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Das Abendland · 1865-09-14 · 18 (14.9.1865) · p. Seite 150

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
18 (14.9.1865)
Date
1865-09-14
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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gegen sie, sie mußten stieben, die Schulen wurden aufgelöst. Die Auflösung dieser Leimten ist eine der rrcinrigslen Erinnerungen unserer (^cfdiiditc. Ed schien, daß Fiusterniß sich in die Veit drängen wallte, die unsere Gesittung erleuchtet batte. Aber nein, die Wissenschaft erstarrte nicht in unserer Dritte, weil sic innig vereint war mit dem, was am unverwüstlichsten an und ist, mit der religiösen Idee. Sie verließ ihre Heimat und die Zivilisation zag van Dsten nach Westen. Jetzt, da die Freiheit wiedergeboreu, müssen auch unsere Schulen ihre Wiedergeburt feiern und wenn man van und Rechenschaft van der Vcfyrc verlangt, die wir in die Schuleil tragen wollen, genügt es zu antworten, daß wir die Fortsetzer sind der Tradition ded Iude.«lhums, das Religion und Wissenschaft stetd inuigst vereinigt hielt. Der Unterricht wird ohne Zweifel nicht derselbe sein, wie in den alten Schulen: in diesen bilderen sich Gelehrte und unsere Zöglinge sind Binder. Doch alled hat seinen vernuustmäßigen Gang. Kinder in die ersten und unentbehrlichsten Kenutniße einsühren, heißt sie zu einem Hähern Unterrichte vorbereiten, und die Gründung von Elementarschulen heißt so viel, ald einen Weg bahnen zu jenen großen Schulen, wo die Wissenschaft ihren allen Glan; wieder finden wird. Und sehen Sie, wie die Gründung dieser Schulen iur Fortschreiten ist! Tie Gemeinden zu Marokko, Tanger und Tetuan besitzen je zwei schulen, eine Knaben- und eine j Mädchenschule. In der Türkei haben Smyrna und Salouigue je eine Knabenschule; in Damask ward eine Knaben- und Mädchenschule eröffnet; in Belgrad ist die Sch ile gesichert; Bola erwartet von uns einen Lehrer, um eine Schule zu eröffnen. Zehn Schulen sind gegründet oder im Entstehen, und diese Schöpfungen können nicht verhindert werden. Unser Konnte zu Koustantinopel hat schoit einen Theil der Summe gesammelt, die zur Gründung einer neuen schule erforderlich ist. Tunis will auch eine Schule haben, der Vertreter Frankreichs versprach, dieselbe zu unterstützen. Zn Trivolis haben einige für die Zwecke unseres Vereines begeisterte Männer versprochen, eine Lehranstalt zu gründen. Jaffa bedauert, Armuthshalber keine gründen zu können, und bittet um unsere Hilfe. Aus Korfu meldet man uns, daß man im Begriffe stehe, eine Mädchenschule ins Leben zu rufen. Diese Selmlen bestehen gleichermaßen für Arm und Reich. Wir sorgen überdies dafür, daß für arme Kinder ein genügender Raum frei gehalten lverde. Zu Tanger ist die Zahl der Schüler in der Knabenschule über 400, für die Mädchenschule sind 70 eingeschrieben; in Telnan besuchen die Knabenschule 100 Schüler, die Mädchenschule 60. Die Schulen sind nicht gleich bevölkert, weil sie noch nicht genügend eingerichtet sind. (Schluß folgt.) Oie Leicheilscieriichkeijen im imchbiblischen Judenthume. Eine archäologische Studie von I>r. 2. PcrclcS. Die an die letzten Ehren im nachbiblischen Judenthume sich knüpfenden Gebräuche, obgleich dem nutgestalteuden Einflüße der jedesmaligen Zeit wie alle anderen Gebräuche unterworfen, obgleich durch die Berührung mit der Zendreligion, dem Islam und der sväteren Kabbala von ursprünglicher Einfachheit zur Bereicherung durch fremde Zuthateu iortschreitend, tragen im Allgemeinen einen Eharakter der Milde und Ruhe an sich, den die Begriffe des Iudcnthums von der menschlichen 'Würde und die escharologischen Vorstellungen desselben nothweudig bedingen. Das Iudentlmm erblickte in dem sterbenden Menschen nicht ein der Individualität beraubtes, in der großen Welisubsstanz untergehendes Atom, sondern daS zu einer höheren Daseiusstnfe gelangte Wesen, das, die den i nzerstörbaren Geist während diesec LebenS umschließende Hülle abwersend, zur rein geistigen Existenz eingeht. Daher einerseits die Beschränkuitg