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Das Abendland · 1865-06-22 · 13 (22.6.1865) · p. Seite 113

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Journal
Das Abendland
Volume
II (1865)
Issue
13 (22.6.1865)
Date
1865-06-22
Page
Seite 113 (sequence 7)
Language
German
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113 wohiiern UnoaritS sind fS blosi 10.000, bit dem Treiben dieser Fanatiker Am'mrlksamkeit schenken, und das ist das beste an der Sache. — Wenn cs wabr ist was behauvkcl wird: „Ter Styl ist der Mann", so wögen die Anwälte der Orthodoxen in Ungarn alle so ansirben wie dieser Ainiouceiischmied, und sic werden kaum einen großen Schaden machen." — Bon der standeshanvtstadt hossen wir bald Ersrenlicheberichten zu können, vor der Hand find die Bcrgänge bei der Boistchcrmahl nicht sehr erquicklicher Natur. — Pcllak Reti^ionülehrcr. AislUe und uuömörtiiK llniinlu-itni. Prag. Am 19. dieses M. sind bei der hiesigen Gemeindercpräsentan; die in den letzten Tagen stattgesundencn Wahlen für diesen Körper bestätigt worden. Am vergangenen Sonntag als am 18. fand die Versammlung des TcmpelvereinS statt. Ans dem NechnungSberichte ergab sich ein Vcrzinsverinögen von 13.617 fl. 74 kr. daS zumeist anS StaatSpapieren besteht. Der Projcktirte Umbau deS nun bestehenden Tempels ist auf 100.000 fl. veranschlagt, für welchen Betrag bereits 50.000 fl. subskribirt und 14.252 ft. Ungezählt find Zum Beschlüße kam, daß erst in 6 Monaten wieder eine außerordentliche Generalversammlung zusammen treten wird nin den Bericht über den Erfolg der weiteren Bestrebungen in dieser Richtung, entgegenzunehmen. Die beschloßene dcffinitive Anstellung deS Tempelpredigers H. Professor Dr. Kämpf, war das vorzüglichste Resultat dieser Sitzung. Uebrigcns wurden die Herrn S. K. Frankel und Georg Fcigel einstimmig wieder zu Vorstehern gewählt, ferner H. Dr. Iuris Jakob Braun zum Sekretär und die Herren A. Amschclberg, Stadtrath Karl Bondy, Samuel Fischcl, PinkaS Freund, Leopold Pollak, Med. Dr. Emauuel Pribram und Ignaz Stark zu Bciräthen. * Herr Jakob PaschcleS, bekannt durch seine umsichtige Redigi-ung der Sippurim als wolgeordnete Zusammenstellung des „ilustrirten Votkskalenders", erhielt von der h. k. k. Statthalterei die Conzeffion für den hebräischen Buchhandel. Wien. Für den, durch Ableben des seligen Mannheimer erledigten und von dem Wiener Eultusgemeindevorstande in Eoncurs ausgeschriebenen Posten eines Predigers haben sich bereits gemeldet: H. Dr. Kaiscrling Rabbiner in Emdingcn (Schweiz), Schwiegersohn des H. Rabbiners Dr. Philipsohn in Bonn, ferner Herr Dr. Löwenstein, Prediger in Lemberg. Pcst. Bei der Anwesenheit seiner Majestät des Kaiser Franz Joseph in Pcst begab sich eine Deputation der Alt- Ofner israelitischen Knltusgemeinde, unter Führung des OberrabbincrS Hrn. Hirsch und Gemeinde-VorstandesHrn. Stern, um Se. Maj. für den erhaltenen Aushilfsbeitrag pr. 2000 fl. für die dortige Hauptschule den untcrthänigsten Dank abzustatten. Dcutski land. Aus Frankfurt an der Oder wird folgendes berichtet: Eine jüd. Witwe zu Schcrmeiscl, Kreis Sternbc.g, brachte ein Wz, Jahre altes Mädchen, das längere Zeit kränkelte, in das Spital des Johanniterordens zu Sonnenbnrg, wo cs auf Verwendung mchrer aufgenommen ward. Der Zustand deö Kindes verschlimmerte sich in letzter Zeit so sehr, daß jede Stunde die Auflösung derselben zu erwarten stand. — In diesem Zustande nun ist die Kranke durch den Geistlichen des Krankenhauses, Herrn Prediger Bartusch zur Christin getauft worden. Der Vorstand der jüd. Genieinde zu Sonnend rg, vor der Zeit hievon in Kcnntniß geatzt, hatte, aber zwei Eultusbeamten ins Krankenhaus geschickt, um gkgen die Taufhandlnug zu pro stircn. Sie wur den jedoch nicht gehört nd der Tausakt vollzogen. Die Mutter des Mädchens hievon benachrichtiget, kam mit dem Vormunde