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Das Abendland · 1865-09-14 · 18 (14.9.1865) · p. Seite 151

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
18 (14.9.1865)
Date
1865-09-14
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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Ijodi toiivbc diese fromme Sitte im Indcnthllm gehalten, daß die Agadistcn den Bericht der Bidet: „Abraham gab Allee, was sein eigen, dem Isak" ^eu. 25, 5) aus das ihm hintcrlassene Erdbcgräbniß beziehen konnten (Iler. Kabba c. CI.) In allen Städten bestanden eigene Bcgräbnißkasscn, zu denen Jeder, der bereits nenn Monate im Brie wohnte, bcizuslcnern verpflichtet war (U. liatli, .La.) lim den Geist edler Resignation, der sich in den jüdischen Funcralien ansspricht, zu begreifen, muß man bedenken, daß nach der Auffassung der jüdischen Weisen diese Welt einem Hospiz, einer Wohnung, in welcher man vorübergehend eiickchrt, gleicht, während man mit dcni Hinübcrtretcn in's jenseitige Veden den stetigen Wohnsitz der Ruhe, „das Hans der Ewigkeit," bezieht:) denn mit diesem bezeichnenden Ausdruck (z"'2 r'Z) belegten sic nach dem Borgangc der Acghpter den Gottesacker, wo den Heimgegangenen nach dem Ausdrucke des Psalmisten das Grab zu einem ewigen Hanse werden sollte. Tie 'Ruhe dieser zweiten Heimat zu stören, betrachtete man als die größte Lieblosigkeit, und die Barbarei der Parsen, die von religiösem Fanatismus getrieben, selbst fremde Leichen ans den Gräbern aufwühlten, um sic nach ihrer eigenen Sitte den Raubvögeln zum Fräße hinzngcbcn, presste den Inden manchen Schmerzensschrei ans: „Sarget mich tief in der Erde ein," sagt der sterbende Jose b. Kisma zu seinen Jüngern, „denn an jede Dattelpalme Babylon's ist ein Parserpferd angebunden und ans jedem Sarge in Palästina frißt ein Mcdcrroß sein Futter." — „Gebet mir wenige Todtenklcidcr mit," hinterlässt lctztwillig R. Ehiskija, „und senket meinen Sarg tief in die Gruft." — „Sichst du" — ruft Simeon b. Iochai aus — „das Pferd eines Mazdahacnicrs auf dcit Gräbern des gelobten Landes, so wisse, daß die Heiden ihren Höhepunkt erreicht haben und harre auf das Eintreten der Mcssiaszcit." — Die durch Samuel (I, 12, 15) ausgesprochene Drohung: „die Züchtigung Gottes wird Euch und Euere Ahnen treffen," glaubt Rabba b. Samuel durch die leichenschänderischcn Parsen verwirklicht zu sehen. Rach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns der Besprechung unseres Gegenstandes im Einzelnen zu. Der Sterbende ringt mit dem Tode. Weder darf die Agonie dtirch das Schreien und Klagen der Umhcrstehcndcn erschwert, noch die Auslösung des Körpers durch irgend welche Berührung beschleunigt werden (Miscluia Sabbat 151. Semacli. c. 1.) Der befreiende Tod naht endlich in Gestalt des Todcscngcls, den die Sage ans lauter Augen bestehend und in den letzten Augenblicken des Sterbenden mit gezücktem Schwert zu dessen Haupte stehend schildert. An der Spitze des Schwertes Rundet sich ein Tropfen Galle, bei dessen Anblick der Sterbende vor Schrecken den Mund öffnet und mit der Galle, die später die Veränderung der Gcsichtszügc bewirkt, den Tod cinschlürft (Ab. Sara 1’. 1; Erachiu Ta; Sohar sr; t)- Die dem Todeskamps Beiwohnenden zerreißen ihre Kleider. Rach erfolgtem Tode werden die Augen, gewöhnlich von dem ältesten Sohne (Sohar <r und r.T T) zugedrückt, der klaffende Rcund geschlossen, der Leichnam selbst gebadet, gesalbt, und um die rasche Verwesung zu verhindern, mit Metall- und Glasgcsäßen oder Salz bedeckt und auf der Erde oder einer kühlenden Salzschichte gebettet. (Fortsetzung folgt.) C o r r e s p Pädagogischer Brief. j Seit längerer Zeit brachte uns Ihr geschätztes Blatt I keine pädagogischen Briese, und hoffe ick, daß meine kleine > Arbeit in dieser Richtung Ihnen nicht unwillkommen sein wird.; Mein Streben ist den lieben Müttern so manches ans Herz! zu legen, was ich über häusliche Erzieh.utg uud Schulwesen i insoferne cs von Seite der Mütter Beachtung verdient, ge-? dacht habe." ' j Was ich möchte? — Ich möchte, daß die nachfolgenden; Worte nicht gänzlich unbeachtet vorübergingen. Sind cs doch j Worte eines Freundes, der cs redlich meint, — und die Er-; fahrung für sich hat.