Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 17 (24.8.1865)
- Date
- 1865-08-24
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9050333-9088714-9050568--0242-9050573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14.1 tcric Erleuchtung und Erwärmung, im Gebiclhc des Geistes hingegen Beistand und (Gefühl nannte, Lickt zu verbreiten erklärte er für die Pflicht ctnco jeden Menschen. Tic Er lcnchtnng und Bildung im Hanse aber sei insbesondere Alls gäbe und Obsorge des Weibe'?, die Bintter müsse die ersten Lichtblicke einer Ijöljcrcn Welt in da-' junge, -zarte Her; des Kindes werfen.. Aber aud) im Gottes Hanse soll Licht verbreitet wer den, und damit das angczündcte Vicht auch fernerhin in den Herzen lind Gcmüthcrn der Menschen leuchte, wurde der ewige Vater des Ur licht cs in cinem bcrzrührcndcn Gcbcthc angeflcht — lind nin Schutz und reichlichen Segen für die srommcu Spcndcrincn dieser ewigen Lampe an g c r it se n. Hierauf folgte der l. Umzug mit den Thora Rollen unter Llbsingniig des 1k. Verses Li. Ehron. 1. Gleich daraus bestieg der Redner (H. Prazäk) (der zugleich als Vcln'kr der italicn. und franz. Sprache der hiesigen Dbcrrcalschnlc bestellt ist) die in der Mitte unmittelbar vor dem Altäre stehende Kanzel und begann die eigentliche Festrede die er in 2 Thcilc gcthcilt hatte. Im 1. Thcilc sprach er über den Unterschied zwischen der Zeit der 1. Erbannng diese? Gotteshauses lind der jetzigen Zeit, und zwar nach seinen, äußern Beziehungen in den Verhältnissen de? Men scheu zum Menschen. — Schilderte ferner die beengenden Schranken die damals den Inden in seiner sittlichen Aus bildnng hemmten — wo er der bürgerlichen Rechte beraubt, selbst beim besten Zart und Edclgcsühlc verhöhnt, — mißgeachtet, und dachte Ricmand darauf, daß der Jude ebenfalls das Gepräge des höchsten Gottes wie jeder andere Mensch an sich trage. — Durste der Jude seine Religion nur verhohlen und selbst noch da verfolgt, ausübcn. Runda sich, die Zeiten ändern, da sich im ansttürcndcn Lichte alles ins Schönere ninwandelt, hat die Gestalt der Verfolgung, der Finsternis;, die Gestalt des Wohlthnns und der Liebe angenommen; Anbei berief der Redner sich, sei cS zum Ruhme der jetzigen Zeit gesagt, ans die innige Theilnahme der Elite der kath. Bevölkerung von Rakoniz an dieser jüdische Synagogen - Feier. Als Molto zu dieser Feier diente ihm der Text des Propheten Hagai: Es wird größer sein die Herrlichkeit dieses 2. Tempels als die des Ersten, spricht der Herr Zebaoth. Im 2. Theile sprach der Herr Redner von dem Unterschiede zwischen dem Einst und dem Jetzt ans religiösem Gcbicthc und meinte, daß, so wie die Indcnhcit in neuerer Zeit ihr Ghetto zll verlassen begonnen, so müsse auch das Indenthnm sein theologisches Ghetto verlassen, und insbc sondere müssen dessen antiguirtcn Formen als dem jetzigen ästhetischen Gcschmackc nicht genügend sich einer Reformation akkomondiren und bewies klar lind authentisch ans der alten und neuen Geschichte Israels die stctte Umgestaltung der Enltsormen nach den geistigen Zuständen der Gegenwart. Der H. Redner war sonach der festen Meinung die Mißbräuche beim jüdischen Gottesdienste, die ans der mittelalterlichen Zeit des Druckes und der Unbildung in unsere Zeit der Aufklärung und der Freiheit mit herüber gekommen, sol len nun abkommcn und gänzlich abgcschafst werden. Wahr waren seine Worte die er dabei vorbrachte: daß unserem aufgeklärten Zeitgcisle, die Form der Religion nicht mehr genüge, sondern nur das Wesen derselben, und dieses bestehe in dem Üben des Rechtes, in der Liebe zur Tugend, und in einem bescheidenen Wandel vor Gott. Zum Schlüße machte der Herr Redner die practische Anwendung, was der Tem pcl einem jeden Menschen sein soll. Der Tempel soll ihm nämlich ein Drt der Erbauung, der Beruhigung, des Tro stes, der Aufmunterung zum Guten, Wahren und Rechten sein. Der Tempel soll ihm ferner ein Drt der