Das Abendland
- Journal
- Das Abendland
- Volume
- II (1865)
- Issue
- 14 (13.6.1865)
- Date
- 1865-06-13
- Page
- Seite 119 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 119 — eine Eultusgemeindc gebildet hat, wie wir bereits in der „Zeitstimme" dessen Erwähnung gcthan haben. — Bon Außig führte uns der Train Sonntag Morgens nach Teplitz, wo Alles so geht, wie es immer gegangen, und wo man besonders im Sommer recht lebt. Wohlthätigkeits- und Gemeindeanstalten sind im besten Zustande und war die Zeit unseres Aufenthaltes da zu kurz um etwas Näheres hierüber zu erfahren und es unfern geschätzten Lesern mitzutheilen zu können und wäre cs uns recht lieb, über die dortigen Zu- und Umstünde etwas Näheres zu erfahren, aber leider bleibt es immer bei dem Wunsche, und will cs uns nicht gelingen, über die Gcmeindcangelegenhciten am 9ande eine genauere Kenntniß zu erlangen. Indeß war cs uns doch ermöglicht, den Herrn Ärcisrabbiner D. Pick zu sehen, der uns die Versicherung gab, unscrm Unternehmen nach Möglichkeit an die Hand zu gehen, ferner das Erziehungsinstitut des H. Schweiger zu besuchen, wo wir nicht nur die größte Ordnung, treffliche Lehrmittel und gute Lehrer und Lehre rinnen angestcllt fanden, sondern auch mit Vergnügen bemerkten, in welch gutem Rufe die Schule steht, wie sie zahlreich frcquentirt wird und ihrem strebsamen thätigen und tüchtigen Leiter und Vorsteher ausreichende Beschäftigung und verdiente Anerkennung verschafft. — Der lange schon ausgesprochene Wunsch eines nöthigcn Umbaues oder einer Vergrößerung der Teplitzcr Synagoge ist immer noch seiner Erfüllung nicht näher gekommen, und können wir hier nur die Bemerkung aussprcchen, daß cs im Leben des Individuums wie der Gemeinde nur die Zeit der Jugend ist, wo angcstrebt, gearbeitet, der Thätigkcit und Opferwilligkcit Alles möglich wird, während der alte Körper sich gehen läßt, wie er eben geht, nichts mag und nicht will, sich immer mit dem Hergebrachten zufricdenstcllt, kargt und spart, und ans seiner Behaglichkeit sich nicht gerne hcrausstörcu läßt. Eine (5rflä rungsart mehr, wie Israel eben durch die über ihn verhängten Wanderungen und Eolonisirungcn stets an Lcbcnsfrischc und Werkthätigkcit, wie an Eiser für seinen Glauben nur gcwin- I neu konnte. — Das Alte, lange Ausüßigc in alter Gcwohn- | heit Hinlcbendc und Verknöcherte, begnügt sich auch gerne i mit dem Alten und muß entweder die Rothwcndigkeit oder > ein äußeres auf es ein cinwirkendcs Moment hinzutrctcn, um; in demselben Regung und neues Leben zu wecken. (Schluß folgt.) Corrksponden). Pädagogische Briefe. VIII. Prag, in Juli 1865. Artikel VI. in Nro. 12 deö Abendland bespricht die Stellung der Lehrer an den zumeist noch nicht konzessionierten jüdischen Gemeindeschulen Böhmens. Dieser mag, wie es jeder Meinungsäußerung zu ergehen pflegt, je nach dem Standpunkte des Lesers, günstige und ungünstige Bcurtheilunq gefunden haben. Die eine Partei, — sieht ihn als Echo ihrer eigenen Empfindungen an, und wir nehmen keinen An stand, auch uns unumwunden zu derselben zu bekennen. Wenn wir nach diesem Bekenntnisse uns doch noch in Behandlung desselben Themas einlassen, wolle man es unö zu gute halten. „Gewisse Dinge lassen sich nicht oft genug sagen." Eine andere Partei würde — in Ermanglung einer andern Einwendung — fragen, wie doch eine solche Besprechung in die Rubrik pädagogisch - didaktischer Briefe gehöre, in eine Rubrik, die dem Zwecke gewidmet wurde, die Mängel des speziell jüd. Unterrichtswesenö hervorzuheben und ihre Verbesterung zu er zielen. Und doch finden wir dieß gerade hier an seinem Platze und zwar aus Gründen, die wir im Nachfolgenden darlegen wollen. Das allererste, was wir voraussetzen, wenn wir erwarten, daß der Lehrer mit Erfolg seinen Berusspflichten obliege, ist, daß er stets mit Freudigkeit, mit gehobener Stimmung an sein Tagwerk gehe. Wird ja überhaupt kein Geschäft gut verrichtet, wenn nicht mit Lust und Liebe daran gegangen wird. Wir wollen davon absehen, daß die materielle Lage des jüd. Lehrers eben nicht geeignet ist, in ihm den Amtseifer und die Berufsliebc lebendig zu erhalten oder gar neu zu beleben; nicht etwa, weil man die darüber geführte Klage nicht als gerechtfertigt gelten ließe, indem man auf die allerdings in der Regel niedriger« Gehalte ihrer christlichen Berufsgenossen Hinweisen würde; denn darauf würden wir fragen, ob auch .die Leistungen unserer Gemeinden zu jenen der christlichen in dem Berhällnifie stehen, wie sie im Hinblick auf ihre in allen ungleich größer» Ansprüche stehen sollten.