einer maßlosen Trauer um den Verstorbenen und anderseits die dem tobten Körper als dem einstigen Gefäß des Geistes vorzugsweise z'ugewandte Sorgfalt, während der abgeschiedene Geist selbst in feiner Ruhe belassen und erst in spa.er Zeit, als christliche Seelenmessen und mohammedanisch kabbalistische Sinnlichkeit in's Iudeuthum eiudraugen, mit Todteugebeten und anderen fremdartigen Gebräuchen behelligt wurde. Der tobte Körper wurde aber auch nur insofern beachtet, als matt sich zwit'eheit ihm uitd dem entflohenen (leiste itoch einen sorlbesiehenden Zusamtnenhang dachte, als man von der poetischen Anschauung atisging, daß die dies; und jenseitige Welt ineinander hiueinrageit und sich gleichsant in einem Kuße berühren, daß also die Treunnug der beiden Lebenssaetoren keilte plötzliche sein köitne, der Geist vielmehr noch mehrere Tage hindtirch seilte alte Herberge utitschwebe und erst in dem Augeitblicke von ihr vollständig Abschied nehme, uachdetit ihr der Tod sein unvertennbares Zersiörnngsmahl ausgedrückt hat. Wäbrend also an das Answühlen der Gräber, wie es von den Parsen in Folge ihrer betaniiten Gräberscheu geübt wtirde, als an eilte Eimveihnng der Vcidic, als an eine nnberechligre Störung des „etvigen Schlafes" (Ierem. 5>I, .40, 7>7 ) nur mit Sck«recken gedacht wurde, wurde voll ben bei Egvvlern und andereit Völkern iiblid'cn, aus eine vollständige Eonservirnitg des Körvergerilsies abzieleudeu Bcaßregelu abgeiehci,. Die Eiitbalsamirung in seltenen Fällen mag nur in seltenen Fällen bei hochgestellten Personen angewandt worden sein, einzelne andere Fülle von Eonservirung der Leichen sind als Ausnahmen zu betrachten oder ganz und gar indasBereich der Legende zu verweisen. Wenn die Leiche des Eleasar b. Simon in Folge seiner eigenen letztwilligen Berordituitg etliche und zwanzigIahre lang von seiner Frau in der Dachstube ausbewahrt wurde, so geschah dieß aus dem ausdrücklich aitgegebenen Grunde, weil der Verstorbene einem ihm von seinem erbitterten Eoilcgcn zngedachteu minder ehrenvollen Begräbniß answeichen ivollte (B. Mezia 84b), während die Nachrichten, daß Hnrodes die Leiche eines Mädchens sieben Jahrelang in Honig eonservirte (B. Bath. 4b) und daß Ehija d. Abuhu den Schädel deS Königs Iojachin in Seide gehüllt in einem Schranke verwahrte (Synh. 8M, 104a), ihren legendarischen Ebarakler iticht rerläugnen können. Die Bestattung der Todleit ar eine so selbstredende Forderung der Menschlichkeit, daß man ursprünglich an eine Sanetionirung durch daS religiöse Gesetz oder an eine Begründung durch die Schrift nicht denken mochte. Erst in späterer Zeit, als die jüdische Religion im günstigsten Falle nur eine neben der Avestalehre tolerirte war, stellte sich die Rothweudigkeit heraus, für den im eigen«.n Kreise liochgehaltenen, von gegnerischer Seite verabscheuten Brauch der Beerdigung apologetisch in die Schranken zu treten. .König Sapores befragt R. Ebama um eine biblische Belegstelle für die Berechtigung der Todteitbestatrung uitd die jüdischeit EKsetzeslehrer legen sich in Folge dessen die Frage vor, welcher Grund der eigentlich tnaßgebeitde sei, ob die bei deit meiften Völkern des Altenheims tief empstindene Schande des über der Erde vertvesendeit Leichnaiits oder der Ilmstaitd, das; der Körper gewissermaßeit zur Sühne utid Läuterung dem Schoße der iÜinttcrcrbc znrückgegeben werden müsse. Die Enrscheidung für den einen oder anderen Grund ist mehr von praetischer Bedenlmtg und alierirt den dem Brauche;n Grunde liegenben sittlicheit Gedanken in i.inerlei Weise. Der letztere Grund rechtfertigt die Bevorzugung der Beerdigung itn heiligen Laitde, dessen Boden man eine in höherem Grade wirksame sichnende Kraft znschrieb, tvährend die Berücksichtigung des ersten Grundes die Rabbiuen in Iammia veranlaßt, zur Erinnermtg und zntn Dante für die glücklich zu Stande gebrachte Bestattung der am Tage von Beiar ('''cfallcncn einen eigenen Segensspinch der Vitnrgic einzi> schalten i-*^**-*, r.-.“ Iicrach. 4» b, rJ’aan. 41 a.) -c

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