Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 18 (14.9.1865)
- Date
- 1865-09-14
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9050333-9088714-9050577--0249-9050580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 3× ep/1048155
OCR text
140 „Durchdrungen von dem Wunsche, die Autorität de,? Sultans nicht verkannt zu sehen, können die Unterzeichneten nicht ninhin, ihm ihre nachdrücklichsten Vorstellungen in einem Augenblicke zu machen, wo in Folge des ohne Zweifel überspannten (Users seiner Agenten auswärts ein allgemeiner Schrei der Indignation wegen Außerachtlassung der Menschlichkeit sich könnte vernehmen lassen, welche dem gerechten und edlen Charakter S. -Ui. Sidi-Mohamcd's vollkommen entgegengesetzt ist. Gezeichnet Amne d'Aguin, I. Drnmmond Hat), F. Merri, Colone, L. d'Ehrnchosfe, C. Dalnine, I- D. Colatzo. Iesse, H. ORarmoth, de Veidinnois." Der Beseht zur Austreibung der unter auswärtigem Schutze Stehenden wurde widerrufen; die Abführung der Gefangenen nach Mcqnine;, wo sie ohne Zweifel der Tod erwartete, wurde verhindert. Durch die Sorgfalt der Konsuln wurde in Tetnan ein Tribunal organisirt, welches ans d m von der Regierung dclegirtcn Äcfifat, einem Dclcgirten des Kadi, Chefs der muselmännischen Justiz, zwei Beamten der Douancn und den Vizckonsnltt von Frankreich und Cngland zusammengesetzt war, ui?) in Betreff der imaginären Anklage der vier unglückliche Israeliten gute Gerechtigkeit übte, indem es 'deren Freilassung anssprach. Auch unsere Glaubcnsbrüdcr in Persien sind des Schutzes dcdürftig. „Lasset uns", sagen sie, „unsere Klagen vor euch ausschütlen. Ihr werdet es unerträglich finden, daß eure Brüder, euer Fleisch und euer Blut, in einem furchtbaren -Elende nntcrgchen sollen als Opfer sich stets erneuernder Verfolgungen. Wir sind das Gespvtte unserer Feinde, die uns schutzlos sehen und nach ihrem Belieben über uns verfugen können. Kaum vergeht ein Tag, eine Stunde, ein Augenblick, w nicht eine neue Kalamität über uns Hereinbrüche. Unser Leben, unser Vermögen, unsere Ehre, das Thcucrste, das wir besitzen, ist den gehäßigsten Beschimpfungen ausgc'ctzt, die schlimmer sind, als die Sklaverei. Cin von dem Glauben seiner Väter abgefallencr Israelit hat das Recht der gänzlichen Beerbung seiner Eltern; die Witwen und Waistn, die ihrem Glauben treu bleiben, müssen ihr Vermögen dem Renegaten opfern. Cin Muselmann, der einen Israeliten löstet, braucht der Gerechtigkeit keine Rechenschaft zu geben, und wenn die Zeugenaussagen eines Muselmannes es nnzweistlhast dartbut, daß das Verbrechen geschah, so wird der Mörder höchstens einer Geldstrafe unterzogen. Wir seufzen unter der Last der qualvollsten Abgaben." ' . Wir könnten die Darstellung ihrer Leiden fortsctzcn: wir ziehen cs aber vor, Ihnen das von uns gesuchte Mittel dagegen nalnnhast zu machen. Wir haben die Protektion mehrerer europäischer Regierungen für sie in Anspruch genommen, und eben gestern meldete uns Hr. Franzis Goldschmied, Mitglied des englischen Parlaments, — einer jener mutbvollcn Kämpfer, die zur Verlheidignng des Rechtes stets gerüstet stehen, und von dem man unaufhörlich sprechen müßte, um Alles zu erschöpfen, was er für unser Werk gethan hat, — daß die englische Regierung ihren Gesandten in Persien beanstragt habe, zu Gunsten der Israeliten zu wirken. Die persische Gesai'Achaft in Paris bat sich ebenfalls anheischig gemacht, ihrer Regierung von der Existenz, dem Zwecke, den vollendeten Arbeiten der Alliance, sowie von der Unterstützung, welche ihr mehrere Regierungen zu Thcil werden lassen, Anzeige zu machen, und ihr cin Expose über die schmerzlichen beiden unserer (Glaubcnsbrüdcr in Persien, wie nid)t minder eine, folgende Maßregeln betreffende Bitte um eine Unterstützung der vcrsischen Regierung zu unterbreiten: I. Gründung einer oder mehrerer Schulen in den vorzüglichsten Städten Persiens von Seite des Zenlralkomilcs der Alliance; Einen Fernian, welcher die Professoren und die Schulen unter die unmittelbare tind spezielle Protektion der Regierung stellt: Bildung jüdischer Provinzialadministrationen an der Seite eines