Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 14 (13.6.1865)
- Date
- 1865-06-13
- Page
- Seite 120 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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120 zu bringen. — Wollen wir Lehrer am Lande nach Kreisen uns versammeln und einen oder zwei Lehrer aus jedem Kreisbezirke wählen, welche bei der nächstens in Prag, dem Herzen Böhniens, bestimmten Versammlung zu erscheinen haben werden, um ein Endresultat in Be stimmung der Statuten zu erzielen, damit selbe den Bebörden endlich unterbreitet werden können, so daß der Verein im Beginne des nach sten Winters schon ins Leben treten möge. Da in den vorläufig festgestellten Statuten die Herausgabe eines Jahrbuches noch nicht beliebt war, erlaube ich mir meine Herren Eollegen hiemit aus ein von mir herausgegebenes und nächstens zu erscheinendes Werkchens unter dem Namen „Thauiropfen" ausmerksam zu machen, das Erzählendes und Belehrendes einhält, ferner als Prämien Neujahrs- und Geburtstag Geschenk für israelitische Kinder zu verwenden sein wird, dem vielleicht mehrere, ähnliche um so mehr folgen werden, als die jüdisch-deutsche Literatur derariiges noch wenig aufzuweisen hat. — Mit der Bitte, dag Sie geebrtcster Herr Redakteur, wie bisher bemüht sein wollen Ihren Einfluß aus das endliche Jnslebentrcten des Vereins thnnlichfi geltend zu machen, zeichne ich achtungsvoll. Moses Pick. Piichelli den 4. Juli 1*65. turiilr und iiuüumrtujr llruinlmtm Prag. r ic Prager Eultus Gemeinde Repräsentanz hat ihren früheren Präses Herrn Ernst Wehle wieder in dieser Eigenschaft gewählt und zwar in seiner Abwesenheit von Prag, da er gegenwärtig zum Kurgebranch in Maricnbad sich aust "lt. Tiefe Wiederwahl gereicht sowohl dem hochverehrten Veteranen afc? der geachteten Repräsentanz zur Ehre und wird dieser Beweis des Vertrauens und der Hochachtung gegen den verdienstvollen greisen Gemeindevorsteher gewiß eben so freuen, als er sich geehrt fühlen wird, und wird er hoffentlich wieder jenes Ehrenamt willig übernehmen, dem er so lange ruhmvoll vorgcstandcn. Möge ihn Gott uns noch lange erhalten, die jüngern Kräfte unserer vcrchrlichcn Repräsentanz werden ihm gewiß so lange stützend an die Hand gehen als Gott ihm Kraft geben wird, diesem heiligen Berufe „Ein Vater seiner Gemeinde" zu sein, sich widmen zu können. H. J. U, D. Friedrich Wiener Viccpräsident der Re präscntanz hat einstweilen die Stellvertretung übernommen und leitet er die Sst'-nngcn mit der ihm eigenen Geschicklichkeit und Veiitfclifjtcit und steht zu hoffen, daß den Interessen der Gemeinde gewiß in vollem Maaße Rechnung getragen werde. — * Wie wir dem Ben Ehananjah entnehmen dürfte der Um oder Neubau eines Tempels in Prag ad calendas graecas hinansgeschoben sein. — * Dem Ben Ehananjah wird ans Prag unter Andc rem geschrieben. „Der Tberjurist H. Samuel Freund, Mitunterzeichner des famosen „Mcssiasdckrcts" hat gelegentlich einer Grabrede ansgcführt, cs sei nicht nothwendig an einen persönlichen Messias zu glauben. — Wenn alle Völker der Erde an einen Einig Einzigen Gott glauben werden, fei co ipso die McffiaSzcit gekommen, überhaupt scheint Rabbi Samuel Freund in letzter Zeit gewaltig liberal worden zu sein. — * Die öffentliche Sommcrscmcstralprüsung an der prager Joscfstüdtcr Unterrcal Haupt und Mädchenschule findet am 2. o. und 4. August 1. I. statt. Die Prüfungen der Privatuntcrrichtetcn wird am 27. Juli in genannter Schule stattsindcn. - * Die Zeitung des Judcnthnms bringt folgende Re zensioin Predigt gehalten am 1. Tage des Wochenscstes 5n»25> in der Snnagoge zu Landsbcrgau an der Wartha vom Dr. Wilhelm Klcmpcrcr Rabbiner. Wir lernen in dieser Predigt einen jüngern recht tüchtigen Redner kennen, der mit Geist und Gcmüth eine schöne Sprache spricht und voll echter Begeisterung ist. Es wird hier die Thora nach dem Midrasch i mit dem Del verglichen, und in gemessenster Weise der Vergleich durchgcsührt ist. * Wieder haben wir eine kleine Tour übers Land ge macht und die vorzüglichsten