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Das Abendland · 1865-08-10 · 16 (10.8.1865) · p. Seite 137

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
16 (10.8.1865)
Date
1865-08-10
Page
Seite 137 (sequence 7)
Language
German
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137 l pf. /O** mif ihn gefallene Neuwahl entschieden abzulehnen. — Nach Kundgebung dieses Entschlußes hielt H. Wehle folgende Ansprache die wir hier wortgetreu wicdcrgcben. Berchrte H e r ven! Ich habe Ihnen einen dreifachen Dank darznbringen. Sie haben mich durch Wort, Schrift und That geehrt. Sie haben mir den Dank für meine Leitung und Leistung mündlich votirt. Eie haben ihn zum ewigen Angedenken schriftlich zu Protoeol genommen, Sic haben in der Thal mich neuerdings der hohen Ehre würdig gehalten Ihr Borsitzender zu sein. Ich fühle cS wohl, meine Herrn, wie sehr mich diese dreifache Ehre, dieses dreifache Bcrtraucn, diese dreifache Auszeichnung zu Dank verpflichtet, aber grade dieses hingcbcndc Bcrlrauciz, erlaubt mir nicht diese EhrcnsleUc, die ich durch 13 Jahre bekleidet, für die Zukunft anzunchmen, da mir mein Alter und meine Kränklichkeit nicht mehr erlauben diesem Amte die energische Aufmerksamkeit zu schenken, die cS erfordert, und ich solcher Gestalt, Ihr würdiges Bertrauen mißbrauchen würde; Ich muß Sie daher bitten, einen würdigen aus Ihrer Mitte wählen zu wollen. Mir « J aber crlautxm^Sic, ein Wort des Abschieds, und einen uitfei) des ISchcidcnS vortragen zu dürfen. Als ich' vor 13 Jahren die Auszeichnung genoß von solch einem ehrcnwcrthcn Collegium als Borsitzcnder, und dadurch zugleich als Leiter der Gcmcindcgcschäfte gewählt zu werden, ging ich mit mir selbst zu Rathc, ob ich auch in der Lage bin, ein so wichtiges Amt zu verwalten und zur Zufriedenheit des ehrcnwcrthcn Collegiums und der hochgeachteten Gemeinde dnrchznführen. Ich war mir bewußt ein Herz voll Liebe für Juden und Iudcnthuin, für Batcrland und Negierung, für meine Nation und meine Gemeinde mstzubringcn, ich war mir bewußt einen festen Sinn für Recht und Gerechtigkeit gegen alle ohne Unterschied, ohne Parthei- / lichkeit, ohne nach rechts und links zu schauen, zu besitzen, I ich war mir bewußt, die höchste Achtungfvoss dem Prinzipe der Gewissensfreiheit zu haben, und hierdurch, was jetzt so selten ist den religiösen Frieden der Gemeinde aufrecht zu erhalten. DreS Bewußtsein bewog mich die so wieü^, tige Stelle anznnchmen. Ich frage mich heute nach 13 Jahren, wo ich dieses Amt in die Hände des ehrenwcrthcn Collegiums znrücklcge, habe ich nach diesem Bewußtsein auch gehandelt, hat sich die Liebe für Jude und Iudcnthnm, für Batcrland und Negierung, für 'Nation und Gemeinde auch bewährt? war ich wirklich gerecht gegen Alle, habe ich dem Neichen nicht geheuchelt, war ich gegen den Armen unparthciisch, hat sich der religiöse Friede in deß GotteS Gemeinde^ aufrecht erhalten? Ich sage hierauf, wie Samuel als er vom Bolkc Abschied nahm crx, Ihr chrcnwcrthe Herrn seid mir des Zeuge! Und dieses Zcugniß ist mein Schutz und Schirm für alle Zukunft. Aber M. H. Noch ein mir besonders wichtiger Grund hat mich bewogen die Stelle anzunehmcn, und dieser Grund v , war von der ganzen Gemeinde einen Tadel und Makel abzuwendcn, der sic vor aller Welt brandmarkte, 2 Dinge pflegte mein nnftcrbllchcr Freund Mannheimer zu sagen sind eS, die die Präger Gemeinde von allen Gemeinden Europas, ja der Welt anSzcichncn. In allen Gemeinden der Welt ist daS Borftchcramt ein unbesoldetes, daher ein Ehrenamt, und der Würdigste und Einsichtigste, rechnet cS sich zur Ehre an, dazu gewühlt zu werden, der Rabbiner aber wird so gestellt, daß er leben kann, und daher unabhängig von irgend einer Parthei ist, Prag zeichnet sich dadurch anS, daß sein Borstand bezahlt wird, daS Rabbinat aber gratis dient. — Beides hat Gott sei lob und Dank aufgchört. — Daher wollen P) "*Sie meine gcehrtesten Herrn, den Wunsch deSsSchcidenS beherzigen, bei Ihrer Wahl des Borsitzcnden einen solchen Mann zu wählen der für jetzt und für die Zukunft nicht neuerdings Prag diesen/ Makel wieder anhaften muß. — Ir Meine Herr! Es ist Sitte, daß der Borsitzcnde dem verehrten Collegium, welches er verläßt, für