Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 20 (12.10.1865)
- Date
- 1865-10-12
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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„ach Nationalitäten und Ncgiincntcru gesonderten Kriegs- Mannschaften in voller 'Rüstung und unter Anführung der Generäle und Zenturionen. Den Schluß bildeten fünfhundert Räuchcrwcrk tragende Diener. Bei der Beerdigung eines Bkitgliedcs der königlichen Familie folgte der König selbst nur selten dem Lcichcnzugc; in der Regel zog er sich bei dieser Gelegenheit in seine Gemächer zurück (Synh. 20a.) Ein unumgängliches Zubehör des Lcichcnzugcs bildeten außer den Fackeln (cts i; Bcrach. 53a) und der feierlichen von Posaunen und Flöten (yb'bn) zusammengesetzten Bk u si k die 'R'acuicu der bestellten Klagcleutc. Das bezahlte Jammern scheint jedoch hier nicht, wie bei den Röincrn, das ausschließliche Bionopol der pracfieae gewesen zu sein, man findet im Gcgcnthcil sehr oft den Klagci.iann (pcc) angeführt. Zwei Flöten und ein Klageweib (r::'pe) bildeten t>r.ö gesetzliche Bkiuimum der Vokal- und Instrumentalbegleitung bei Lcichcilbcaänanisscn (Äctf). 46b.) In Galiläa war den Klagclcutcn ihre Stellung im Zuge ror, in Judäa hinter der Bahre angewiesen. Das Geschäft der Klagcleutc war ein ziemlich complieirtcs. Sic forderten klagend die Leute zur Trauer auf (psu*!:) und ergingen sich in Lobpreisungen der Todlcn (vcy-rs rx pjre, Semach. I, 6,) wobei sie sich die Brust zerschlugen, durch Hand- und Fußbcwegl.ngcn ihren Schmerz avwdrücktcn, und bald im Ehorc, bald rccitativisch das Klagelied anslimmtcn. Reben den .Klageliedern (\“:i ü*;p, jer. Akoed K. I, o) kamen noch Leichenreden zur Geltung, die, wie aus den vorhandenen Fragmenten hcrvorgeht, nur bei angesehenen Personen gehalten wurden, wahrend man für Leute gewöhnlichen Schlages eine Art gemeinschaftlicher Gedächtnißfeier veranstaltete. lieber die Bedeutung der Leichenrede waren die Ansichten gcthcilt. Einige erblickten in ihr eine Beruhigung für die Hinterbliebenen, Andere eine Ehrenbezeugung für den Todlen. Die letztere Ansicht halte sich im Laufe der Zeit die meiste Geltung errungen (Synh. 46b) und schließlich betrachtete man die Leichenrede als einen Spiegel, in dem sich Vergangenheit und Zukunft des Bcrblichencn getreulich reflcklirr (Sabb. 153a.) Wer einein Biedcrmannc Worte und Thräncn aufrichtiger Trauer widmete, der durfte nach der gangbaren Ansicht der Sündenvergebung gewärtig sein, dessen Thräneu würden von Gott gezählt und als Beweise liebevoller Theilnalime in der göttlichen Schatzkammer hinterlegt, wie hingegen der Thcilnahmslose. der in das gerechte Lob eines verdienten Mannes nur lässig niit cinslimmte, lebendig begraben zu werden verdiene (Sabb. 105b.) Der Todte, meinte man, hört das ihm gespendete Lob gleichsam im Halbschlafe, bis daß sich der Deckel des Sarges über ihm schließt oder gar bis zum Beginne der Verwesung (Sabb. 152b,) und Rab bat vor seinem Tode ausdrücklich den 'Oi. Samuel b. Silatb, daß er ihm eine ergreifende Leichenrede halte, „denn" — fügte er hinzu — „ich werde zugegen sein und deine Worte init anhören" (ib. 153a.) Die Leichenreden wurden tvahrscheinlich bei den einzelnen Stationen des Lcichenzugcs oder in dem der Familie des Verstorbenen gehörenden Klagehause. oder auf dem Gocteeacker, zuweilen auch in den Synagogen gehalten (Bieg. Bei dem Leicheuzuge des R". Iehtida hauasi nach Beth- Scbearim wurden achtzehn Stationen gemacht oder — nach einer anderen Erklärung — hielt die begleitende Bi enge bei achtzehn Synagogen an. tim die daselbst gehaltenen Leichen reden mr anznhorcn. R. Sclra hielt einem Gcsebcsjüuger -— und Rasrem seiner eigenen Tchwicgertochrer die Leichenrede' in der Synagoge (Bkeg. 2-b.) Es scheint hie und da Sitte gewesen zu sein, daß die Verwandten des Verstorbenen für die demselben geschcnlte Thcilnahme dem Pnblilum eine besondere T ankredc hielten. Als die Sohne des ))k. Atiba starben — erzählt der Talmud (Bk. K. 21b) — strömte eine große Menschenmenge zur Trauerfeicr. Rach beendeter Feier bestieg der trauernde Vater