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Das Abendland · 1865-10-12 · 20 (12.10.1865) · p. Seite 164

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
20 (12.10.1865)
Date
1865-10-12
Page
Seite 164 (sequence 2)
Language
German
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1(34 S. D. fimato gtbor. am 22. August 1SOO gest. am 29. September Ein Stern in Israel ist erloschen, der beim Beginne -es Säknlnms der Welt aufging, und „ba£ Auge des Jahrhunderts wird sich schließen" che ein zweiter von solcher Größe am Horizonte der jüdischen Wissenschaft scheinen wird. Das Indcnthnm und mit ihm seine Wissenschaft baden einen schweren unersetzlichen Verlust erlitten. Samuel David Luzzato, Professor am rabbinischcn Eollegiuin zu Padua ist am Vorabende bc^ diesjährigen Versöhnungsfcstcs eines plötzlichen Todes gestorben. Es gibt keinen Zweig der jüdischen Literatur, in dem er nicht Großes und Gediegenes leistete, in dem er nicht 'einen glänzenden Geist als Schöpfer und Begründer neuer Anschauungen bcwübrtc. Schon in jugendlichen' Alker literarisch lhäkig, bol er uüt jcdcin Jahre neue schmackhafte Früchte seines immensen Wissens und seines Scharfsinns für die Dcsscntlichkcit. Von seinen großartigen Leistungen in der hebräischen Sprachforschung und der Bibclexcgcsc geben seine vielen Schriften in hebräischer, italienischer und französischer Sprache Zcugniß und seine unzähligen Aussätze in jüdischen Zeitschriften, Jahrbüchern und Sammelwerken sind zerstreute Perlen von großem Wcrthe, die gesammelt und zu einer Schnur gefaßt, ein Werk bieten würden, das als Monument der menschlichen Geistesgröße unsere Bewunderung wie unsere Verehrung erregen müßte. Eine gründliche und genaue Bekanntschaft mit den jüd. Litcraturwcrkcn aller Zeilen, die ihin ein seltener Fleiß und der Besitz der seltensten Manuscriptc und Druckwerke vcrsä affte, der geniale Geist, der mit Leichtigkeit bis in das kleinste Detail seines Gegenstandes cindrang, der scharfe kritische Blick, der schuurstraks ohne weite Umschweife das Ziel seiner Forschungen traf, und diese Vorzüge gepaart mit einer Gediegenheit und Eleganz der Darstellung, in der wir ihm in der Jetztzeit nur seinen vicljährigen Freund, den großen Rappoport an die Leite stellen können, geben jeder seiner Arbeiten einen i unsterblichen Werth. Eben so ausgezeichnet wie als Forscher! und Gelehrter war Luzzaro als hebr. Dichter. Südliche Gluth, > lebhafte Phantasie nach dem Inhalte, herrliche Diktion bei! einer zuweilen übermäßigen Strenge in der Metrik, nach der j Form sind die charakteristischen Merkmale seiner poetischen i Leistungen. - | Wenn wir seinen großen Geist bewundern und uns an ' seinen herrlichen Schöpfungen laben, so dürfen wir nicht vergessen, daß wir einen großen Thcil dieser Scclcugeuüssc seinem reichen edlen Gemüthc verdanken. Jedes Familicncrcigniß, ob freudiger oder trauriger Ratur, setzte seinen > immer regen Geist in Thätigkcit, und das Denkmal, das cr den Häuptern seiner Lieben setzte, war eine mouumcntalc Länlc der Wissenschaft, die alle Zeiten überragt und überdauert. Der Geburt seines Erstgebornen wcihcrc cr sein bcrühuneS Werk über. Taktlos, und das Kind seiner väterlichen Liebe trug den Ramcu wie das Kind seines edlen Geistes Phi loxcnos. Rührend sind die Lichtungen, die cr aus die Gräber seiner Theuern a s nie verwelkende Blumeu pflanzte. Herrlich sind die Lchöpfungcn seines Geistes, die cr seinen vielen Freunden widmete. Seinem Herzen gehört der Ruhm, daß cr große Lodtc aus dem