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Das Abendland · 1865-06-27 · 15 (27.6.1865) · p. Seite 25

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
15 (27.6.1865)
Date
1865-06-27
Page
Seite 25 (sequence 3)
Language
German
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125 da eine musterhafte Ruhe und Drdnung während des Gottesdienstes, wie wir diese an größeren und modernen eingerichteten Tempeln kaum r-fimbcn. Den altehrwürdi ei: Zeremonien und allhergebrachten 'cbcteit wurden mit cu: : Andacht und einem Anstande genüge gethan, wie dies nur in einem Crtc möglich ist, an dessen Spitze stets wahre fromme und gottesfürchlige Männer gestanden, und das eine Gemeinde hat, deren Mitglieder wohlhabend und so zu sagen der alt böhmischen jüdischen Aristokratie zngezählt werden können. An die Stelle des gelehrten und würdigen Rabbiner H. Dr. Ascher der Postelberg mit bestem Rufe und mit allgemeinen Bedauern seinen dort zurückgelassenen Freunden, dem Rufe in seine Heimath, Drosau in Klattauer kreise gefolgt ist, sollte nun ein neuer Rabbiner ausgenommen werden, und war auf diese Veranlassung gerade der durch mehrere veröffentliche Broschüren wie durch seine im Wiener Beth-Hamidraseh gehaltenen Bortrüge bekannte H. Dr. Mühsam da anwesend um als Rabbiner ausgenommen zu werden. — Dieser junge Gelehrte, den wir in Wien zu kennen schon Gelegenheit gehabt hat, in einer trefflich gehaltenen Probepredigt am 1. Schebuothsesttage so wie durch sein feierlich geleitetes r -C’J am zweiten ferner durch eine abgehaltene Prüfung und einigem Probeunterricht an der dortigen Schule die Gemeinde so zu seinem Gunsten zu stimmen gewußt, daß sie ihn sofort zu ihrem Rabbiner und Prediger ausgenommen haben, wozu wir beiden Theilen nur gratuliren können. — Ter Beschluß znm Umbau eigentlich Erweiterung der alten noch sehr gut erhaltenen Synagoge ist ein fait accompli, wird selber nächstens in würdigster Weise zur Ausführung kommen, und läßt das Zusammenwirken einer opferwilligen Gemeinde und eines jungen gelehrten und energisch auftretenden Rabbiners gewiß die herrlichsten Folgen erwarten. — Auch in Teplitz will sich in dem jüdisch-kultnellen Leben neues Regen und Schassen bemerkbar machen, wie wir bei einer zweiten Anwesenheit dort zu sehen erfreut waren. Wenn früher schon manches Gute geschehen, durch den Anschluß an die Stadtgemeinde große Dpfer gebracht und das Möglichste gethan ward, hinter der Zeit nicht zurückzubleiben, so ist von dem nun neu ereirten Borstand immer noch mehr zu erwarten da er größtentheils aus jungen thalkrüftigeu Männern besteht, die Energie mit gutem Willen verbinden um Teplitz die große alte Gemeinde wie Teplitz die Weltstadt, die in der Knrsaison Gäste ans allen Weltgegenden in ihrem Bereiche sieht, ans jene Stufe der Bollkommenheit zu bringen, die unter den Enltnsgemeinden Böhmens einznnehmen sie längst berufen ist. lieber die Wahl der neuen Repräsentanz spricht sich daS in Teplitz erscheinende Wochenblatt folgendermaßen ans: „Die Betheiligung an der Repräsentanz-Wahl der israel. Eultusgemeinde zu Teplitz war dieses Jahr eine ungemein rege, von 137 Gemeindegliedern haben 87 von ihrem Rechte Gebrauch gemacht. Es gab, wenn man es so nennen darf, zwei Partheien, eigentlich aber zwei Stinunführer, die Disziplin war nameutllch für die Wahl des Ausschußes eine ziemlich streng geregelte. Gewühlt wurden 0 Ausschüsse und 0 Beiräthe. Hievon dürften 14 der gewählten jener Paribei angehören, die Anhänger eines rationellen Fortschrittes im wahren Sinne des Wortes sind." Die Eonstituiruug der Repräsentanz und eigene Wahl des Vorstandes fand am 16. dieses statt und besteht die Repräsentanz gegenwärtig aus folgenden Herrn: Ludwig Glogau, Fabrikant, Präses, Leopold Bauer Syuagogenvörsteher, Siegmund Rindskops, Rechnungsführer, Salomon Laudesmann, Karl Aska.ias, Ignaz Bauer, Eduard Stern, Adolf Perntz, Simon Epstein. Als Anhänger des rationellen Fortschrittes werden diese i Herren