— Wir fragen vielmehr: Woher soll dem jüdischen Gemein delehrer die nöthige Freudigkeit kommen, wenn seine ganze Existenz den Wechselfällen einzelner Gemeindeglieder preis gegeben ist; wenn seine Stellung durch die Laune jedes einzelnen Paters erschüttert und unhaltbar gemacht werden kann, wenn er sich in einer Gemeinde nur als vegetierendes Wesen, als Eintags- (treu übersetzt Einjahrsstiege;) an sehen muß, wenn er stets das Damoklesschwert des allezeit möglichen Fortgeschicktwerdens über seinem Haupte schweben sicht, wenn er nicht den lieblichen Gedanken Wurzeln fassen lasten darf, in dem Orte seines Wirkens eine zweite Heimat gefunden zu haben? Ein zweiter Umstand, den wir bei dem stets pflichtreuen Lehrer voraussetzen, ist, daß dieser sich stets der ihm durch sein Amt verliehenen Würde bewusst sei. Wie können aber unsere Gemeindelehrer resp. Schulhalter, zu die sem Bewusttsein gelangen? Etwa auch durch ihr Amt? Als ob ihre gesetzlich gar nicht zulässige Dienstgeschäftsführung auch eine Amtsthätigkeit zu nennen wäre. Wir verstehen unter einer Amtslhätigkeit das Wirken in einem wistenschaftlichen Berufe, zu dem jemand unmittel bar von der komperentm Behörde oder allenfalls — mit ihrer Zustimmung bestellt wurde, und uns ist wenigstens nicht bekannt, daß die Behörde Lehrer für nicht konzessionierte Schulen bestimmte oder be stäligte. — Doch wozu daö Bewusttsein der Lehramtswürde von einer behördlichen Zustimmung abhängig machen wollen? Run, es mag erhebend sein, sich mit einer Würde bekleidet zu wisteu, die eben nur der Eigendünkel geboren, mit einer Würde, von der man weiß, daß man ihrer nur noch nicht vom Richter entkleidet wurde, weil gerade noch kein Kläger aufgetreten ist.-Wem eine gewisse Würde verliehen wurde, oder wegen bereits vorersüllter Bedingungen verliehen werden darf, der hat auch billigerweise das Recht, den ihm in Folge dessen gebührenden Rang in der bürgerlichen Gesellschaft einzunehmcn. Wie und wo sollen jedoch unsere Schulyalter dieses Recht beanspruchen? Bei der Behörde? Für diese existieren sie als Lehrer nicht und wenn ja als solche, so zugleich als Individuen, die im Widerspruche mit ihren Gesetzen wirken. Bei der Gemeinde? Die sieht ihren Lehrer nur als Werkzeug an, das man so lange beachtet, als es jedem einzelnen Familienvater nach seinen speziellen Wünschen Dienste leistet, und das man nach Willkür immer wieder mit einem andern vertauschen kann. Bei den Berufsgenosien seines jeweiligen Domizils? Diese stehen entweder mit ihm auf gleicher Stufe oder auf der, die er eigentlich ersteigen will. Bei erstem hat er nichts zu suchen, bei letzter» gilt er wieder, wie man zu sagen pflegt, als Unberufener, der ihnen ins Handwerk pfuscht; und abermals, und wieder abermals nur deshalb weil er ohne behördliche Einwilligung thätig ist. Das sind angenehme Bcrhältnisse für einen Lehrer! Wer wird dann noch verwundert stagcn, wie Klagen über Stellung zu Erörterungen von Untcrrichtsfragen gehören? Muß man nicht vielmehr darin die Erklärung finden, daß erst alles wegzuräumen ist, was in dem Lehrer nicht die nöthige Stimmung aufkommen lässt, dem bestem Unterrichtswege nachzuforschen oder zu folgen und seinen guten Willen zu bethätigen. Nicht jedermann ist es gegeben, sich mit stoischer Gleichgültigkeit über alle seine trüben Lebensverhältniste wegzusctzcn, und unser materielles Zeitalter wird, wenigstens sollte es vom Lehrer auch nicht fordern, was es von sich durchaus nicht fordern möchte. E. Stein. Der Lehrerverein. . Geehrter Herr Redakteur! Im Namen der Lehrer meiner Umgebung, und wie ich glaube, im Namen aller Lehrer unseres lieben Vaterlandes wollen Sie hiemit den Dank dafür entgegennehmeu, daß Sie der Angelegenheit des Lehrervereins in Ihrem gemeinnützigen Blatte wieder einen Nauru gönnen und das schon todtgeglaubte Kind unserer Bemühungen und Hoffnungen wieder zum Leben und thätigem Wirken erweckt haben. Es ist dieser Verein und die Aussichten, die er uns bietet, der Hoffnungsanker im Meere, der dem lange herumgewanderten Lebensschiffe deö Lehrers einen sichern Haltpunkt in Aussicht stellt, eine Oase im wüsten Leben des Schulmannes nach welcher sein Auge sehnsüchtig sucht, um in dessen wohllhuende Schatten von der ermüdenden Reise endlich auszuruhen.— Oeffentlicher Dank hiemit auch jenen Männern, die es nicht verschmäht haben, sich an die Spitze dieses Vereins zu stellen. Männer, die vielfach beschäftigt, es nicht unterlassen durch ihr Bemühen ein Werk zu schaffen, das längst ein Bedürfniß, ganz dazu angethan sein wird, den armen Lehrer und Familienvater mit seinem Berufe mit seiner Lage auszusöhnen. — Aber auch wir wollen die Hände nicht in den Schoß legen, auch wir wollen unserseits das Mögliche thun, um das nun einmal begonnene und zum Theil begründete der vollkommenen Ausführung entgegen