Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 15 (27.6.1865)
- Date
- 1865-06-27
- Page
- Seite 28 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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128 meiner Geburt, hinüber zu den dortigen Einrichtungen, und die Frage, sie durchzuckt mein Herz: „Wäre nicht endlich auch für Preußen, dem Staate der Intelligenz, Zeit, seine jüdische Statsbürger mit denen Oesterreichs gleichzuftellen, nicht endlich Zeit, aufzugeben jenes unbegründete und ungerechtfertigte Mißtrauen, das sich gefährdet wähnt, so der Jsraelite schwört bei dem Gotte Himmels und der Erde, schwört ohne vorausgegangene kleinliche und peinliche Vorbereitungen. .Hinüber, — so sprach der Redner — schweift mein Blick, "und I. R. M. segnet und preist meine Seele, dem es beschieden war, von seines Volkes Dulderleib diese Fessel abzuslreifen!" Daß der Freimuth dieser Worte in dem jetzigen Preußen hier anerkannt wurde, bedarf keiner besondern Hervorhebung. Goltsch 7'C»ifffln 10 Juli. Namenloses Unglück brachte eine Feuersbrnnst, welche von der dritten Morgenstunde des 14. bis 10 Uhr 36 Häuser einäscherte, und 42 Familien obdachlos machte. Die meisten ans bcm Schlafe aufgeschreckt, konnten Nichts als ihr nacktes Leben retten. Unter den Verunglückten sind 26 unserer Glaubensbrüder mitbetroffen. Wien, 7. Juni, In jüngster Zeit wurde ein Testament des sel. Herrn Predigers Mannheimer unter seinem Nachlasse gesunden, welches derselbe zur Zeit, als die Cholera in Wien im Jahre 1830 wüthete, verfaßte. Ich gebe Ihnen hiermit eine Analhse desselben in der Ueberzeugung, daß diese nicht blos ein flüchtiges Interesse befriedigen werde. Er wendet sich zunächst an seine Frau und wünscht er, daß seine Kinder, er hatte damals drei, schlicht und einfach erzogen werden. Wenn dieselben nicht entschiedenes Talent für eine wissenschaftliche Earriere haben, so sollen sie Handwerker werden. Er legt es ihr ans Herz, die Kinder in dem Glauben der Väter zu erziehen, und würde er es aufs tiefste bedauern, wenn sie von diesem Glauben absallen würden. Er wendet sich dann an die Gemeinde und bittet sie, aus dem Wege, den sie betreten, sortzugehen, da er sich bereits als ersprießlich bewiesen hat. Es sei ihm nicht gegönnt gewesen, alles das ans- und durchzuführen, was er für gut gesunden hätte, aber im Lause der Zeit werde es sich stnden. Er bittet die Gemeittde, sich nach seinem Tode nicht mir einer Kraft zweiten Ranges zu begnügen, die Kanzel habe in Wien eine große Ausgabe. Von da aus soll auch die politischen Regeneration der Juden angebahnt werden. Ebenso müsse die Gemeinde auf eine Kraft ersten Ranges bedacht sein, wenn etwa Herr Sulzer mit Tode abgehen sollte, es wäre das ein kaum zu ersetzender Verlust. iGottlob und Dank lebt er heute noch rmd versieht sein Amt zum Entzücken aller Zuhörer.) Schließlich empfiehlt er der Gemeinde Einigkeit und Frieden. Diese werden sie stark und groß machen, so daß sie als Mustergemeinde dastehen werde. 'Nachdem die Cholera nachgelassen hatte — (zu Zeit, als die Epidemie am heftigsten wüthete, mußten die Leichen in der Stille begraben werden),— fügte er dem Testamente eine Nachschrift vom Monate Vktober hinzu. In derselben spricht er den Wunsch ans, daß seine Leiche ohne alles Gepränge zu Grabe getragen werde; keine Leichenrede soll an seinem ^arge gesvrochen werden, hingegen würde es ihn freuen, wenn Einer der Herren Vertreter im Namen seiner Kollegen von ihm svrecheift würden, daß er mit Treue und Redlichkeit sein Aent versehen habe. Auf seinem Grabsteine^ soll nicht mehr gesetzt werden, als 'Name und Charakter, Gebnrts- und Todestag und Jahr und der Vers Trr’2 piä Psalm 40, jlO. ^Bekanntlich schrieb der selige Entschlafene diesen Vers als Faksimile auf die Lithographie, welche vor einigen Jahren erschienen ist. Ich enthafte mich