Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 17 (24.8.1865)
- Date
- 1865-08-24
- Page
- Seite 144 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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144 Ich sage Ihnen herzlichen Tank für diese Aufmerksamkeit, und finde, voll Anerkennung in diesem Verfahren eine gcwisscnliaftc Auffassung Ihrer Rcdactcnrpflichtcn. Tenn wenn eine predigt, als Verkündigung und Auslegung von Gottes Wort keines Menschen Unheil zu scheuen haben soll; so kann ne doch auch anderseits als geistiges Bindemittel zwischen einer bestimmten (Gemeinde und ihrem Seelsorger den EharaUcr einer Privatbesprcchung haben, die ohne die (Genehmigung der zunächst Betheiligten nicht über die Grenze der (Gemeinde hinausgebracht werden darf. Meinerseits hätte ich nun Nichts dagegen, wenn meine Predigten öffentlich kritisirt werden, aber in der Art, wie dies, in der mir vorliegenden Abhandlung geschieht, balle ich eS in einer Zeitschrift für Inden nicht geeignet. Sie würden Ihre Vcscr nicht sonderlich damit unterhalten, daher kann ich nicht dazu rächen. Tb Sic diesen Rath befolgen wollen ist Ihre Lache. Ilm aber den Schreiber jenes Aussatzes von der Mei nung abznbringen, als sei seine Auffassung des h. S. ge cig net zur Belehrung und Erbauung jüdischer Vcscr bei zu tragen, will'ich hier meine Ansicht über die Ausdrnckswcisc der Bibel, von der ich glaube, das; sic die richtige, wenigstens von ganz Israel rcoipirte ist, in aller Kürze darlcgcn. Ich fühle mich unisomchr hierzu veranlaßt, cs scheint, der Sckreiber stimme mit meiner Auffassung überein und zähle noch so halb und halb zu den Seinen. Nachdem aber, was ich in seiner Abhandlung lese, muß ich mich entschieden dagegen verwahren. Ter Schreiber jenes Artikels will einen Widerspruch zwischen mir und einem andern hiesigen jüdischen Prediger in Bezug auf die Anssassung des „göttlichen -Geistes", vorüber wir in zwei Predigten, die er beide gehört haben will, uns ausgesprochen haben sollen, entdckt Habens Daß ich, obwohl nicht genannt, gemeint bin, geht ans der Anführung des von mir benützten Textes Rum. I I, I V f. f. hervor. Indcß habe ich jene Stelle zu einem ganz andern Thema benutzt, wie dies von Ihnen, in einem Referat über diese Predigt ziemlich inhaltsgctrcn aus dem Gedächtnis; wieder gegeben ist. Bei der Erklärung dcS Ausdruckes „Geist" habe ich kaum verweilen können und höre daher mit Ucbcrraschnng, daß ich den Beifall des Herrn Anonymus damit erlangt haben soll. — Tb cs mit der Bchanptnng desselben, jener andere Prediger habe die außerordentliche E i n iv i r k n n g d e S göttlichen G c i st c S a n f den menschlichen El e i st entschieden in Ab rede gestellt und behauptet die V c h r c vom heiligen C»' c i ft c fei gar keine Vchrc des I u d c n t h u m s seine Richtigkeit habe, muß ich dem zuvcrläßlichcn AufsassnngSvcrmögcn und der gewisscy hasten Aussage desselben anhcimstcllen. Muthmaßcn aber darf ich, cs werde nur die Anssassung des jüdischen VchrcrS von der des wahrscheinlich nicht jüdischen' ZnbörcrS eine, abweichende fein. Das wäre aber ganz in der Trdnnng und schwerlich noch ein Widerspruch zwischen uns beiden in dieser Beziehung. Doch nun zur Sache. Beim Israeliten sicht es fest. Die Bibel spricht ü b e r (V o t t, n m s ü r M c n scheu v c r st ä n d l i ä> z u sei n, lv i c ü b c r x i n c n Me nschcn. Tic Ausdrücke deren sic sich bedient um das Wesen (^olteS, fein Bcrhältniß zur Welt, deren Schöpfung und Regierung im Allgemeincn, wie die Alte der T st'cnbarung feines Willens im Besondcrn zur Erkenntnis; zu brin gen, gehören ohne jegliche Ausnahme der menschlichen Sprecb weis ran. Biele derselben sind der sinnlichen Rainr des Menschen entlehnt, geben (s'ott (Gestalt, (^rößc, Glieder, vorübergehende Empfindungen und begrenzte Thürigkciten, andere sind iibcrsinulicher Ofatnr, reden von einem C^ciftc «Lottes und von besoudcrii geisrigen Eigenschastcu und Kräs ten, ebenso wie man von einer menschlichen Seele und von einzelnen Seelenlrästcii oder Eigenschaften spricht. Aber selbst die sublimirtcstcn Bezeichnungen dieser Art, wie die Eigenschaften c w i g, einzig, n