Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 15 (27.6.1865)
- Date
- 1865-06-27
- Page
- Seite 26 (sequence 4)
- Language
- German
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12C» tiiigcnbfr Anzahl an ö f fe n t l. c b rä i s ch - d c u t s ch cn V o l k sschulen Böhmens. Welch ein Widerspruch, welch ein Fehlgriff in der Gesetzgebung!! Warum nun, fragen wir niit thränenfcuäitcu Augen, soll das Jahrtausende alte Iudcnthum mit ’old) verächtlicher Gleichgiltigkeit behandelt werden? Oder findet sich's auch irgendwo, daß ein Lehrer einer evangelischen Schule das Evangelium oder ein Lehrer einer kathol. Schule den Katechismus nicht kennt?-Das ist es also, worauf unser Blick zunächst gerichtet sein muß: „Die Organisierung der isracl. Schule, deren Lehrer und Aufseher!!" Das ist der eigentliche Kernpunkt der Sache, wir be atzen Schulen und Lehrer im Geiste der kathol. Kirche gebildet, so wie alle politischen Schulgesetze, die bis jetzt crflosicn sind, diesen Geist athmen und all die verschiedenen Ansichten, die sich bisher bezüglich der Schulinspcktion kund gegeben, lösen sich von selbst, sobald ein Schul- und klntcrrichlsplan für israel. Schulen erlassen würde, der jüdischen Ursprunges, an Geist und Inhalt dem Zwecke einer jüdischen Schule entsprechend wäre. Es entfiele sonach die Frage: Soll und kann in Zukunft die isracl. Schule von dem katholischen Schuldistriktsaufschcr iuspicicrt werden? Sobald die jüd. Schule im Geiste der mosaischen Religion organisiert wäre, so wäre dieselbe für einen Richtjuden eine terra iucogDita, ein spanisches Dorf, wornach er auch unmöglich ihr nächster Vorgesetzter sein kann. Mit dem Falle der Inspcktionsfrage wäre aber noch eine zweite gelöst: Warum so viele Gemeinden bisher eine gar so große Scheu vor der Desfentlichkcit ihrer Schule halten? —Antwort, weil die ösfcntl. Schule, Meng gcnoiumcn, keine jüdische war und die Gemeinde am allerwenigsten einen Anspruch auf die Verwaltung ihrer Schule hatte. Dieser letztere Umstand hatte nun auch zur Folge, daß selbst da, wo ösicntliche Schwcn creirt wurden, mit der größten Vorsicht vorgegangcn ward, um sich gegen den nun einmal definitiv angcstcllten Lehrer ein Hinterpförtchen offen zu lasten, seiner, wenn cs eben Roth lhut, dennoch los werden zu können. Daß nun aber auch die jüdischen Lehrer, namentlich in Mähren, für dieses alte Lislcm mit allem Anfwandc von Geistcsthütigkeit ciutrctcn, muß jeden, der auch nur eine Lpur von Iudenthum in seinem Herzen fühlte mir Wehmuth erfüllen und muß es in der That nur noch aussallen, daß ein jüdischer Redakteur einer jüdischen Zeitschrift solch judcnfcindlichen Ansichten die Spalten öffnet. Zugegeben es wäre mit unserer Existenz in Zukunft etwas schlimmer bestellt; kann aber dieser Gedanke an materiellen Vortheil so furchtbar wirken, daß er jeden Funken Gefühl für unser heiliges Recht, nach welchem wir Jahrtausende ringen und schmachten, in uns ersticken? Welches Zutrauen sollen dann die Gemeinden gegen jene Individuen, die sich Lehrer der an Sinai geosscnbarten und selbst von unseren Feinden heilig gehaltenen Religion nennen, wenn diese (die jüd. Lehrer) unseren Feinden das Schwert in die Hand geben, uns moralisch zu tobten? Cbcr wollten, jene Kämpen für mittelalterliche Sistcmc noch die Stirne haben Herrn Brunner et Consorten zu unseren Freunden zu zählen^? —Run aber möchte ich meine Herren Amtsbrüder noch auf einen andern Irrthum aufmerksam machen. Die Furcht vor jener baal batim Herrschaft, wie sic gegenwärtig in vielen Gemeinden Ungarns ihr Unwesen treibt, ist eine rein unbegründete; denn Autonomie und Zügellosigkeit sind nicht gleiche Begriffe, und wcui^unserc weise Regierung in Zukunft der Gemeinde, die ihre schule auS eigenen Mitteln errichtet und die Bedürfnisse derselben deckt, auch das jRccht zugcstcht, dieselbe unter gewissen Bedingungen zu beaufsichtigen, so heißt dies; noch nicht, dem Muthwillen und der Laune jedes Gcmcindcmitgliedcs freien Eintritt in die geweideten Räume