Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 20 (12.10.1865)
- Date
- 1865-10-12
- Page
- Seite 167 (sequence 5)
- Language
- German
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mit seitwärts verlaufenden Nischen entgegen (Moiid 5l. 8b,)! die nach Belieben verlängert odor verkürzt werden konnten (.-.'27 ib.) Tie Gräber wurden, uni jeder vor dem ‘ O'cfcgc unerlaubten Annäherung und Bcrnnrcinignng vorznbengcn, äußerlich durch überkalkte Steine, in denen viel' ' leicht die ersten Spuren der (Grabsteine zu suchen sind, gekennzeichnet. Ter sleincrue Nebcrbau des Grabes dessen der Talmud au einigen Stellen (Schekalim p. II; Erubiu f)3ai gedenkt und der nach einer Acußernng zu schließen inwendig hohl war und vielleicht zur Beherbergung der das Grab Besuchenden dienen mochte, scheint keineswegs allgemein im Gebrauch gewesen zu sein, n^cnigstcnS erklärte R. Eimcon b. Gamalicl, daß die Frommen, deren Thatcn alle Denkmäler aufwiegcn, solcher Gedeukzcichen nicht bedürfen (Schclal. II, 7; Bcr. Nabba c. 82.) Aehnlichc Ucbcrbane waren wohl auch das von HerodeS auf das davidischc Grab gesetzte Denkmal aus weißen Steinen (Jos. Aut. XVI, 7, I, und das Monument, wclcl .'s Simon Makkabi seinem Baker und seinen Brüdern errichtete und daS aus sieben hochragenden Pyramiden von polirtcm Stein zusammengesetzt, mit Waffeurüstungcn und allerlei Schnitzwcrk verziert, weithin sichtbar war (1 Maceab. 13, 27—29.) Der Grallste i n e geschieht im Talmud noch keine Erwähnung, cS mochte vielleicht bei der Eingangs erwähnten allgemein herrschenden Lcichcnschänderei den Juden der talmndischcn Zeit nicht gerathcn erscheinen, die Gräber ihrer Angehörigen durch hochragende Monumente den Spühcrblickcn ihrer Bedrücker auszuseycu; doch lässt die Bemerkung, daß das Lesen der «Schrift auf dcnt Grabe" nachthcilig ans daS Gedächtniß wirke, an das Vorhandensein der Epitaphien schließen. Man scheute sich nach endgültig vorgenommener Beerdigung, die Leiche, aus welchem Grunde immer, aus einem Grabe in das andere zu übertragen. Eine Ausnahme war nur in dem Falle der Uebcrtragung eines Todtcn in's Familienbegräbniß zulässig, „dei n cs ist dem Menschen angenehm, bei seinen Vätern zu ruhen." In bereits vollständig gefüllten Friedhöfen gestattete der Gaon R. Hai über der unteren Lcichcnrcihc eine obere anzulcgcn, doch so, daß zwischen den Reihen eine Erdschichtc von einer Elle sich befinde (vgl. 'L-'-'j* zu Alfasi M. K. P. III, p. 29.3a; Tür- Jose Dea .362.) Soweit die Leichcnfeicrlichkeitcn. die wir bis über die letzte auf's Grab geworfene Erdscholle hinaus verfolgt haben. Die nach vollzogener Beerdigung cintrctcnde Trauer und die daran sich knüpfenden Gebräuche bilden den Gegenstand einer besonderen Untersuchung. Hier inögcn nur noch, um die vorstehende Skizze einigermaßen abznrnnden, folgende Bemerkungen ihren Platz finden: Die thcilnchmcnde Beenge bildete auf dem Gottesacker ein Spalier (,v,v»r), welches die gewöhnlich in schwarzer Tracht erscheinenden Leidtragenden durchschritten, um den Trostzuspruch Aller in Empfang zu nehmen. Ans dem Rückwege wurde an verschiedenen Stellen, mindestens siebenmal (B. Bath. IM bl angchaltcn y.rxrl, um theils den Verstorbenen zu preisen, theils den Trauernden Worte des Trostes und dem JoIfc Worte des Dankes znzurnfen. Da-- Zeichen zum Beginne und znm Abbrcchcn der Station wurde durch die Formel gegeben: Nehmet Plan, Ihr Edlen! — erhebet Euch, Ihr Edlen! In älterer Zeit veranstaltete die Familie