-Schule und Haus ergänzen und : heben sich gegenseitig — oder richten sich abwechselnd zu j Grunde, je nach dem Eins das Andere liebt und achtet, —; oder unbeachtet läßt. , Und gicbt es einen wichtigeren Abschnitt im Leben eines Kindes, als den Augenblick, wo das Kind, der Liebling der j Eltern, zum ersten Mal die Schule zu besuchen geht? Tage; lang vorher ist die Sache besprochen worden, der cutschci dende Augenblick naht. Das Kind ist vor der Zeit erwacht, cs d äugt, cs bebt, es zittert vor Erwartung; es kann, cs! mag es nicht glauben, daß die rechte Stunde noch nicht ge kouun n sei: cs wird vor der Zeit schon an. ezogcn, das Haar lvird beut sorgfältiger denn je geglättet, das Röllchen überall besehen, jede Falte glatt gestrichen: die Stiefelehen find so sauber, so blank, wie sonst nur an Gcburts- und Festtagen. Das .Kind trippelt bereits ungeduldig hin und! her. Ietzt'^vird die Fibel, das Täfelchen in die Tasche noch! einmal ein und ansgepaekt: das Schnn.pflüchelchen ist nicht I vergessen: das heut geschmierte Milchbrödchen ist eingewicke't; die Mutter drückt dcut Lieblinge noch den letzten .Kuß atif die rosigen Lippen, — und heißt cs gehen, nachdem die be- , rcits früher gesprochenen Ermahnungen und Regeln noch ein; Mal wiederholt worden sind. — 1 Es ist geschehen! — Der erste Abschnitt im Leben des . Kindes ist beendet, der zweite beginnt; das Leben mit sei uem Ernst, feine» Sorgen naht; das Haus hat es nicht 0 n ä rn j. mehr allein; die Schule nimmt heil an der Erziehung, an dem Gedeihen, an dem Leben des Kindes. — Wie thörickt also, rem Kinde von vorn herein vielleicht die Schule zu verbittern; bei jeder Unart, bei jedem kleinen Vergehen mit der Schule und ihrer Zucht zu drohen. Ist die Schule denn eine Strafanstalt? Rieht also. Dte Schule ist des Geistes Tuntmelplatz, ist der große Familiensaal, wo Herz und Gemüth nicht ausgeschlossen ist, — und das Leben im Kleinen sich abspiegelt. „Glückliche Kinder geben glückliche Menschen. Das Glück der Kinder ist das, wenn sie so wenig als möglich in ihrer Freude gestört werden. Wie leicht entwickeln sich da in ihnen alle guten Reignugen, wie öffnen sie sich jedem menschlichen, sanften Gefühl;" sagt Georg Förster! — Und der erste Schultag ist dem Kinde ein Frendentag, ist ihm ein Weltereigniß, wenn nicht die Schule ihm von vorn her ein als ein Sn des Schreckens, der Härte und der Gewalt dargestellt worden, ist. (Glücklich, wie der Sieger über Zehntausend, kehrt es heim nach Beendigung des Unterrichts: mit i vchgerötheter Wange, fliegenden Locken, sein Büchlein oder Täfelchen hoch in seiner Rechten haltend — und schon ans der Treppe, auf der Flur hört man es freudig sehr icn, und der Mutter vcrtündcn, was cs gelernt, und wie es bereits so klug in der Schule geworden. — Lächelt nicht über die Wichtigkeit, mit der das Kind diesen Tag betrachtet. Der heut emvsaugenc Eindrtick bleibt für's Leben. In solchen Stunden, solchen Tagen werft nicht bittere Worte oder Ew Mahnungen in den Freudeiikeleh. Die Schule i|t von jetzt ab dem .Kinde gleichsam ein Amt, das es empfangen hat, ein Ehrenamt, dem cs seine besten Kräfte widmen soll. Und so sucht ihr Mütter an der Sckiule die Vict *’eiten hervor, zeigt dieselbe dem Kinde nicht allein von der finstern abschreckenden Leite. Tadelt dieselbe, oder den Lehrer oder die Lehrerin nicht in Gegenwart der Kinder — nnd prunkt nicht mit dem Wissen, mit den Leinungcu eurer Kinder. Eitelleit und Selbstsucht sind sehr bald genährt — und der Egoismus, dies Hanptnnkro.ut unserer Zeit, findet am meisten seine Rührung in diesen Schallstellungen, diesctu Prunken

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