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Das Abendland · 1865-09-14 · 18 (14.9.1865) · p. Seite 153

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
18 (14.9.1865)
Date
1865-09-14
Page
Seite 153 (sequence 7)
Language
German
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153 \ sic aus ihrer Sittfic gefrort, der UnglückSrus „Reiter" erscholl über die ganze Stadl, während die Trauertöne der Glockcnanschläge ununterbroei)en daS steigende Unglück verkündeten. Alles eilte in großer Verwirrung an den Crt, wo die gierige Flamme lechzend nach mehr Beute emporstieg, aber in dem Angenblicke brannten schon 3—4 nnd noch in ehr Häuser, wahrend endlich der eingetretene Wind die Feuerlohe nach allen weiten hin schleuderte, nnd an eine Rettung der Stadt nicht r hr zu denken war, so, daß sich der löschenden die Berzwc lnng bemächtigte. Rur wenige Habseligkeiten konnten gerettet werden, weil das Feuer mir aller Schnelle und großer Wuth um sich griff nnd Jeder froh sein mnßte, das leben zu retten; da ohnehin 3 Menschenleben ihren Tod dabei fanden und Biele mit Brandwunden noch glücklich davon kamen. Binnen der kurzen Zeit von 4 bis 5 Stunden waren 131 Häuser 4'.) Scheuern nebst loO Stallungen und andern Gebäuden in Asche verwandelt, über 200 Famili.n obdachlos und ihrer sämmtlichen Habe beraubt; Hunger, Roth und Elend harrt ihrer, wenn sich nicht viele ed e Menschen finden, die vereint wirken die läge dieser unverschuldet Geprüften nur einigermaßen zu erleichtern. M'.lde Beiträge zur Unterstützung der jüdischen Abbrändler übernimmt die Redaktion dieses Blattes. * Die Saisons wechseln einander ab, wie alles im Leben. So gibts eine Ballsaison, Kursaison, Badesaison, sogar eine saison morte, und wieder stehen wir vor der Thüre einer Saison und daS ist die Schulsaison. — Nicht lange, und die Junger der Wissenschaft und der Kunst werden die süße Ferienzeit hinter siel) lassen den größeren Städten zuströmen, um das Joch der Wissenschaften wieder aus sich zu nehmen um nach Kräften zu ziehen oder vielmehr sich ziehen zu lassen. Schon sieht man sichS allenthalben regen. Schulen werden renovirt, gereinigt, gemalt und angesirichen. Anstalten werden ins Leben gerufen und die Zeitungen wimmeln von Annoncen. Kost, Wohnung, Aussicht, Unterricht werden in Massen angeboten und nicht lange wirds dauern und man sieht sich bewegen von Jungen und Alten; ein neues Leben pulsirt tu den Städten, Kinder und Jünglinge kommen mit ihren Siebensachen angefahren, Prüfungen und Aufnahmen sind an der Tagesordnung und es dauert eine Zeit ehe Bücher, Requisiten und sonstige Utensilien eingekauft und alles wieder in die alte Drdnung des gewöhnlichen Schulbesuches sich verläuft. — Auch in unserem lieben Prag vorzüglich unter dem israelitischen Theil der Einwohner zeigte sich seit einiger Zeit und zeigt sich noch in dieser Beziehung ein reges Leben, nnd von den beinahe 15 Erziehungsinstituten die sich h er befinden, zeigt jedes ein Streben zum Bessern einen Aufwand von Kraft das höchste und beste zu erreichen, daß nur die crfrcr.lidifteit Aussichten für uit n zeitgemäßen und zweckmäßigen Unterricht sich eröffnen. Die letzt.n Prüfungen haben eS gezeigt, wie es den Prager Jnstitutsinhabern daran gelegen ist, Treffliches zn leisten und wir haben die Ueberzeugung gewonnen, daß allenthalben sowohl Eltern als Smnlvoistünden mit den Resultaten derselben sehr zufriedene stellt waren, wenn wir diesmal auch nicht jeder Prüfung Erwähnung gethan und über daS Ergehn derselben referirt Haben. — Borzüglich ist es daS jüdische Element, dem besonders Aufmerksamkeit zugewendet wird, nnd siebt man allenthalben, daß jüdische Kinder von gewissenhaft indischen Lehrern zn Juden erzogen werden, wenn auch nicht minder allen andern Zweigen des Unter richtS^wie dem in der zweiten Landessprache und den fremden Lprachen im reichlichsten Maße genug gethan wird. — Bon dich ein Strebe», den: Hebräischen vorzüglich daS Augenmerk znzuwenden hat die letzte Prüfung an der Frey'schen coneessionirten Hauptschule die gewisseste Ueberzeugung verschafft, wo H. Schulrath Maresch ans diesem Fache selbst geprüft nnd es hervorgehoben hat, wie die Kenntnis des Hebräischen