Staube der Bilüiolhcken hervorzog, und deren Geister durch VcröffcnllichunHmircL Werke das Fest der Auferstehung feiern ließ. Luzzaio ivar cs, der uns den großen Ichuda Halcvi, diesen edlen Sänger aus der spanischen Schule neu gegeben, ^er uns vertrag machte mit jenen herrlichen Klängen, die'das Thr niemals-'vergißt, das sic einmal gehört. So manches Grab der Vergangenheit hat Luzzato geöffnet, ans dem nun der Luft geistiger. Lebenskraft uns erfrischend und erquickend anweht. Luzzato so reich gesegnet mit geistigen Sc: ätzen war durchaus nicht zurückhaltend mit seinen Gaben, iein literarisches Unternehmen auf jüdischem Gebiclhc, t>. nicht an ihm einen eifrigen Förderer fand, und wer sich unmcr um Rath und Beistand an ihn wandte, konnte seiner liebevollen Thcilnahmc gewiß sein. Die äußern Lcbcnsumständc Luzzaio's waren ganz gewöhnlicher Ratur, sein Leben gehörte ausschließlich der Wissenschaft, der lchi chie häuslichen Uuglücksfälle nicht entziehen konnten, der frühzeitige Tod seines ausgezeichneten, auch der Wissenschaft zu bald entrissenen Sohnes Philoxenos verwundete tief das edle Vatcrhcrz, doch die innige Gottergebeuheit heilte auch diesen Schmerz, und die literarische Welt' fand ihn bald wieder an seinem Platze mit unermüdlicher Thätigkcit wirkend und schaffend. Die Lehrkanzel, die Luzzaro seit 1S2'.) bis zu seinem Tode inne hatte, steht nun verwaist, und Italien wird nicht leicht den Meister finden, der den Verlust vergessen machen könnte. Der allgemeine Schmerz um den Dahiugcschiedcnen, der der Welt angchörtc, wird in seinem Varerlande doppelt gefühlt werden, da der Verstorbene in einem Lebensalter stand, das noch viele Jahre rüstiger Thäligteil boffen ließ und der große Geist nicht etwa in einer gebrechlichen .Körpcrhülle, sondern in einem frischen rüstigen stattlichen L ib seine irdische Herberge hatte. Es war im Juli 18.">f> als uns ein Freund in Padua bei Luzzato cinfühilc. Den Maun, der so unermeßliches Wissen in seinem Kopse hatte, konnte sich die Phantasie nur mit den körvcrlichen Attributen, die als natürliche Folgen geistiger Anstrengung und Ucbcrbürdung das Dasein der Gelehrten trüben, vorstcllcn als da sind: schwacher Körper,blasscr Teint, hoble Wangen, gefurchte Stirne u. s. w. Nichts von all' dem! Ein fester gedrängter Körperbau, ein frisches volles Gesicht, aus dein Leutseligkeit strahlte, kurz eine heitere lebensfrohe Physiognomie, die cs nicht im Entferntesten ahnen ließ, daß ihr Inhaber zahl-und schlaflose Rächte über vergilbte Manuscrivtc zubrachtc. Es schmerz: uns tief, daß wir unsere jonrnalistischc Earricrc mit der Erfüllung einer so traurigen Pflicht cinweihcn, und eine erschütternde Trauerbotschaft den Lesern dieses Blattes als Angebinde bringen müssen; doch der Tod großer Männer hat auch riel des Tröstlichen für die Menschheit. Luzzato ist nicht gestorben! Der Kran; der Liebe und Verehrung den wir ans sein frisches Grab legen, ist ein Tribut, den die dankbare Nachwelt dem unsterblichen Geiste darbringt. Ehrmann. Die fcirijenfcicvltdjkcifcit im imrfjbiblifrijcit Juöcntljmiic. Eine archäologische Sludie von k'r. I. Pcrlcö. (Schluß.) r^cr kostbar verzierte rrarg des Hcrodcs wurde nach der tragen — wie cs überhaupt allgemeine Sitte war, daß die -ckilderung bei IostphuS (Ant. II,; de bcllo jud. i Angehörigen und Freunde des Vervl'chcnen zunächst zu den I. (») von den Söhnen und nächsten Anverwandten geletzten Liebesdiensten zugczogen wurden; — diesen folgten die

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