der Sckulc lassen, im Gegemheil müßte der Leumund verstummen, wenn unsere Schule im Geiste unserer Religion gebildet und geleitet wäre. Doch mehr noch als vor der Gemeinde ist die Furcht vor der Hierarchie unserer Rabbincit gerechtfertigt und die in der That Furcht erregenden Vorgänge in Lundenbnrg und ändert: Drtcn stehen noch lebhaft vor unseren Augen. Aber auch das kann kein Schreckbild für denjenigen sein, der mit dein festen Glauben seiner Väter im Herzen für Gott und sein heiliges Wort in die Schranken tritt; denn erstens, ift ja nicht überall Lnndcnburg, daß unter unseren Rabbincn auch recht brave, wackere und fromme Biedermänner, nicht selten anzutrcfscn sind, die gerne mit dem L hrcr Hand in Hand als Freund und Raihgcbcr aber nicht als Herr und Despot gegen ihn gehen würdvn. Zweitens, ist ja mit dem Erwachen eines neuen Sistcmcs noch nicht erwiesen, daß der Rabbiner die nächte Behörde der Schule sein werde, was namentlich in Böhmen, wo sehr viele Rabbiner zugleich Lehrer sind, fast i.,cht den huist. Doch dem sei, wie ihm wolle, so ist cs jedenfalls uöthig, daß die Lebrcr strenge auf dem Boden des IudcnlhumS sich bewegen, und licb.r versöhnend als im schroffen Gegensätze zu Gemeinde und Rabbiner sich verhalten mögen. PH. Lederer. Lehrer in Horazdiowitz Geehrtes!er Herr Redakteur! Es dürfte in pädagogischen so wie allgemein in jüdi- ■ scheu Kreisen austallcn, daß im heurigen Schuljahre unter 12 israelitischen Lehramtskandidaten, die sich an der deutschen Musterschule befanden, nur Einer zum Hauptschullehrer, und nur 4 :u Volksschullchrern, 3 zu Untcrlchrern an Haupt- und 4 in derselben Eigenschaft an Volksschulen befähigt wurden, während in früheren Jahren der größte Thcil der Israeliten mit Hauptschullchrcrzeugnistcn bcthcilt wurde. Wir find cs der löb. Repräsentanz, die uns so großmüthig mit Stipendien unterstützte, wie nicht minder unserer eigenen Ehre schuldig, einige Aufklärungen in dieser Angelegenheit zu geben. In früheren Jahren wurden immer wenigstens der dritte Thcil der Kandidaten ohne Unterschied der Konfession als Hauptschullehrer entlassen; ja im vorigen Schuljahre wurden unter 34 Kandidaten 22 Hauptschullehrer, ein Verhältnis, welches sonst an keinem Pädagogium Oesterreichs staltfindcn dürfte. Ein Sprichwort sagt, daß man auch des Guten nicht zu viel thun dürfe. Daran haben aber gewisse Personen nicht gedacht, als sic ihren neugebackenen Ruhm befestigen wollten. Die Folgen davon waren, daß den Schulbehörden cinficl, eS könnten sich die Menge der als Hauptschullehrer entlassenen jungen Leute nicht weiter fortbilden und so in ihrem Wissen zurückgehen. Diesem glaubte man dadurch abzuhclfcn, indem man von nun an alle Lchramtszöglinge als Unterlehrer aus der Anstalt entlässt, und sie anweist, nach einer zweijährigen praktischen Wirksamkeit an einer öffentlichen Schule und gehöriger theoretischer Vorbereitung zur Konkursprüfung zu konuucn. Als nun im heurigen Jahre nach beendeter Maturitätsprüfung, die Liste der zu Hauptschullehrern Vorgcschlagcncn, unter welchen sich 8 Isr. befanden, dein Schulrath vorgelcgt wurde, strich dieser alle bis auf 4, gestattete auch nicht mehr als 7. Volksschullchrcr zu befähigen, 'o daß unter 48 Zöglingen der Anstalt nur 11 als selbstfiandige Lehrer, alle übrigen aber als Untcrlchrcr entlassen wurden. Am härtesten traf dieser Schlag die Israeliten; denn erstens waren sie stets durch Fleiß und Talent die ersten, die meisten schon in reiferen Jahren, ims endlich mangelt cs den zu llnterlchrcrn befähigten an öfsenllichcn Schulen, an welchen sic die zur Konkursprüfung als Bedingung vorgesehen den 2 Jahre praktisch wirken könnten. Der Vorwurf, daß die Lehrer auf dem Lande sich nicht fortbildcn, kann die israel. Lehrer nicht treffen; denn diese fühlen den steten Drang nach Bildung in sich und folgen auch diesem Drange. Die besonder!! Verhältnisse der Israeliten fanden aber keine Berücksichtigung und so wurden alle .Kandidaten, wie man sagt, über dcnselbeu Leisten gespannt.