die Tribüne (‘rc-ic p i?" Sv;:) und richtete folgende jAnsprache an das Volk: „Vernehmet cs, israelitische Brüder! Wenn meine Söhne im Bratitslandc verstorben wären, so hätte die von Euch erwiesene Ehre genügt, um mich zu trösten. Galt Euer Erscheinen etwa mir meiner Stellung? Gibt cs ja Viele meines gleichen! Doch ihr dachtet, das Gesetz Gottes ruht in seinem Innern, und brachtet also der von mir vertretenen Lehre eine Huldigung; wahrlich! Euer Lohn wird zweifach sein,;irt)r heim in Frieden!" Bruchstücke einzelner Klagelieder und Leichenreden haben sich erhalten. Die Aufforderung zui; Bkitcinstimmcn in den Klagcgcsang lautete in Palästina: „Weinet mit ihm, Ihr, die Ihr betrübten Herzens seid!" Die Weiber des durch seine spöttischen Bewohner bekannten DrtcS Schechanzib hattcu eigene, mitunter schwer verständliche 'Refrains zu ihren Klageliedern, z.B.: „Verhüllet und bedecket Euch, Ihr Berge, denn er war der Sohn Hoher und Vornehmer" u. A. Verständlicher, weil au bestimmte Personen anknüpfend und meistens in rein hebräischer Svrachc abgcfaßt, sind die Leichenreden, von denen hier einige Proben gegeben werden sollen: Dem N. Abina widmete ein Redner, Bar Kipop folgenden Rachruf: Wenn die Flamme Ecdern ergreift, was beginnt die Dsopstaude an der Wand? Wird Livjalhan an der Angel hcraufgezogcn, was steht den Fischen des ^umvscs bevor? Wenn die Angel in reißende Ströme niedersuhr, wie sreht's mit dem Wasser der Bäche? (Bkoüd K. ^25b.) Demselben R. Abina rief ein anderer Redner nach: trauert um die Hinterbliebenen und nicht um den, der der Erde entrückt; —denn er ist zur Ruhe eingcgangen, wir sind von Gram geknickt! (ib.) R. Lakisch stimmte den Todtcngcsang um einen jungen palästinensischen, in der Tradition ^Wissenschaft ausgezeichneten Gelehrten mit folgenden Worten an: Wehe, Palästina ist um einen bedeutenden Bkann ärmer geworden! R. Rachman erhob über einen anderen verdienten Gesetzeslchrer die Todtenklage: Ach, der Bücherschrank ist abhanden gekommen! (Bkeg. 2*b.) Dem R. Ehanina, der am Geburtstage seines erstgeborenen Kindes starb, wurden folgende Worte nachgesandt: Freude wandelte sich in schmerz, Lust und Trauer begegneten sich, in der Frcudenszeit ereilte ihn Betrübniß, und da er begnadet wurde, ging er der Gnade verlustig (Kclhub. 104a.) lieber R. Simon b. Zcbid's Heimgang wehklagte R. Lewi: Die Besitzthümcr dieser Welt, wenn sie abhanden gekommen, lassen sich wieder ersetzen, denn „einen Stollen gibt's für das Silber, einen Schacht, aus dem das Gold zu Tage gefördert wird, das Eisen wird der Erde abgerungen und aus dem Gesteine das Erz heranfgewundcn" (Ijob 2S, 1—2;) aber wenn ein Weiser der Welt entrissen wird, was vermag den Verlust zu ersetzen? „Tic Weisheit, wo wird sic gefunden? Wo liegt die Stätte der > Einsicht? Fürwahr, sic entzieht sich dem Auge des Lebenden!" (ib. 2p 12, 21.) Die Brüder Ioseph's erschrocken, als sie unvcrmulhct einen Schatz fanden, mit welch größerem Rechte! überfällt uns Schrecken, da wir in dem Verblichenen einen l kostbaren Schatz verloren? (jer. Berach. p. II; Bcr. Rabba! c. 65.) — Die Grabrede über R. Ebija b. Ada, den! Schweslersohn des Bar Kappara, leitete R. Lakisch mit fol! geiwer Homilie ein: „Der Freund steigt hinab in seinen (Zarten zum Gewürzbccre. um in den Gärten umhcrzuslrcisen und Roicu zu pflücken" (H. Lied 6. Der Freund i|t Gott, der Herr; der Garten, zu dem er herab)leigt: die große, weite Welt, in der Israel einem schmal umfriedeten Gewürzbecte gleich duftet, in der die Stätten der Frömmigkeit und Lehre als schattenreiche Lauben hcrvorragen: die sucht der Herr auf und pflückt die Königinnen des Gartens, die Rosen. die glaubcnsfreudigcn Jünger des Gesetzes (icr. Berach. I. I.; Schir hasch. R. 6, 3.) — Am Grabe des kinderlos verstorbenen Samuel hakaton sprachen Lk. Gamaliel der Aeltere und R. Elcasar b. Asarja: Um Den ziemt s zu weinen, um Den ziemt's zn trällern! Könige vererben den Rachfolgcrn ihre Krone, die Reichen hintcrlassen den Kindern ihre Schätze, Samuel aber hat auf seinem Heimgänge alle Herrlichleiten mit sich genommen (Semach. e. VIII.) 20*