jeden Gouverneurs einer Provinz für alle Städte, wo die Zahl der Israeliten OUOO übersteigt; Bildung einer Zentral-Administration am Sitze der Regierung, gebildet durch die Dclcgirten der Provinzial Administrationen, welche die Ausgabe haben sollen, mit der Regierung über alle die Israeliten interessircndcn, den öffentlichen Unterricht, die Abgaben, den Kultus, die Ernennung der religiösen Oberhäupter betreffenden Fragen zll verhandeln. Die Alliance erwartet mit Vertrauen die Antwort, auf welche ihr eine der hervorragendsten Personen der Gesandschaft die Aussicht eröffnet hat. Unseren Glaubensgenossen schlugen wir unmittelbar vor, in ihrer Mule einige Männer anznstellen, welche die Schulen zu leiten berufen und dttrch die Protektion einiger Großmächte gedeckt, ihre Stimme ohne Furcht zu Gunsten ihrer Brüder erheben, und für dieselben die Burgen eines dauerhaften Schutzes werden könnten. Wir hoffen. Ihnen vielleicht bald sagen zu können, daß unsere Glauben'genossen in Persien, wie die in Marokko, ruhig und geschützt vor Verfolgungen leben. Wir haben Ihnen, m. H., die unseren Glaubensgenossen von nnscrm Vereine geleistete Hilfe in einer ihrer Formen zu zeigen. Wenn aber, wie n Tunis, Sfax, Rubel und auf der Insel Gerby einer jener furchtbaren Ausbruche des Fanatismus stattfindet, wo ganze Bevölkerungen der Plünderung, dem Morde und allen Ausschreitungen der Barbarei prcisgcgcben sind, dann ist die Flucht das einzige Rcttnngsmittel; dieselben befinden sich aber in ihrem Asyle einem entsetzlichen Elende ansgesetzt, welches gemildert werden muß. Sic erinnern sich an den Roihschrci, welcher von den Flüchtlingen von Tunis und Tripolis ansgcsto)sen wurde, und dieser von uns wiederholte Schrei wurde von einem Ende der Welt bis zum andern vernommen. Dank unserer Organisation, deren Rützlichkeit aufs Reue bestätiget wurde, ist es lins allenthalben gelungen, Snbskriptionen,^;n eröffnen, deren Ergebniß, welches den in Tunis und Tripolis zur Unterstützung gebildeten Eomisfionen anvcrrraut wurde, viel Elend gelindert hat. Den Ueberresl der Beiträge, welcher für die Flüchtlinge, nachdenl die Regierung von -r.unis denselben eine Schadloshaltnng versprach, nnnöthig wurde, halten wir in Bereitschaft, um einen nützlichern Gebrauch für unsere Glaubensgenossen davon zu machen. In gleichem Maaße hat das Elend eine Familie heimgesucht, deren Geschichte nicht erzählt zu werden braucht, weil sic die ganze Welt in Erstaunen gesetzt, mit Unwillen und Betrübniß erfüllt hat; cs ist die Geschichte jener armen,' Familie Coen, die, von ihrem Kinde durch die unzugänglichen Mauern eines römischen Klosters getrennt, von Rom entfliehen mußte. Sie befindet sich in einem Zustande der Entblößung in Rom; unglücklicher Weise hat der bittere Kummer den Tod der ä testen Tochter herbeigeführt. In stivorno bildete sich eine Unterstütznngstomission, welcher wir im Ramen des Vereines eine Gabe zngemiltclt haben Diesen Beweis der Shuivathie waren wir dem großen Unglücke schuldig. OUchten wir jetzt unsere Blicke auf eine andere Parchic unseres Werkes: eine Parrhie, welcher in Wahrheit unsere Vorliebe zngcwendet ist. Wir wollen von unseren Schulen sprechen, die seit dem vergangenen Jahre beträchtliche Fortschritte gemacht haben. Sie haben dieses Werk in seinem Beginne betrachtet, und sie haben ihm eine große Zukunft profercil: das Wie' deranfblühcn einer ehemals so herrlichen, durch religiöse Verfolgungen unterdrückten Zivilisation. Zurückblickend auf unsere Vergangenheit, finden wir in jedem Zeitalter unserer Geschichte zwK mit einander verbundene Momente; die Religion und die Wissenschaft, die Rcligion durchweht die Wissenschaft und die Wissenschaft befruchtet die religiöse Ideen. Unsere Vorältern haben im gan-! zcn Oriente Schulen eröffnet, in denen man alle humanen! Wissenschaften lehrte und unsere (Gelehrten waren so vieli seitig gebildet, daß sie lins noch heute unsere Bewunderung i abringen. Diese Schulen haben so lange gedauert, als unsere Vorfahren ans der Scholle leben konnten, wo sie sich niedergelassen hatten; doch die Verfolgung weckte Erbitterung 18*