Drtc, die wir diesmal besucht! haben, sind stkakonitz und Pilsen, eine alte und eine! jüngere Enltnsgcmcinde, die beide daran arbeiten, ihre rcli; giöscn und kommunalen Anstalten kräftigst zu heben und ans einen höheren Punkt der Vollkommenheit zu bringen; beide in öechischcn Drtcn sich befindend, ist crstere doch vorwiegend slawisch, weil letztere mehrere oder die meisten ihrer Mit glicder aus deutschen (legenden rckrulirie, zudem in crstercr Schule und Umgangssprache cechisch sind. — Mit dem Zu nehmen an Gcmcindemitglicdcrn hat sich nun die Rakonitzcr Gemeinde an deren Spitze thätigc und energische Männer stehen, veranlasst gefunden, das alte Gotteshaus, eines der schönsten und trcfflichst ansgcführtcn in Böhmen, das ta pcllenartig gebaut mit einer Knppcllaterne versehen ist, mit tclst Einrichtung von Sitzen, wie sic nun allgemein eingc führt sind, durch Herstellung eines Emporiums, durch Rcno virnng der Malerei und der Gesctzladc, durch neue Vergol düngen und sonstige Verzierungen würdigst hcrzurichtcn, wie Zeit und Population cs erfordern. Und hoffen wir nächstens über die Rcnwcihc dieser Shnagogc ein mchrcres bringen zu können. Der geachtete und würdige Rabbiner H. D. Prazat der schon durch mehrere Jahre hier fungirt, durch seine in haltsreiche Predigten und Vorträge Religion und Gemein sinn zu pflegen und zu heben versteht, har nicht nur den Unterricht der Religion an der jüdischen, dann der Haupt und Dber- und Unter-Realschule, er ist auch dort Lehrer der französischen Sprache und steht sowohl bei den Herren Leh rcrn als den Beamten und Honoratioren in geachtetem An sehen. Der brave Gcmcindelchrer Herr Kohn beklagte sich nur darüber, daß ihm für seinen Unterricht in den hebräischen Gegenständen zu wenig Spielraum bleibt, nachdem die Schüler des ganzen Tages fast an der Haupt- und Realschule beschäftigt wären, und den ganzen Tag angestrengt, an den wenigen Abendstunden einem Unterrichte nicht viel Aufmerksamkeit schenken, der zumeist in Ucbcrsctzung ins deutsche be steht, für welche Sprache sie wenig Vcrständniß haben, da Erziehung und Schulbildung hier rein cechisch und. Es dürfte dieser Uebclstand wohl in allen rein ccchischcn Trten Platz greisen und wäre cs wirklich der Beachtung über die scn Gegenstand allgemein zu bcrathcn. wie cs zu ermöglichen sein dürste, dem jüdischen Unterrichte an solchen Drtcn Vor schilb zu leisten in so lange wir nicht Bibeln mit böhmischer Ucbcrsctzung und Lehrer haben, die der ecchischcn Sprache wie der deutschen mächtig sind. — Um nun aus Pilsen zu kommen ist diese zweilc größte Stadt Böhmens in letzter Zcir auch zweiic größte in Bczie hung ihrer Bestrebungen ihre enltnellcn Anstalten und Ein richtnngen auf den vorzüglichsten Punkt zu bringen, und cS ist gewiß keine zweite Gemeinde in Böhmen, die in der kurzen Zeit von 7—s Jahren ein treffliches Gotteshaus mit den vorzüglichsten Einrichtungen, ein schönes und geräumiges Gemeindehaus mit einem neu eingebauten Schnlhansc, einem Gemeindebadc, wie kaum andcrorts zu finden sein dürfte und einen umfangreichen (Gottesacker mit einem an denselben angcbauten Tobten und Wächtcrhausc ihr Eigcnthum nennen könnte. Der unzähligen wohlthätigeu Unterstützung, Gaben und Beiträgen ungeachtet zu deren Leistung die Mitglieder dieser würdigen Gemeinde täglich in Anspruch genommen werden. — Man muß cs zur Steuer der Wahrheit bekennen, daß den Pilsner Gcmeindcmitglicdcrn kein Dpfer zu groß ist, wo es sich um allgemeine oder cultncllc Zwecke handelt. Einen neuen Beweis hicsür gibt die Anstellung eines vorzüglichen Eantors in der Person des Herrn Kraus, der mit ausgezeichneten Stimmitteln begabt, zur allgemeinen Zufriedenheit, sowohl der Einheimischen als der Marktgästc. am letzten Vormarktsabbal znm erstenmal sungirle. — Der Schnlangelegcnhcit wäre zu wünschen, daß sic zur allgcmei neu Zufriedenheit gelöst werden möge, und ist dies leider nicht der am meist zufriedenstellende Punkt in allen jüdischen Gemeinden. — Möge bald eine Zeit kommen, wo dieser An-