dessen Nachsicht dankt. Wenn daS vielleicht überall nur Form sein mag, so ist cs bei mir doch in Wahrheit begründet, ich war im vorgerückten Alter war nicht immer in der Lage, der parlamentarischen Form, besonders in der Zwangsjacke dieser Geschäftsordnung Genüge zu leisten, Sie hatten dann Nachsicht mit mir, wofür ich danke. Ich schließe, womit man immer an fangen und schließen soll, ich erhebe meine Hände flehend zu Gott dem Herrn. Gott segne die Repräsentanz! Gott erleuchte ihre Augen, daß sic den rechten Mann für die Gemeinde wühle, Gott segne die Gemeinde und erhalte ihr den bis jetzt gcnoßcnen religiösen Frieden. Amen. Der LandtagSabgcordnete H. I)r. TcdeSko, der an der Stelle den abwesenden Präses Stellvertreter, H. I>r. Wiener fungirte und später den Borsitz cinnahm, beantwortete diese Ansprache ohngcfähr wie folgt: Ich kann im Namen der ganzen Repräsentanz nur mein Bedauern darüber auSsprcchen, daß unsere Hoffnung, Herr Präses werde die neu getroffene Wahl genehmigen, nicht in Erfüllung gegangen ist, und wird dieser Zurücktrilt dcS wür digen Vorsitzenden gewiß allcnhalben schmerzlich empfunden werden. Bei Anerkennung der Berdicnste, die der bisherige Herr Präses sich sowohl um die Repräsentanz als um die sämmtliche Pragerisr. Gemeinde erworben, können wir doch nicht umhin auch die Gründe zu würdigen, die ihn zum Rück trittc bewogen haben, und bleibt nnS meine Herren nur üb rig unserer Anerkennung oberwühnter Verdienste den AnS druck zu geben. — Worte genügen hier aber nicht. ES muß durch ein sichtbares bleibendes Zeichen dieser wohlverdienten Anerkennung auch für spätere Zeiten Zcugniß gegeben werden. In Folge dessen stelle ich den Antrag: Es möge eine Comission ernannt werden, welche bestimmen soll, waS für sichtbares bleibendes Andenken dem eben so gelehrten als würdigen und viclvcrdientcn nun zurückgctretencn Rcpräscntanzvorstande zu widmen sei. — Der Antrag wurde allgemein angenommen. * Am 31. d. M. fand die Prüfung an der hiesigen Talmudtorahschule statt, und haben wir mit Vergnügen bc. merkt, wie da Knaben vom zartesten Alter bis zu 15 jährigen Jünglingen im hebräisch Lesen, im Ucbersetzcn der Gebete in deiz Bibel, und selbst im Talmud trefflich unterrichtet werden. Bei genauem und gründlichem Vcrstündniß dcS Er lernten haben die Schüler ein tüchtiges Wissen in den heb rüischcn Sprachrcgeln an den Tag gelegt, und haben sowohl der nun zurückgctrctcnc Gemeindevorsteher Herr Ernst Wchli als der den Ai staltSvorstand H. Georg Feigel selbst geprüft und fanden die gelehrten anwesenden Prüfungsgästc Gelegenheit der vorzüglichen Leistung der Herren Lehrer Donat und Klcmpcrer, letzteren als Talmudlehrcr, zu würdigen, lieber diese Anstalt, die in letzter Zeit entstanden, aber noch zu wenig bekannt ist, um sich auch der nöthigcu Unterstützung zu erfreuen, und in Folge dessen vor der Hand nur einen beschränkten Wirkungskreis hat, werden wir in unserem nächsten Blatte genauere Daten bringen. — * II. StcinS Privat- H aupt s ch u l e. Der Besuch zu den Hauptprüfungcn dcS 2. Semesters 18Uf> konnte Je dem die Ucbcrzcugung verschaffen, unter welcher anSgezeich nctcn Leitung diese Anstalt stehe und welche außerordentliche Sorgfalt und Mühe mit der Heranbildung seiner Zöglinge sich Herr H. Stein gebe, dem wir so manche ersprießliche Erfindung in der Reihe der anzuempfehlenden Lehrmittel zu verdanken haben, — und cS verdient diese BildungSanstalt mit vollstem Recht die allgemeine Würdigung und Berücksichtigung, die ihr zu Thcil wird. * Mit wahrer Gcnugthuung konstatircn wir, wie sich unter den Isralitcn der Handwerkerstand tüchtig cinlcbt, und jeder Gewerbetreibende wirklich ganz daS ist, was er fein soll, und auch überall an seinem Platze ist. So hat bei der dieser Tage stattgchabtcn AnfsetzungSfcicr dcS Knopfes und Kreuzes der renovirtcn Kirche der protestantischen GlaubenSgcnosscnschaft ein jüdischer Spengler die gefährliche Arbeit des AnfsctzcnS vollführt, nachdem er den Knopf angefertigt, und ein jüdischer Vergolder ihn auSgestatlct hat. — * Am 3. diesen Monats hat die Ncuweihfcicr der nun tenrpelartig eingerichteten Synagoge zu Rakonitz ftattgenm

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