Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 19 (28.9.1865)
- Date
- 1865-09-28
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/9050333-9088714-9050586--0259-9050590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lod 2× ep/1045074
OCR text
Die £cirijcnfciruirijkcifeu im nachbiblischen Iildenthmne. Giuc archäologische 3rubic i'on Pr. I. P erlcS. (Fn, rz ui'g.) Zur Ucbcrbringung von Trauerbotschaften mochten sich wohl, wic noch heute murr den Juden, nur Wenige verstehen. Dir Bewohner von 3cppljoriö drohten Zedem, der ihuru die .Kunde von 9k. Iehuda hanasi's Ableben bringen würde, mit dem Tode. Bor Kappara wugtc cs, in verblümter Weise die Nachricht zu hinkcrbringcn. Er erschien vor ihnen mir verhülltem Haupte nud zerrissenen Kleidern und wehklagte: „Die Engel dort oben und die Mächtigen hier nntcu stritten um den Besitz der Gcsetze-Aafeln, der Tieg ist den Engeln zu Thcil geworden, sic Hube» die Tafeln entführt!" — „Rabbi ist lodt!" sielen die Sepphoräer ein.— „Zhr habt es ausgesprochen" — mctwortetc Bur Kappara zustimmcnd — ..nicht ich." (jcr. Kilaim 1'. IX, hal. 4; vgl. b. Kethub. 10-la.) T:r Volksglaibc liebte c£, den Tod einzelner Lieblinge und hervorragender Männerdurch wunderbare Erzählungen zu verherrlichen oder wirkliche Ereignisse dainit in Zusammenhang zu bringen. Als 9k. Acha starb, berichtet die legende, waren die 3lerne am Hellen Mittage sichtbar; als 9k. Ehaniua von,Bath-Hauran starb, spaltete sich das Meer von Tibcrias; bei dem Tode des R. Samuel b. Iizchak entwurzelte ein Sturm die Ecderu Palästina's, bei dem des R. Jose b. Cbalusta flössen Blutströmc durch die Strassen Lydda's; als 'R. Jose der Welt entrissen wurde, stürzte das Easiell von Tibcria zusammen; am Todestage des R. öhija sielen Meteorsteine ■£*;) dom Himmel, an dem des 9k. Hamnuna verwüstete Hagel ringsum die Gegenden; im Todesjahre des R. Mcscharschija sprossten Dornen an den Dattelpalmen empor uud über den Heimgang R. Abuhn's thräutcn die Standsäulcu Eäsarea's (ger. Xb, Lang.?. III; bub. ^Ioed Kat an 25b.) Der Schmerzensausbruch bei Todesfällen sollte sich nach den Vorschriften der Religion innerhalb der Grenzen einer mäßigen Treuer halten, .och mag auch hier durch das ansteckende Beispiel der Nachbarvölker die Natur oft die Stimme der Vernunft überhört haben. R. Akiba, in den Strassen Lydda's unvcrmuthct auf den Lcichenzug des R. Elicser b. Kisri stoßend, geißelte seinen Körper bis auf's Blut (Aboth di K. Kat. c. 25) und R. Hamnuna hielt cs nicht für überflüßig, den Frauen seiner Zeit das Verbot des HaarausraufcnS bei Traucrfällen von Neuem iit's Gcdächtniß zu rufen (ger, Ki Id. I, hal. 8.) Der Todesfall wurde unter Trompcteuschall zur öffentlichen Kcuntniß gebracht und daS größere Publicum bethciligtc sich an der Trauer dadurch, daß sich sämmtliche Bewohner des Drtes, an dem der Todesfall vorsiel, sofort, wahrscheinlich für eine bestimmte kurze Frist, der Arbeit enthielten (Moed K. 27b.) Weit größere Dimensionen nahm die Trauer bei dem Tode hervorragender Männer an. Wenn ein Gcsctzcslchrcr starb, so wurde seine Schule geschlossen, der Tod des Ab-bcth-diu gebot die Einstellung des Unterrichtes in allcit Lehrhäuscru der Stadt, der des Nasi in allen Schulen des SprcngelS (ib. 22b). Zwischen dem Tode und der Beerdigung lag nur cht kurzer Zwischenraum (AIoöd K. 28a; Act. Apost. 5, 6, 10.) Di-c Stadt Jerusalem hatte das besondere Privilegium, daß in ihren Mauern leine Leiche übernachten durste (Tos. Negaim P. VI; B. Kama 82b.) Die scheinbare Barbarei > solch rascher Bestattungen wird durch den Umstand gemildert, daß man die Leichen, wic wir später sehen werden, in offene Grüfte legte und sie mehrere Tage laug heimsuchte, um deit etwaigen Scheintod zu ermitteln. Nur eine einseitige Interpretation des Gesetzes konnte cS versuchen, diesen . Brauch als für die veränderten Verhältnisse der Folgezeitmaßgebend hinzusicllcn. Bachha bcu Ascher und Ehaskuui erklären ausdrücklich, daß er nur für Palästina seine Anwendung habe, während noch der trotz seiner massenhaften ellek.ischen Bildung mit vielen Vorurtheilcu behaftet: Menasse b. Z >' r a e l der ungeschmälerten Beibehaltung desselben das Wort redet. Uuterdess wurden Anstalten getroffen, nm die Beerdigung vorzubereilen. Der lod:e Körper wurde gebadet nud gesalbt, wobei die verschiedensten Speeercien (rr. Bcrach. 