Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 18 (14.9.1865)
- Date
- 1865-09-14
- Page
- Seite 152 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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mit den Stiftungen der Kinder. Rur was daS Kind wirklich kann, ist sein wahres Eigenthum; daS Wissen allein genügt nicht. Darum, wer sein Kind lieb hat, der überhäufe es nichl mit Arbeiten, sondern gewöhne dasselbe an Sind und Vetter; lasse in der freien Ratnr es sich ninschanen, ans Blumen, Bögel und Schmetterlinge achten; lasse den Körper erstarken, damit derselbe Kraft habe die geistige Anstrengung zu ertragen. Bor allen Dingen habt Bertranen;n den Kindern, damit dieselben Bertranen behalten; selbst wenn sie gezwungen sind ein Bergehen, eine Unart einzugestehen. Nehmt Antheil an ihren harmlosen Spielen, an ihren Leiden und Freuden; lasset euch genau verständlich jedes kleine Erlebnis erzählen — und wenn eure Vicbfingc Morgens, Mittags oder Abends die Händchen falten und ihre Kinder - livven ein fromm Gebetlein stammeln — dann, dann betet mit ihnen. Und war die Freudig!eit des Debets u reit? aus eurem Herzen gewichen, sie wird im ballen eurer Kinder euch wiederkehren. Pest. Ihr geschätztes Blatt, das zuweilen, wenn auch fvärlich Correspondenzen nnd Berichte aus Ungarn bringt, wird hoffentlich auch dem Folgenden um so eher einen Raum gönnen, als eS von allgemeinem Intresse ist, wo immer Schule und Unterricht segensreichen Fortschritt machen, denn gewiß in der schule und in der Erziehung lag von jeher und liegt noch immer daS Heil und eine erfreuliche Aussicht ans die Zukunst Israels, weil nur der Geist und die Bildung die Sasse ist, die dem Juden auch bei uns die bürgerliche Gleichstellung und daS Anrecht an vielem, daS ihm jetzt noch entzogen ist, erringen wird. Die Beranlassung meines Heutigen sind die im Laufe der Zeit vom 20. bis 24. v. Bk. an der hiesigen israelitischen Gemeindehanptschnle als auch an der Mädchenschule stattgefundenen jährlichen Prüfungen, und will ich besonders der Letztere vorzüglich Erwähnung thun, als sie seit wenigen Jahren erst in'S Leben getreten, Anstalt ist, die aber für eine der trefflichsten gilt, alles nbertrifft, was ich derartiges gesehen, und durch ihre Borzüglichkeit auch auf eine erfreuliche Zukunft zu reehneu but. Unter tüchtigen Lehrern, und einer eben so geeigneten Leitung ist hier eine solche mnsterhafte Ordnung und' Disziplin eingeführt, wird hier mit einer Sicherheit Ruhe und Korrecktheit vorgegangen, wie selten an einer Schule. ES ist hier alleS so geregelt, und ineinandergreifend, das; die ganze Anstalt alS ein in sich selbst vollkoininen abgeschlossenes Ganze erscheint, wo aber jeder Dheil redlich das Seine zu dieser Bervollkoinmnnng beitragt. Die Schule besteht nun seit 14 Jahren, ist gegründet durch den seligen Rabbiner Löm Schwab, den henerigen Jahres verstorbenen vielverdienteu I)r. Hauser und H. David Gans. Unter der ninfichtsvolleu und tüchtigen Leistung des jetzigen Schulvorstehers »H. E. L. Posner, rühmlichtt bekannt, als einer der ersten Schulfreunde Ungarns, zählt die Mädchenschule allein 470 Schülerinnen, und wirken da die Lehrer: H. Heinrich Rofeuberg Ober-und Musterlehrer, H. Josef Rozfasi. nnd H. S. Lustig in der Unterklasse, ein sehr braver und steißiger Lehrer. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Leistung des Lehrers! der hebräischen Gegenstände H. Solfgang Seist. Ein Bei weis für die anerkannte Trefflichkeit der Pester Gemeindefchulen ist die bedeutende Freauen; welche ihr zu Dheil wird, und zwar von den Kindern ntS den besten und größten Häusern, was früher nicht K Fall war, wo Hauslehrer nnd Unterrichtsanstalten den Unter:.cht orößtentheils in Händen hatten, und nur die ärmere Klane sich veranlasst sah ihre Kinder in die öffentliche Schule schicken zu müssen. Um ans unsere Mädchenschule znrückzukommen, müssen wir vorzüglich auf daS Berdienft des von seltner Diensttrene nnd Borliebe für feine Berufspflichten erfüllten Oberlehrers H. ttkofenberg aufmertfäm machen, und hat sich dieß sein Streben bei der obgenannten Prüfung int höchsten Grade bewährt, nnd herausgestellt, so wie nicht minder auch die Brrdienste der anderen Lehrer glänzendes Resultate geliefert haben. — midi die Anfertigung weiblicher Arbeiten, die znr Ansieht Vorgelegen, haben niä)tS zu wünschen übrig gelassen. —■ Einen Sunsch fön neu wir nicht unterdrücken, und der ist, daß es sowohl ans pädagogischer als Sanitätsrücksichten bei den bedeutend sich steigernden Zuwachs noch mindestens ein Lehrer angestellt werden möge, daß dieser Sunsch aber nächstens seiner Erfüllung entgegen gehen wird — hosf.n wir von der Ein- und Umsicht eines löblichen Schulvorstandes, der bisher noch kein Opfer gescheut hat, wo :S sich daruut gehandelt hat die israelitisä)e Schule zu verbessern, und zu vervollkommnen. F r a n k l. furnlc und munurrtiiK 3lemi]hcitni Prag. Bei unserer Anwesenheit in Pilsen erfuhren wir die näheren Umstände deS verlierenden Brandes, welcher in dein dort nahe gelegenen Orte Sdiwiehan die Habseligleiie» Hunderter in Asche gelegt, Menschen Brodnnd Obdachlos geumdit nnd selbst drei Menschenleben znm Opfer gefordert hat, nnd sehen uns veranlaßt in unserem Blatte von diesem traurigen Porsalle um so mehr Roti; zu nehmen, als Sdiwiehan eine der ältesten jüd. Gemeinden Böhmens >» ihrer Bütte hat, nachdem sich, wie wir hören, Gräber da votsinden, die über 2 Jahrhunderte pinans sieh datiren. Die Schwiehauer jüdisdie Gemeinde hat überdies von jeher K'apazitaten sowohl in talmudisch wissenschaftlichem als int werlantilent F lde aufznweisen gehabt nnd wollen wir in eisler Beziehung ans den bekannten „R. Falk Sdiwiehan" mie m anderer Hinsicht auf das Hans „Fürth" hingezeigt Iiaben, dem selbst die Hauptstadt mehrere adjtbnvc Familien verdankt. — Stadt nnd Gemeinde Sdiwiehan liegt nun verödet, ^ie Sünagoge ist niedergebrauut. Schule und Unterricht imi säst aufgehört, die meisten Mitglieder der Enltusgeweinde find ausgewandert und nur jene find zurückgeblieben, d>r rnnveder ihr lepteS bisdjen Habe in ihrer geliebten Hei- ">'tt nicht verlassen moduen oder die nidu die 'Büttel haben "nderstvo sich eine Eristenz sidiern zn können. — Vieviel l1"1' da auf gehauste Produkte und Vaaren, wieviel Brassen hebräischer Werke, und Bücher anderer Sissenickiasten ei:t 'Rand der Flamen worden, wieviel Hauseinrichiungen, Kleidnngsstücfe, Wäsche nnd sonstige Utensilien, die eine Stunde vorher nock) das Bermögen von Familien ausuiad)ten, die jetzt nakt und fast von allem entblößt, von der Gnade, Gunst nnd den spärlichen Spenden sremder Sohlthater abzuhängen, die traurige Aussicht haben. Der 22. v. B-onatS ivar der Dag der über ^dnviehau das grenzenlose Unglück brachte, der v:r: brachte einen zweiten 2x2 nyü’n. S turmgelaute und iurchlerliche Sdireckensrnse iveckten die armen jlidisd'en Iu'ajscn aus ihrer Sabbathnachmittagsruhe und die Unglücklichen ciioadüen nur um zu sehen, wie jede Rettung unmöglich und nur die eilige Flndit ans den gesd)loßcnen Räumen nur das Rothwendigste auf daS man hingewicien ivar. — 2>»e stunde früher hatte eine Indenfran ihrer Rachbarin di. von ihren Kindern ans Amerika fo eben erhaltenen Wechsel und etwas Praziofeit im ungefähren Serthe von stgezeigt, die Sachen aber auf dem Difdie liegen lassen und fiel) der Sabatruhe hingegeben. Eiligst in der größten G.salir geweckt, rettet die Arme das nakte Leben mit Liolh, daS Erhaltene aus Amerika — hatten die Flammen verzehrt. Am 22. v. LR. bis Abends 7> Uhr alinten die 2K'- wohnet Schwiehan'S daS fürd)terlidie Ungliick noch tudit, das über sie Hereinbrechen wird. Dod) bald darauf ivnideit