des Kindes und verlangten die Auslieferling desselben, ihrem Verlangen ward nicht willfahrt, und erhielten sie ein ärztliches Zeugniß, daß die Kranke intransportabel sei. Die Frankfurter Regierung hat nun auf Einschreitci. der Beteeffcnden die Taufe für null und nichtig erklärt, worauf das Kind aber erst als Leiche seinen Angehörigen übergeben und auf 'dem jüd. Gottesacker begraben wurde. Der Banquicr Herr S Mund hat das Verdienst sich für die Sache thätigst verwendet zu haben. — Berlin. Zum ersten Male vielleicht seit dem Bestände der preußischen Monarchie erfuhren auch Mitglieder unserer Gemeinde die Ehre zur königl. Soirc geladen, oder wie cs im offieiellen Style heißt, besohlen zu werden. Der König und d,e Königin haben sich bei dieser Gelegenheit gegen die Vorsteh.r unserer Gemeinde freundlich gezeigt und sie ihres Wohlwollens versichert. — Stettin. Der kommandircnde General vou Stcininctz, welcher an der Spitze der 2. Armee steht, hatte bestimmt, daß einjährige Freiwillige jüdischen Glaubens nicht znm Landwchroffizicr-Examen zugclassen werden sollen. Auf eine hingegen gemachte Beschwerde an Sr. königliche Hoheit den Prinzen, ist jener Erlaß aufgehoben worden. Italien. König Viktor Emanuel oder seine Regierung versteht eS durch Gleichberechtigung aller Staatsbürger sich das Her; derselben zu gewinnen. — Das finstere fanatische Neapel, das im Jahre 1492 dem Jizchak Abarbancl nach dessen Vertreibung ein Asyl bor, hat ihn im Jahre 1495 wieder vertrieben, und seit dieser Zeit durfte nur ein Mitglied des Hauses Rothschild sein Domizil dort nehmen. Run ist es, wie in ganz Italien, anders geworden. — Nicht nur, daß dort viele israelitische Familien wobncn und sich dort eine Cultusgcnrcinde gebildet, die ihre Synagoge und ihren Rabbiner hat, cs ist sogar der Fall vorgekominen, daß in Neapel ein vor Jahren znm Ehristcnthume übergcgangene Mann als Greis nun öffentlich zum Glauben seiner Väter znrückgetrctcn ist. — Neapel, den 5. Mai. Soeben habe ich einer ebenso interessanten wie ergreifenden Cercmonie altgewohnt, die in der hiesigen Synagoge statthatte. Ein Greis mit weißem Barte, ans dessen Gesichte man die Spuren schwerer Leiden und Kämpfe laS, der vor vielen Jahren dem Glauben seiner Väter untreu geworden war, trat heute aus freiem Antriebe und ohne irgendwie von seinen früheren Glaubensgenossen beeinflußt worden zu sein, in die Reihen Israels zurück. Seit langer Zeit hatte dieser Mann vom Rabbiner und Professor Artom seine Wiederaufnahme verlangt; allein der letztere wollte ihm Zeit lassen zur Reue; auch wollte er sich erst von der Wahrheit der von dem Greise in Betreff seiner Bekehrung gemachten Angaben überzeugen. Nachdem nun im Laufe von sechs Monaten die sorgfältigsten Erkundigungen eingczogcn waren, die sämmtlich zu Gunstm deS Eonvcrtitcn auSflelen, fand heute seine feierliche Wiederaufnahme vor einem zahlreichen Auditorium statt. Der Rabbiner hielt eine Rede, in welcher er darlegtc, daß nur diejenigen achtungSwerlh feien, welche trotz Unduldsamkeit und Vorurthcile ihrem Glauben treu bleiben; dann rief er den reuigen Sünder vor die heilige Lade, führte ihm sein vergangenes Leben vor Angcn und sagte ihm, daß, wenn er auch durch das Verlassen seiner Religion schwer gesündigt habe, die Reue Alles wieder gut mache. Der Herr Rabbiner prüfte ihn dann öffentlich, und aus den Antworten des Greises ersah man die Austichtigkeit seiner Gesinnung, die er durch den feierlichen Eid, von nun an ein wahrer Jude sein und bleiben zu wollen, bckräft:gte. Die zitternde Stimme des Greises, sein thranenerfüllieS Auge und die gewichtigen Worte, die an ihn gerichtet wi.rdcn, ergriffen alle Anwesenden auf's Tiefste." — Frei und ungehindert können unsere Glaubensgenossen jetzt fast überall dem Gotte unserer Väter dienen — möchte

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