n v c r g I c i ch U ch sind A^strak tioncn der Äkenschcnnatnr, sind sticgylioncn der Scl/rankcii menschlichen Wesens, Wissens, Willens und Könnens, wol len nicht sagen waS Gott ist, sondern was er nicht ist. Tic einzige positive Bezeichnung, deren die Bibel sich von Gott bedient ist der vicrbnchstabigc Rarncn, dessen Aussprache die Pietät der Juden seit undenklicher Zeit verboten hat, und die daher auch unbekannt ist, der Rainen, der nach Ex. .">, 14 von n*r: abznlciteii ist und der Seiende oder Scingc bcndc d. i. Schassende bedeutet. Ter obsiegende Gebrauch dieses Gottesnamcns in dem biblischen Schristthum beweist, daß die echten Reprüscinan ten der jüdischen Religion stets dsn Gottesbegriff innehattcn und lehrten, der mit der vorurthcilsfrcicn Philosophie aller Völker und Zeiten am meisten übcrcinstimmtc. Der scharfe Denker wird vielleicht auch noch an diesem Ausdrucke etwas Menschliches entdecken, das würde, nur den Grundsatz: Tie Bibel spricht menschlich für Menschen, noch mehr bestätigen. Jedenfalls aber gewährt diese Bezeichnung jcokm Menschen die würdigste Vorstellung von dem Wesen, welches der Ausgangs uyd Zielpunkt der Wahrheit, der würdigste Gegenstand der Verehrung, der unerschütterliche Hort jegliches Guten und die letzte Zuversicht aller Hoffnung ist und sein soll. Wer nun die Bibel für ein Werk hält, welches'dazu bestimmt ist den Menschen Wahrheit und Tugend zu lehren und zum Heile zu sühieu, dem muß sich als der allein richtige Gesichtspunkt, der nie aus den Augen zu verlierende Veitstcrn bei der Auslegung und Erklärung der heiligen Schrift die Regel anfdrängcn: Alles was dieser Vorstellung nur im geringsten widerspricht, waS diesen lichtvollen GottcSbegriff irgendwie altcrirt, das ist ans Rechnung der menschlichen TarstcrstcllungSwcisc zu bringen, die gerade bei dieser Stelle ihre besondere Absicht hatte, Gott mehr oder minder als menschliches Wesen erscheinen zu lassen. Eine solche Absicht tritt bald ersichtlicher, bald verborgener entgegen, Sache des Forschers ist cs sic auszusuchen. Maimonides hat in feinem „Führer der Irrenden" sich mit vielem Glücke an die Vösnng dieser schwierigen Aufgabe gewagt. Vieles freilich ist controvcrS und wird cs bleiben, wie bei Allem, wobei der persönlichen Auffassung und Muthmaßung ein so großer Spielraum gelassen ist. Hier wird der Verehrer des Gottes-! Wortes sich, wie so oft bescheiden müssen, noch nicht verj standcn zu haben; aber er wird das Eine, was als j unbestreitbar wahr und richtig erkannt ist nicht ausgcbcn, es sich nicht trüben lassen. Dieses Eine, was unter Allan am meisten nolh thut ist für den Israeliten der E i n igein zi g c. Er hat ein feines Erfühl dafür, wenn irgend eine Anslc gnng einer Schriftstcllc denselben schädigen will. Bei Durch, lesung dcS mir übersandten Artikels drängte sich nur daher »sofort die BermuthnNg auf als müsse cs beim Lchrcibcr desselben mit dem reinen Glauben an die Einheit Gottes nicht ganz richtig sein. Er geht mit einem Vorurthcil an! die Erklärung von Schriftstellcn, die dem Unbefangenen! nicht die geringste Schwierigkeit bieten. Tic stellen der Bibel, in welchen vom Geiste Gottes die Rede ist, sind eben so leicht zu erklären,''wie die in welchen von der Weisheit, Gnade, Barmherzigkeit, Güte Gottes gesprochen wird. Alle diese sind Bezeichnungen, die aus der Rouir des Menschen aus Gott übertragen sind um sein Wirken in. der Ratnr und unter drn Menschen für Menschen faßlich zu veranschaulichen. Was speziell das Wort m betrifft, so bedeutet cs das W eben, die bewegende Kraft in der R a t n r, welche die lautlose V u f t ertönen m a ch t dann figürlich, d i c K r a s t, welche de n st i l I c n T d c m lautbar macht, die stummen Gedanken in vern c h m l i ch c R c d c u m wandet t. Insofern aber die; Rede eine begeisterte und begeisternde, gewinnende, überzengcndc, hinreißende. Verborgenes enthüllende ist, erscheint sic ein Mysterium, eine Tfscnbarnng Gottes bald ausgehend! von Gott, bald hinführcnd zu Gott — rvr Geist GolteS sowehl in subjeeliper wie in objcctivcr Bezichnng. Diese gchcimnißvollc Wechselwirkung findet zwischen Gott nnd * * * . v * X