Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 16 (10.8.1865)
- Date
- 1865-08-10
- Page
- Seite 136 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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136 streitig machen. Wir leben überhaupt nicht mehr im Oriente wo die Weiber als die Favoritincn behandelt, und nur für das Frivole erzogen werden. Einer Deborah einer Ehanna gleich wollen auch wir unsere Töchter in den Erlauben für den wir Jahrtausende geduldet, geblutet und gelitten haben, erziehen. Beim liebet allein können wir nicht stehen bleiben; und auf i:n rpbvn rn: nSn, wie die Finsterlinge mci neu, daß selbe die ganze Religion des Weibes auSmachcn und die sich auch praktisch erlernen lassen, ist wahrlich nicht die Religion des Weibes begründet. Mit der Bibel, mit der Geschichte unseres Volkes wollen wir sie vertraut ma« dien; zu ihr sollen sie in bedrängter Lage ihre Zuflucht nehmen, in der Bibel allein werden sie Trost finden, wenn Harles sie bedroht. mr, TCTf e c'Tce c*t?3 sind Grundsätze, die wo!,l tm Sklavcnlandc, wo der Gelehrten - Despotismus vorherrschend war, anwendbar, nicht aber heute, wo wir anders fühlen, anders denken, anders lieben.— Das Weib, die Gefährtin durchs ganze Leben, soll und muß zu uns erhoben werden, und wir brauchen daher Schu len um sic heranzubildcn. Warum gerade Preßburg das Abdera der gcsammt österreichischen Monarchie sein soll'? bleibt mir ein Räthsel. Wenn Mortarageschichten heute noch vor kommen, sind cs gewiß die Finsterlinge, die cs verursachen, da sie alles Edle, in ihren Kram nicht Paffende, wenn gleich mit Opfer zu hintertrciben suchen. Um sich ein Fürst zu Jerusalem nennen zu können, hüllt man sich in den Mantel der Orthodoxie und sucht alles Gute und Nützliche zu unterdrücken. Wieweit cs mit unseren Mädchen, und Frauen zu Preßburg gekommen ist, möge Ihnen daS genügen, wenn ich als Wahrheit liebender kühn zu behaupten wage, daß unter 20 Frauen kaum Eine hcranszufindrn ist die geläufig beten kann. Man muß, um auf die Wahrheit dessen zu kommen, an Festtagen die armen Unwissenden betrachten, wie sie gcschaart um irgend eine Gelehrte hcrnmstchcn und mechanisch nachbctcn. Mag der Fluch diejenigen treffen von denen das Unheil ausgcht, damit das Edle siege und wir vom Scheusale befreit wären. Die edlen Vorsteher der Primürhauptschulc aber werden im Namen der Humanität ersucht, ihr ernstes Bestreben, bis zum Winter eine öffentliche Mädchenschule zu ereircn, nicht erkalten zu lassen, der Segen so vieler Väter soll ihr schönster Votyit sein. Frankfurt nni Main. (Orig. Eorrcsp.) Sie waren so frenndlick, mir Ihre zwei Blätter, „Deborah" und „Abend, land" znkonimcn zu lassen mit der Aufforderung, Ihnen dann und wann über hiesige Zustände Mitthcilnngen zu mache,,. Bisher hat sich mir aber kein Stoff geboten, worüber ich etwas Hütte schreiben sollen. Denn das jüdische Leben, Thun und lassen ist hier so verschieden, so gcthcilt zwischen Orthodoxie, Resormbcstrebungen und Jndifsercntismns, wie überall und gehl und entwickelt sich Alles nach diesen drei Richtungen hin, wie allerwüiis. — Eine Angelegenheit tritt nun in den Vordergrund, und das ist die am 12. vor Mo- „ats hier zusammengelretene Versammlung von Rabbinern und Laien um einen Verein i»'s Leben zu rufen, der die allgc,„einen Angelegenheiten des Jndcnthnms zum Zweck haben und zur Erhaltung und Verbreitung jüdischen Wissens der Mittelpunkt sein soll, so wie er Alles in die Hand zu nehmen und zu fördern bestimmt sein soll, was in, Wöhle des Jildcnthums liegt. — Ich zweifle nicht, daß sowohl Sie, als Ihre lieben Böhmen diesen, werdenden Institute nicht ferne stehen, und sich thätigst daran bcthciligcn werden, und wenn ich über diesen Gegenstand hier mir einige Worte der Bemerkung erlaube, geschieht es