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Das Abendland · 1865-08-24 · 17 (24.8.1865) · p. Seite 140

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
17 (24.8.1865)
Date
1865-08-24
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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ncr, dic von einer großherzigen Begeisterung für unser Werk beseelt, uns davon irgend einen herrlichen Beweis liefern. Endlich macken die Komite's der Zweigvereine in einzelnen Orten und Gegenden in ihrem Greife eine thätige Propaganda. Sie werken den Eifer der hervorragendsten Männer einer (Gemeinde, und es gelingt ihnen endlich, Zweigvereine zn bilden. Es entstehen Komite's neben Komite's, und man ches derselben, das vor kurzer Zeit noch isolirt dastand, ist der Mittelpunkt einer bedenkenden Zahl von Komite's geworden. T Heils durch Beitrittserklärungen, theils durch die (Gründung neuer Komite's hat ich unser Verein vergrößert in Paris, in St. Etienne, in Sarrebonrg; in der Schweiz zn Clmux-cke-I'omi; in Italien zn Lngo; in Oesterreich zn Wien; in Ungarn zn Szegedin, Arad und Groß Kanischa; in der Moldau Wallachei zu Bukarest, Galacz und Jassy; in Serbien zu Belgrad und Schabaez; in (Griechenland auf Korfu; in der Türkei zu Smyrna, Salonick, Volo, Samakoss, Satalin, Jaffa, Aleppo: in Marokko zn Rabbat, Tanger, Ehechnan; in der Republik von Venezuela zu Eoro. Seit unserer letzten Generalversammlung hat sich unser Verein um llf>0 neue Mitglieder vermehrt. In der Schweiz, der Moldau Wallachei, in Serbien, Griechenland und in der Türkei hat er die bedeutendsten Fortschritte gemacht. Es gibt Länder, die in unserem Vereine noch einen kleinen Platz einnehmen. Wir warten nicht, bis sie zu uns kommen, wir gehen ihnen entgegen, und haben wir, indem wir ihnen zeigen, daß wir nichts wollen, was nicht auch sie wollten, und haß wir nichts thun, das einer den Einen wie den Anderen gleich heiligen Sache nicht nützlich wäre, nicht das Recht, von ihnen eine Unterstützung zu erwarten, welche die Entwickelung unseres Vereins fördern würde, indem sie dessen Kräfte vermehrt? Um Ihnen Alles zu sagen, was man von dem Vereine erwartet, müßten wir Ihnen die aus allen Ländern angelangten und in allen Sprachen geschriebenen Briefe vorlegen, in denen die verschiedenen, von unseren Glaubensgenossen erlittenen Verfolgungen dargestellt werden; glücklicher Weise nehmen dieselben von Jahr zu Jahr ab. Während es selbst in Europa Länder gibt, die in offenem Widerspruche gegen den Geist unserer Zeit verharren, und nnsere Glaubensgenossen so grausam behandeln, wie in den traurigsten Tagen unserer Geschichte; hat die Gewalt der öffentlicken Meinung glücklicher Weise andere Länder zu Reformen bewogen, die uns zu der Hoffnung einer nahevorstehenden Emanzipation berechtigen. Mehrere Länder, deren Gesetze den Israeliten drückend waren, wiewol sie sich rühmen einen freisinnige Verfassung zn besitzen, haben diese fremdartige Anomalie aufhören lassen; die Ausnahmsgesetze sind gefallen, die bürgerliche und poli tische Freiheit wurde verkündet, die Herrschaft des Rechtes inangnrirt. Eine sehr bemerkenswerthe Thatsache ist der Wechsel, welcher in gewissen barbarischen Gegenden rücksichtiich des Zustandes unserer Brüder stattgefnnden hat. Ohne Schutz gegen die unbeschränkte Beacht des Fürsten, der Geldgier der Regiernngsagenten und dem schrecklichsten Fanatismus preisgegeben, sahen sie sich daselbst unaufhörlich von Verfolgnn gen bedroht, für die man stets einen Vorwand findet. Zum Schutze bereitwillige Regierungen, wie sie die christlichen Bevölkerungen im Oriente finden, fanden sie nicht. Man ließ sie verfolgen, und bei Gelegenheit eines barbarischen Aktes, welcher das Gewissen aller civilisirten Menschen mit Schauder erfüllte, fand man kaum eine Regierung bereit, einige schüchterne Vorstellung zn versuchen, die aber kaum beachtet wurden, weil sie nicht ernstlich gemeint waren. War es gerecht, daß der Schutz der zivilisirken Regierungen ans schließlich für diejenigen vorhanden war, die sich zur herrschenden Religion dieses oder jenes Landes bekannten? Man beschützte in ihnen daS Recht, das