jeder Reflexion, jeder Bemerkung. nSi Sy Snrr. Es wird diese Frage sehr oft angewendet. Ich glaube jedoch, es wird sich zeigen, daß diese Worte in bem gegebenen Falle keine bloße Phrase sind Möge die Vorsehung darüber wachen, daß jetzt der würdige Mann gewählt werde. Es ist kaum glaublich, welche Hände sich aufthun, um uach dieser Stelle zu hascheu, Hände, die es wirklich nie t we. th waren, dem sel. Mannheimer die Schuhriemen abzulösen. — Doch schweigen wir darüber.. B. -Eh. Bukarest. In jüngster Zeit hat ein rumänischer Exadvokat in einer Broschüre, die er nach allen Enden Rnmänieens versendete zur Verfolgung der Juden angeregt und eine lügenhafte Historie der Inden von den Römerzeiten bis heute veröffentlicht. Die Broschüre selbst ist in trivialem popttläreu Stile abgefasst und für die nicbcrcn Volksklassen berechnet. Die Angriffe in derselbeit sind gegen die Ärtzte gerichtet, seien sie Juden oder getaufte. Von letzteren stehen mehrere an der Spitze des hiesigen Sauitätswesens. Dr. Scheiba im Vereine mit im. rcren jüdischen Aertzten der Moldau und Wallachei hat die uölhigen Schritte eingeleilet, um besagten Advokaten Namens Povarul in Anklagestand zu versetzen. Der Institzminister hat sich selbst für diese Maßregel erklärt: Das sind die Annehmlichkeiten eines hocbeivilisinen Lande-!? Rußland. Bei Gelegenheit der Besprechungen über Iudeuemauzipationeu erklärt die Rigaer Zeitung: „Wir werden auch fernerhin verschiedenen Ansichten über diesen Gegenstand in unfern Spalten Raum geben, müssen jedoch bemerken, daß wir die auf diesem Gebiete gangbaren Schmähungen und Verunglimpfungen des jüdischen VolkScharatlers von der Diskussion ausgeschlossen wünschen. Nev-?jc>rk. Die G.meinde A h a b a t h E he s e d auch die böhmische Gemeinde genannt, hat seit der Einiveihung, ihres neuen Tempels einen; erfreulichen Aufschwung genommen. Die Zahl ihrer Mitglieder wächst, der Gottesdienst ist stark besucht, es herrscht riebe und Einigkeit in der Gemeinde, Der aus Prag berufene Eantor versteht es vortrefflich, den Gottesdienst zu leiten und Hunderte strömen nach dem Gotteshause sich zu erbauen. Die Gemeinde wünscht einen tüchtigen Prediger auzustellen und bat einen Iahresgehalt von 2500 Dollars festgestellt. Her Kohner beschenkte den Tempel mit einem Vorhänge ( Perochet) der 600 Dollars kostet, iind der Herr S. beschenkte den Tempel mit einem Thoraschmuck (k le kodesch) zum Werthe von 300 Dollars.— Sau Franeiöko (Kalifornien.) Religionsg em einde Sherilh Israel. — 3ci der halbjährlichen Hauptversammlung obiger Genossenschaft an Stocktan Strasse ward die so tr an ige Nachricht von dem Tode des Präsidenten Lincoln verkündigt, und ein Ausschuß, aus den Herren F. Pulvermacher und I. Nick bestehend, zur Abfassung geeigneter Beschlüsse, um den Trauergefühlen der Gemeinde Ausdruck zu verleihen, eingesetzt. Die Beschlüsse sind die folgenden: Da dieses glorreiche Land der Freiheit der unschätzbaren Tiende des hochgeachteten und beliebten Präsidenten Abraham Luieoln beraubt worden, decken Beieehmen während [einer mühe- und sorgenvollen Amte zeit sich stets durch Urbanität, Güte und den allsrichtigen Wunsch auszeichnete, dem ganzen Lande Frieden und Wohlfahrt wiederzugebeu, so sei beschlossen: daß wir, die Nutglieder dieser Genossenschaft, in Gemeinschaft mit unseren Milbürgern, auf's tiefste den Verlust betrauern, den wir durch den vorzeitigen Tod unseres geliebten Präsidenten erlitten haben; beschlossen: daß als Achluugsbezengung für den verehrten Todteu, unsere Synagoae mit entsprechenden Zeichen der Trauer behängt tverde; veschlossen: daß diese Versammlung mit Umgehung aller weiteren Verhandlungen sich vertage als Zeichen der Achtung vor dem guten Manne, dessen Seele in Frieden ruhen möge; beschlossen: daß eine Abschrift obiger Beschlüsse in das Gemeindebuch einregistrirt werde.