nicht um Ihnen die Wichtigkeit desselben darznlcgen, ich flihlc inich gedrängt meinen Ideen Worte zu geben, die bei dieser Gelegenheit in mir rege werden, selbst ans die Gefahr hin als Enthusiast verschrien zu werden — gilt cs doch einer heiligen Sache. Der Geist der Freiheit, der in unserer Zeit allenthalben Platz gegriffen, hat in die Volksmassen auch den Wunsch und das Bcdürfniß gebracht, Vieles erreichen zu wollen, wa" ihnen sonst unmöglich war. Das Volk will sich kräftigen, stärken, großen Zwecken entgcgcngehen. wozu die Wege ihm sonst verschlossen waren, es will Manches anstreben, was sonst nur dem Bevorzugten zugängig war, nun aber Gemeingut werden kann, aber da sicht cs ein, daß die Mrnft des Einzelnen nicht ausrcicht, und daß das, was dem Einen zu schwer, der Menge leicht möglich wird, darum bilden sich Vereine, Gesellschaften, Genossenschaften, wie sic auch früher schon zu gewissen eingeschränkten, streng bevormundeten Angelegenheiten vorhanden waren. — BciinJudcn waren Ehcvroth von jeher zu gewissen wohlthätigcn und heiligen Zwc ckcn, und waren selbst die Gcmcindcverbünde nichts andereals Vereine für religiöse Angelegenheiten diese Religionsgenossenschaften bildeten aber einen abgeschlossenen Körper, derart, daß sie mit anderen gleichartigen Gesellschaften selten in Berührung kamen und insoscrnc nur als^ sind, in der edelsten Deutung. Die Gesellschaft wirkte aber nur nach Innen, weil nach Außen sich ihr kein Wirkungskreis bot. — >Run ist eS anders worden. — Die ganze Jude..hcit hat nun gewisse gemeinsame schritte zu thun vonnöthcn, wenn nicht das ganze Judenthum Geltung, Bewußtsein und Selbstständigkeit verlieren soll, wenn eS sich behaupten will, als eine Gesellschaft, die ihren altchrwürdigen Beruf, ihrer heiligen Bestimmung jauch würdig sein soll, wenn sie kräftig fortschrciten will auf der ehrenvollen Bahn, die unsere Vor fahren betreten haben, und so achtungsgcbictend gegangen sind, wie es von der allweiscn und allgütigcn Vorsehung ihnen vorgezeichnet ward. — DaS Bcdürfniß eines solchen Zusammcnthuns sprach sich in der veröffentlichen Einladung deö sehr ehrcnwerthen Herrn Dr. Geiger aus und die erfreuliche Wirkung blieb nicht aus. — Zwanzig Rabbiner und eben so viele Laien, darunter auch der Präsident der Flianee israelib. universelle in Paris, Herr Königswarter hatten sich an der Versammlung betheiligt, und hat cs sich vor der Hand um die Feststellung des Zweckes und der Organisation des fraglichen Vereins gehandelt. — Zwei Programme waren zu dem Behufe Vorgelegen. Das eine von Dr. Geiger das andere von Dr. Philippsohn. Ausgesprochen ward in dem endlich zu Stande gekommenen, vorläufigen Statutencntwurf: Der Verein hätte die Aufgabe: Erhaltung und Verbreitung jüdischen Wissens, Vertretung desselben durch höhere Lehranstalten, Verbreitung richtiger Ansichten über das Jndenthum und Abwehr gegen Angriffe. — Die künftigen Versammlungen werden an verschiedenen Orten stattfindcn, und werden daS Drittel geben über Literatur des Judcnthums Schulwesen Eultus- und Gcmeindcwcsen sich zu bcralhcn wie nicht minder über die allgemeine Stellung der Juden in Staat und Gesellschaft. Hoffen wir von diesem Vereine das beste, denn durch Vereinigung kann Großes erreicht werden. Lassen Sie uns aus Böhmen freundliche Zustimmung baldigst zukommcn. Daß Sic cs nicht an Eifer werden sehleit lassen, dessen bin ich! gewiß nachdem Ihr Streben für allgemeine Interessen des ■ JudenlhumS in Ihrem geschützten Blatte genügsam ausgesprochen ist. I M . . . k. Limite und auswärtige llruiijliritcn. irraa. Tic Rcpräsclitanzsitznng em 30. vorigen MonatS! vollständig besucht, da es sich um den Rücktritt deS Dorsteoar sowohl von Reprüsentanzmilalledcrn als von Zuhörer'., hcrs H. Ernst Wehli handelte, der sich veranlaßt sah, die