55a) in reichstem Maße: Myrte < Beza 6a), Aloe (Zoh. 10, 50), svätcr auch 9)sov. Rosenöl und Roseinvasser unter genau besliminteü Ecrcmonieu und Gebeiformelu angewandt wurden. Aut das Biden der Leichuabme wurde ein großes Gewicht gelegt und voit den Babyloniern (babylonischen Juden?) wird im Tone des Vorwurfes oder Mitleides erzählt, daß ihre Todleu nuehreuhaft, ohne Fackeln, uud nugebadet zu Grabe geben. Der gebadete und gesalbte Körper wird hieraus in die L ci ch c u k l ei d er gehüllt. Nackt begraben zu wcrdcit bctrüchnle man, wic bei viele» andern Völkern als eine Schande, wic im Gegentheil die Angehörigen des Ver siorbcncn ein gewisses Verdienst darein setzen, im Ueb.rmaßc ihres Schmerzes recht viele und kostbare Kleider auf den Hingeschiedenen zu häufen, — ein Vorhaben, au dessen Ausführung sic gewöhnlich durch die besonucncn Ilmstehcnden verhindert wurden, da die Kleider, tvelche die Leiche einmal berührt hatten, später nicht ntchr gebraucht werden durften (Synh. 48a) Es wurde ein solcher Luxus mit den Lcichenkleidern getrieben, daß, wie sich der Talmud drastisch ausdrückt, die Bestattung der Leiche den überlebendcit Verwandten mehr Leid verursachte, als der Todesfall selbst und daß Viele, die die ungcheucreit Ausgaben nicht erschwingen konnten und hinter der allgemeinen Sitte nicht zurückolciben mochtcn den lobten Angehörigen ganz und gar im Stiche ließen. R. Gamalicl verordncte, um diesem Unwesen zu steuern, daß mau ihn in lcincrnen Kleidern bestatte. Das gute Beispiel, blieb nicht ohne Wirkung und zu R. Pava's Zeiten trug man schon kein Bedenken, die Leiche in eilt Dberklcid, das nicht mehr als einen Suß kostete, zu hüllen. 9k. Ehiskija eiferte ebenfalls gegen die gehäuften Leichcnkleideck und wurde wie erzählt wird, in einem einfachen Lsschenkuchc bestattet (jcr. Kil. IX. hal. 4). Die abgenutzten Umhänge dek Gesetzes rollen, die zu profanen Zwecken nicht mehr'benutzt werden durfteit, fanden gewöhnlich als Leichenkleider ihre Verwendung (Mcg. 26b). Zu Betreff der Farbe des Lcichengcwandes war die Sitte sehr verschieden. 9k. Zosia wünschte in weißen Kleidern beerdigt zu werden 9k. Zanuai sagte vor dem Tode z» seinen Söhnen: Hüllet mich weder in weiße noch in schwarze Gewänder damit ich nicht ivie ein Fröhlicher unter Trauernden oder umgekehrt erscheine, sondern leget mir buntfarbige Kleider an. Ein ähnliches Ver-'« langen stellte 9k. Zochanan. 9k. Zirmija wünschte, in einen ans Stachclpflanzcn gewebten weißen Stoff gehüllt, mit Schuhen an den Füssen nnb einem Stabe in der Hand, auf die Seite gelegt zu werden, damit er für die Zeit der Auferstehung vollständig gerüstet sei. Zm Mittelalter flerirten neben den weißen auch r o t h c Aichenklcidcr (Maharil 'x ). Die Könige wollten nocK in ihrer Todlcntracht an ihre vergangene Größe erinnern. ^So wurde Herodes auf einer goldenen, mit zahlreichen kostbaren 3leinen besetzten Bahre getragen. Decke nnb Gew ndung waren von Purvur, auf dem Haupte >var über dem Diadem die goldene Krone befestigt und in der starren 9kcchtc bcmerltc man das königliche Seeptcr (Zos. Ant. XVII. 0, 5; de bcllo jnd, -I, Tb 9) Das Gesicht der Leiche wurde ursprünglich nur in solchen Fällen, wenn die Gcsichtszügc entstellt waren, späteren allen Fällen, mit der alleinigen Ausnahme eines Bräutigams'verhüllt Moed K. 27a; Scmach. c. VIII). Die Leiche lag im Sarge mit aufwärts gewandten VsVficbte, auf die Brust gefalteten Händen und langgestreckten Beinen. Eine abwärts