des Verstorbenen dem Volke eine Tranermahlzcit — eine Sitte, die der Talmud nicht mehr kennt und die, wie Josephus benierkt, zur Verarmung vieler Familien beitrug, da sich ihr, trotz der ungeheuren Kosten, Niemand gut, entziehen konnte. — Wir schließen die vorstehenden Bemerkungen, indem wir den Zuruf, mit welchem die trauernden Begleiter von dem zu Grabe getragenen Freunde sich verabschiedeten, wiedcrho - len t *]S! (M. K. 29a.). *) Wir haben diese vorzügliche, schon in früheren Nummern begonnene Arbeit zum Schlüsse bringen wallen, werden aber künftighin grundsätzlich nur Driginalarbeitcn wissenschaftlichen Inhalts in unser Blatt aufnchmcn. Die Redaktion. Lilcam der Zweite. Zur Zharakteristik älterer und neuerer Widersacher des Zudenthums. Bon Dr. I. Rosenauer. Es war auf einer Leipziger Messe in den dreißiger Jahren daß ein jüdischer Geschäftsmann einem Buchhändler, zu dem er saust in den freundlichsten Beziehungen stand, bittere Vorwürfe über eine judcnfeiudlichc Schrift machte, die in dessen Verlag erschienen war, und natürlich reißenden Abgang fand. «Seien Sic still" sagte endlich lakonisch der Buchhändler «mit dieser Schrift löse ich Ihre Wechsel ein'. — Besser, <-ie protestiren gegen diese Schrift, als Sie protestircn mir meine Wechsel." — Dieser wackere aufrichtige Mann war sichcrlichst der einzige in der sogenannten «guten alten Zeit" , — zu welchen wir nun schott mit vollem Rechte die Zeit der dreißiger Jahre zählen dürfen, in Anbetracht des ungeheueren Abstandes zwischen den Zuständen von damals und jenen der Gegcnwart, der in einem bißigen Pamvhlete gegen die „Söhne Abrahams" den einzigen Rettungsanker, die letzte Schutzwehr gegen die andrüngenden Wogen seiner Gläubiger fand; denn damals, wo die politisch sociale Gährliug der Geister bekanntlich ihren Höhepunkt erreichte, gehörteil Schriften über das Iudenthum zu den stehenden, weil allgemein gelesenen Artikeln des Büchermarktes, und erschien gar eine Schlisst gegen das Iudeuthum, so bildete sic den pikantesten Lcckerbißcn auf der Gasttatel der Tagesliteratur. — Vom Juden mit ängstlicher Spannung erwartet und gelesen, von dem Widersacher desselben mit unverhchlter Schadenfreude begrüßt war die Schrift jedenfalls sicher, auf beiden Seiten Aufmerksamkeit und Interesse zu erregen—und der Verleger fand seine Rechnung! — Das ist nun anders geworden in unfern Tagen bei der inzwischen cingctrctcucn allerdings schon etwas zu starken Ernüchterung der Gctster. — Schriften über das Indeuthum gehören zwar nicht zu den Seltenheiten, aber sie bieten meist mehr ein wissenschaftliches Interesse; hie und da noch auftancheudc Schriften gegen das Iudenthum aber erinneren stark an gewiöe Vorfälle in Kricgszeiteu, wo nicht selten auf dem eigentlichen Schauplatze des Kampfes die Schlacht längst entschieden ist, dem ungeachtet aber auf entfern - tcru Punkte, wohin die -Nachricht des Siegers entweder noch nicht gedrungen, oder tv o in an in der andauernden B c r b i 11 e r u u g d e s K a in v f e s dieselbe gern und absichtlich überhört neust einzelne Geplänkel stattfinden, die nicht den mindesten Einfluß mehr auf dem Gang der Schlacht üben, aber bistveileu dem Groll des Einzelnen zu um so willkomcuerem Ausbruch verhelfen, je entscheidender bereits die eisernen Würfel gefallen. — So legen in unfern Tagen Schriften gegen da? Iudeuthum nur noch Zeugniß ab von der erbarmungswürdigen Shnmacht derer, die dcnt allgewaltig hinrollenden Rad der Zeit mit entnervtem Arm