Versöhnung, der Einigung für Tugend, zur wahren Nächstenliebe, ohne Unterschied der Farbe, der Geburt, des Standes, und des Glaubens sein. Auch dieses führte der H. Redner noch dabei an. Der Tempel solle ein Drt nicht nur des Gebetes, sondern ein Drt auch guter Vorsätze zur Ausführung der Rechten und edlen Thaten sein. Er gedachte dabei, daß Gebete, Gelübde, Vorsätze, nichts vor Gott nützen, wenn sic than'ächliche Liebe und Ausübung guter Werke nicht begleitet. Seine Worte waren wirklich wohlmeinend. Wollte Gott sic wären nach unseren Religionslchrcn, wo cs heißt, der Glaube ohne gute Werke ist todt, mit Ausübung guter Werke, ans die Er in seiner Feierredc gedrungen, gekrönt. Der Dille des Herrn Redners war gut so auch sein Streben.— Run wohlan Israeliten lasset cs an guten Kräften und Thaten nicht mangeln damit cs nicht heiße: Der Redner hat zu tauben Shren gesprochen, oder Er hätte den guten Samen ans felsigen Boden geworfen. Auch zu guten Thaten muß man mit imitis viribus schreiten. Li ach geschlossener Rede fand der 2. Umzug mit den Thora rollen unter Absingnng des XXI V. Psalm statt. Hierauf hielt der Herr Rabbiner eine Gedächtnis; Feier für den verstorbenen Gründer dieses Bcthhanscs, nachdem Er die Genesis dieser Sünagogc vor nnsern Augen entrollt hatte. Nachdem nun auch der Umzug unter Absingnng des 1<HJ. Psalm statt gefunden, bestieg der Prediger zum 4 Mal die Kanzel und sprach nach einigen einleitenden Wor tcn ein rührendes Gebet für das Wohl Sr. Majestät, die Stadt, Gemeinde sc. Den Schluß machte Er mit einem Weihcgcbet, und sprach den Segen. Der Endschlnß war das Absingen der Bolkshymnc. Damit aber wohl dieselben in Ihrem wcrthcn Blatte über di: Dceoration und Restauration des Inneren dieser Gottcshalle den Lesern Ihres Abendlandes berichten könnten, erwähne ich im Kurzen Nachstehendes: Herr, in diesem Tempel ist Alles geändert. Ter Al tar steht wohl auf seinem alten Platze, aber wie schön nimmt er sich in seiner.-reichlichen Vergoldung ans; aber hier an diesem gewahrte 'ich eine große Acndcrnng. Die gemauerten Säulen für die Altarslichter, zwischen welchen selbst das Pult des Vorbetcrs stand, mangeln gänzlich, dafür sind aber von beiden Seiten des Emporiums zwei schöne, weiß und vergoldete Kandelaber. Das Almcmor fehlt gänzlich. Im Emporium, daS vom Schiff durch ein schön bearbeitetes Gitter g. trennt ist, befinden sich an beiden Seiten knapp an der Mauer Ehrcnsitzc. Die Kanzel weiß, ist vergoldet. Vor derselben befindet sich das Gebctpnll an welchem zur Zeit des Gottesdienstes in zwei vergoldeten Armen Lichter breit neu. Dben darüber hängt die ans Ncnsilbcr verfertigte Lampe des ewigen Limites. Selbst das Schiss erlitt eine gänzliche Neuerung, die früher langst den Wänden hinlanfcnden Sitzbünke mußten Bänken, wie nach Art unserer verfertigt, weichen. Mitten von der Kuppel herab, hängt ein großer Luster von Bronze. An den Wänden sind cbensalls mehrere Armcnlnstcr angebracht. In den <i Fenstern sind Farbcnglasvcrzicrungcn. Die Tempclknppcl befindet sich in der Mitte. Die Wände des Tempels sind gcmahlt. Schade, daß sie in Dach fast gänzlich deckt. Wie schön wäre dann der Tempel, wenn alles Licht, von dem der H. Rabbiner anfangs sprach, auch diese heilige Halle frei cinströmcn dürfte. Ucberhaupt nimmt sich daS Ganze sehr schön aus, ziert die Stadt, und macht der israelitischen hiesigen Ge mcindc Ehre. Die ganze hier veranstaltete Ncuwe ihcscicr, war einfach aber der Zeit angemessen, und Jedermann befriedigend. Auch der dabei stattgcfnndcne Gesang war zwar wohlklingend, ließ aber noch Manches zu wünschen übrig. Geehrter Herr Redacte ur! Sic legen mir einen, zur Veröffentlichung in Ihren Blatte bestimmte Artikel eine,; Ungenannten vor, der sich ans ein, von mir und noch von einem andern hiesigen jüdischen Prediger behandeltes Thema bezieht, und fragen mich an, ob ich gegen die Aufnahme desselben RicktK cinzuwcnden habe. — * « A