der Wü:de einer solchen altehrwürdigen Gemeinde, wie es Teplitz ist, nichts vergeben und deren Mitglieder werden um so mehr eine achlunggebiethende Stellung in der Stadt einnehmen, als dieselben früher schon bei welcher Wahl immer, ein starkes Kontingent gestellt und in allen Bereinen, Kollegs und der Handelskammer vertreten sind. Sie werden gewiß nicht nur bemüht sein in ihrem Wirkungskreise als Cultnsvorsreher nach Innen thätigsr zu arbeiten, sondern auch nach Außen dahin zu streben, daß allgemeine Verständigung und allgemeine Verträglichkeit unter den Teplitzer Mitbürgern verschiedener Confessionen herbeigesührt werden wird. Auch die Gemeinde Soborten haben wir auf eine kurze Zeit zu besuchen das Vergnügen gehabt und haben in Herrn Vorsteher Taußig und H. Rechnungsführer Bloch Männer von Intelligenz und gemeinnützigem Streben kennen zu lernen Gelegenheit gehabt. Dem dort bemerkten, im österreichischen Kaiserstaate vielleicht einzig bestehenden Thurme mit jüdischen Zisserblatte an der Synagoge haben wir ein eigenes Gedichtchen gewidmet, das unsere nächste „Deborah" bringt. — C o r r c f p Zur Iiispt'clionsfrlige. Di ' Frage der jüdischen Schulinspektion ist bereits nach verschiedener Anschauungsweise ventiliert worden. Daß 1>er vormal. Redakteur dieser Blätter Herr I)r. Rosenaner mit gründlimster Sachkenntniß den Gegenstand erörtert, und beleuchtet hat, kann wohl kaum von irgend jemand in Zweifel gezogen werden; doch wenn von der Beaufsichtigung eines Instituts die Rede sein soll, so ist es nothwendig, daß dasselbe früher existiere. Ilm also über die Inspektion der jüdischen Schule zu sprechen, muß vor allem nachgewiesen werden, daß bereits Schulen, die zur Heranbildung der israel. Jugend im Geiüe des Jndenthums bestimmt sind, vorhanden sind. Wo aber begegnen wir in unserem weiten großen Reiche solcher Pstanzsrätten? Sind es etwa unsere ösfentl. Volksschulen, die eine so herzerhebende Bedeutung in ihrem Schoße zu bergen bestimmt sind? — Wohl möglia>; wodurch ließe sich jedoch eine derartige Behauptung rechtfertigen? Wodurch, frage ich anders, unterscheidet sich eine selch specistsche jüdische Volksschule von einer katholischen Pfarrschule? — Seien wir auch einmal ein wenig pedantisch, und suchen wir die ähnlichen und unähnlichen Merkmale heraus. In beiden wird Sprachlehre, Rechnen, Schreiben, Gesang und mitunter auch Zeichnen als obligat gelehrt. In der kathol. Schule wird das Evaagclinm, in der jüondcnr. dischen Schule der Katechismus von Wesselly, Breuer oder Kafka gelehrt. Ist dieß nun eine Schule, wie wir Juden als solche sie nöthig haben und wünschen können?— Wohl dürften von mancher Seite her mit Entrüstung über eine solche Schilderung der Verhältnisse demonstriert werden: „Wie haben wir nicht eine Schule, in der Bibel mit Eommentar, ebr. Grammatik etc. fleißig gelehrt werden? Warum also solche Verleumdung?—Doch das thut zur Sache nichts und erschüttert meine Behauptung mit keinem Worte. Wenn die eine oder die andere Gemeinde auch eine vorzüglich jü dische Lehranstalt aufzuweisen hat, so kann diese (die Schule, Ich wol rühmen, mehr geleistet zu haben, als ihr von rechtswegen vorgezeichnet ward; wie denn aber wenn mit dem Wechsel der Zeiten auch ein Lehrerwechsel der ^ache eine ganz entgegengesetzte Richtung gäbe, hätte dann irgend jemand das Recht gegen das Gebaren des neukreirten Protest einzulegen? Durchaus nicht, haben wir ja noch kein Gesetz, welches die Weisung gäbe, in wie weit eine jüdische Schule oder deren Pfleger jüdisch sein müssen! Und gibt es heute zu Tage nicht Lehrer, die das inmlticrte Ebräisch äußerst fehlerhaft lesen, und die Geschichte des Pentateuchs auf deutsch nicht kennen? Aber nicht etwa Privatlehrer, Hofmeister udgl. Korifäen, sondern schlichte Lehrer an ebrüisch-deut- . scheu Volksschulen, und wenn weiter nach der Existenz solj eher Phänomene geforscht wird, so findet man ihrer in ge- 15*

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