sie selbst zn vertheidigen zu schwach waren; allein wenn das Recht für jeden Menscheu ohnealle Rücksicht auf dem religiösen- Glauben lrcwhauden sft, nwrimt fanden unsere Glaubensgcnoffen nicht den Schutz, defsien Gewährung den zivilisirteir Rdgierungnr, besonders wenn dieselben gemeinschaftlich auftretrn, so leicht ist; Sie haben bekannter Massen die Gewalt^ der Riewand zu trotzen wagt. Sie brauchen nur zu reden, um gehört zn werden. Wir sind glücklicher Werse nickt mehr in der ^age, einen den dem Geiste unserer Zeit so sehr entsprechenden Fortschritt herbei zu wünschen; derselbe ist bereits vollzogen. Das Protektorat der Großmächte beginnt nach zu Gunfirn unserer Glaubensgenossen geübt zu werden, und bei manchen Gelegenheiten gegen die Ausbrückx der Gewaltchätigkeit linder Verfolgung geschützt, fangen die Israeliten an, sich einer Sicherheit zu erfreuen, die ihnen erlaubt, neben der Sorge für ihre Existenz auch für Anders zu sorgen. Sie wollen diese Sicherheit zu ihrer intellektuellen und moralischen Erhebung benützen, und was hat man nicht voir ihnen zu erwarten, wenn sie ruhig und geschützt, in Sicherheit vor gewaltthätigen Reaktionen, im Stande sein werden, für ihre Regeneration und für die Wiedergeburt eine Zivilisation thätig zu sein, die in der Vergangenheit so glänzend war? M. H. Wir müssen nunmehr im Einzelnen von den Thatsachen sprechen, deren allgemeine Züge wir Ihnen soeben vorführten, um Ihnen zn sagen, was » dieser Bezöe hung von Seite unseres Vereines geschah. Sie errinnern sich, daß uns im vergangnen Jahre die Israeliten der Schweiz, in Griechenland, in der Moldau- Wallachei, in Serbien, in Marokko beschäftigten: von ihnen haben wir auch in diesem Jahre zn sprechen. Sie kennen die Gesetze, welche in manchen Dämonen der Schwei; den Israeliten den Ansenthalt untersagten. Sie wissen, wie viele Einsprachen, die vom Zentralkonsistorium unterstützten Israeliten gegen (besetze erhoben haben, welche sie an der Schweizergrenze trafen, und außerhalb des allen Franzosen gesicherten gemeinen Rechtes versetzten. Es sind nun drei Jahre, daß die Polizei von Basellandschaft, welche den Sohn eine-, nur für seine Person das Aufenthaltsrecht besitzenden Israeliten, im Magazine seines Vaters überraschte, denselben vor das Gericht führen und zn einer Strafe verurtheilen ließ. Man konnte über die Israeliten eine solche Erniedernng zn einer Zeit verhängen lassen, wo man genug gethau zu haben glaubte, wenn mau ihnen in Frankreich die Rechte nicht entzog, die ihnen die Revolution von 17H!> gesichert halte. Die Erniedernng konnte aber nicht länger dauern, als der Traktat, der sie sanltionirte. Sie hat ansgehört. In dem neuen Handelsverträge mit der Schwei; wurde auf die feste Forderung der französischen Regierung die Klausel eingeschoben, welche ausdrücklich allen Franzosen ohne Unterschied des Kultus dieselben Reckte garantirt. Die Israeliten der Schwei; werden bald an der Wohl that der Stipulation theilnehmen. Sie wegen ihrer Religion ansschließen, während die Religion in Bezug auf Fremde kein Hinderniß ist, heißt ihnen die bürgerliche Rechte darum entziehen, weil sie Schweitzer sind! Die Bundesregierung hat die Kantone anfgefordert, diese Herrschaft der Ausnahme abzuschaffen, welche die Bundesregierung seit langer Zeit verdammt, deren Abschaffung aber durch die Autonomie der Kantone verhindert wurde. Solchergestalt werden die schwei zerischen Israeliten in den Vollbesitz der bürgerlichen und politischen Rechte gelangen. Die Würtembergische Regierung schließt in diesem Augenblicke einen Handelsvertrag mit der Schweiz. Unser Konnte zu Berlin forderte uns ans, Schritte zu thun um den Würtembergischen Israeliten dieselben Vortbeile zn lichern, welche den französischen Israeliten bewilligt ivnrdcn. Die Schritte wurden gemacht, jedoch ohne Erfolg. Die Schweiz hat indeß zn viel Ursache, sich zn dem neuen (besetze Gluck zn wünschen, als daß sie es verabsäumen sollte, dasselbe in ihren Beziehungen zn allen Ländern an die Stelle eines Gesetzes treten zu lassen, daß ihrer unwürdig ist. «Fortsetzung fegt.)

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