandung nmzuwrrfcr., bleibt in unfern Tagen eben nur Kuriosität und Rarität, — mit der sich hie und da ans „verdammter Schuldigkeit" nur noch ein Eritikus und Zcitungsrcfcrcnt befaßen mag. Mit diesem letzten Satze haben wir auch schon die Antwort aus eine Frage vorbereitet, die der gute Leser vermuthlich stellen wird, wenn er hört, daß voranstchendc Betrachtungen in uns eben durch eine Schrift veranlaßt wurden, die in Leipzig erschienen ist, und den cigcnthümlichen Titel führt: „Sic Vcrjudung des christlichen Staates. Ein Wort zur Zeit." 'Sic Frage nämlich liegt nahe, warum wir, da wir doch die allgemeine Ucbcrzcugung von der Bcdcutungs- und Eiustußlosigkcit solcher Pamphlete thcilen, der Schrift überhaupt cinc^unvcrdicmcAufmerksamkeit znwcndcu?—Sic Antwort ist: Schon der Seltenheit und Seltsamkeit wegen, mag der Schrift eine kleine Beachtung zuzuwcndcn sein. Uebcrdics gibt es gewisse Leser die nach der Lektüre eines jeden Buches ansrufcn. „Ser Mann hat ,Rccht!" Wir konnten daher der Versuchung nicht wicdcrstchcn, zu zeigen, daß der Mann eben nicht Recht hat, daß er ein bloßer Sofist ist, wie die ganze Parthci, zu der er unstreitig gehört, und die von jeher mit der Maske de- Glaubens die bösen Leidenschaften zu verdecken suchte, die ihr Antlitz verunstaltet. — Sic alte Salti! dieser Parthci, dem Fortschritt mit aller Macht sich entgegen zu werfen, und wenn er doch über sic hinweg sich Bahn gebrochen gleichsam an seine Ferse sich zu heften und unter dem Schein der Huldigung und Anerkennung ihn auszuhalkcn, oder, wenn dies nicht möglich, ihn zu eigenen Zwecken auszubcnten, bewährt sich übrigens schon in den ersten Zeilen des vorliegenden Schrislchcns. Blau weiß, daß zur Zeit als die Emanzipation des Indenlhums noch in Frage stand, Ricmand erbitterter gegen dieselbe antämpstc als diejenigen, die allezeit mit besonderem Flachdruck ihren christlichen Standpunkt hcrvorhcbcn und betonen. — Riebt bloß das iuiic sondern selbst das alte Testament mußte mit Gründen gegen die Emanzipation Her- Halten — mit einem Worte, cs sollte gegen das Ehristcnthnm verstoßen, den Juden sein Menschenrecht wieder zu geben. — Hören wir, wie die Parthci jetzt spricht: „Ser christliche Staat ist — mit Einem Worte gesagt — Eivilisation" d'o heißt cS auf der zweiten ^citc des Pamphletes) „die Eivilisation weiß nichts von Unduldsamkeit, nichts von Fanatismus. — Im großen Bereiche der Eivilisation d. i. im christlichen Staate, kann jcdcrman „nach seiner Fac^on selig werden." — Also jetzt hätte der Jude für seine Emancipatiön sich bloß bei dem Ehrislcnthum jener Herrn zu bedanken.— Schade nur. daß man überhaupt erst nach achtzehn hundert Jahren und erst im Zeitalter des sogenannten religiösen IndifscrcntismuS zu dieser Einsicht gelangt ist, und wie lange dürfte cs noch dauern bis man überall diese Ucbcrzcugung thcilt. Schälen wir übrigens den ziemlich magern Kern ans der in allen gangbaren Parthcifarbcn st.nllcrndcn Hülle los, so finden wir vor Allem die Ueberzcngung ausgesprochen. daß „alles Schlimme, Ueblc und Schiefe im Eharaklcr des Juden keineswegs, wie die Vertreter des jüdischen Volkes meinen, der langjährigen Unterdrückung besonders in den finstern Zeiten des Mittelalters zuznschrcibcn sei; denn schon aus der Gesetzgebung Mosch sei zu ersehen, daß der Jude bereits vor Jahrtausenden gewesen wie er heute ist." Zum zweiten wird bittere Klage geführt über der zunehmenden Geldliche recte Geldsucht der Zeit. „Sicsc Geldliche oder Gelbsucht sei jüdischen Ursprunges" behauptet nun drittens der eben so edle als weise Skribent. — Endlich wird dem Juden die Fähigkeit — zur Liebe abgcsprochcn, und dcßhalb schließlich die merkwürdige Weisung gegeben: „Man gestatte, ohne alle Beschränkung die Ehe zwischen Juden und Ehristcu. — Saun sage man noch, unser Mann sei ein Feind der Juden! — Ssscnbar meint er cS diesen besser als seinen eigenen Glaubensgenossen. — Sic Medizin, die er nähmlich dem bisher incurablcn Iudcnthumc verschreibt, gehört wahrlich nicht zu den bitlern, was aber die guten Ehrisiincn mit Gatten, die keiner Liebe fähig sind, anfangen, wie sic mit diesen fertig werden sollen, das verschweigt er. Vdcr gehört das vielleicht auch mit zur Taktik, daß er ans der einen Seile einen wohlfeilen Rath crthcilt, um sich den Ruf des Wohlwollens zu wahren, ans der andern aber zugleich weislich durch die Schilderung, die er vom Juden gibt, vorbaut, daß derselbe nicht befolgt werde. — Sas Bedenkliche, zugleich aber Komische der Sache wird gesteigert, wenn man hiebei an den gleichen Rath sich erinnert, welchen nach der Erzählung einiger alten Schrifikomcntatorcn einst Bileam, auch ein zweideutiger Freund des Iudcnlhnms, dem Balak crlheilt haben soll, und der merkwürdiger SBcifc buchstäblich ans dasselbe hinauslics. — Man denke nur an die Geschichte mit den Töchtern Peors. — Ja, cs ist eine alte, sich auch hier bewährende Tharsachc, daß große Geister sich begegnen, besonders — im Edclmulhc. Zum Sänke hicsür wollen wir die kleine Mühe uns nicht verdrießen laßen, einmal obcrwähntc Vorwürfe uns etwas näher wie man sagt bei Lichte zu besehen, um so mehr als sich unter ihnen einer findet dem man Sriginalilät — der Erfindung nicht absprechcn kann! cs ist der Vorwurf, daß die sogenannte Gcldfncht der Zeit jüdischen Ursprunges sei. Sa wir jedoch cs vermeiden wollen, die pcscr dieses Blattes mit langen Abhandlungen zu ermüden so wollen wir dieses in einigen kleinen, selbstständigen Aussätzen thnn.

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