jedem, sogar dein Richlinden nothwendig und wie sie besonders vom Inden zn beachten sei. — Den guten Eltern mag wohl die Wahl schwer werden, welcher Anstalt sie ihre Kinder anznvcrtranen sich entschließen sollen, denn immer bleibt die Wahl schwer, wie Einem viel gnteS geboten wird. Soviel können wir aber sagen, daß bei der etwas starken Eoneurren; gewiß jede von diesen Anstalten bemüht sein wird, der ihnen anvertranten Jugend das möglichst beste zu bieten. — * Steins geographischer S ch u l a t la S. Die für Volksschulen ausgezeichnet praktische Erfindung der Stein'- schen Schullo.ndkarten, kamen in der Plenarversammlung der Wiener Bolksschnllehrer ai 24. August zu der Auszeichnung, über Aussorderung des 2 orsitzendcn Or. Köhler von ihrem Erfinder, Herrn JnstitutSdireetor Stein, vorgezeigt und erklärt zn werden, worauf die beifällige Aufnahme, die der Atlas allseitig fand, zn bcsoudrem Ausdruck in dem Anträge des Borfitzenden kam, Herr Stein möge sein Werk im BereinSloeale ausliegen Io fen und dem Bereute den Bertrieb desselben überlassen. Natürlich wurde daS freundliche Anerbieten mit Dank angenommen. Für die Realschulen WienS hat die Löbl. Redaetion der UnterrichtSzeilnng Landstraße 21. aus Gefälligkeit den Berschleiß übernommen. * Eine Broschüre betitelt „Humoristische Bemerkungen über Geld und Zeit" von Josef Bindeles Kalligrafen hat so eben die Presse verlassen. Dieselbe enthält eine im humoristischen Stile zergliederte Abhandlung über die beiden Begriffe Geld und Zeit, die der Berfasser mit ziemlichem Geschicke durchgeführt hat, so daß die Broschüre bei dem billigen Preise von 20 kr. deren Hülste er den Abbrändlern von Goltschjenikau widmet, im Publikum 'einen raschen Absatz erwarten kann. K. Tkplilr. (verspätet) So wie allenthalben im weiten Kaiserreiche wurde auch in Teplitz die Feier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Ma. unserS vielgeliebten Kaisers von der Gesammtbevölkerung unter großer Theilnahme der anwesenden Kurgäste mit ausrichtiger Pietät und Loyalität begangen. Musik, Illumination, Reveille haben auf einander gefolff, Kirchenparade des SchützenkorpS, Mittags Festtafel und Abends Reunion im Gartensaal beschlossen daS Fest. In Abwesenheit deS H. KreiSrabbinerS Pick hat der löbl. Borstand der hiesigen EultnSgemeinde sich veranlasst gefunden, den zur Zeit in der Kur da anwesenden k. k. Professor und Tempelprediger in Prag H. I)r. Kämpf anzugehen, die feierliche Gelegenheit durch einen geeigneten Bortrag in der Synagoge zu zelebriren. H. I)r. Kämpf nahm keinen Anstand, die Festrede mit der ihm eigenthümlichen und vorzüglichen Weise feierlichst und würdigst zu halten, und hat die schwungvolle Ansprache des ansgezeichnettn Redners, das aus Einheimischen und Eurgästen bestehende Auditorium erbaut und sichtlich deS größten Beifalls sich zu erfreuen gehabt. — Die Räume deS Gotteshauses waren festlich beleuchtet und die Feier war eine der wichtigen Beranlaffung angemessene. — Pilsen. Die schon seit mehreren Jahren bestehende eonsessionelle UnterrichtSanstalt für jüdische Knaben in Pilsen ist nun der Leitung deS fleißigen und braven Hauptschullehrers Herrn L. Klein übergeben, und hat derselbe ein vom August datirteS Programm auSgegeben welches nebst den Bestimmungen dieser Anstalt noch ein Verzeichniß der UnterrichtSgegenstände, der Unterrichtszeit und die sonstigen Bortheile enthält, die die Anstalt bieten will. Wir hoffen von dieser Anstalt um so mehr für Pilsen und die Umgebung als die Lehrbefähigung deS H. Klein, so wie seine tüchtige Berwendnng an einer Prager Lehranstalt sowohl als an der Gemeindeschule zn Pilsen rühmlichst anerkannt ist. H. Klein hat auch einen Apparat zum leichtern Unterrichte deS SylabirenS nach allen Methoden erfunden, der sehr einfach construirt recht zweckmäßig ist, und die zum allgemeinen Nutzen für Schulen und Anstalten zu verbreiten nächstens die nöthigen Schritte geschehen werden. Wien. (Neues BethauS.) Den 9. Sept. fand die Einweihung des neuen BethanseS in der Mariahilferslraße Rro. 56 in feierlicher Weise statt. Die Eeremonie begann mit einem kurzen vom Kantor Herrn Kiper anaestimmten

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